Ein Tal, eine Eliteschule, viele hochbegabte Jugendliche, ein dunkler See und ein mächtiges Geheimnis: Das sind die Grundlagen des Grauens! Denn eins ist ab der ersten Seite von Das Tal – Das Spiel klar – dieses Buch ist nicht harmlos, es steckt voller Geheimnisse, Anspielungen, Mystik und Angst! Von Beginn an, weiß die Autorin Krystyna Kuhn zu fesseln und das über normale Maßstäbe hinaus.

Es beginnt damit, dass die Geschwister Julia und Robert Frost zum Grace College gebracht werden. Denn auch die Beiden sollen ab sofort auf dieses – angeblich einzigartige – Elite-College tief verborgen in den kanadischen Bergen gehen. Und bereits hier spürt der Leser eine extreme, unergründliche Angst bei den Geschwistern. Als würde mit jedem Meter, dem sie dem College näher kommen, eine mächtige und uralte Gefahr heraufbeschworen, der Julia und Robert einfach nicht entrinnen können.

Einem Psycho-Thriller gleich baut die Autorin die Spannung auf und als Leser braucht man schon Nerven wie Drahtseile, um nicht ab und zu aufgrund des Grusel-Effekts das Buch zu schließen und erstmal durchzuatmen. Denn Das Tal – Das Spiel bietet keine ruhigen Minuten oder gar Verschnaufpausen – weder für den Leser, noch für die Figuren. Man wird sofort tief in die Geschichte reingezogen und kommt selbst nach dem Ende nicht mehr heraus. In diesem Moment ist man dann froh, dass es noch mehrere Fortsetzungen geben wird und zugleich schleicht sich schon die nächste Gänsehaut im Nacken an. Eines ist nämlich ganz sicher: Der Thrill-Faktor dieses ersten Bandes ist so hoch, dass es definitiv nicht harmlos weitergehen kann. Besonders das Ende des Buches lässt einen unruhig und voller Fragen und Erwartungen zurück. Zwar ist Das Tal – Das Spiel an sich abgeschlossen, aber doch bleiben genügend Handlungsstränge für viele weitere Bände offen.

Nach Julias und Roberts Ankunft im Grace fällt es ihnen schwer sich einzuleben. Da gibt es etwas in der Vergangenheit der beiden, das ihnen ein Leben, egal an welchem Ort, wirklich schwer macht. Am Grace College – diesem düsteren und scheinbar ausweglosen Ort – ist jedoch alles noch schlimmer. Beide Geschwister werden von Alpträumen geplagt, sie können sich nicht richtig einleben und stehen erstmal als Außenseiter da, obwohl sie nur zwei unter vielen neuen Schülern sind. Krystyna Kuhn macht hier immer wieder Andeutungen, spielt mit der Furcht der Geschwister und des Lesers und verrät doch lange lange Zeit fast nichts. Ihr Talent, den Leser mit Möglichkeiten nervös zu machen, ist fantastisch! Sie bringt die Gedanken des Lesers in Wallung und lässt bei ihm das Gefühl zurück, er müsse selbst einen Fall aufdecken. Anfangs geht es vor allem noch darum, herauszufinden, was so Schreckliches in Julias und Roberts Vergangenheit passiert sein muss. Etwas unsagbar Grauenhaftes muss da geschehen sein, denn beide Geschwister tragen eine Maske mit sicher herum, die aufzudecken ein fataler Fehler sein könnte. Doch das ist noch nicht alles…

Richtig gruselig wird es, als die neuen Studenten sich auf eine geheime Bootshaus-Party schleichen – im Hauptgeschehen stehen hier Robert und seine 3 Zimmergenossen (David, Benjamin und Chris) sowie Julia und ihre drei Zimmergenossinnen (Katie, Debbie und Rose). Während alle anderen sich scheinbar amüsieren, springt Robert in den See und schwimmt los wie ein Verrückter. Niemand weiß, was in ihn gefahren ist, doch eins ist klar – er muss wahnsinnig geworden sein, oder aber etwas gesehen haben. Es gewittert nämlich und der See – wirkte er vorher auch noch so tot – ist nun voller Strudel und Strömungen. David springt ihm hinterher und soviel sei gesagt: Es wird ein Kampf ums Überleben. Später stellt sich heraus, das Robert ein Mädchen auf den Klippen gesehen hat, das angeblich ins Wasser gesprungen und nicht mehr aufgetaucht ist. Er wollte sie retten, konnte jedoch niemanden finden. Keiner der anderen glaubt Robert, denn schon vorher neigte er ja zu Aplträumen und verrückten Fantasien. Und doch ist in dieser Nacht ein Mädchen spurlos verschwunden, und zugleich kann es nicht das Mädchen sein, das Robert hat springen sehen. Warum? Hier sollte man nun wirklich selber in das Buch Das Tal – Das Spiel eintauchen…

