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Viele Frauen waren sicher schon mal in der misslichen Lage von ihrem Mann sitzen gelassen zu werden. Auch für Constanze kommt das in „Die Mütter-Mafia“ vollkommen unerwartet und mit allen Nebenwirkungen: sie ist plötzlich allein mit ihren zwei Kindern, eines davon – Nelly – stark pubertierend; sie muss umziehen, ins Haus der ehemaligen Schwiegermutter und dann sind da auch noch neue Nachbarn, neue Bekanntschaften anderer Eltern im Kindergarten und und und …

Constanze hat es also echt nicht leicht, und warum ihr Mann sie verlassen hat, das ist ihr ja mal gleich klar – da muss eine andere dahinter stecken, eine jüngere Frau! Er bestreitet das, aber nach einer Weile kommt doch heraus, dass es sie gibt: die Neue – Paris! Was für ein Name!!! Blond, gutaussehend, schlank, jung …

Während Constanze also mit den neuen Nachbarn kämpft, neue Freundschaften knüpft und plötzlich merkt, was es heißt allein über die Runden kommen zu müssen, vergnügt sich ihr Ex anderweitig. Um Anschluss zu finden, schließt sich Constanze zusammen mit zwei neuen Freundinnen einer Gruppe von Müttern an, die sich regelmäßig treffen und autauschen. Doch für Constanze ist das der reine Wahnsinn und Zickenkrieg pur. Was sich daraus wohl entwickeln wird? Und wie schafft sie es jetzt so allein klar zu kommen?

„Die Mütter-Mafia“ war eine locker leicht zu hörende Geschichte, die sich neben dem Sport super als Unterhaltung und Ablenkung eignete. Kerstin Gier hat ein tolles Gespür dafür, Alltagssituationen aufzudecken und mit ein paar kleinen Tricks zu etwas Besonderem zu machen. Besonders bedeutet in diesem Fall entweder lustig oder liebenswert. Denn eines sind die Figuren – zumindest die eine Hälfte auf Constanzes Seite – definitiv: sympathisch, chaotisch und einzigartig. Deshalb hat mir das Hören auch große Freude gemacht.

Die Story ist zwar nicht atemberaubend spannend oder bedeutsam, aber sie ist unterhaltsam und geht, so witzig und scheinbar stellenweise oberflächlich sie auch ist, doch auf Dinge wie Gerechtigkeit und Treue ein, die für jeden von uns wichtig sind. Daher ist es für nebenbei ein super Hörbuch, das absolut zur Entspannung und zum ein oder anderen Schmunzeln beiträgt.

Mirja Boes finde ich als Sprecherin für „Die Mütter-Mafia“ wunderbar, denn sowohl ihr Stimme als auch ihre Persönlichkeit passen perfekt zur Geschichte. Man könnte sie sich gut auch in einer Filmrolle als Constanze vorstellen – dieses Gefühl vermittelt sie über die komplette Zeit des Hörbuch hinweg, wodurch die Geschichte sehr realistisch wirkt.

Download-Version von Audible.de zum Preis von 10,95€ bzw. 9,95€ im Abo
Sprecher: Mirja Boes
Spieldauer: 04 Std. 12 Min. (gekürzt)
Audioinhalt: Hörbuch
Anbieter: Lübbe Audio
Veröffentlicht: 2008

Zugehört

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Die Technik, gerade bezüglich Computern, entwickelt sich mit einem rasenden Tempo. Was gestern noch nicht möglich war, ist in ein paar Monaten vielleicht kein Problem mehr und es wird zur Zeit daran geforscht. Etwas ganz und gar Unerwartetes passiert Mike in „Rafael 2.0“. Rafael, das ist bzw. das war sein Bruder, denn er ist kürzlich an einer genetisch bedingten Krankheit verstorben, der auch schon seine Mutter erlag.

Nachdem nun also seine Mutter und sein Zwillingsbruder tot sind, ist Mike verständlicherweise total niedergeschlagen und in tiefer Trauer versunken. Hinzu kommt noch, dass sein Vater scheinbar kaum noch Zeitt für ihn hat und nur mit sich selbst beschäftigt ist. Aber er ist doch noch da – er lebt! Sieht er das denn nicht? Schon bald aber soll Mike herausfinden, womit sich sein Vater beschäftigt hat. Zusammen mit Rafael hat er vor dessen Tod ein ausgetüfteltes Computerprogramm entwickelt, das es in dieser Form noch nie gab. Eine lern- und kommunikationsfähige Kopie von seinem Zwillingsbruder ist es, die Mike auf dem PC seines Vaters entdeckt.

Nach dem ersten Entsetzen und der Bestürzung über diese Erfindung, lässt sich Mike doch auf das Programm ein, das er jetzt Raf 2 nennt, denn sein Bruder, so viele Ähnlichkeiten sie auch haben mögen, ist das nicht. Doch dann verschwindet Brian – Mikes Vater – und alles geht drunter und drüber. Wer steckt hinter dieser Verschwörung und was hat das alles mit Raf 2 zu tun? Mike muss schnellstens eine Lösung finden, braucht jedoch auch Hilfe – und das ist gar nicht so leicht, wenn man plötzlich scheinbar niemandem mehr trauen kann. Eine Verschwörung nimmt ihren Lauf, die eine immense Spannung und Sogwirkung erzeugt.

Karl Olsberg ist mit „Rafael 2.0“ eine tolle Geschichte geglückt, die zugleich modern und doch realistisch, aufregend und ernsthaft ist. Er schafft es hervorragend Themen wie Trauer und technischen Fortschritt in eine Krimihandlung für Jugendliche zu packen, die durchaus auch Erwachsene zu begeistern weiß. Besonders toll daran ist, dass er mit diesem (Hör)buch auch die männlichen Leser erreichen und mehr als nur zufrieden stellen wird. Denn es hat wirklich alles, was sich junge Leser ab 13 Jahren fernab von den üblichen Liebesgeschichten und Fantasy wünschen können.

