Kategorie: Roman

Hauptsache wir sind nicht allein

Eigentlich ist Mae eine ganz Liebe, auch wenn sie schon als junges Mädchen ein wildes Leben auf den Straßen Wiens führte, auch wenn sie sogar oft mit der Straßenbahn schwarz gefahren ist und sie ihre Mutter sehr lange nicht besucht hat.
Mae will leben, sie lässt sich nicht unterkriegen und ist sogar bereit, über ihr Leben und ihr eigenes Verhalten zu reflektieren… aber vor allem: Sie ist nicht gerne allein.

Mae ist die junge Heldin von „Chucks“, dem ersten Roman der auch jungen und sehr sympathischen österreichischen Autorin Cornelia Travnicek.

In „Chucks“ erklärt Mae dem Leser ihre innere Welt. Aber auch wenn sie in dieser Geschichte die Erzählerin ist, ist es nicht so einfach, sie zu verstehen.
Sie stellt uns Leser vor einer Aufgabe: Aus vielen Puzzleteilen muss man Maes Geschichte rekonstruieren. Die Lektüre erfordert Aufmerksamkeit, um zwischen den Zeilen die wichtigen Details zu erkennen, die uns den Weg zu Maes Herz frei machen. Aber auch Mae erobert unser Herz. Sie ist mutig, sie ist ehrlich und sie besitzt einen „Niedlichkeitsfaktor“, den sie zu ihrem Vorteil einsetzt, nicht nur bei den Menschen, denen sie begegnet. Auch außerhalb des Buches, bei uns Lesern, wirkt ihr Charme, ohne Zweifel.

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Einfach großartig!

„Die psychologische Manipulation ist eine Waffe wie jede andere, nicht mehr und nicht weniger zuverlässig, aber die einzige, die das perfekte Verbrechen ermöglicht“

Die französische Schriftstellerin Hélène Grémillon hat einen grandiosen Roman geschrieben, der zu meinen Highlights, nicht nur in diesem Jahr, zählt: „Das geheime Prinzip der Liebe“ (französischer Originaltitel „Le confident“).

Was veranlasst zwei Frauen, eine Entscheidung entgegen aller Vernunft zu treffen, die ihr Leben komplett verändert? Eine Entscheidung, die sogar Leben zerstören kann… und zwar das Leben von mehreren Menschen!
Das Erste was zerstört wird, ist die Freundschaft dieser zwei Frauen, gerade die Freundschaft, die so stark zu sein schien, dass sie diese Entscheidung möglich machte.

Anonyme Briefe, die Camille regelmäßig bekommt, erzählen diese seltene Geschichte über eine außergewöhnliche und selbstzerstörerische Beziehung zwischen zwei Frauen in den schwierigen 40er Jahren im vom Zweiten Weltkrieg gepeinigten Frankreich. Camille lebt im Paris der 70er Jahre. Sie ist Verlegerin. Während sie die Briefe liest, fragt sie sich die ganze Zeit, ob sie selbst etwas mit der Geschichte dieser Frauen zu tun hat oder ob diese Briefe nur die geschickte Methode eines Schriftstellers sind, um sie auf sein Manuskript aufmerksam zu machen.

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Ein großes Fragezeichen

Für Benjamin Lebert ist unser Planet in zwei große Bevölkerungsgruppen geteilt: in Winterschläfer und nicht Winterschläfer. Während im nördlichen Teil der Erde das Leben acht Wochen lang im Winter pausiert, geht es offensichtlich weiter und vor allem lebendiger im Süden zu.

Interessant wird es erst, wenn im Winterschlaf-Teil jemand auf die Idee kommt, den ganzen Winter wach zu bleiben. Um nicht komplett einsam zu sein, sollte man andere Winterschlaf-Verweigerer ausfindig machen, um den Winter zusammen zu verbringen. Und genau so macht es Robert, ein junger Mann, der eine Therapie in einem Krankenhaus eines kleinen Ortes machen soll. Zu dieser Therapie gehört zwingend der Winterschlaf. In einem rebellischen Akt entschließt er sich, nicht zu schlafen und stattdessen, zusammen mit der mutigen jungen Frau Annina und dem Grobian Kudowski, Richtung Süden zu fahren.
Robert hat ein Ziel, aber bevor er dieses Ziel erreicht, geschieht viel.

