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978-3-552-06255-9_2145712123-48„Stolz bin ich nicht auf mich.
Aber ich verstehe mich.“

Eine Zugfahrt ist fast immer eine schöne Sache. Wenn alles gut klappt, sitzt man am Fenster, am besten ohne Sitznachbarn, man hat ein Buch auf dem Schoß und in den Lesepausen kann man nachdenken oder die Landschaft beobachten. Man kann Lebenspläne entwerfen und wieder verwerfen, oder einfach die Augen schließen, träumen, man kann sogar ein ganzes Leben Revue passieren lassen. Es kann sein, dass beim Lesen einer bestimmten Passage in einem Buch alte Erinnerungen hochkommen, oder ganz neue Gedanken zu alten Themen. Oder man erkennt in einem Fahrgast ein Gesicht wieder, das in einem längst erlöschte Gefühle neu belebt, oder ein losgewordenes schlechtes Gewissen wieder mit sich bringt.

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Die Anarchie der Buchstaben
Der Carlsen Verlag hat mit seinem Imprint Königskinder in diesem Herbst ein ganz tolles neues Programm an den Start gebracht. In den Farben Schwarz, Weiß und Gold kommen die wunderschön und liebevoll aufgemachten Titel daher und lassen Leserherzen höher schlagen. Auch thematisch bewegen sich die Bücher abseits des Mainstream und beschäftigen sich mit berührenden und nachdenklich stimmenden Themen. In den nächsten Wochen möchte ich euch hier auf dem Blog nach und nach die 7 Königskinder aus dem ersten Programm präsentieren. Ganz gemäß dem Motto „Ein Werk der Schönheit ist ein Glück für immer“ hat Carlsen – das merkt man sehr deutlich – viel Herzblut in diese Bücher gesteckt. Vielleicht habt ihr ja auch Lust, der Facebook-Fanpage des Verlags zu folgen. Dort gibt es regelmäßige Einblicke ins Königskinder-Programm und dessen Hintergründe, das Wort der Woche und noch viel mehr rund um Autoren, Bücher und Co. zu entdecken. Zuerst möchte ich euch mit „Die Anarchie der Buchstaben“ nun das neue Buch von Kate de Goldi vorstellen, von der im März 2012 bereits „abends um 10“ im Carlsen Verlag erschien.

Die Anarchie der Buchstaben 2 (2)

In diesem kleinen Büchlein verbrigt sich eine zauberhafte Idee! Die Autorin beschäftigt sich darin mit dem Thema Altern und nähert sich diesem auf ganz besonderem Wege an. Durch die Augen der jungen Perry, deren Großmutter in einem Pflegeheim lebt und deren Gedächtnis nicht mehr das beste ist, ermöglicht sie dem Leser einen unverfälschten und offenen Blick auf ihre Situation. Perry geht sehr unbefangen mit ihrer Großmutter und den anderen Bewohnern im Heim um. Sie macht sich keine großen Gedanken und Sorgen darüber, dass sie sich anders als andere Menschen verhalten oder aber körperlich oder geistig vielleicht nicht mehr so fit sind. Das Mädchen entdeckt in ihnen allen etwas Gutes, und obwohl ihre Großmutter nicht immer ganz einfach ist, genießt sie die Besuche bei ihr und ihren „Freunden“.

Der besondere Erzählstil hat mich ganz für das Buch eingenommen, sodass es seinen ihm eigenen Zauber wirken konnte. Wieso machen wir Erwachsenen uns eigentlich immer alles so schwer? Können wir nicht genauso locker und unbefangen mit unseren älteren Mitmenschen umgehen, wie es Perry ganz selbstverständlich tut? Wenn man sich nicht so viele Gedanken macht, sondern einfach etwas tut, stellt sich das Glück für alle von ganz allein ein. Kate de Goldis Buch ist in diesem Sinne ein Plädoyer, seine älteren Mitmenschen weiterhin in die Gesellschaft zu integrieren, sich mit ihnen zu beschäftigen und sie ernst zu nehmen. Das geschieht beim Lesen der Geschichte ganz automatisch, indem man sich in Perry hineinversetzt. Lässt man sich darauf ein, so sieht man an Perry, hat das für alle Betroffenen einen großen Wert und durchweg positive Seiten.

Besonders gefallen hat mir die Idee des ACB. Perry erstellt im Buch zusammen mit den Bewohnern des Altenheims ein ACB bestimmter Wörter (ja, ACB und nicht ABC, das wäre viel zu langweilig), die im Zusammenhang mit dem Menschen dort stehen. Für jeden Buchstaben möchte Perry im Rahmen eines Schulprojekts etwas Passendes finden und nutzt deshalb jede Gelegenheit, dem Altenheim einen Besuch abzustatten. Dabei schließen sie und die Bewohner sich unweigerlich ins Herz und Perry lernt viel mehr über das Leben, als nur ein paar Wörter für ihr ACB. Vor allem lernt man aber als Leser, dass es nicht darum geht, immer alles perfekt zu machen, sondern darum, etwas mit Herz zu tun. In diesem Sinne kann ich euch „Die Anarchie der Buchstaben“ wirklich ans Herz legen!

