Schlagwort: Rezension

Zunächst möchte ich sagen, dass ich das Cover von „Ein Kuss ist ein ferner Stern“ großartig finde. Erst dadurch bin ich überhaupt auf das Buch aufmerksam geworden und das ist sehr gut so. Die Gestaltung des Buchcovers trifft hier auch perfekt den Kern des Inhalts – ich selbst nenne es immer „Augenblick“, was gleich in doppeltem Sinne auf die Szene des Buches zutrifft, die dieses Bild widerspiegelt.

Seit ich „Supergute Tage“ von Mark Haddon gelesen habe, lese ich gern von Zeit zu Zeit Bücher, in denen dem Leser die Welt eines Autisten nähergebracht wird. Zwar wählt Alexander Rösler die Bezeichung „Autist“ nie in seinem Buch, aber dennoch bleibt der Eindruck, dass die Hauptfigur August eine leichte Form des Autismus hat. Zumindest tut er sich etwas schwer im Umgang mit Menschen, besonders wenn es um Berührungen und den Blick in die Augen anderer geht.

Aktuell Jugendbuch Rezensionen

Dystopien sind zur Zeit wirklich in Trend. Dementsprechend skeptisch beginne ich mittlerweile Bücher dieses Genres, gerade wenn sie als Jugendbuch ausgewiesen werden. Von „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ wurde ich durchweg positiv überrascht. Es ist eine Dystopie für Jugendliche und in diesem Fall kann man das Buch auch wirklich an Jugendliche empfehlen, denn anders als Panem und Co. ist es nicht übertrieben brutal, darunter leidet die Spannung aber kein bisschen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Mädchen Gaia. Seine Mutter ist Hebamme in einer ärmlichen Region außerhalb der sogenannten Enklave. Die Menschen in der Enklave haben ein gutes Leben, genug zu Essen und einen hohen Lebensstandard. Außerhalb sieht es anders aus: Kleidung, Nahrung und alles, was sonst lebensnotwendig ist, ist stark begrenzt. Nur durch harte Arbeit gibt es Zugeständnisse durch die Enklave. Im Falle von Gaia und ihrer Mutter heißt das, dass sie die ersten 3 Babys, die jeden Monat geboren werden, direkt nach der Geburt an die Enklave abgeben müssen. Weigern sie sich oder hintergehen sie die Enklave, werden sie mit dem Tod bestraft.

Aktuell Jugendbuch Rezensionen

„Wie kann sich etwas so Falsches so richtig anfühlen?“, so lautet der Untertitel des Buches „Forbidden“ der britischen Autorin Tabitha Suzuma, und er bringt ganz deutlich zum Ausdruck, was die beiden Hauptfiguren Lochan und Maya, aber auch der Leser spüren werden. Man kann einfach nicht anders, als sich diese Frage immer und immer wieder zu stellen, während man liest.

Lochan, 18 Jahre, und Maya, 16 Jahre, haben es nicht leicht. Ihr Vater hat die Familie schon lange verlassen, die Mutter ist nur auf Partys und mit ihrem neuen Freund Dave unterwegs, betrinkt sich und hat kein Interesse mehr an der Familie. So müssen sich die beiden ältesten Geschwister – Maya und Lochan – um alles kümmern, zur Schule und zum Haushalt kommt vor allem das Kümmern um die 3 jüngeren Geschwister hinzu, die zwischen 5 und 13 Jahren alt sind. Sie müssen es schaffen, den Schein einer ganz normalen Familie aufrecht zu erhalten, denn wenn sie das nicht schaffen, dann könnten ihnen die Kleinen weggenommen und damit die Familie noch weiter auseinander gerissen werden. Das darf niemals passieren.

Aktuell Jugendbuch Rezensionen

Eigentlich bin ich kein Fan von Science Fiction, weshalb ich mir „Across the Universe“ von Beth Revis fast nicht gekauft hätte. Und das wäre wirklich bedauerlich gewesen. Die vielen positiven Stimmen zum Buch haben mich dann neugierig gemacht und so war es doch gekauft, stand aber erstmal eine Weile ungelesen im Regal rum. An dieser Stelle möchte ich jedem empfehlen: macht es nicht so wie ich, sondern lest dieses Buch!