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Frauen mit kurzen Haaren

Haben Sie Langeweile? Ist heute vielleicht Sonntag? Fühlen Sie sich einsam und vielleicht sogar ein bisschen deprimiert? Dann lesen Sie! Aber am Besten etwas, was die grauen Wolken im Kopf (und eventuell die im Herzen vorhandenen) weiter ziehen lässt. Zum Beispiel ein Märchen.

Heute hatte ich so einen Tag: einen grauen Sonntag, in jeder Hinsicht. Die aktuelle Lektüre wollte nicht das sein, was ich erwartet hatte. Mein Blick fiel zufällig auf das nächste Buch auf dem Stapel: klein, nicht so dick, sehr schönes einladendes Cover, das eine Handlung in Frankreich vermuten lässt. Patrice Leconte der Autor, und der Titel „Heute wegen Glück geschlossen“

200 Seiten waren schnell gelesen und meine Laune hat sich mit jeder gelesenen Seite um Thomas und seine Geschichte gebessert.

Bei Thomas, bald 30, meldet sich die „Bio-Uhr“. Er möchte endlich Fuß fassen, heiraten und seiner Mutter ein Enkelkind schenken.

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„Shakespeare à l’allemand“

Pippa Bolle will Ruhe. Ruhe, um ununterbrochen an ihren Übersetzungen zu arbeiten. Ruhe, um zu überlegen, was sie aus ihrem Leben nach der Trennung von ihrem italienischen Frauenheld machen soll.

Ein Ortswechsel weit weg von ihrer turbulenten Berliner Familie ist demzufolge jederzeit willkommen!

Und spontan wie sie ist, zögert sie nicht und nimmt prompt die Einladung ihrer englischen Großmutter an, deren „Cottage“ in der englischen Provinz zu hüten, während sie selbst ein paar Wochen bei der Familie Bolle in Berlin verbringt.

In England angekommen, warten ein paar nette Aufgaben auf sie, unter anderem ein lukrativer Überraschungsjob: Sie soll die Betreuung einer Theatergruppe übernehmen, die unter der Regie eines umstrittenen deutschen Regisseurs eine Ausführung von Shakespeares „Hamlet“ auf die Beine stellt.

Kein einfacher Job für Pippa: Deutsches Theater gilt in England als „zu experimentell“ und zu allem Überfluss entpuppt sich der deutsche Regisseur als wahrer „Kotzbrocken“.

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Vom Regen in die Traufe

Ich liebe solche „Pech-Heldinnen“ wie Pippa Bolle. Ganz normale Frauen, keine erfolgreichen Geschäftsfrauen oder „Managerinnen“, die ihr Leben perfekt im Griff haben (und alle Menschen drum herum auch), obwohl diese „Normalen“ sich das eigentlich wünschen würden, so zu sein, aber in Wirklichkeit sind sie gar nicht dazu geboren. Natürlich haben sie ihre Ziele, lassen sich aber gerne von allen möglichen Sachen und Ereignissen ablenken. Sie sind in ihrer chaotischen Art und Weise liebenswert und auf jeden Fall sind sie ganz sympathisch.

Es ist auch klar, dass sie ständig in katastrophale Situationen geraten, als würden sie danach suchen!

Und so gerät Pippa Bolle in eine „verrückte Schrebergarten-Gesellschaft“.

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„Eine Woche vergeht schnell. Aber mehr ist auch nicht nötig, um ein Leben zu ändern“

Kennen Sie noch die kleinen Außerirdischen aus der kleinen US-Stadt Roswell? Nein? Aber an E.T. können Sie sich bestimmt erinnern…
Alex meint, Gérard sieht aus wie E.T., aber der Name „Roswell“ passt besser zu ihm, also nennt sie ihn einfach Roswell. Roswell ist erwachsen, aber hilflos wie ein Baby, denn er ist schwer behindert. Langsam erobert er das Herz der Einzelgängerin Alex: mit seiner kindlichen Naivität, seiner ehrlichen Begeisterung für die einfachsten Dinge im Leben und mit seinen Gedichten.