Zunächst dachte ich, dass ich mich an Patrick Möllekens Art das Hörbuch zu sprechen nicht richtig gewöhnen könnte, aber das war falsch gedacht. Seine Stimme ist jugendlich und hat zugleich etwas träumerisch-nachdenkliches, was wunderbar zur Figur des Mike passte. Er zieht den Hörer ganz tief in die Gedankenwelt des Jungen hinein und lässt ihn so – nahezu am eigenen Körper – spüren, wie es Mike ergeht. Die Kombination aus Sprecher und Inhalt war hier also wirklich großartig, sodass ich „Rafael 2.0“ unbedingt empfehlen kann.

Einzig das Ende hat mich nicht komplett überzeugt, was ich jedoch nicht allzu schlimm fand, denn ich bin gern bereit mir darüber meine eigenen Gedanken zu machen und es mir eventuell für mich realistischer auszumalen. So viel Freiraum lässt es doch allemal.

Download-Version von Audible.de zum Preis von 10,95€ bzw. 9,95€ im Abo
ab 13 Jahren
Autor: Karl Olsberg
Sprecher: Patrick Mölleken
Spieldauer: 04 Std. 45 Min. (gekürzt)
Audioinhalt: Hörbuch
Anbieter: Lübbe Audio
Veröffentlicht: 2011

Zugehört

Auch „Flammender Zorn“ führt den Leser wieder zurück nach Panem, doch es ist ein etwas anderes Panem, das den Leser nun erwartet. Katniss und Gale, sowie Katniss‘ Familie und einige andere der ehemaligen Sieger sind in Distrikt 13 untergekommen. Sie rebellieren gegen das Kapitol, doch Katniss ist sich unsicher, ob sie wirklich zum Spotttölpel werden soll, denn ist es nicht allein ihre Schuld, dass bereits so viele sterben mussten? Ist es nicht sie, die für einen großen Teil des Unglücks sorgte?

Und doch entschließt sich Katniss letztendlich dazu, an forderster Front der Rebellen zu stehen, sozusagen ihr Symbol zu sein. Denn das Kapitol hat sich etwas ganz besonderes ausgedacht, um sie zu quälen und das lässt sie nicht mit sich machen. In Videoeinspielern zeigt das Kapitol allen Distrikten, wie Peeta eine plötzliche Sinneswandlung durchmacht und sich gegen einen Krieg ausspricht. Das passt so gar nicht zu ihm, und noch weniger gefällt Katniss, wie schlecht Peeta plötzlich aussieht – so, als würde er vom Kapitol gequält. Die Rebellen konkurrieren im Gegenzug mit eigenen Videos – sogenannten Propos – in denen sie die Unmenschlichkeit des Kapitols und zugleich die Gutmütigkeit und Gerechtigkeit von Katniss zur Schau stellen.

Doch kann Katniss den Rebellen tatsächlich trauen oder befindet sie sich nur in einem Zerren zwischen zwei Seiten, an deren Spitze gleichermaßen ungerechte und tyrannische Herrscher sitzen? Sie muss sich auf ihr Gefühl verlassen und kann nur noch auf sich selbst vertrauen.

Für mich ist „Flammender Zorn“ ein wirklich gelungener Abschluss, der an Dramatik, Spannung und auch Traurigkeit kaum zu überbieten ist. Abermals steckt Katniss in einem Spiel fest, doch dieses mal sind es nicht die Hungerspiele, sondern Machtspiele anderer Art. Sowohl Katniss als auch dem Leser ist bis zum Ende nicht klar, wem man in diesem Spiel trauen kann. So stellt der Krieg zwischen dem Kapitol und den Distrikten bzw. Rebellen ein Gleichnis zu den Hungerspielen dar, wenn auch auf größerem Raum. Und erneut gilt es für Katniss sich zu behaupten und zu überleben bzw. auch die Leben ihrer Freunde und Familie zu sichern. Nur fällt ihr das, umgeben von noch viel mehr intriganten Menschen als bei den Hungerspielen, schwerer als sie je geahnt hätte.

Für ein Jugendbuch ist dieser 3. Band ziemlich brutal, doch ich denke, für Jugendliche ab 14 durchaus erträglich. Außerdem sollte dieser Punkt im Falle dieses Buches wirklich nicht vom Lesen abhalten, denn spannender und eindringlicher hat wohl noch kein Autor über Politik, Medienmanipulation und Kriege geschrieben. Das Alles ist, angesiedelt in einer visionären Welt, besonders spannend! Könnte es wirklich mal so weit kommen? Sind die Menschen zu soetwas fähig? Doch das Buch wirft noch viele weitere, tiefgehende Fragen auf und regt, trotz all der Spannung, die den Leser nahezu über die Seiten jagen lässt, auch zum Nachdenken an.

Das Ende des Buches, das ich selbstverständlich nicht verraten werde, empfinde ich als perfekt gelungen. Es wird der Reihe wirklich gerecht und ließ für mich keine Fragen offen, die Glaubwürdigkeit blieb aber bestehen. Auch in Liebesdingen entwickelt sich alles so, wie ich es mir erhofft und als einzig richtig empfunden hatte. Suzanne Collins hat die komplette Handlung von der ersten Seite von „Tödliche Spiele“ über „Gefährliche Liebe“ bis zur letzten Seite von „Flammender Zorn“ also perfekt durchdacht.

„Die Tribute von Panem“ ist für mich die gelungenste Jugendbuchreihe der letzten Jahre, die auch erwachsene Leser gleichermaßen anspricht. Am meisten von allen drei Bänden hat mich aber immer noch „Tödliche Spiele“ in seinen Bann gezogen.

Oetinger Verlag
Text von Suzanne Collins
Einbandgestaltung von Hanna Hörl
Aus dem Amerikanischen von Sylke Hachmeister / Peter Klöss
432 Seiten
gebunden mit Schutzumschlag
15.0 x 21.0 cm
EUR 18,95 · SFR 29,50 · EUA 19,50
ISBN-13: 978-3-7891-3220-9
Erschienen im Januar 2011

Jugendbuch Jungsecke Rezensionen

Nachdem ich Band 1 der „Das Tal“-Reihe von Krystyna Kuhn regelrecht verschlungen hatte und die Spannung ins Unermessliche angestiegen war, konnte ich dem zweiten Teil natürlich nicht widerstehen. Ganz interessant, aber auch etwas überraschend fand ich so den Wechsel der Erzählperspektive in „Die Katastrophe“. Hier erfährt man das weitere Geschehen nämlich aus Katies Sicht und nicht, wie in „Das Spiel“, aus Sicht von Julia und Robert, den neuen am Grace College. Da ich Katie aus dem ersten Buch noch als sehr geheimnisvolle und interessante Figur in Erinnerung hatte, konnte ich mich gut auf diesen Wechsel einlassen.