Erstmal angefangen, konnte ich diesen mit leichten Science Fiction Elementen angehauchten Jugendroman, der zugleich durch seine dystopischen Züge begeistert, nicht aus der Hand legen. Es war zu spannend, die Story zu mitreißend und für mich etwas vollkommen neues.

Es geht direkt aufregend los, als Amy miterlebt, wie ihre Eltern eingefroren werden, weil sie zu einer recht kleinen Gruppe von Menschen gehören, die eine 300 Jahre lange Reise zu einem neu entdeckten Planeten antreten wollen / sollen. Bis zur letzten Sekunde kann Amy sich nicht recht entscheiden, ob sie auch mitfliegen soll oder besser nicht. Auf der Erde hat sie einen Freund, ihre Familie – mit Ausnahme der Eltern – und all das, was sie kennt und liebt. Aber sie will nicht ohne ihre Eltern zurück bleiben und tut es ihnen gleich. Trotz der angsteinflößenden Vorstellung fortan für 300 Jahre eingefroren in einem Raumschiff zu liegen und nicht mitzubekommen, was um sie herum passiert.

Im Wechsel erzählt Beth Revis nun aus Amys Sicht und der Sicht von Elder, einem Jungen auf dem Raumschiff Godspeed, auf dem sich im Geheimen auch einige eingefrorene Menschen der Erde befinden, die nötig sein werden, um den neuen Planet besiedeln zu können und hierzu besondere Fähigkeiten mitbringen. Noch ca. 50 Jahre soll das Raumschiff unterwegs sein, einige der jetzigen Besatzung werden auf dem neuen Planet ankommen… und Elder, der in der deutschen Übersetzung „Godspeed – Die Reise beginnt“ Junior heißen soll, wird die Kontrolle über das Schiff und die Menschen darauf übernehmen. Momentan hat diese Position noch Eldest inne. Doch plötzlich passieren viele unerwartete Dinge auf einmal: Amy wird zu früh aufgetaut, andere Eingefrorene ebenfalls, wobei sie teils zum Tode kommen.

Was wird nun aus Amy auf diesem für sie vollkommen fremden Raumschiff, während ihre Eltern weiterhin eingefroren sind und sie noch 50 Jahre der Reise vor sich haben?

Dieses Buch ist einfach nur Spannung und Aufregung in gebündelter Form mit viel Gefühl und einigen Überraschungen. Trauen kann man auf Godspeed nämlich so gut wie niemandem, was diesen Jugendroman mitreißender macht, als die meisten Thriller. „Across the Universe“ hat alles, was ein gutes Jugendbuch braucht und davon richtig viel. Auch liest es sich im Original sehr leicht – wer also sein Englisch ein wenig auffrischen möchte und sich dabei nicht langweilen will, der sollte dieses Buch lesen. Ansonsten kann man aber auch auf die deutsche Ausgabe „Godspeed – Die Reise beginnt“ warten, denn sie erscheint schon im August! Toll finde ich auch, dass sich die Autorin endlich wieder ein neues Thema einfallen lassen hat – vor übersinnlichen Wesen – speziell Gestaltwandlern in jeder erdenklichen Form – kann man im Jugendbuchmarkt ja kaum noch etwas anderes finden. Danke Beth! Nun warte ich sehnlichst auf Band 2.

Ich wünsche allen, die es noch vor sich haben, eine atemberaubende Lesereise!