An dieser Stelle angekommen, ist die Spannung wirklich zum Zerreißen und nimmt bis zum Ende hin stetig zu. Immer kommen neue Aspekte hinzu und mindestens genauso viele Geheimnisse. Was hat es nur mit diesem Ort auf sich? Was verbrigt dieses abgeschottete Tal? Wieso findet man es nicht auf Google Maps? Warum sind im See keine Fische? Alles an diesem Ort ist merkwürdig und erschreckend. Doch zugleich finden Julia und Robert – fast ohne es zu bemerken – auch Freunde. Dennoch behagt ihnen die Atmosphäre am Grace College weiterhin nicht – trotzdem sind sie nicht mehr allein. Die Frage ist nur: Wem können sie wirklich trauen? Denn ihre Vergangenheit sitzt ihnen im Nacken und niemand darf ja davon erfahren, doch da gibt es mindestens ein Problem…

Ganz ehrlich gesagt: Dieses Buch ist grandios! Es ist so viel besser als das ewige Thriller-Einerlei, denn es kommt ohne Massen an Blut und Gewalt aus. Trotzdem jagt es dem Leser Schauer über den Rücken und liest sich aufwühlender als jeder Psycho-Thriller. Nie ist man sich wirklich sicher, ob es sich noch um einen normalen Thriller handelt, oder ob hier doch etwas Unerklärliches lauert, eine Art Fantasy- oder Mystery-Geschichte, die nur noch hervorbrechen muss. Gerade dieses Unwissen, was da vor sich geht, macht den Reiz und zugleich den Horror von Das Tal – Das Spiel aus. Mit Sicherheit nämlich dreht es sich hier nicht um ein Kinderspiel, auch wenn „Das Spiel“ im Titel fast schon eine Verharmlosung darstellt. Besagtes „Spiel“ ist kein Kinderkram und lässt sicher selbst ältere Semester erschauern. Da verspürt auch der erwachsene Leser das Bedürfnis, nachts nochmal richtung Fenester zu leuchten und sich zu vergewissern, dass dort niemand steht und nur auf den passenden Moment wartet…

Das Tal – Das Spiel ist der gelungenste Serienauftakt, den ich seit langem gelesen habe. Von dieser Reihe darf man sicher noch viel erwarten und gespannt darauf sein, was in Zukunft Schauerhaftes am Grace College vor sich geht. Es ist ein einzigartig aufrüttelndes und greifbares Buch, das doch stets etwas im Verborgenen lässt. Greift man nach der einen Lösung, steht schon wieder die nächste Frage bevor. Wirklich prickelnd!

Krystyna Kuhn: Das Tal Season 1.1 – Das Spiel, Klappenbroschur, 9,95 €, 299 Seiten, Mai 2010, 978-3401064727, Arena Verlag, Würzburg

Jugendbuch Jungsecke Krimi und Thriller Rezensionen

derFischdasKlavierundderWindWas soll man sich unter einem solchen Buchtitel vorstellen: „Der Fisch, das Klavier und der Wind“? Ich denke, dass dieser Titel darauf hinweisen soll, dass Bücher unglaublich vielseitig sind und von allen Themen handeln können, die es gibt. Selbst wenn Begriffe wie „Fisch“, „Klavier“ und „Wind“ auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, ermöglicht es die Fantasie in Büchern doch sie zu vereinen.

Und Fantasie ist es, auf der dieses wunderbare Buch beruht. Alles fing damit an, dass sich eine Frau namens Barbara Scharioth, die Herausgeberin, an ihre Lektüre von Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ erinnerte. Dort gelangt Alice nämlich durch einen Bücherschacht aus ihrer eigenen in eine ganz und gar abenteuerliche Welt. Doch wie kann man sich so einen Bücherschacht vorstellen, der den Übergang zwischen zwei so verschiedenen Welten darstellt? Welche Bücher befinden sich wohl darin?