Die Anarchie der Buchstaben 2 (1)

Aktuell Jugendbuch Rezensionen

©Aba
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„Rosamunde wer?“

Sonntag Nachmittag. Theoretisch Sommer, aber der Himmel ist grau und der Wind herbstlich kalt. Eigentlich gutes Lesewetter. Gerade habe ich „Ein Häusle in Cornwall“ von Elisabeth Kabatek zu Ende gelesen und wollte die gute Laune, die ich mit diesem Buch bekommen habe, noch eine Weile behalten und kein Risiko eingehen, indem ich ein neues Buch anfange. Also habe ich den Fernseher eingeschaltet. Und das war auch die richtige Entscheidung: Bei ZDF lief Rosamunde Pilcher. Super! So einen Film habe ich noch nie gesehen, und zufälligerweise spielen diese Filme in Cornwall, genau so wie Elisabeth Kabateks Buch. Leider konnte ich es nicht länger als fünf Minuten aushalten. Zu Recherchezwecken haben sie allerdings gereicht.

„Rosamunde wer?“ fragten die Einwohner des kleinen Ortes St. Agnes in Cornwall, jedes Mal wenn die schwäbische Emma die Filme von Rosamunde Pilcher erwähnt hat.
Emma, arbeitssüchtige Schwäbin, trifft eine für sie untypische Entscheidung: Sie fliegt spontan nach Cornwall, um sich bei einem verklemmten Engländer, den sie gerade kennengelernt hat, von einem Burn-Out zu erholen.

Liebesroman Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

©Aba
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Hommage à une gardienne parisienne

Würde ich eines Tages das große Glück haben, in Paris zu leben, würde ich mir wünschen, jemanden wie Lucie in der Nähe zu haben, der sich ein bisschen um mich kümmert.
Lucie wohnt und arbeitet in einem vornehmen Haus am Place des Vosges, einer sehr angesagten Adressen in Paris. Lucie ist das Flaggschiff des Hauses und eine der letzten Bastionen einer sterbenden Institution in Frankreich, die Gardienne (ehemals Concierge).

Nach 40 Jahren im selben Beruf entdeckt Lucie neue Fähigkeiten in sich. Nachdem eine Bewohnerin ihres Hauses unter ungeklärten Umständen gestorben ist, fängt sie an, auf eigene Faust zu ermitteln. Sie muss schneller sein als der grimmige, für den Fall zuständige Kommissar Legrand. Denn sie selber hat auch etwas zu vertuschen…

„Die tödliche Tugend der Madame Blandel“ ist das Erstlingswerk von Marie Pellissier. Madame Pellissier ist eine Kennerin von la vie parisienne. Auf jeder Seite ihres Romans spürt man die Liebe für Paris und die Hochachtung für den Beruf der Gardienne. Ihre Lucie ist ein liebenswerter Mensch, die die Sympathie aller, die sie kennen, genießt. Die Ausnahme könnte Kommissar Legrand sein. Früher oder später wird ihm klar, dass Lucie ihm die Show stehlen kann.

Aktuell Krimi und Thriller Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

Der Sog der Schwerkraft
Ich bin wirklich begeistert, dass Jugendbuchverlage immer häufiger zu realistischen Geschichten zurückkommen, die ganz ohne Fantasy und apokalyptische Katastrophen auskommen. Mit Begeisterung habe ich deshalb auch den Roman „Der Sog der Schwerkraft“ von der US-amerikanischen Autorin Gae Polisner erwartet, der im März 2014 im cbj Verlag erschienen ist. Schon vorab versprach das Buch einen tollen Mix aus Road-Trip und erster Liebe aber auch ernsteren Themen. Für mich ist es sehr wichtig, dass Jugendbücher nicht flach sind, sondern auch zum Nachdenken bringen und das gelingt diesem Buch auf jeden Fall.

Nick und Jaycee verbindet im Buch ein gemeinsamer Freund: Scoot! Scoot hat Progerie, das bedeutet, dass sein Körper ungewöhnlich schnell altert, und er deshalb bereits als Teenager nicht mehr lange zu leben hat. Mit seiner offenen Art sowie verschiedenen liebenswerten Macken schließt man ihn – auch wenn er nur eine Nebenfigur ist – als Leser schnell ins Herz und kann nur zu gut verstehen, weshalb er so gute Freunde wie Jaycee und Nick hat. Und während Nicks Vater sich aus dem Staub gemacht hat, um nach Manhattan zu wandern und dabei auch noch so einige Pfunde zu verlieren, betrifft Scoots größter Wunsch ebenfalls jemanden, der sich aus dem Staub gemacht hat – seinen eigenen Vater, der mit seiner Krankheit nicht zurechtkam und ihn mit seiner Mutter zurückließ.

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17594The Lullaby of Polish Girls

Dagmara Dominczyk hat ein polnisches Liebeslied geschrieben: „Wir träumten jeden Sommer“.