Ein Interview, das ich mit Beth Revis führen konnte, findet ihr hier: Interview mit Beth Revis bei LovelyBooks

Aktuell Jugendbuch Jungsecke Rezensionen Unterhaltungsliteratur

Es gibt sie, diese besonderen Bücher. Bücher, nach denen jeder Leser lechzt. Die einen bewegen, berühren und verändern. Bücher, die man nie wieder vergisst. Man rechnet gar nicht richtig mit ihnen, aber plötzlich sind sie – zum Glück – da. Und hinterher ist man ein Stück weit ein ‚besserer‘ Mensch. So fühlt man sich nach dem Lesen solcher Bücher, weil man etwas wichtiges fürs Leben dazu gelernt hat.

Am 29. August erscheint eines dieser seltenen Bücher. „Sieben Minuten nach Mitternacht“ von Patrick Ness, basierend auf einer Idee von Siobhan Dowd, wird in Deutschland zeitgleich im Goldmann Verlag und bei cbj veröffentlicht. Und diese Entscheidung finde ich genau richtig. Die beiden Ausgaben sind inhaltsgleich, haben aber unterschiedliche Cover. Mir persönlich gefällt das Cover der Goldmann Ausgabe eindeutig besser, es sieht elegant und edel aus. Vor weißem, schlichtem Hintergrund, sieht man den Ausschnitt einer Nachtszene. Dass es zwei unterschiedliche Covergestaltungen gibt, ist aber in der Hinsicht sinnvoll, dass dieses Buch sowohl für Kinder- und Jugendliche, als auch für Erwachsene geeignet ist. Es erzählt eine düstere, traurige Geschichte, die aber zugleich Mut macht und mitreißt. Für Kinder und Jugendliche finde ich das weniger dezente, dunkle Cover perfekt. Wenn ihr das Buch gelesen habt, werdet ihr wissen, was ich meine. Es spiegelt genauso gut, wie das Goldmann Cover, das Gefühl wider, das die Geschichte vermittelt. Beide Bücher sind sehr hochwertig aufgemacht, vom Schutzumschlag über das Papier, die Illustrationen und das Format.

Zum Inhalt selbst möchte ich gar nicht viel verraten, denn je weniger man vorher weiß, desto mehr wird man sich vom Buch überraschen und mitreißen lassen können. Was sich anfangs wie eine Gruselgeschichte liest und auch ein bisschen so aussieht, ist es nämlich gar nicht oder nur indirekt. Es soll keine Angst machen, sondern wichtige Botschaften fürs Leben vermitteln. Und obwohl das Buch mit 216 groß bedruckten Seiten, zu denen noch zahlreiche, wunderbare Illustrationen kommen, recht schmal ist, gelingt es ihm dem Leser etwas fürs Leben mitzugeben, denn es steckt darin richtig viel.

Der kleine Conor hat es in „Sieben Minuten nach Mitternacht“ nicht leicht, denn wie der Titel schon verrät, passiert zu genau dieser Uhrzeit und das konsequent, etwas für ihn Schreckliches. Nachdem Conor schon länger von Alpträumen verfolgt wird und sie einfach nicht loswerden kann, erscheint jede Nacht, genau sieben Minuten nach Mitternacht, eine Art Monster – ob es Traum oder Wirklichkeit ist, dessen ist sich Conor nicht sicher. Auch sein Alltag sieht nicht rosig aus, denn seine Mutter ist krank und Conor schottet sich immer mehr von allen anderen ab. Böse Träume, ein Monster vor dem Conor gar nicht wirklich Angst hat, sondern eher vor dessen angebotener Hilfe und eine Flucht in sich selbst: das sind die Grundthemen dieses Buches. Manchmal ist es das schlimmste, sich selbst Dinge einzugestehen. Sie tun weh und schmerzen einen so lange, bis man es nicht mehr aushält und sie heraus lässt. Was das mit Conor, dem Monster, seinen Alpträumen und seiner Mutter zu tun hat, das solltet ihr dringend selbst herausfinden.

Dieses Buch hat mich wirklich bewegt, es rührt zu Tränen und man kann ihm nicht entfliehen. Es vermittelt eine ganz deutliche, wahre und doch nicht immer leicht zu ertragende Botschaft. Also: Lasst euch von „Sieben Minuten nach Mitternacht“ für ein paar Lesestunden gefangen nehmen und ihr werdet es nie wieder vergessen! Am besten gleich in eurer Buchhandlung des Vertrauens vorbestellen. Mein Buchhighlight dieses Jahres bisher!

