Kategorie: Roman

Quälend gut!

In der Regel lese ich abends im Bett, um mich zu entspannen und danach in einen erholsamen Schlaf zu sinken.
Da ich normalerweise keine blutigen Krimis oder grausamen Thriller lese, ist meist ein friedlicher Schlaf möglich. Dass es auch anders geht, musste ich vor kurzem am eigenen Leib erfahren. Ganz ohne Blut, ohne Mord und Totschlag und ohne Autoverfolgungsjagd hat mich ein Buch eine ganze Nacht lang wach gehalten.
„Ewig Dein“ von Daniel Glattauer heißt dieses Aufputschmittel, ein Buch, das ich in einem Rutsch gelesen habe… lesen musste!

Wer davon ausgeht, dass sich hinter dem Titel „Ewig Dein“ eine Liebesgeschichte verbirgt, der befindet sich auf dem Holzweg. Obwohl… um Liebe geht es allenfalls, aber um was für eine Liebe? Oder, ist das überhaupt Liebe?
So viel Zeit für Analyse hatte ich während der Lektüre jedoch nicht, denn mein einziges Ziel war es, endlich herauszufinden, ob die Geschichte ein gutes oder ein böses Ende hat.
Ja, extrem spannend ist dieser Roman. 206 Seiten einer Geschichte, auf die man schnell süchtig wird.

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Zuhause ist das, was man vermisst

Mascha ist jung, intelligent und kann neue Sprachen mit besonderer Leichtigkeit lernen. Ihr Leben und ihre Welt sind von einer gewissen Internationalität bestimmt, ihre Gedanken kennen keine Grenzen. Aber Mascha ist nicht zufrieden, sie weiß nicht, was sie vom Leben und den Menschen, die ihr nah stehen, erwarten soll, oder was sie zu geben hat. Nach einem tragischen Ereignis trifft Mascha eine Entscheidung, die ihr helfen soll, alles hinter sich zu lassen und ein neues Leben anzufangen. Leider kommt alles ganz anders, als sie es sich vorgestellt hat.

Das ist die Geschichte von Mascha, der ungewöhnlichen Heldin von Olga Grjasnowas Erstlingswerk „Der Russe ist einer, der Birken liebt“, einem Roman, der berührt.

Olga Grjasnowa gewährt uns einen tiefen Einblick in die Seele einer jungen Frau, die alles andere als einfach ist. Mascha ist kompliziert, ihre Beziehung vor allem zu denen, die sie lieben, ist zwiespältig und konfliktbeladen. Sie trifft ständig falsche Entscheidungen und verletzt die Menschen, die ihr am nächsten sind. Und das realisiert sie oft erst dann, wenn es zu spät ist; sie quält sich mit Erinnerungen und mit Sehnsüchten. Sehnsüchten nach einem Zuhause und nach Menschen, die sie selber verstoßen hat.

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Liebe oder Qual?

Matthias Nawrat hat mit „Wir zwei allein“ ein Buch geschrieben, das sehr gut schildert, was passieren kann, wenn zwei Menschen, die nicht unterschiedlicher sein können, und zusätzlich sehr unzufrieden mit ihren Leben sind, zusammen kommen und dabei denken, dass sie in einander verliebt sind. Das hört sich eigentlich ziemlich pathetisch an… ist es auch.

Ein Mann verliebt sich in eine Frau, von der er sich ziemlich sicher ist, dass sie seine Gefühle nicht erwidert; träumt von ihr und malt sich ein gemeinsames Leben aus. Bis eines Tages diese Frau ihn überrascht, indem sie ihm zeigt, dass sie eine Nacht mit ihm verbringen will. Was danach passiert, könnte sehr gut ein Kapitel des Psychologie-Klassikers „Grundformen der Angst“ von Fritz Riemann bilden.

Matthias Nawrat hat seine Geschichte vor den Kulissen des Schwarzwaldes spielen lassen. Seine Beschreibungen der Landschaft sind liebevoll und teilweise sogar leidenschaftlich. Seine Protagonisten sind mit der Heimat verbunden und vermitteln diese Liebe zum Schwarzwald.

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Oberbayrische Unbeugsamen

Einleitung, um ein Buch von Jörg Maurer zu lesen:
Lassen Sie sich nicht verirren! Lesen Sie, auch wenn Sie meinen, Sie verstehen wenig und lachen viel. Das ist schon mal richtig.
Wenn Sie glauben, dass das, was in den unterschiedlichen Kapiteln geschieht, nichts mit dem zu tun hat, was Sie in dem Klappentext gelesen haben… dann brauchen Sie etwas Geduld, denn Jörg Maurer ist Meister im Ablenken, er bringt aber den Leser am Ende sicher zum Ziel.

