Schlagwort: Familie

Das Herz am rechten Fleck

Während ich die letzten Seiten von „Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman“ lese, dem neuesten Roman von der Österreicherin Petra Piuk, wird im Fernsehen das Ergebnis der Parlamentswahlen in dem Heimatland der Autorin bekannt gegeben. Das, was gesendet wird, bildet eine passende Kulisse für dieses Buch und untermalt meine Lektüre in einer entsprechenden Form.

Ein österreichischer Heimatroman! Was stellt man sich darunter vor? Idyllische Landschaften – meistens grüne und saftige Berge im Sonnenschein -, schöne und liebliche Frauen, Männer, die noch diesen Namen verdienen, Volksmusik und Liebe, ganz viel Liebe.

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Alptraumlandschaft Altersheim

Es ist vorbei… schade. Ab jetzt werde ich mir nur vorstellen können, wie es mit den alten finnischen Damen weitergeht, denn „Sherry für drei alte Damen oder Wer macht das Licht aus?“ ist der letzte Teil der Trilogie um die über 90 Jahre alte Siiri und ihre Freundinnen, die Bewohnerinnen der alptraumhaften Seniorenresidenz „Abendhein“.
Minna Lindgren hat mit diesem dritten Teil das beste Buch der Trilogie geschrieben, einen rundum zufriedenstellenden Abschluss, bei dem ich wenig zu meckern hatte.

Drei Folgen lang haben Siiri, Irma und Anna-Liisa unter der Unfähigkeit des für sie zuständigen Pflegepersonals, der Korruption der Geschäftsführung und der Untätigkeit der Behörden gelitten. Nachdem die Renovierungsarbeiten in „Abendhein“ abgeschlossen wurden, durften sie ihre Wohnungen wieder beziehen. Sie leben jetzt in einer hochmodernen Einrichtung, voll automatisiert, und in der die Computer das Sagen haben und die Arbeit erledigen, die vorher Menschen getätigt haben.

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Cathys Museum

Eine Engländerin hat einen Roman geschrieben, den ich als außergewöhnlichen Berlin-Roman bezeichnen würde, und den ich bestimmt sehr lange in Erinnerung behalten werde.
„Museum der Erinnerung „ heißt dieses Buch, bei dem ich eine starke Sehnsucht nach Berlin gespürt habe. Als Kulisse für ihre Geschichte hat Anna Stothard das Berliner Museum für Naturkunde gewählt. Aus meiner Sicht eine geniale Entscheidung, denn diese monumentale Einrichtung bietet die perfekte Bühne für die dramatische Handlung in diesem Roman. Nicht nur die Dimensionen des Gebäudes sondern die Art von Exponaten, die darin ausgestellt werden und die Beschaffenheit der Räumlichkeiten – einer klassischen naturkundlichen Sammlung – bilden die perfekte Szenerie für eine spannende Entwicklung.

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Großartig!

Es gibt Bücher, die mich von der ersten Seite an tief berühren und mich während des Lesens Tag und Nacht beschäftigen, weil meine Gedanken sich um die Figuren und deren Schicksale drehen. Das war der Fall bei „Das Leben wartet nicht“ von dem italienischen Autor Marco Balzano.
Dieser Roman ist die Geschichte von Ninetto, einem Mann, der bereits als Kind versucht hat, sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen und in die von ihm gewünschte Richtung zu steuern.

In „Das Leben wartet nicht“ kann man lesen, ob es Ninetto gelungen ist, über den Lauf seines Lebens zu bestimmen.
Der erste Schritt weg von dem Elend, in dem Ninetto im Süden Italiens gelebt hat, unternimmt er bereits mit 11 Jahren. Er wandert Richtung Norden, bis nach Mailand, dem italienischen Mekka, dem begehrten Ziel der Immigranten innerhalb des Italiens der 60er Jahre.

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Ganz nach meinem Geschmack!