Und da sind auch Cédric und Olivier (der „Zackenbarsch“), die ganz unzufrieden mit ihren Leben sind. Zwei Freunde, die am Liebsten gemeinsam rumgammeln, um alle Verantwortungen aus dem Weg zu gehen.

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Happy End mit Hindernissen

Stines Leben ist alles andere als einfach. Ohne Mutter bei dem liebevollen aber proletenhaften Vater und bei der alkoholischen Stiefmutter aufgewachsen, versucht sie, ihren eigenen Weg zu gehen. Leider hat sie wenig Ahnung davon, was sie selbst im Leben möchte, und so wird diese Suche nach dem eigenen Weg eine Suche zu ihr selbst.

„Das Schwein unter den Fischen“ ist Jasmin Ramadans zweiter Roman. Wie in ihrem ersten Erfolgsroman „Soul Kitchen“ beschreibt sie den Werdegang eines jungen Menschen, der innerhalb seiner eigenen Familie wenig Halt findet, eines Menschen, der einsam ist und ein Außenseiter.

Stine möchte aber kein Außenseiter sein und sie sehnt sich nach Normalität. Da sie nicht weiß, was „Normalität“ ist, weil sie diese Erfahrung bei ihrer Familie nie gemacht hat, gerät sie immer wieder in skurrile Situationen und landet in der Gesellschaft kurioser Persönlichkeiten.

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„Ich brauchte Geld“

Arme Barbara Buncle! Ihre gut situierten Eltern, inzwischen verstorben, sorgten dafür, dass sie von den Dividenden leben konnte, denn in der postviktorianischen Provinz wird nicht gerne gesehen, wenn eine Tochter aus gutem Hause einer Arbeit nachgehen muss. Leider reichen die Dividenden mittlerweile nicht mehr zum Leben… denn Barbara Buncle lebt in den 30er Jahren und die Wirtschaftskrise kennt kein Pardon.
Also muss sich Barbara etwas einfallen lassen, um an Geld zu kommen. Ihre Haushälterin zu entlassen wäre eine Schande, ein Publikmachen ihrer schweren finanziellen Lage, und selbst arbeiten, undenkbar.

Die Lösung zu diesem Dilemma ist schnell gefunden: Barbara schreibt ein Buch.
Aber da sie der Meinung ist, dass sie keine Fantasie besitzt und nur über das schreiben kann, was sie kennt, wird ihr Buch eine Chronik über das Leben der Bewohner des kleinen englischen Dorfes Silverstream, in dem sie lebt.
Unter einem Pseudonym veröffentlicht sie das Buch.
Und das hat große ungeahnte Folgen!

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Drei gegen die Welt

Was kann drei Frauen, die nicht unterschiedlicher sein könnten, so vereinen, dass sie sogar bereit sind, vieles zu riskieren und sich möglichen Gefahren auszusetzen? Was könnte so wichtig sein, das von diesen drei Frauen geheim gehalten werden muss?

Für Skeeter, Aibileen und Minny heißt die Antwort auf diese Frage: ein Buchprojekt.

Sie leben in Jackson, Mississippi, US-Südstaat, in den bewegten 60er Jahren. Charakteristisch für diese Zeit in Mississippi: die so genannte Rassentrennung.

Skeeter (bürgerlicher Name: Eugenia) ist eine „weiße“ junge Frau mit abgeschlossenem Universitätsstudium, die, wieder zurück in ihrem Elternhaus, einen Traum hat: Schriftstellerin werden.

Aibileen und Minny sind „farbige“ Dienstmädchen. Aibileen ganz brav und konsequent, Minny sehr temperamentvoll und ungezügelt, Charakterzüge, die der Grund dafür sind, dass sie immer wieder ihre Arbeit verliert.

Skeeter, Aibileen und Minny haben etwas gemeinsam: Sie sind unzufrieden mit ihrem Leben in dieser Art von Gesellschaft im Süden der USA.

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