Wie ich schnell bemerken durfte, ist Katie eine ziemliche Draufgängerin hinsichtlich gefährlicher Situationen. Allein macht sie sich auf, einen komplizierten Berg zu besteigen. Und als sie von diesem Versuch mehr oder weniger heil zurück kommt, überredet sie ihre Mitschüler (ich würde auch Freunde schreiben, aber bin mir nicht so sicher, ob wirklich alle Freunde sind) den Ghost zu besteigen. Der Ghost ist nur ein weiteres unheimliches Detail, das das Grace umgiebt. So sind dort vor über 30 Jahren einige Jugendliche verschwunden und nie wieder aufgetaucht – ebenfalls Schüler vom Grace College. Auf diese Weise finden Katies Wagemut und der Wunsch der anderen, herauszufinden, was damals geschehen ist, zusammen und lassen Katie, Julia, Robert und die anderen den Aufstieg wagen. Eine Schar unerfahrener Jugendlicher, die einen Dreitausender besteigen will – das kann nur schiefgehen, oder?

Schnell bemerken sie, dass ihr Vorhaben ganz und gar nicht leicht ist. Und als dann auch noch ihre Führerin Ana verschwindet, die sich angeblich in der Bergen so gut auskennt, werden die Jugendlichen langsam panisch. Sowohl die Gefahren, wie auch die innere Angst steigen stetig an und schon bald ist es nicht mehr leicht die Ruhe zu bewahren. Auch stellt sich die Frage, wer hier Freund und wer Feind ist. Werden alle diesen Aufstieg heil überstehen? (Wo ein Aufstieg ist, da muss auch ein Abstieg folgen …)

Mich konnte dieser zweite Band der Reihe nicht so sehr fesseln, wie es der erste Band tat. Das liegt daran, dass sich wirklich fast das komplette Buch um den Aufstieg des Ghost dreht. Da kam es dann häufiger zu Längen und ich habe mich gefragt, wieso das alles in einer solchen Detailliertheit geschildert werden musste. Anders als in „Das Spiel“ fehlte es hier einfach ein wenig an Tempo und dem nötigen Gruseleffekt.

Erst gegen Ende (auf den letzten 50-80 Seiten) zieht Krystyna Kuhn das Tempo und die Spannung abermals immens an und so gelingt ihr erneut ein atemberaubender Abschluss, der auf Band 3 – Der Sturm – gespannt macht. Selbstverständlich fehlt die, bereits aus dem ersten Buch bekannte Todestafel am Ende nicht, die sich, so viel darf verraten werden, verlängert hat. Doch wer dieses Mal nicht mit dem Leben davon kommt und wie es nun für Julia, ihren Bruder und ihre Mitschüler weitergeht, dazu müsst ihr Band 2 und den Rest der Reihe schon selbst lesen.

Ich werde jetzt ganz erwartungsfroh mit dem dritten Teil der Reihe beginnen und die Geschichte weiterverfolgen!

Arena Verlag
304 Seiten
Klappenbroschur
9,95 EUR [D]
ISBN 978-3-401-06473-4

Jugendbuch Jungsecke Krimi und Thriller Rezensionen

Kristin Cashores Talent, Gefühle und damit Figuren lebendig werden zu lassen, ist es, das mich so sehr bei ihren Büchern fasziniert. „Die Beschenkte“ war bereits ein großartiger Jugendroman über Mut, Freundschaft, Liebe und Gerechtigkeit. All das hat auch „Die Flammende“, und außerdem erzählt das Buch eine ganz neue, einzigartige Geschichte. Abermals nimmt die Autorin den Leser mit in eine fremde Welt, die während des Lesens schon bald zur eigenen wird und deren Figuren man lieben lernt.

Die Handlung dieses zweiten Romans ist einige Jahrzehnte vor „Die Beschenkte“ angesiedelt und abermals geht es um einen Ort, der durch Machtspiele und Intrigen für kaum jemanden sicher ist. Zwischen den Königreichen  in den Dells bahnt sich ein Krieg an und Fire – die Flammende – ist eine wichtige „Spielfigur“ darin. Die 17-Jährige ist ein menschliches Monster, nur sind Monster bei Kristin Cashore nicht das, was man sich überlicherweise darunter vorstellt. Monster gibt es in jeder Tierart, doch Fire ist das einzige menschliche Monster. Sie unterscheiden sich von „normalen“ Lebewesen durch ihre außergewöhnliche Schönheit und Farbenpracht. Zudem haben sie auf Menschen wie Tiere eine immense Anziehungskraft. Doch Fire kann noch mehr: Sie spürt die Gedanken und Emotionen der Menschen um sich herum und kann sogar Einfluss auf deren Gedanken, Handlungen und Gefühle nehmen. Auch ihr Vater Cansrel konnte das, nutze seine Gabe aber gegen andere aus. Nur Fire liebte er wirklich.

Fire will nicht so werden wie ihr Vater und versucht sich möglichst verdeckt zu halten, hat sich sogar geschworen, nie das Bewusstsein anderer Menschen zu beeinflussen. Doch bald muss sie ihre Einstellung überdenken, als das Reich des jungen Königs Nash in einen Krieg zu geraten droht, in dem sich, so scheint es, alle anderen gegen ihn und sein Königreich verbündet haben So reist Fire an Nashs Hof, lernt dessen Bruder Brigan, aber vor allem auch neue Freunde kennen. Fires Aufgabe soll es nun sein, herauszufinden, was die Gegner des Königreichs vorhaben, doch das stellt sich als komplizierter als vermutet heraus. Trotz der Furcht vor dem kommenden Krieg, entwickelt sich für Fire auch viel Positives. Plötzlich sind Freunde und vor allem die Liebe dort, wo sie sie eigentlich nie vermutet hätte. Doch wird alles gut gehen?