Wie ein Liebeslied lässt sich dieses Buch von der in New York lebenden polnischen Autorin lesen. Man spürt die Liebe und die Verbundenheit zur polnischen Heimat auf jeder Seite.
Dagmara Dominczyk erzählt die Geschichten dreier junger Frauen, die aus demselben kleinen polnischen Dorf stammen. Beim Lesen merkt man, dass dies die einzige Gemeinsamkeit, trotz Freundschaft, zwischen den Frauen ist.
Dennoch finden sie immer wieder zu einander, auch dann, wenn Zeit und Distanz sie noch unterschiedlicher gemacht haben.

Sehr interessant ist der Aufbau des Romans. Aus den drei Perspektiven der jungen Frauen wird erzählt, abwechselnd in der Vergangenheit und in der Gegenwart.

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

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Krimi light statt Cola light

Mittlerweile bin ich ein echter Fan von Heike Abidi.
Sie hat mir schon mit ihren drei Romanen entspannende Lesestunden bereitet, in denen ich Grüblerin es geschafft habe, abzuschalten. Ihre Romane, in denen die Hauptfiguren alles andere als brave Mädchen sind, habe ich sehr gerne gelesen. Immer wieder sorgt Heike Abidi für eine Überraschung und immer wieder fragt sich der Leser, wie sie die Probleme lösen wird, in denen ihre nicht ganz braven Mädchen stecken, und auch bei den Lösungen verbergen sich mit Sicherheit neue Überraschungen.

Für eine weitere Überraschung sorgt neuerdings Heike Abidi: Unter dem Pseudonym Emma Conrad hat sie ein neues Buch veröffentlicht, diesmal (natürlich auch eine Überraschung) ein Kriminalroman. Selbstverständlich musste ich dieses Buch lesen.

Aktuell Krimi und Thriller Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

abidi_nachts_schafe_knaurAufs richtige Pferd gesetzt!

Träumt nicht jeder davon, eines Tages den Traumjob zu finden, bei dem man viel Geld verdient, und vor allem davon, dass sich alle Sorgen im Leben von einem Tag auf den anderen in Luft auflösen?
Davon träumen auch die drei Heldinnen in „Nachts sind alle Schafe schwarz“, dem neuesten Roman von Heike Abidi.
Und sie finden einen Weg, das ultimative Geschäft zu entwickeln, um viel und schnell Geld zu machen… leider waren sie bei der Planung komplett betrunken. Daraus ist eine Geschäftsidee entstanden, die eine Erfindung ist, worüber jeder vernünftige Mensch lachen würde: die „animalistische Balance“.
Sprüche wie „der Tiger in dir“, „so ein Angsthase“ oder „die fleißige Biene“ werden zu Kassenschlagern. Wer hätte das geglaubt? Ich natürlich nicht, aber Heike Abidi hat mich davon überzeugt, dass es möglich ist. Aber wie? Um es zu erfahren, muss man ihr Buch lesen.

Aktuell Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

wo-bist-du-motek-080272030Überraschend berührend

Wenn ein Israeli sich auf die Suche nach seinen Wurzeln in Deutschland begibt, kann es für mich nur interessant werden, vor allem wenn diese Suche in Berlin stattfindet.
Dieser Israeli ist Ilan Goren, als Europakorrespondent nach Berlin geschickt worden, kurz nachdem seine halbdeutsche Mutter gestorben war.
In Berlin wartet auf ihn nicht nur aufregendes Material für Reportagen, sondern auch das Erbe seiner Großmutter: das Tagebuch seines polnischen Ur-Großvaters, der genau wie er nach Berlin ging, um Neues zu erleben, und als Jude auch einiges zu erzählen hatte.
In diesem Tagebuch findet Ilan seine Wurzeln, die Geschichte seiner Ahnen.
Während Ilan ein Berliner Abenteuer nach dem anderen erlebt, liest er in seiner Freizeit das Tagebuch seines Ur-Großvaters. Und was er dabei erfährt, übertrifft seine ganzen Vorstellungen.

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333 EntdeckungenDie Region Stuttgart anders entdecken

Ich war noch nie in Stuttgart, auch nicht in der Nähe. Dabei ist Stuttgart eine Stadt, die ich schon immer kennenlernen wollte.

Astrid Schlupp-Melchinger hat mich mit ihrem Buch „333 Entdeckungen in der Region Stuttgart“ motiviert, Stuttgart und Umgebung einen Besuch abzustatten.

„333 Entdeckungen in der Region Stuttgart“ ist kein gewöhnlicher Reiseführer. Es ist ein Kompendium kleinerer und größerer Geschichten über sehr bekannte und weniger bekannte Sehenswürdigkeiten, Kuriositäten und einmalige Persönlichkeiten, die diese Region geprägt haben.
Lange muss man nicht nach den Stuttgarter Entdeckungen suchen. Ein roter kleiner Kreis am Rande des Textes bedeutet, dass der Leser an dieser Stelle etwas zu entdecken hat. Zu dieser Entdeckung gibt es eine Geschichte und oft verbirgt diese eine Überraschung, sogar für Einheimische, da bin ich mir sicher.

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