Eva Thorvald hinterlässt bei jedem Menschen, der ihr begegnet, einen bleibenden Eindruck, sogar bei flüchtigen Begegnungen. Das liegt daran, dass sie eine gewisse, schwer zu deutende Ausstrahlung hat, der man sich nicht entziehen kann.

J. Ryan Stradal hat die Figur von Eva Thorvald kreiert und hat die Menschen, die sie im Laufe ihres Lebens bewusst oder unbewusst beeinflusst hat, in seinem Debütroman „Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens“ zu Wort kommen lassen.
Jede ihrer Geschichten beinhaltet einen direkten oder indirekten Blick auf Eva. Es sind Erfolgs- oder Versagensgeschichten, und in allen spielt sie eine Rolle. Indem diese Menschen über ihre Leben berichten, erzählen sie auch über Evas Leben. Ihre Person wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, und genau das ist das Besondere und Spannende an diesem Roman.

Viele Perspektiven, viele Schicksale und eine Gemeinsamkeit in Form einer Person: Eva Thorvald.
„Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens“ ist ein Buch ganz nach meinem Geschmack: Charismatische Figuren, die sich tief in das Herz des Lesers einnisten, um lange da zu verweilen, eine interessante Handlung mit einem unerwarteten Ende und ein Schreibstil, der mit jeder Seite besser wird.

„Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens“ ist eine schöne und warme Geschichte voll mit Überraschungen, an die ich sehr lange denken werde. Mehr kann man von einem Buch eigentlich nicht erwarten.

Diogenes
Gebundene Ausgabe
432 Seiten
Erscheinungsdatum: 24. August 2016
Preis: EUR 24,00
ISBN: 978-3257069754

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Der Retter in der Not

Geld musste man im viktorianischen England haben. Lang schlafen, Zeit zum Lesen ohne Ende, Tee trinken am Nachmittag, jeden Tag eine neue Kuchensorte, sich für jede Mahlzeit neu ankleiden, aber vor allem nicht arbeiten müssen!
Emily Fox-Seton, die Heldin aus Frances Hodgson Burnetts Roman „Die Liebenden von Palstrey Manor“ hat so ein Glück im Leben nicht. Die verarmte und verwaiste Adelige muss ihren Lebensunterhalt selber bestreiten, bekommt keine Hilfe beim Anziehen, belegt ihre Sandwichs selber und trinkt ihren Tee allein. In einer Zeit und in einer Gesellschaftsschicht, in denen Mütter ihre Töchter verheirateten, um der Familie finanzielle Sicherheit zu garantieren, und junge und gesunde Männer niemals auf die Idee gekommen wären, dass Arbeit die beste Lösung gegen Armut ist, bildet Emily die absolute Ausnahme. Und genau das ist am Ende ihr Glück: Der reiche und steife Witwer Lord Walderhurst findet Gefallen an diese Kämpferin.

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Ein originelles Märchen

Geheimnisse verbinden Menschen, denn wenn zwei etwas teilen, wovon kein anderer weiß, entstehen besondere Bänder, und es gilt nur, dieses Wissen nicht nach außen sickern zu lassen.
Das Geheimnis, das die Wintermädchen teilen, ist etwas Furchtbares, aber sie haben gelernt, damit zu leben. Die zwei Schwestern haben es geschafft, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und neu anzufangen, auch wenn das bedeutet, in ihre Heimat zurückzukehren, in ein kleines Dorf in Galicien, der Region im Spanien der 50er Jahre, die vom Rest der Welt vergessen wurde.

„Die Wintermädchen“ ist mein erster Roman der spanischen Schriftstellerin Cristina Sánchez-Andrade.
Ich war von dieser Geschichte fasziniert. Die Autorin hat eine wunderbare Art zu erzählen, die uns das Leben und Traditionen im Spanien in den Zeiten unter Francos Diktatur vermittelt. Besonders in Galicien, weit weg von der Zivilisation, war es deutlich zu spüren, wie rückschrittlich Francos Regierung war. Die Zeit blieb stehen, die Menschen schienen vergessen worden zu sein, Galicien einfach inexistent. Nicht aber für die Wintermädchen. Die Isolierung ihres Geburtsortes ist der ideale Zustand für ihre Pläne. Dass sie sehr spezielle Gestalten sind, die die Aufmerksamkeit aller Dorfbewohner wecken, scheinen sie nicht zu merken. Ihre lange Abwesenheit und die Erfahrung, die sie in fernen Ländern gemacht haben, machen aus ihnen absolute Exotinnen.