Wie Lady Fire persönlich scheint Kristin Cashore eine unbeschreibliche Wirkung auf ihre Leser zu haben. Es ist, als lege sie einen Bann auf sie, der sie immer tiefer und eindringlicher in die Geschichte hineinzieht und darin verwickelt. Fire ist schon bald keine Fremde mehr für den Leser, sonder ein Mensch – wenn auch ein Monster – aus Fleisch und Blut, mit dem man gern Freundschaft schließen, den man trösten und mit dem man zusammen sein möchte. Gleiches gilt für die vielen anderen liebenswerten Personen im Buch: Musa, Mila, Brigan … .

Die Gefühle, die das Buch „Die Flammende“ heraufbeschwört, sind so wirklich und ehrlich, weil Kristin Cashore ihre Figuren bedacht, aber nicht emotionslos handeln lässt. Sie gehen nicht kopflos vor Liebe durchs Leben, sondern denken auch an das höhere Wohl und nicht nur an sich selbst, versinken zwar manchmal in Selbstmitleid, rappeln sich dann aber doch wieder auf und kämpfen für ihr Glück: Sie sind stark, voll Gefühl und echt! Genau deshalb leben diese Bücher auch so. Zwar spielen sie in einer fremden Welt aber doch könnte man meinen, man müsste sich nur auf den Weg machen und schon wäre man dort.

Diese zwei Bücher lassen mich mit großer Hoffnung zurück, dass es noch viel viel mehr von dieser jungen talentierten Autorin zu lesen geben wird. Im September dieses Jahres wird erstmal die englischsprachige Ausgabe von „Bitterblue“ erscheinen. Es geht jetzt also einige Jahre nach „Die Beschenkte“ weiter, und mit wem als Hauptfigur, das wissen alle Leser des ersten Buches ja auch schon. Ich freue mich jedenfalls sehr darauf, denn Bitterblue war mir von Anfang an sympathisch. Einmal mehr, da bin ich mir sicher, können wir uns auf eine spannende, liebevolle Geschichte über eine starke Frau freuen!

Carlsen Verlag
übersetzt von Katharina Diestelmeier
Gebunden mit Schutzumschlag
15 x 22 cm
512 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-551-58211-9
€ (D) 19,90

Fantasy Jugendbuch Rezensionen

Habt ihr eine besondere Gabe? Könnt ihr etwas richtig gut? Jeder von uns hat bestimmt ganz spezielle Fähigkeiten, die er wirklich gut beherrscht, doch im Buch „Die Beschenkte“ geht es mit diesen Fähigkeiten in einigen Fällen weit über das Überdurchschnittliche hinaus. In Kristin Cashores Erstling gibt es die sogenannten Beschenkten – sie sind beschenkt mit einer extrem ausgeprägten Gabe, auf einem ganz bestimmten Gebiet. Erkennen kann man die Beschenkten an ihren zwei unterschiedlich gefärbten Augen. Katsa, die Hauptfigur dieses Jugendromans, hat ein blaues und ein grünes Auge und sie hat die Gabe des Tötens!

In diesem Buch trifft der Leser auf eine Welt, eingeteilt in sieben Königreiche, sieben Königreiche, die von mehr, aber vor allem von weniger gerechten Königen regiert werden. Einem solchen König untersteht auch Katsa. König Randa benutzt das Mädchen, seit es als Kind versehentlich einen Mann tötete, der sie bedrohte, als seine persönliche Geheimwaffe gegen alle, die er gern ausgeschaltet haben möchte. Dabei bestraft er die verschiedensten „Vergehen“ mit dem Tod. Doch Katsa will nicht mehr nur die „mordende Maschine“ sein, vor der jeder sich fürchtet. Sie möchte Gutes tun und mit der Rettung des Vaters von König Ror von Lienid, vor seinen Entführern beginnt ein ganz neues Abenteuer für sie. Sie lernt den jüngsten Prinzen von Lienid kennen – Bo – und macht sich mit ihm auf den Weg, dieses Verbrechen aufzuklären. Er ist ebenfalls ein Beschenkter – beschenkt mit der Gabe des Kämpfens – und der erste, der auch nur annähernd mit Katsa mithalten kann, wenn es um den Kampf geht.

Auf ihrer Reise stoßen sie auf gefährliche Intrigen und Machenschaften, aber auch auf eine tiefe Freundschaft und ein ganz neues Erkennen ihrer Gaben. Sind sie wirklich nur die „Kämpfer“, für die sie sich halten oder steckt hinter ihren Gaben doch viel mehr? Denn eigentlich wollen Katsa und Bo nicht töten und kämpfen, wenn es nicht erforderlich ist. Unterwegs geraten sie in verschiedenste lebensbedrohliche Situationen, müssen anderen und sich gegenseitig helfen und überwinden die größten Hindernisse. Doch werden sie ihr Ziel erreichen, im Kampf gegen einen scheinbar unbesiegbaren Gegner? Katsa und Bo geben alles, und das mit vollem Einsatz ihrer beider Leben!

„Die Beschenkte“ ist das beeindruckendeste und spannendste Jugendbuch, das ich seit langer Zeit gelesen habe. Kristin Cashore ist eine Meisterin darin, ihren Figuren echte Persönlichkeit zu geben und damit die Gefühle des Lesers übersprudeln zu lassen. Man fiebert mit diesen großartigen Protagonisten und ihren Freunden, ob alten oder neuen, mit, begleitet sie auf der wohl gefährlichsten Reise, die Buchhelden je erleben mussten und freut sich über die entstehende Liebe zwischen Katsa und Bo.

Da besonders Katsa stets eine Außenseiterin war, ist es oft wirklich lustig und erfrischend zu lesen, wie sie auf menschliche Zuneigung reagiert, die ihr plötzlich häufiger zuteil wird. Sie ist störrisch und gleichzeitig so sympathisch, dass sie eine ganz wunderbare Heldin in diesem großen Abenteuer abgibt. Bo hingegen ist der ruhende Pol, der jedoch durch Katsas Sprunghaftigkeit immer wieder Überraschungen erlebt und dadurch ebenfalls zu den lockeren Passagen, in der an sich sehr von Gefahr geprägten Geschichte beiträgt.