Am Ende muss hier noch ein Dankeschön an zwei wunderbare Autoren her: Siobhan Dowd und Patrick Ness, der in ihrem Angedenken etwas Wunderbares und Eigenes geschaffen hat, und dabei der leider verstorbenen Autorin mit jeder Zeile gerecht wird. Sie wird durch ihre Bücher und dieses wunderbare Stück Literatur von Patrick Ness, das er aus ihren Ideen komponiert hat, immer leben.

Patrick Ness ist übrigens dieses Jahr auch auf Lesereise in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Leider kommt er nicht nach München, aber vielleicht schaffe ich es ja nach Wien. Die detaillierter Lesungstermine findet ihr hier: Lesungsübersicht

Die Termine im Kurzüberblick:
12.09.2011, Wien
13.09.2011, Zürich
14.09.2011, Berlin
15.09.2011, Hamburg

Jetzt bin ich ganz gespannt, noch mehr Bücher von Patrick Ness und Siobhan Dowd lesen zu dürfen, denn noch kenne ich glücklicherweise nicht alle. Als nächstes werde ich dann vermutlich „Auf der anderen Seite des Meeres“ lesen.

Goldmann Verlag / cbj Verlag
Originaltitel: A Monster Calls
Originalverlag: Walker US
Übersetzt von Bettina Abarbanell
Mit Illustrationen von Jim Kay
Gebundenes Buch, Pappband mit Schutzumschlag
216 Seiten, 16,2 x 20,8 cm
Mit s/w Illustrationen
ISBN: 978-3-442-31280-1
€ 16,99 [D] | € 17,50 [A] | CHF 26,90

Aktuell Jugendbuch Kinderbuch Rezensionen Unterhaltungsliteratur

Zwischen Vampiren, Werwölfen, Engeln und Co. wünscht man sich momentan bei fantasiereichen Jugendbüchern gern mal etwas Neues. Mir zumindest geht es so, denn beim Lesen vieler Jugendbücher im Genre Fantasy / Romantasy wird man das Gefühl nicht los, alles so oder so ähnlich schon mal gelesen zu haben. Dagegen ist “Göttlich verdammt” eine willkommene Abwechslung. Denn die wundervoll von Josephine Angelini geschriebene Geschichte verbindet die Moderne mit Mythologien um Götter und Halbgötter.

Helen ist ein außergewöhnlich schnelles, großes und starkes Mädchen, zugleich ist sie aber auch extrem schüchtern. Wäre da nicht ihre beste Freundin Claire, dann würde sie manchmal ganz schön allein dastehen. Alle halten sie für ein wenig merkwürdig, denn durch ihre Schüchternheit, Stärke und – sie selbst merkt es gar nicht – ihr großartiges Aussehen, fällt sie ziemlich auf. Noch schlimmer wird es, als die Familie Delos auftaucht und Helen plötzlich das große Bedürfnis hat, einen der Söhne der Familie im gleichen Alter umzubringen. Sie geht, wider ihre Natur, auf ihn los und zwar vor den Augen etlicher Schüler und Lehrer. Was dahinter steckt? Helen entstammt einer anderen Götterfamilie als die Delos und sie befinden sich in nahezu unüberwindbarer Feindschaft. Selbst wenn sie wollten, wäre der Drang einander zu töten, kaum zu überwinden. Doch dann geschieht etwas sagenhaftes und plötzlich gibt es nicht nur eine atemberaubend spannende Handlung, sondern auch eine wunderschöne Liebesgeschichte.