„Oberwasser“ ist der vierte Roman um Kommissar Hubertus Jennerwein, diesen ganz unauffälligen Mann, der in seinem Heimatdorf im Werdenfelser Land, Oberbayern, ermittelt, und sein unschlagbares Team.
Diesmal scheint Kommissar Jennerwein an seine Grenzen zu stoßen, so schwierig war vorher noch kein Fall! Denn da, wo BKA-Sondereinheiten nicht weiter gekommen sind, soll ausgerechnet Jennerwein Ergebnisse liefern. Alle Hoffnungen sind auf ihn gesetzt. Und die entscheidende Hilfe bekommen Jennerwein und sein Team von jemandem, von dem sie es niemals erwartet hätten.

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Aus der Sicht der kleinen Schwester

Marion Brasch hat mir mit ihrem Debütroman   „Ab jetzt ist Ruhe“ unglaublich genussvolle Lesestunden beschert.
Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes: Es ist die Geschichte einer Familie jüdischer Abstammung in der DDR, aus der Sicht der „kleinen Schwester“ erzählt. Eine Familie, die es nicht ganz so einfach hatte, trotz der Privilegien, die sie genossen hatte, denn der Vater war ein hoch angesehener Funktionär.
Warum diese Familie so war wie sie war, was deren Mitglieder bewegt hat, mit welchen Konflikten sie leben musste und mit welchen Vorurteile sie konfrontiert wurde, erfahren wir in diesem wunderschönen Buch von Marion Brasch.
Aber auch sehr viel Schönes lesen wir, denn nicht alles war negativ, nicht in dieser Familie, auch nicht in der DDR.

Marion Brasch schafft es mit ihrem Erzählstil, dass der Leser in ihre Geschichte eintaucht. Man fühlt mit dieser kleinen Schwester und man kann sich sehr gut ihre Welt vorstellen. Man begleitet sie auf ihrem Weg, der sie immer wieder zu ihrer Familie zurückführt, auch wenn sie sich oft das Gegenteil gewünscht und vorgenommen hat.

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Ferngesteuertes Drama

Ist Ihr Handy weg? Wie fühlen Sie sich? Haben Sie schon Schweißausbrüche? Oder haben Sie Ihr Handy doch wieder gefunden? Oh… es ist aber das falsche…

Madeline und Jonathan merken, dass sie ihre Handys aus Versehen vertauscht haben. Das stellen sie erst fest, nachdem sie zu Hause angekommen sind. Leider lebt Madeline in Paris und Jonathan in San Francisco. Sie trennen 10.000 km.
Was soll man in so einer Situation machen? Die Neugier besiegen und so schnell wie möglich dem Besitzer das Telefon zukommen lassen?

Sie entscheiden sich dagegen, schließlich wird das keiner merken, wenn man ein bisschen neugierig ist… ein paar sms liest… vielleicht die gespeicherten Fotos betrachtet… Und genau das wird für die Beiden zu Obsession. Irgendwann können sie nicht mehr aufhören, an die Inhalte dieser Telefone zu denken und sie setzen sich als Ziel, alles über den jeweils anderen zu erfahren, was es zu erfahren gibt. Mit fatalen Folgen.

Spontan entstand in mir der Verdacht, dieser Roman könnte eine Handlung à la Glattauer beinhalten. Aber sehr schnell war dieser Verdacht wieder weg. Guillaume Musso hat mich mit seinem Roman „Nachricht von dir“ überrascht.

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Hauptsache wir sind nicht allein

Eigentlich ist Mae eine ganz Liebe, auch wenn sie schon als junges Mädchen ein wildes Leben auf den Straßen Wiens führte, auch wenn sie sogar oft mit der Straßenbahn schwarz gefahren ist und sie ihre Mutter sehr lange nicht besucht hat.
Mae will leben, sie lässt sich nicht unterkriegen und ist sogar bereit, über ihr Leben und ihr eigenes Verhalten zu reflektieren… aber vor allem: Sie ist nicht gerne allein.

Mae ist die junge Heldin von „Chucks“, dem ersten Roman der auch jungen und sehr sympathischen österreichischen Autorin Cornelia Travnicek.