So retten die beiden Leben und beenden andere – der Leser ist hautnah dabei, steht zu den beiden in jeder Situation und hofft, dass alles ein gutes Ende nimmt. Dabei kommt es immer wieder zu unerwarteten Verwicklungen, Gefühlsausbrüchen und Gefahren, die „Die Beschenkte“ so aufregend gut machen. Kristin Cashore scheint wirklich zu spüren, was Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene lesen wollen. Dazu hat sicher auch ihr Studium am Center for the Study of Children’s Literature in Boston beigetragen.

Für alle, die „Die Beschenkte“ schon kennen, erscheint noch in diesem Monat mit „Die Flammende“ ein neues Buch dieser wunderbaren Autorin. Auch hier wird man wieder auf Menschen mit ganz außergewöhnlichen Gaben und hoffentlich ebenso spannende Abenteuer wie im ersten Buch treffen. Ich bin gespannt, wie es weiter geht!

Carlsen Verlag
übersetzt von Irmela Brender
Gebunden mit Schutzumschlag
15,0 x 22,0 cm
496 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-551-58210-2
€ (D) 19,90
€ (A) 20,50 / sFr 31,50

Fantasy Jugendbuch Rezensionen

Wenn man jung und ausgelassen ist, denkt man doch gar nicht daran, dass plötzlich auf einmal alles vorbei sein könnte, oder? Wer glaubt schon, dass er im nächsten Moment sterben könnte? So geht es auch Sam. Es scheint ein ganz gewöhnlicher Tag in ihrem Leben zu sein, außer dass Valentinstag ist und sie geplant hat, das erste Mal mit ihren Freund zu schlafen. Aber sonst? Alles normal – Sam fährt mit ihren Freundinnen zur Schule, bekommt ein paar Rosen zum Valentinstag, isst in der Kantine, schwänzt eine Stunde, geht abends auf eine Party und will dann mit ihren Freundinnen nach Hause fahren. Nichts daran klingt sonderlich ungewöhnlich – doch auf der Heimfahrt blitzt auf einmal etwas weißes auf der Straße auf und plötzlich ist alles Schmerz für Sam…

Sam ist tot! Und dann doch wieder nicht… sie wird von ihrem Wecker geweckt und auch wenn sie es erst nicht glauben mag, es ist wieder Valentinstag. Hat sie da ein ganz schlimmes Déjà-vu? Nein, das ist es nicht – sie durchlebt diesen Tag noch einmal, alles ist mehr oder weniger identisch. Aber kann Sam vielleicht etwas am Verlauf des Tages ändern? Insgesamt 7 Mal bekommt sie die Möglichkeit dazu und was sie an jedem einzelnen Tag erlebt, öffnet ihr und dem Leser die Augen.

Erst dachte ich, dass es ein bisschen langweilig werden dürfte, den gleichen Tag sieben Mal durchzuspielen, wenn auch mit einigen Abwandlungen. Ich hatte schon die Befürchtung etwas à la „Und täglich grüßt das Murmeltier“ zu lesen zu bekommen, aber das ist „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ absolut nicht. Spätestens als DER Tag zum dritten Mal beginnt und so ganz und gar anders ist, hatte mich das Buch vollkommen gefangen genommen. Dieser Roman ist nicht einfach nur ein typisches Jugendbuch, ein Krimi oder eine Freundschaftsgeschichte – es ist so viel mehr. Hier geht es um Gerechtigkeit und darum, Opfer für andere zu bringen bzw. sich für sie einzusetzen. Es geht darum, über den eigenen Horizont zu schauen und aus seiner oftmals schönen kleinen Welt hinaus zu blicken, die Realität zu erkennen und sich den Tatsachen zu stellen. Natürlich spielen auch Freundschaft, Liebe und Elemente, die einem Thriller entspringen könnten eine Rolle, aber alles zusammen lässt sich in kein Klischee stecken.

Hierbei spielen in Sams Fall ein Mädchen namens Juliet Sykes und ein Junge namens Kent eine große Rolle. Juliet Sykes wird von so ziemlich jedem nur Psycho oder auch Piss Miss genannt, und diese Namen trägt sie dank Sams bester Freundin Lindsey. Eigentlich kann sich Juliet nirgendwo hintrauen, denn wo sie auch ist, wird sie von Hänseleien verfolgt und vergräbt sich immer mehr in sich selbst. Und dann ist da noch Kent – der Junge, mit dem Sam eine Sandkastenfreundschaft verbindet, für den sie sich aber nicht mehr interessiert hat, spätestens seit sie mit Lindsey befreundet ist und somit zu einer Art Elite gehört. Ist Sam über ihre neue Freundschaft hin gar selbstsüchtig und gefühllos geworden? Oder entwickelt sie sich vielleicht doch noch in eine andere Richtung? Welche Rollen spielen Sam und Kent an diesen Tagen bzw. an diesem einen, sich immer wiederholenden tag für sie?

Mich hat an „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ besonders Sams Entwicklung während der einzelnen Tage so gefesselt. Sie ist schwach, sie ist stark, unentschlossen oder wächst über sich selbst hinaus, sie weiß nicht, was sie tun soll, ist gemein, verrückt und dann mal wieder total liebevoll – man darf wohl wirklich jeden möglichen Charakterzug an ihr kennen lernen und genau dadurch kann dieses Buch so ungemein fesseln. Wenn sich sowieo der Tag immer und immer wiederholt, wieso nicht mal komplett aus der Reihe tanzen? Alles ganz anders machen? Und tatsächlich spürt man beim Lesen oft Ungläubigkeit und dann wieder Mitgefühl für Sam, dieses starke und unglaublich kluge Mädchen. Sie ist die perfekte Hauptfigur und das gerade weil sie nicht immer alles richtig macht, aber eben versucht sich zu bessern und zu entwickeln.

Ob Sam am Ende des siebten Tages überlebt oder nicht bzw. was danach kommt, das sein hier natürlich nicht verraten. Und ebenfalls kann ich euch nicht sagen, ob sie die Lösung dafür findet, weshalb sie diesen Tag immer und immer wieder durchleben muss / darf. Tatsache ist: Jeder Tag lohnt sich, für den Leser und letztendlich auch für Sam.