Da ich selbst, bevor ich das Buch gelesen habe, so gut wie nichts über den Inhalt wusste, möchte ich hier auch nicht mehr verraten. Denn so kann man vollkommen im Buch versinken und sich auf die tolle Fantasie und die liebevolle Charakterisierung der Figuren einlassen. Es gibt selten Bücher, in denen ich so viele Lieblingsfiguren habe, und in denen mir sogar Nebenfiguren beim Lesen doch ganz nah waren. Die Autorin muss eine sehr genaue Beobachtungsgabe haben, was ihre Mitmenschen angeht und ein großartiges Talent, diese Beobachtungen mit viel Feingefühl in Worte zu fassen. Entsprechend mitreißend und berührend sind auch die Beziehungen der Figuren untereinander und die dramatischen Situationen, in die sie geraten.

“Göttlich verdammt” ist so ein Buch, das man gebannt in einem Rutsch durchlesen muss. Zwar ist am Ende nicht alles gut und auch nicht alles schlecht (glaubt ja nicht, ich verrate darüber etwas ;-) ), aber man ist doch mit sich, der Welt und vor allem dem Buch zufrieden. Da macht auch das gespannte Warten auf den 2. Band richtigen Spaß, weil ich absolut keine Sorge habe, dass Josephine Angelini ihr Niveau nicht halten könnte. Sie ist für mich ein Naturtalent und da kann einfach nichts schiefgehen.

Hinzu kommt, dass die Autorin richtig sympathisch und ein wirklich interessanter Mensch ist, wie ich in einigen Mails mit ihr erfahren durfte. In diesem Zusammenhang ist auch ein kleines Interview entstanden, das ihr euch bei LovelyBooks ansehen könnt.

Ich empfehle dieses Buch allen Jugendlichen und jung gebliebenen uneingeschränkt weiter, die gern schöne und fantasievolle Liebesgeschichten lesen, mal etwas Neues entdecken wollen und vor allem richtig gut unterhalten werden möchten.

Passend zum Buch gibt es auch eine Facebook Fanpage, die ich an dieser Stelle gern weiterempfehlen möchte. Dort gibt es aktuelle Informationen rund um die Bücher, die Autorin und alles, was Liebhaber der Bücher und diejenigen, die es noch werden wollen, sonst noch interessieren könnte.

Aktuell kann man übrigens auch an einer Abstimmung für das Cover von Band 2 mitmachen. Die Fortsetzung wird „Göttlich verloren“ heißen, was, wie ich finde, sehr gut passt. Bei den beiden Covervorschlägen habe ich ewig hin und her überlegt, mich letztendlich aber für das linke entschieden. Auf beiden sieht mir Helen aber irgendwie zu verkrampft aus.

Dressler Verlag
Einbandgestaltung von Hanna Hörl
Aus dem Amerikanischen von Simone Wiemken
gebunden mit Schutzumschlag
496 Seiten
Maße: 15.0 x 21.0 cm
Für Jugendliche und Erwachsene, ab 14 Jahren
EUR 19,95 · SFR 28,90 · EUA 20,60
ISBN-13: 978-3-7915-2625-6
Erschienen im Mai 2011

Aktuell Fantasy Jugendbuch Rezensionen

Abel Tannatek, von allen nur Tannatek genannt, ist in seiner Schule und auch sonst ein Außenseiter. Er fehlt ständig im Unterricht, rennt in eigenartigen Klamotten rum und hat zudem den Ruf mit Drogen zu handeln. Abel ist ein Junge ohne richtige Freunde und mit wenig Hoffnung für die Zukunft. Aber dieser Abel kann auch anders sein als der Tannatek, den alle in ihm sehen. Nur seine Mitschülerin Anna erfährt wirklich, was es es mit ihm auf sich hat. Denn Abel ist eigentlich sehr sanft und feinfühlig, hat es nicht leicht im Leben und kümmert sich zudem rührend um seine kleine Schwester Micha.

Aber was ist dran an den Gerüchten um die Drogengeschichten, und wieso ist er nachts oder auch zu Unterrichtszeiten so häufig unterwegs? Den Jungen umgibt ein dunkles Geheimnis und in den Märchen, die er seiner kleinen Schwester und später auch Anna erzählt, steckt viel mehr Wahres als Abel, Micha, Anna und dem Leser lieb ist.