Dieses Buch erzählt ein originelles Märchen – humorvoll und gleichzeitig traurig, auf jeden Fall berührend -, das dem Leser eine Überraschung am Ende bietet.
Und Bücher, die mich überraschen, lese ich immer sehr gern!

Thiele
Gebundene Ausgabe
288 Seiten
Erscheinungsdatum: 19. August 2016
Preis: EUR 20,00
ISBN: 978-3851793307

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Pippa undercover

Mittlerweile hat sich europaweit herumgesprochen, dass die Berlinerin Pippa Bolle eine gute Detektivin ist. Jetzt wird sie extra dafür gebucht, um mysteriöse Fälle zu lösen!
Von Österreich bis nach Schottland hat sie Familie und Freunden geholfen, die sich komplett auf ihr Instinkt und ihren Spürsinn verlassen, und sie hat sie alle noch nie enttäuscht.

In „Des Katers Kern“, dem sechsten Fall Pippa Bolles, lässt das Autorenduo Auerbach & Keller die Berlinerin nach Österreich fahren, in die malerische Steiermark. Anders als in den vorherigen fünf Folgen gerät sie nicht per Zufall in einen Kriminalfall. Zum ersten Mal wird Pippa als Detektivin gebucht, als Ermittlerin undercover.

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Alles andere als Alltäglich!

Lucy Schröder hat viel zu lernen in Sachen „Umgang mit Menschen“. Sie selber glaubt nicht daran, wird aber von ihrem Therapeuten leider dazu gezwungen, sonst muss sie in die Psychiatrie. Selbstverständlich hat sie dazu keine Lust. Wer würde denn diese Alternative vorziehen? Also überlegt Lucy, wie sie sich am besten selber helfen kann, wenn möglich, mit dem geringsten Aufwand.
Lucy Schröder ist die neue, außergewöhnliche, sogar gewöhnungsbedürftige, aber durch und durch liebenswerte Heldin von Susann Rehleins Roman „Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten“.

Lucy würde am liebsten nur zu Hause bleiben und auf ihrem Futon liegend die Decke anstarren. Leider sitzt ihr der Psychologe mit seinem idiotischen Auftrag im Nacken, und so viel Zeit hat sie nicht mehr, um ihm vorzuweisen, dass mit ihr alles in Ordnung ist.
Als Erstes, bevor sie anfängt zu üben, Menschen kennen zu lernen, braucht sie eine neue Hose. Im Kaufhaus Schönstedt findet sie bestimmt eine. Mit dem ersten Schritt Richtung Kaufhaus fängt Lucys größtes Abenteuer an!

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Spannender Roman mit starken Charakteren

Die Schweizerin Andrea Fischer Schulthess hat mit ihrem ersten Roman „Motel Terminal“ ein Buch geschrieben, das mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt hat. Eine spannende Handlung, ein desolater, düsterer Schauplatz und Figuren mit stark definierten Persönlichkeiten machen aus dieser Geschichte ein ganz besonderes Erlebnis.

Ein verlassenes Motel am Rand einer kleinen Siedlung in der Nähe von Zürich und dessen merkwürdige Bewohner, die ein schreckliches Geheimnis hüten, verleihen diesem Roman eine endzeitliche Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Mit nur einem Haupthandlungsort, dem unheimlichen Motel, wenigen Figuren und einem Geheimnis, in das der Leser sehr früh eingeweiht wird, baut Andrea Fischer Schulthess ein höchst kompliziertes Drama, das schlaflose Nächte beschert.

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