Lauren Oliver schreibt unfassbar mitreißend und bringt toll dieses jugendlich frische Gefühl rüber, scheint in die Seelen aller Jugendlichen blicken zu können und zu wissen, was sie wollen und vor allem, wie es für sie geschrieben sein muss. Durch ihre Authenzität und ihr wunderbares Feingefühl, gelingt es ihr so, ganz ohne Probleme, auch Erwachsene in den Bann ihrer Geschichte zu ziehen. Sie hat es geschafft, aus einem relativ gewöhnlichen ersten Tag eine Geschichte zu erspinnen, die extrem komplex und voller verschiedener Schicksalsschläge ist, die sich miteinander verbinden und dann zu einem großen Ganzen werden – zu einer großen Falle? Das muss jeder selbst entscheiden!

Mir ging es so, dass ich mit dem tatsächlichen Ende des Buches irgendwie gerechnet hatte, auch wenn es mich leider nicht zufrieden stimmt. Dennoch ist es keines dieser Einheitsenden, sondern gut durchdacht und es hat durchaus seine Berechtigung. Gewünscht hätte ich mir etwas anderes, aber bekommen habe ich etwas, mit dem ich zumindest leben kann. Fast wünsche ich mir eine Fortsetzung, denn die Figuren sind mir ans Herz gewachsen mit ihren ganz eigenen Lebensgeschichten – ich möchte zu gern wissen, wie es mit ihnen weitergeht.

Ich denke, Lauren Oliver ging es vor allem darum zu zeigen, dass im Leben nicht immer alles so ist, wie es scheint. Dass wir Menschen oft falsch vorverurteilen und dass man trotzdem etwas dagegen tun kann, auch wenn man es vielleicht erst später bemerkt. Man kann es wieder gut machen! Aus Fehlern kann  und muss man lernen! Es ist nur wichtig, den richtigen Weg dafür zu finden und es zu wollen. Was denkt ihr? Findet Sam den richtigen Weg? Für mich hat sie ihn gefunden…

Eine kleine Sache zur Aufmachung des Buches möchte ich am Ende noch anmerken, was mir aber letztendlich bei dem fantastischen Inhalt auch nicht mehr wirklich etwas ausmacht: Zunächst wirkt die Gestaltung des Buches, entfernt man auch einmal den Schutzumschlag, großartig. Das Buch sieht aus, als wäre es mit leicht glänzenden Farben besprüht worden. Vorher habe ich soetwas noch nicht gesehen und mir hat es richtig gut gefallen. Leider ist diese Farbe aber auch wenig haltbar und löst sich bei der kleinsten Berührung mit anderen Genenständen ab. Dadurch sieht das Buch schnell sehr abgegriffen aus, auch wenn man extrem vorsichtig damit umgeht. Schade! Aber wie gesagt. Der Inhalt macht alles wieder wett!

Das neue Buch der Autorin – Delirium – erscheint im November 2011.

Carlsen Verlag
ab 14 Jahren
übersetzt von Katharina Diestelmeier
Gebunden mit Schutzumschlag
15 x 22 cm
448 Seiten
ISBN 978-3-551-58231-7
€ (D) 19,90 € (A) 20,50 / sFr 31,50

Jugendbuch Rezensionen Unterhaltungsliteratur

„Tage wie diese“ ist das innerlich wie äußerlich wohl schönste Jugendbuch, das ich in letzter Zeit gelesen habe und ich lese viele Jugendbücher! Schon als ich das Buch das erste Mal in die Hand nahm, war ich wie verzaubert. Der Baum auf dem Cover zieht sich um das ganze Buch herum, die Blätter sind erhaben und glitzern leicht. Man sieht zudem das Waffelhaus, das in der Geschichte eine wichtige Rolle spielt und einen Ort mit wahrer Wohlfühlatmosphäre darstellt. Denn eins kann man sich in diesem Buch definitiv: sich wohlfühlen!

Die drei Autoren Maureen Johnson, John Green und Lauren Myracle haben sich zusammengetan, dieses Buch zu schreiben. Und in der Reihenfolge der genannten Namen, erscheinen auch die Geschichten der jeweiligen Autoren im Buch. Der Clou daran ist, dass man nach und nach immer mehr die Zusammenhänge zwischen den Geschichten erkennt – alles fügt sich zusammen und macht aus drei einzigartigen, romantischen und einfach nur wunderschönen Geschichten eine perfekte Einheit.

Los geht es mit Maureen Johnsons Geschichte „Der Jubilee-Express“, in der das Mädchen Jubilee plötzlich an Weihnachten ziemlich dumm dasteht, weil ihre Eltern im Gefängnis festsitzen, ihr Freund nur mit den Feierlichkeiten beschäftigt ist und sie auch noch mit der Bahn zu ihren Großeltern fahren muss. So hatte sie sich das sicher nicht vorgestellt. Dann bleibt auch noch der Zug wegen des extremen Schnees stecken und Jubilee stapft zu Fuß zum Waffelhaus, in der Nähe der Autobahn. Hier gibt es die leckersten Waffeln überhaupt. Dort lernt sie auch Stuart kennen… Ob es für Jubilee doch noch ein Weihnachtswunder gibt?

In der zweiten Geschichte „Ein cheer unglaubliches Weihnachtswunder“ erzählt John Green aus der Sicht von Tobin. Auch er und seine Freund JP und ein Mädchen, von ihnen nur „der Herzog“ genannt, verbringen Weihnachten nicht mit ihren Familien, sondern miteinander. Sie sind wirklich die besten Freunde und machen alles zusammen. Klar, dass sie sich auf den Weg ins Waffelhaus machen, als sie erfahren, dass da eine Gruppe von Cheerleadern gestrandet ist, die unbedingt Twister spielen möchte. Mit dem Auto von Tobins Eltern machen sie sich auf, doch der Schnee macht ihnen so einige Striche durch die Rechnung! Werden sie beim Waffelhaus ankommen? Und vor allem: Sind die Cheerleader dann wirklich noch interessant?

Schlussendlich folgt mit „Der Schutzheilige der Schweine“ Lauren Myracles Part in diesem Buch. Aus der Sicht des Mädchens Abbie, verwickelt sie den Leser in eine Geschichte um Eifersucht, Trauer, Freundschaft und natürlich Liebe! Denn gerade hat sich Abbies Freund Jeb von ihr getrennt, weil er sie beim Knutschen mit einem anderen Jungen erwischt hat. Dumm nur, dass Abbie das gar nicht wollte, Jeb ihr aber nicht glaubt. Abbie ist total verzweifelt und will ihn unbedingt zurück. Dabei stehen ihr ihre beiden besten Freundinnen Dorrie und Tegan mehr oder weniger zur Seite, öffnen ihr aber auch die Augen. Und was ein kleines Teetassenschwein mit der ganzen Sache zu tun hat, das müsst ihr selbst herausfinden. Es ist nur eines unter etlichen, kleinen zauberhaften Details in diesem Buch.