Dieser Roman der Autorin von Antonia Michaelis hat eine unglaubliche Sogwirkung. Man ist gefangen im Leben von Abel und Micha, durch die immer größere Nähe, die Anna zu den beiden aufbaut. Wie Anna fühlt man sich zunächst fast als ein Fremdkörper in der kleinen Welt, die sich die beiden Geschwister aufgebaut haben. Und genauso langsam, wie Anna ihnen immer näher kommt, tut es auch der Leser. Geheimnisse werden nach und nach aufgedeckt und durch die Märchenabschnitte, die Abel Micha teils zur Beruhigung, teils aber auch als Warnung erzählt, kommt man ihnen Stück für Stück näher. Doch mit jedem dieser Stücke wird man sich auch der Wahrheit bewusster, die man andererseits am liebsten gar nicht kennen würde.

Das Buch ist zugleich eine Geschichte über Freundschaft, zerüttete Familienverhältnisse und das Erwachsenwerden. Außerdem enthält es Thrillerelemente, die die sowieso schon immense Spannung durch die schwierige Situation von Abel und Micha noch zusätzlich steigert. Zudem ist es kein wirkliches Jugendbuch, ich würde es eher erst ab 16 – frühestens aber ab 14 Jahren – empfehlen, aufgrund der brisanten Thematik. Die Geschichte geht extrem nahe und konfrontiert mit Situationen, die zutiefst schockieren oder auch berühren. Dank des sprachlichen Feingefühls der Autorin und der Rückzugsmöglichkeit in den Märchenabschnitten, wird es aber nicht zu dramatisch. Durch die stets hoffnungsvolle Micha gibt es immer mal wieder Auflockerung – sie ist so stark und verliert nie den Blick für das Gute, dass sie schnell zu meiner Lieblingsfigur wurde.

Der Märchenerzähler ist ein Buch, das auch lange nach dem Lesen noch nachwirkt und zum Nachdenken anregt. Diese Geschichte kann man einfach nicht vergessen, sie bleibt im Gedächtnis und ich finde, das ist es, was wirklich gute Bücher bewirken sollten. Ich habe vorher noch nie etwas in der Art gelesen. Es handelt sich hier um ein absolutes Ausnahmebuch von einer Ausnahmeautorin! Unbedingt zu empfehlen, aber nur, wenn man starke Nerven hat und sich intensiv mit einem Buch auseinander setzen möchte.

Jetzt bin ich schon gespannt auf das im August erscheinende, neue Buch von Antonia Michaelis mit dem Titel  Die Worte der weißen Königin. Hierbei handelt es sich aber noch weniger um ein Jugendbuch. Es ist eher eines für Kinder oder Erwachsene. Zudem steht es in keinem Bezug zu „Der Märchenerzähler“, was man aufgrund der Covergestaltung doch leicht vermuten könnte.

Oetinger Verlag
448 Seiten · gebunden
15.0 x 21.0 cm
ab 14 Jahren
EUR 16,95 · SFR 25,90 · EUA 17,50
ISBN-13: 978-3-7891-4289-5
EAN: 9783789142895
Erschienen im Februar 2011

Aktuell Jugendbuch Krimi und Thriller Rezensionen

Stell dir vor, du kannst dich an nichts mehr richtig erinnern.
Du kennst zwar Gegenstände und Sprache, kannst alles aber nicht mehr in Beziehung zu bestimmten Situationen oder Menschen bringen. Überhaupt kannst du dich weder an Freunde noch Familie erinnern. Deine ganze Vergangenheit ist ein großes, schwarzes Loch.
Apropos schwarzes Loch – du befindest dich soeben in vollkommener Dunkelheit. In einem Raum, der sich plötzlich bewegt. Du weißt nicht, wo du bist und hast Angst!