Genau hier befindet sich der Ursprungspunkt für dieses Buch. Barbara Scharioth hatte einfach keine Vorstellung. Doch jeder Bücherwurm kann sicher nachvollziehen, dass man gern ein richtiges Bild von diesem Bücherschacht vor Augen hätte oder am liebsten sogar selbst einmal darin herumspazieren würde.

Aber selbst Besuche in den verschiedensten Bibliotheken, darunter die große Kinder- und Jugendbibliothek in München, brachten nicht den gewünschten Effekt. So entstand die Idee, dass nur imaginäre Bücher in diesem Schacht stehen könnten, Bücher, die bisher noch gar nicht existieren.

Schließlich fanden sich insgesamt 70 Illustratoren weltweit, die je ein Buchcover inklusive Buchtitel, Verlag und kurzer Inhaltsangabe für dieses Buchprojekt erfanden. Ganz verschiedene Covergestaltungen und Ideen, die der Fantasie keine Grenzen lassen, findet man nun in „Der Fisch, das Klavier und der Wind“ vereint – eine eigene kleine Bibliothek imaginärer Bücher versammelt in einem Buch. So etwas hat es wirklich noch nicht gegeben.

Tatsächlich hält man sich liebend gern in dieser Bibliothek in Buchform auf. Alle Bilder verzaubern auf ihre Weise und stellen dar, wie vielfältig die Welt der Bücher doch ist. Es ist ein Buch, das so deutlich die Liebe zu Büchern widerspiegelt, wie kaum ein anderes.

Hinzu kommt, dass alle Texte im Buch sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch vorhanden sind, sowie beim jeweiligen Bild in der Originalsprache des Illustrators. Bücher verbinden die Menschen weltweit – es wird überall gelesen, die Menschen versinken in Geschichten und lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Dies ist zumindest eine Botschaft von „Der Fisch, das Klavier und der Wind“.

Wunderschön ist dieses großformatige Buch von innen und außen anzusehen. Natürlich fehlt auch ein Lesebändchen nicht. Bei mir befindet es sich jetzt auf der Seite mit meinem Lieblingsbuchcover und der für mich schönsten Buchidee: „Miss Beauty of World“. Vielleicht habe ich ja Glück und irgendwann wird dieses Buch tatsächlich veröffentlicht. Wer weiß?

Sicher ist, dass dieses Buch eine hervorragende Mischung aus Kunst und Ideen, Fantasie und Bücherliebe bietet. Jede Seite ist definitiv mehr als nur einen Blick wert.

Barbara Scharioth: Der Fisch, gebundene Ausgabe, 176 Seiten, ISBN 978-3551517227, Oktober 2009, Carlsen Verlag

Jugendbuch Kinderbuch Rezensionen

indigosommerSmilla fährt für ein Jahr zu Bekannten in die USA um dort zur Schule zu gehen und viele Erfahrungen zu sammeln. Gerade erst angekommen, ist sie ganz begeistert darüber, dass sie mit zu einem Surftrip mit ihren Gastgeschwistern Alec und Janice sowie deren Freunden nach La Push fahren darf.

In La Push gestaltet sich die Situation jedoch schwieriger als erhofft. Smilla fühlt sich meist als fünftes Rad am Wagen und zudem gibt es Probleme mit den einheimischen Jugendlichen. Einer von ihnen ist Conrad, und er hasst die Surferclique förmlich. Bereits im Jahr zuvor war diese dort gewesen und irgendetwas ist geschehen, das eine große beiderseitige Feindschaft verursacht hat. Für Smilla ist das alles vollkommen unverständlich und schließlich verliebt sie sich sogar in Conrad. Damit fangen die Probleme erst richtig an.

„Indigosommer“ ist ein äußerst konfliktgeladenes Buch, das deutlich aufzeigt was Vorurteile und Intoleranz bewirken können. Es führt dem Leser vor Augen, dass man immer selbst für seine Taten verantwortlich ist und die Schuld nicht einfach auf andere schieben kann. Doch die Geschichte zeigt ebenso, dass selbst lang gehegte Vorurteile überwunden werden können und es wirklich wichtig ist, seinen Mitmenschen offen entgegenzutreten und andere Meinungen zu akzeptieren.