Zwar spielt dieses Buch bei Minusgraden, Schnee und Eis, zur Weihnachtszeit und doch ist es für jede Jahreszeit perfekt. Denn es enthält eine wichtige Botschaft, nämlich wie wichtig Liebe und Freunschaft sind. Das sagt man immer so gern dahin, aber beim Lesen von „Tage wie diese“ bekommt man ein wahres Gefühl für die Bedeutung dieser Worte. Ich verspreche, dass das Herz eines jeden Lesers dahinschmelzen wird, wenn er dieses Buch liest, selbst wenn es der Schnee im Buch nicht tut.

Mädchen, aber auch Jungen ab 12 Jahren und natürlich Erwachsenen kann ich nur unbedingt raten, dieses Buch zu lesen, denn man verpasst sonst wirklich etwas. Die Geschichten sind kein Liebeskitsch, sondern sie enthalten eine geballte Ladung liebevoller Elemente, gepaart mit einer ordentlichen Portion Humor. Die Autoren verschmelzen so gut zu einer Einheit, dass ich zwar traurig war, als eine Geschichte vorbei war, die nächste mich aber sofort wieder in ihren Bann nahm. Sie schaffen es alle drei auf gleicher Augenhöhe zu stehen und dem Leser eines ums andere Staunen zu entlocken. Zu herrlich sind die Personen, zu frisch die Dialoge, um auch nur eine Sekunde damit zu verbringen, dem Vorangegangenen hinterher zu trauern. Denn die ganze Zeit wusste ich: Irgendwann fügt sich alles zu einem großen, fantastischen Ganzen zusammen. Und wirklich alle Hauptfiguren sind mir, trotz oder gerade wegen ihrer Macken, richtig schnell ans Herz gewachsen.

Die Inhaltsbeschreibung auf dem Buchrücken von „Tage wie diese“ drückt niemals aus, wie viel in diesem Buch steckt. Es ist voller Witz und Grips, und langweilig wird es garantiert nie. Das schwöre ich. Lest es und ihr werdet begeistert sein!


Arena Verlag
ab 12 Jahren
400 Seiten
Gebunden
15,95 EUR [D]
ISBN 978-3-401-06544-1

Jugendbuch Liebesroman

Wer hat sie nicht gesehen – die Bilder von Terroranschlägen, wie etwa auf das World Trade Center? Für Jem und Spinne bleiben es jedoch nicht nur Bilder, denn die beiden sind sozusagen mitten drin, als in London eine Bombe im London Eye, dem riesigen, die ganze Stadt überblickenden Riesenrad, hochgeht. Eigentlich wären Jem und Spinne auch betroffen gewesen, wenn da nicht eine Tatsache wäre:

Jem kann das Todesdatum jedes Menschen vor ihrem inneren Auge sehen, wenn sie ihm in die Augen schaut. Ausgerechnet als sie und ihr einziger Freund Spinne, ein großer, schlaksiger, schwarzer Junge, vor dem London Eye anstehen, haben plötzlich alle anderen das gleiche Todesdatum: Heute! So weiß Jem, dass etwas Schlimmes passieren wird und drängt Spinne, der von ihrer „Gabe“ nichts ahnt, mit ihr abzuhauen.

Dummerweise werden die beiden dabei von Kameras gefilmt und als es später dann wirklich zum Anschlag kommt, werden Jem und Spinne zu den wohl meistgesuchten Menschen des Landes, denn alle nehmen an, dass sie etwas über diese Sache wissen. Da Jem und Spinne beide schon Dreck am Stecken haben, hauen sie ab, denn sie fürchten ins Gefängnis zu kommen. Wie solllte Jem ihre Fähigkeit, das Todesdatum anderer Menschen zu sehen, auch anderen glaubhaft machen? Und so beginnt eine spannende Verfolgungsjagd, auf der nicht allein die Verfolgung ein Problem bleibt.

Eins plagt Jem, die normalerweise keine Freunde hat, weil sie es nicht ertragen kann zu sehen, wann diese Menschen sterben werden, nämlich noch: Auch Spinne hat nur noch ein paar Tage zu leben! Gelingt es vielleicht doch Spinnes Schicksal nochmal umzukehren?

„Numbers – Den Tod im Blick“ ist wirklich ein außergewöhnliches Buch mit einer ganz außergewöhnlichen Geschichte! Ist die Inhaltsbeschreibung schon spannend, so ist das Buch selbst an Dramatik und Ideenreichtum nicht zu überbieten. Das liegt besonders an den anbetungswürdigen Hauptfiguren, deren ganz eigenem Charme ich mich absolut nicht entziehen konnte. Während Jem schwer zu kämpfen hat mit ihrer Todessicht, ist Spinne ein witziger, weltoffener Typ. Gegenseitig bringen sie sich mehr über das Leben bei und schon bald öffnet sich Jem, während Spinne erkennt, dass es auch Ernst im Leben gibt, ernsthafte Liebe zum Beispiel.

Dieses Buch hat für mich zu Recht eine Altersempfehlung ab 14 Jahren, denn es geht schon sehr rasant und teils brutal zu. Außerdem haben Jem und Spinne einen Sprachstil entwickelt, der seinesgleichen sucht. Sie sagen beide, was sie denken und das kommt häufig ganz schön schnodderig daher, passt aber perfekt zur Handlung und macht alles nur noch glaubhafter. Denn bis auf diese eine Sache, eben dass Jem das Todesdatum eines jeden Menschen an seinen Augen ablesen kann, ist hier nichts verstellt oder geschönt. Die Glaubhaftigkeit ist hier ein extrem wichtiger Aspekt für mich, denn sie ist es, die das Buch derartig fesselnd macht.