Mit dieser klaustrophobischen Situation beginnt die Dystopie „Die Auserwählten – Im Labyrinth“ und führt ihren Protagonisten Thomas, ungefähr 16 Jahre, ein. Denn er ist es, der kaum noch Erinnerungen hat und plötzlich gefühlte Ewigkeiten in einem stockdunklen Fahrstuhl nach oben fährt und fährt… und er kommt auf einer Lichtung an, auf der sich lauter Jungen, etwa im Alter zwischen 12 und 18 Jahren, befinden. Wo ist er nur gelandet? Thomas hat es als Frischling unter den Jungs nicht leicht und muss sich immer wieder beweisen. Fragen sollen nicht gestellt werden, er muss die Klappe halten und gut. Trotzdem erfährt er schon bald, dass sie sich alle in einer Art Labyrinth befinden und die anderen Jungen schon seit über 2 Jahren nach einem Ausgang suchen: ohne Erfolg! Die Wände des Labyrinths verschieben sich jede Nacht und Thomas sitzt nun, wie die anderen auch, an diesem unsäglichen Ort fest. Hinzu kommt, dass hauptsächlich nachts furchtbare Kreaturen names Griewer umherstreifen. Eine Begegnung mit ihnen hat bisher fast niemand überlebt.

Wieso befinden sie sich alle an diesem Ort? Wer hat sie dorthin gebracht und was sollen sie tun? Wo ist wohl der Ausgang? Da fragen sich nicht nur die Figuren, sondern auch der Leser von der ersten Seite an. Und mit dieser Spannung im Bauch lesen sich die knapp 500 Seiten des Buches weg wie nichts. Einerseits ist es die scheinbar ausweglose Situation, die den Leser bannt und mitreißt. Andererseits ist es diese Gruppe an Jungen, die wirklich faszinierend ist. Denn man stelle sich vor, dass etwa 50 männliche Jugendliche komplett für sich allein verantwortlich sind und ganz besonders auch für die anderen mit. Wie organisiert sich so eine kleine, abgeschottete Gesellschaft und wie übersteht man das Alles in dem Wissen irgendwo eingesperrt zu sein und bereits 2 Jahre ohne Erfolg einen Ausweg gesucht zu haben? Sicher treffen sie nicht immer die besten Entscheidungen, aber sie kommen einigermaßen klar.

James Dashner schreibt mit einem Tempo und einer Spannung, dass man als Leser nur so über die Seiten fliegt und fast schon mit den Läufern im Buch durchs Labyrinth rennt um doch nur endlich einen Ausweg zu finden, wobei es wichtig ist vor Einbruch der Dunkelheit zurück zu sein. Zugleich fühlt man sich, trotz der ein oder anderen fiesen Gestalt, wohl mit den Jungen als Gesellschaft und schließt sich gern ihrer Gemeinschaft an. Auch wenn sie alle ihre kleinen oder größeren Macken haben, oder gerade deshalb, wachsen sie einem ans Herz. Meine Lieblinge waren neben Thomas übrigens Newt und Chuck. Sie sind alle ganz verschieden, aber liebenswert auf ihre ganz eigene Art und Weise.

Häufig ist es bei sehr spannenden Büchern so, dass mir neben dem tollen Spannungsbogen aber die Figuren zu kurz kommen, ihre Beziehungen zueinander nicht klar genug geschildert werden. Das ist bei „Die Auserwählten – Im Labyrinth“ überhaupt nicht der Fall. Man fühlt mit den Jungen mit, freut sich mit ihnen, ist genauso verzweifelt und traurig, dann wieder voller Kraft und Mut. In vielen Situationen geht einem das Buch wirklich nahe, besonders die Freundschaft zwischen Thomas und Chuck, aber auch ihre Ängste dort eingesperrt zu sein und eventuell nie wieder raus zu kommen. Selbst wenn sie sich an soetwas wie Familien nicht mehr erinnern könne, vermissen sie doch ein wohlbehütetes Leben. Mir hat das unglaublich gut gefallen. Es ist so ein Buch, dass man auch nach dem Lesen nicht so schnell aus den Gedanken verliert. Ganz im Gegenteil – es ist derartig gut, dass man danach erstmal nichts anderes lesen kann, weil eigentlich alles nur ’schlechter‘ sein kann.