Kombiniert wird dieser spannende und zum Nachdenken anregende Plot mit wunderbaren Beschreibungen von Landschaft und Leuten. Das Leben der Einheimischen von La Push, den Quileute, wird nachfühlbar beschrieben. Schnell erkennt der Leser den Mentalitätenkontrast zwischen der Surferclique und den Quileute.

Neben diesen recht ernsthaften Aspekten der Geschichte fehlen auch ausgelassene Momente nicht. Besonders Smilla begeistert den Leser mit ihrer Offenheit und ihrem Glauben an die Menschen. Antje Babendererde hat speziell in ihren Charakter sehr viel Herzblut gesteckt. Geradezu zärtlich beschreibt die Autorin die Figuren und legt viel Wert auf Details. Genau da lässt „Indigosommer“ so glaubhaft und echt wirken.

Wie das gesamte Buch, ist auch die Liebesgeschichte zwischen Smilla und Conrad etwas Einzigartiges. Beides ist von Vorsicht aber auch Neugier und viel Gefühl bestimmt. Antje Babendererde zeigt mit diesem Buch, dass Jugendliteratur spannend, gefühlvoll und lehrreich zugleich sein kann.

Antje Babendererde: Indigosommer, gebundene Ausgabe, 355 Seiten, ISBN 978-3401063355, Juli 2009, Arena Verlag

Jugendbuch Rezensionen

heavenstadtChristoph Marzi gelingt mit seinem neuen Jugendfantasy-Roman erneut eine spannende und fantasiereiche Reise ins heutige London.

Eines Nachts wird Freema Mirrlees, genannt Heaven, von zwei Männern verfolgt und sie schneiden ihr das Herz heraus. Überraschenderweise stirbt Heaven jedoch nicht. Auf einem Hausdach findet der junge David das vollkommen verstörte Mädchen als er gerade einen Auftrag für die Buchhandlung erledigen möchte, für die er arbeitet. Ihm ist sofort klar, dass er Heaven helfen muss.

Wahrlich nervenaufreibend ist das darauf folgende Katz- und Mausspiel, in dem die beiden Jugendlichen versuchen Heavens Herz zurückzubekommen. Noch kann Heaven zwar ohne Herz leben, doch ist unklar wie lange das noch funktioniert. Außerdem hält sie es nur bei sehr niedrigen Temperaturen aus. Doch mit ihrem Herz allein scheinen die Verfolger anscheinend nicht genug zu haben. Welches Geheimnis ist es bloß, das Heaven umgibt?

In Heaven – Stadt der Feen schlittern die Figuren von einer gefährlichen Situation in die nächste. Scheinbar ist kein Ort mehr sicher und es ist ebenfalls ungewiss, wem sie noch trauen können. Was einst wahr und richtig erschien, wird komplett auf den Kopf gestellt. Der Autor schafft es trotzdem auch ruhige Momente in die Geschichte einzuflechten. Die Atmosphäre des Buches ist ein wahrer Genuss.

Christoph Marzis Liebe und Begeisterung für London springt unweigerlich auf den Leser über. Es ist selbstverständlich, dass Freundschaft und Liebe im Buch ebenfalls nicht zu kurz kommen. Zwischen Heaven und David entsteht nach und nach ein starkes Band aus Vertrauen und Liebe. Selbst in den verzwicktesten Situationen sind immer Freunde zur Stelle, auf die sie sich verlassen können.

Fantasie und mystische Begebenheiten sind bedeutende Bestandteile von Heaven – Stadt der Feen. Es ist dem Autor gelungen, realistische Anteile perfekt mit fantastischen Anteilen zu verweben. Die Spannung bleibt durchweg greifbar und man leidet mit Heaven und David mit.

Grandios entwickelt Christoph Marzi die Geschichte um David und Heaven, deren Freunde und Familien sowie ihre Verfolger und den Londoner Nachthimmel. Es ist ein wunderbares, märchenhaft geschriebenes Buch, das zum Träumen einlädt und die eigene Fantasie übersprudeln lässt.