Rachel Ward hat somit nicht nur eine Fantasy-Story geschrieben, sondern erzählt auch von ernsthaften Themen wie Rassismus, Ausgrenzung und Mobbing. Diese Thematik bindet sie aber so gekonnt in die Handlung ein, dass Jugendliche sich nicht belehrt fühlen, sondern viel mehr hintergründig angewiesen werden, sich selbst Gedanken über das Leben zu machen, darüber, wie es ihnen selbst geht, was sie besser machen könnten und vor allem: wie es anderen Menschen, besonders Jugendlichen, in ihrem Alter ergeht. Spinne und Jem sind hierfür eine wunderbare Vorlage.

Bis zum Ende ist „Numbers – Den Tod im Blick“ eine spannende Odyssee zweier Jugendlicher durch England und auch der Schluss rüttelt nochmal richtig auf. Teilweise habe ich mit diesem Ende gerechnet, aber dann setzt die Autorin plötzlich noch etwas drauf und ich war vollkommen fasziniert von diesem Einfallsreichtum. Nun möchte ich einerseits eine Fortsetzung und zugleich doch nicht, weil das irgendwie die großartige Originalität dieses Abschlusses kaputt machen würde. Ich kann mich nicht entscheiden, was ich jetzt will… aber eins ist klar: Ich möchte, dass ihr dieses Buch unbedingt lest, wenn euch die Geschichte anspricht rein inhaltlich anspricht, denn stylistisch ist sie grandios!

Ein interessantes Interview mit der Autorin findet ihr hier: Interview

Chicken House Verlag
368 Seiten, 13,3 x 19,8 cm
Klappenbroschur mit Prägung und Spotlackierung
ab 14 Jahren
€ (DE) 13,95
ISBN 978-3-551-52007-4

Jugendbuch Jungsecke Krimi und Thriller Rezensionen

Mit ihrem dystopischen Jugendroman „Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“ lieferte Suzanne Collins einen nervenaufreibenden Auftakt zu einer einzigartigen Trilogie. Im zweiten Band „Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe“ setzt sie dort an, wo der erste Band endet und zieht den Leser sofort wieder in die spannende Geschichte um Katniss, Peeta, Gale und Co. hinein.

Nachdem sowohl Katniss als auch Peeta im ersten Band als Sieger aus den Hungerspielen zurückkehrten, heißt es jetzt für sie, die Feierlichkeiten danach zu überstehen. Es stehen Besuche in allen Distrikten an und natürlich auch die damit verbundenen Schmink- und Umkleidetiraden. Katniss und Peeta sind beide wenig begeistert davon. Aber noch viel schlimmer ist, dass das Kapitol absolut nicht zufrieden mit der Situation ist. Es fühlt sich durch Katniss betrogen, die mit ihrem Beerentrick dafür verantwortlich ist, dass es zum ersten Mal in der Geschichte der Hungerspiele zwei Sieger gibt. Nun besteht seitens des Kapitols die Befürchtung, dass Katniss zu einer Art Symbol des Aufstands werden könnte und auch die Distrikte damit anstecken könnte.

Wie der Buchtitel „Gefährliche Liebe“ schon verrät, und wie es sicher einige Leser auch bereits wahrgenommen hatten, kommen aber noch mehr Probleme auf Peeta, Katniss und auch Gale, sowie ihre Familien zu. Denn zwar spielte Katniss gezwungenermaßen bei der großen Liebesgeschichte zwischen sich und Peeta mit, aber es lässt sich immer weniger verbergen, dass sie eigentlich Gefühle für Gale hat. Auch der Präsident hat davon mitbekommen! Wenn Katniss ihre Rolle nicht perfekt weiter spielt, bedeutet das nicht nur eine große Gefahr für sie selbst, sondern auch Peetas, Gales und ihre eigene Familie. Wird sie mit dieser Last auf ihren Schultern zurecht kommen? Und was ist eigentlich mit den diesjährigen Hungerspielen? Eins sei dazu gesagt: Den Leser erwartet dort eine – ziemlich böse – Überraschung!

Wie schon den ersten Band, habe ich auch dieses Buch verschlungen. Als Leser hofft man so sehr, dass man wieder eine gleichermaßen wunderbare Geschichte wie schon im ersten Buch lesen darf und wird nicht enttäuscht. Auch gibt es keine Enttäuschung in der Hinsicht, dass das Buch nicht eigenständig genug wäre. Suzanne Collins kreiiert hier eine komplett neue Handlung, allerdings in der gewohnten düsteren und nervenkitzelnden Atmosphäre. Von Anfang an fühlte ich mich wieder wohl mit den Figuren und zugleich total nervös und hibbelig, ob der konfliktgeladenen Handlung.

Es ist erstaunlich, wie einzigartig die Autorin von politischen Gegebenheiten erzählen kann. Gerade das macht sie meines Erachtens zu einer Meisterin der Erzählkunst, denn Politik für Jugendliche in ein spannendes Licht zu rücken, ist beim besten Willen nicht einfach. Und auch wenn die Handlung eher Richtung Fantasy und Science Fiction geht, wird dem Leser immer wieder klar gemacht, wie wichtig es ist, sich für seine Rechte einzusetzen, egal in welcher politischen – bzw. Lebenssituation man sich befindet. Diese Kombinationsgabe der Autorin, Spannung, Liebesgeschichte und unaufgedränges Lehrreichtum miteinander zu verknüpfen, macht dieses Buch zu dem, was es ist: zu etwas ganz Besonderem!

Mich überzeugt dieser zweite Teil komplett, und hatte ich vor der Lektüre auch Zweifel daran, dass er mit dem ersten Band mithalten kann, so bin ich nun umso überzeugter, dass der dritte Band „Die Tribute von Panem – Flammender Zorn“, der im März 2011 erscheint, mindestens auf dem gleichen, hohen Niveau angesiedelt sein wird wie schon die ersten beiden Bücher. Darauf freue ich mich schon jetzt unbändig.

Mehr zum dritten Buch und eine Coverabbildung findet ihr hier: Die Tribute von Panem III

Und für jüngere Leser ab 10 Jahren sind auch sehr die „Gregor“-Bücher der Autorin zu empfehlen.


Oetinger Verlag
432 Seiten
gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
15.0 x 21.0 cm
für alle Altersstufen
EUR 17,95
ISBN-13: 978-3-7891-3219-3
Erschienen im Mai 2010

Jugendbuch Jungsecke Rezensionen