Und da ich die eigene Sprache der Jungen ebenfalls richtig toll fand – sage ich nun zu euch: Macht keinen Klonk und lest dieses Buch! Oder ihr seid ganz schöne Neppdepps 😉 Wer nun wissen will, was das wohl bedeuten mag: Ich verrate nichts, aber das Buch tut es ganz gewiss!

PS: Weil’s so gut war, habe ich mir direkt den 2. Band in der Originalausgabe bestellt. Bis zur deutschen Fortsetzung dauert es mir jetzt defintiv zu lange.

Chicken House Verlag
Übersetzt von: Anke Caroline Burger
496 Seiten, 15,0 x 21,0 cm
Gebunden
ab 13 Jahren
€ (DE) 16,95
Gebundene Ausgabe
ISBN 978-3-551-52019-7

Aktuell Jugendbuch Jungsecke Rezensionen

Ich habe mir in letzter Zeit ja wieder mehr englische Bücher gekauft, weil ich früher ganz viele und diese auch mit Begeisterung gelesen habe, dann aber irgendwann gar keine mehr. Jetzt möchte ich wieder mehr Zeit damit verbringen und habe mit den Büchern Trapped und Delirium – die deutsche Ausgabe von Delirium von Lauren Oliver erscheint übrigens im November – angefangen. Beide haben mir sehr gut gefallen.

Da hoffe ich, dass meine englische Glückssträhne anhält und habe mich mal der Leserunde zu Across the Universe von Beth Revis bei LovelyBooks angeschlossen. Die ersten 50 Seiten sind gelesen und bisher bin ich sehr angetan von dem Buch. Auch die deutsche Ausgabe erscheint schon im August, jedoch unter dem Titel Godspeed – Die Reise beginnt und mit anderem Cover. Warum der Titel geändert wurde, verstehe ich nicht so richtig, denn der Originaltitel passt nach meinem Empfinden sehr gut und hätte ja einfach übersetzt werden können. Dennoch glaube ich, dass auch die deutsche Ausgabe ein ziemlicher Erfolg werden wird. Da würde ich fast eine Wette abschließen 😉

Was mir aber besonders aufgefallen ist, ist, dass die englische Ausgabe mir auch von der Gestaltung her besser gefällt. In der Regel finde ich die Qualität und auch die Cover der deutschen Bücher besser, aber hier ist es mal nicht so. Das Besondere an der Hardcover-Ausgabe von Across the Universe ist, dass man den Schutzumschlag wenden kann, und die Seite nach außen drehen kann, die einem besser gefällt. Anfangs sieht man innen eine Übersicht des kompletten Raumschiffes, das den Namen Godspeed trägt, in weiß auf dunkelblauem Hintergrund. Eine tolle Idee, finde ich. Trotzdem gefällt mir auch die deutsche Ausgabe, da ich grün sehr gern mag. Und generell sehen alle Bücher, die ich bisher aus den Verlagen der Verlagsgruppe Oetinger habe, sehr toll aus.

Hier mal die beiden Ausgaben – englisch und deutsch – zum Vergleich, und dazu noch das Wendecover:

 

 

 

 

 

 

 

Ich freue mich schon sehr auf die Runde und empfehle das Buch allein für den aufregenden Anfang schon mal weiter. Denn für mich spricht es immer schon mal sehr für ein Buch, wenn es von Beginn an begeistern und fesseln kann und das kann Across the Universe. All jenen, die an Klaustrophobie leiden, kann ich es aber nur bedingt empfehlen, denn die Stimmung ist wirklich klaustrophobisch. Zum Inhalt möchte ich aber gar nicht so viel sagen, denn wenn man nicht wirklich weiß, worum es eigentlich geht, liest sich das Buch sehr viel aufregender.

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