Christoph Marzi: Heaven – Stadt der Feen, gebundene Ausgabe, 336 Seiten, ISBN 978-3401063829, August 2009, Arena Verlag

Fantasy Jugendbuch Rezensionen

geheimnisNach Missachtung aller Warnungen, auf beigelegten Lesezeichen und Vorsatzblättern, vor dieser Geschichte, bin ich in ein facettenreiches, spannendes, humorvolles und definitiv geheimnisvolles Buch eingetaucht. Hat man erstmal den nötigen Mut oder die nötige Grundneugier aufgebracht, fällt es leicht, sich diesen Warnungen zu widersetzen.

Die besonders hübsche Aufmachung macht es sogar noch einfacher. Mehrfarbige glänzende Prägungen und die Reliefstruktur auf dem Buchcover bezaubern von Anfang an. Wie schon der Titel und der mysteriöse Klappentext trägt die schöne Aufmachung zum geheimnisvollen Flair des Buches bei.

So geheimnisumwoben der erste Eindruck des Buches ist, ist auch dessen Inhalt. Ganz gezielt spielt es mit der Neugier des Lesers beziehungsweise mit dessen Gier nach der Aufdeckung von Geheimnissen. Ein wirklich schlauer Schachzug des Autors namens Pseudonymous Bosch – übrigens eine wahre Plaudertasche – und des Verlags. Von Beginn an wird der Leser direkt angesprochen. Diese konkrete Bezugnahme tritt im Buch wiederholt auf und bindet ihn noch mehr mit in den Handlungsverlauf ein. Es kommt ganz unweigerlich das Gefühl auf, als wäre das Buch wirklich nur für den jeweiligen Leser persönlich geschrieben worden.

Trotz der Möglichkeit, dass es Gefahren birgt und ich mächtig eins hinter die Löffel bekomme – einige streng vertrauliche Top-Secret-Informationen:

Max-Ernest und Kass sind Außenseiter in ihrer Schule. Während sie ständig den Weltuntergang voraussagt und überall nur Gefahren sieht, hat Max ein ordentliches Redeproblem. Er kann einfach nicht aufhören zu quasseln und ist dabei absolut nicht witzig. Die Familienverhältnisse der beiden sind sonderbar – aber was ist eigentlich nicht sonderbar an diesem Buch?

Durch Zufall wird Kass auf eine Hausstandsauflösung in der Nachbarschaft aufmerksam, nachdem der Besitzer des Hauses bei einem Brand verstarb. Verschiedene Hinweise und Vorkommnisse lassen Kass jedoch bezweifeln, dass das Feuer nur ein Unfall war und der alte Mann wirklich gestorben ist. Mit Max-Ernests Unterstützung macht sie sich an die Erforschung des Falls und dabei geraten die beiden in gefährliche Intrigen und Machenschaften.

Trotz der geheimnisvollen Stimmung ist Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis, in Anbetracht der Verhaltensweisen und Charakterbeschreibungen der Figuren, ein sehr realistisches Buch. Gerade wegen ihrer kleinen Verrücktheiten und Macken wachsen sie dem Leser schnell ans Herz. Sie sind frech, agil, eigensinnig und somit einfach wunderbar.

Die Geschichte beansprucht gezielt die eigene Vorstellungskraft und das macht Spaß! Wie verzaubert fliegen die Worte an einem vorbei und man fragt sich des öfteren, wie es ein Pseudonym schafft so wortgewandt zu sein. Doch das ist wohl nur eine der vielen Seltsamkeiten, die für immer ein Geheimnis bleiben werden.

Ohne extrem gefühlsduselig zu werden, überzeugt das Buch. Zudem ist das Ende wahrlich überraschend und stellt einen weiteren Appell an die Kreativität des Lesers dar.

Pseudonymous Bosch: Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis, 320 Seiten,  Gebunden, Juni 2009, Arena Verlag, ISBN 978-3-401-06256-5

Jugendbuch Jungsecke Kinderbuch Rezensionen

salzHal und seine Familie verbringen jeden Sommer ihre Ferien in Cornwall. Dort genießen sie gemeinsam das Gefühl von Erholung und Freiheit – das Meeresrauschen, die stetige sanfte Brise und das Gefühl von warmem Sand unter den Füßen machen den Urlaub perfekt. Doch in diesem Jahr ist alles anders: Charley, Hals ältere Schwester, starb ein Jahr zuvor fast beim nächtlichen Surfen. Er war es, der sie am Morgen darauf bewusstlos fand. Seit dem liegt Charley im Koma und ist kaum mehr als sie selbst zu erkennen. Besonders zwischen Charley und Hal bestand schon immer eine starke Bindung. Trotz alledem macht sich die Familie auch im nächsten Sommer auf den Weg nach Cornwall und plötzlich kann sich Hal an immer mehr Ungewöhnliches aus dem vergangenen Jahr erinnern. Wer hat seine Schwester damals beim Surfen beobachtet? War es tatsächlich nur ein Unfall?