In „Chucks“ erklärt Mae dem Leser ihre innere Welt. Aber auch wenn sie in dieser Geschichte die Erzählerin ist, ist es nicht so einfach, sie zu verstehen.
Sie stellt uns Leser vor einer Aufgabe: Aus vielen Puzzleteilen muss man Maes Geschichte rekonstruieren. Die Lektüre erfordert Aufmerksamkeit, um zwischen den Zeilen die wichtigen Details zu erkennen, die uns den Weg zu Maes Herz frei machen. Aber auch Mae erobert unser Herz. Sie ist mutig, sie ist ehrlich und sie besitzt einen „Niedlichkeitsfaktor“, den sie zu ihrem Vorteil einsetzt, nicht nur bei den Menschen, denen sie begegnet. Auch außerhalb des Buches, bei uns Lesern, wirkt ihr Charme, ohne Zweifel.

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Einfach großartig!

„Die psychologische Manipulation ist eine Waffe wie jede andere, nicht mehr und nicht weniger zuverlässig, aber die einzige, die das perfekte Verbrechen ermöglicht“

Die französische Schriftstellerin Hélène Grémillon hat einen grandiosen Roman geschrieben, der zu meinen Highlights, nicht nur in diesem Jahr, zählt: „Das geheime Prinzip der Liebe“ (französischer Originaltitel „Le confident“).

Was veranlasst zwei Frauen, eine Entscheidung entgegen aller Vernunft zu treffen, die ihr Leben komplett verändert? Eine Entscheidung, die sogar Leben zerstören kann… und zwar das Leben von mehreren Menschen!
Das Erste was zerstört wird, ist die Freundschaft dieser zwei Frauen, gerade die Freundschaft, die so stark zu sein schien, dass sie diese Entscheidung möglich machte.

Anonyme Briefe, die Camille regelmäßig bekommt, erzählen diese seltene Geschichte über eine außergewöhnliche und selbstzerstörerische Beziehung zwischen zwei Frauen in den schwierigen 40er Jahren im vom Zweiten Weltkrieg gepeinigten Frankreich. Camille lebt im Paris der 70er Jahre. Sie ist Verlegerin. Während sie die Briefe liest, fragt sie sich die ganze Zeit, ob sie selbst etwas mit der Geschichte dieser Frauen zu tun hat oder ob diese Briefe nur die geschickte Methode eines Schriftstellers sind, um sie auf sein Manuskript aufmerksam zu machen.

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Ein großes Fragezeichen

Für Benjamin Lebert ist unser Planet in zwei große Bevölkerungsgruppen geteilt: in Winterschläfer und nicht Winterschläfer. Während im nördlichen Teil der Erde das Leben acht Wochen lang im Winter pausiert, geht es offensichtlich weiter und vor allem lebendiger im Süden zu.

Interessant wird es erst, wenn im Winterschlaf-Teil jemand auf die Idee kommt, den ganzen Winter wach zu bleiben. Um nicht komplett einsam zu sein, sollte man andere Winterschlaf-Verweigerer ausfindig machen, um den Winter zusammen zu verbringen. Und genau so macht es Robert, ein junger Mann, der eine Therapie in einem Krankenhaus eines kleinen Ortes machen soll. Zu dieser Therapie gehört zwingend der Winterschlaf. In einem rebellischen Akt entschließt er sich, nicht zu schlafen und stattdessen, zusammen mit der mutigen jungen Frau Annina und dem Grobian Kudowski, Richtung Süden zu fahren.
Robert hat ein Ziel, aber bevor er dieses Ziel erreicht, geschieht viel.

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Frauen mit kurzen Haaren

Haben Sie Langeweile? Ist heute vielleicht Sonntag? Fühlen Sie sich einsam und vielleicht sogar ein bisschen deprimiert? Dann lesen Sie! Aber am Besten etwas, was die grauen Wolken im Kopf (und eventuell die im Herzen vorhandenen) weiter ziehen lässt. Zum Beispiel ein Märchen.

Heute hatte ich so einen Tag: einen grauen Sonntag, in jeder Hinsicht. Die aktuelle Lektüre wollte nicht das sein, was ich erwartet hatte. Mein Blick fiel zufällig auf das nächste Buch auf dem Stapel: klein, nicht so dick, sehr schönes einladendes Cover, das eine Handlung in Frankreich vermuten lässt. Patrice Leconte der Autor, und der Titel „Heute wegen Glück geschlossen“

200 Seiten waren schnell gelesen und meine Laune hat sich mit jeder gelesenen Seite um Thomas und seine Geschichte gebessert.

Bei Thomas, bald 30, meldet sich die „Bio-Uhr“. Er möchte endlich Fuß fassen, heiraten und seiner Mutter ein Enkelkind schenken.

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