Salzwassersommer ist ein emotionales und tiefgründiges Buch. Wie ein Film läuft die Geschichte vor dem inneren Auge ab. Man sieht förmlich die Küste und wie sich die Wellen daran brechen, spürt den Sand unter den Füßen und meint einen leicht salzigen Geruch in der Luft zu vernehmen. Wenn man schon mal am Meer war, wird man sich sofort dorthin zurückversetzt fühlen.

Das Gefühl des Schmerzes und der Trauer der Familie ist greifbar für den Leser – es ist so real – nichts daran wirkt kitschig oder gar aufgesetzt. Besonders authentisch sind die unterschiedlichen Umgehensweisen der Familienmitglieder mit dieser tragischen Situation. Während die Mutter ständig den Tränen nahe ist, neigt der Vater schneller zu Wutausbrüchen. Hal hingegen zieht sich mehr in sich selbst zurück und ist abwechselnd sauer auf sich und dann wieder auf Charley. Zudem hat er das Gefühl, dass sich alles nur noch um Charley dreht und nicht mehr um ihn und seine jüngere Schwester Sara.

Sehr berührend sind die Abschnitte, in denen aus Charleys Sicht geschrieben wird. Denn obwohl sie im Koma liegt und von außen keine Regung zu erkennen ist, kann sie doch hören, wie an ihrem Bett erzählt wird und spürt wie alle weiterleben und nur sie in einer Art dunklem Schrank eingesperrt ist, aus dem sie einfach nicht herauskommt. Es muss grausam sein, alles mitzubekommen und sich doch nicht äußern zu können! Lediglich Hal scheint ihre innere Unruhe zu spüren. Er fühlt, dass er etwas Bestimmtes herausfinden muss – etwas, das ihm Charley mitteilen möchte. Hierdurch bekommt das Buch eine leicht mystische Komponente. Diese fügt sich aber so perfekt in die Geschichte ein, dass sie niemals unglaubhaft erscheint.

Als Leser muss man mit den Figuren mitfühlen. Speziell Hal und seine erste Liebe Jacky sind sympathisch. Sie haben ihre kleinen Macken und sind so echt – mal humorvoll, mal nachdenklich, kindlich und dann doch wieder sehr reif – dass man sie nur mögen kann. Diese Liebesgeschichte gibt Salzwassersommer die nötige ausgelassene und hoffnungsvolle Stimmung. Sharon Dogar holt den Leser hier langsam aus der bedrückenden und bedrohlichen Stimmung zurück und zeigt klar auf, dass das Leben weitergeht.

Der Autorin gelingt es mit Bravour, die Geschichte durch Rückblenden und Sichtweisenwechsel noch spannender zu machen. Anders als bei vielen anderen Büchern wird dadurch der Lesefluss nicht gestört. Jeder Abschnitt fügt sich perfekt an den nächsten, wie zwei Puzzlestücke, die zusammengehören. Das liegt nicht zuletzt an dem hervorragenden Sprachstil, der die Geschichte sanft dahin fließen lässt. Die Übersetzung ist ausnehmend gut gelungen.

Salzwassersommer ist so ein Buch, bei dem man nach dem Lesen lange Zeit nachdenkt. Was soll man als nächstes lesen, wenn man doch mit den Gedanken noch in diesem außergewöhnlichen Buch gefangen ist? Scheinbar kann kein anderes Buch dem Gefühl der vollkommenen Versunkenheit in dieser Geschichte gerecht werden.

Sharon Dogar: Salzwassersommer, Übersetzt von Petra Koop-Pawis, Taschenbuch, 353 Seiten, 6.95 €, Arena Verlag, ISBN 978-3401501413, Juni 2009

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