„Tage wie diese“ ist das innerlich wie äußerlich wohl schönste Jugendbuch, das ich in letzter Zeit gelesen habe und ich lese viele Jugendbücher! Schon als ich das Buch das erste Mal in die Hand nahm, war ich wie verzaubert. Der Baum auf dem Cover zieht sich um das ganze Buch herum, die Blätter sind erhaben und glitzern leicht. Man sieht zudem das Waffelhaus, das in der Geschichte eine wichtige Rolle spielt und einen Ort mit wahrer Wohlfühlatmosphäre darstellt. Denn eins kann man sich in diesem Buch definitiv: sich wohlfühlen!

Die drei Autoren Maureen Johnson, John Green und Lauren Myracle haben sich zusammengetan, dieses Buch zu schreiben. Und in der Reihenfolge der genannten Namen, erscheinen auch die Geschichten der jeweiligen Autoren im Buch. Der Clou daran ist, dass man nach und nach immer mehr die Zusammenhänge zwischen den Geschichten erkennt – alles fügt sich zusammen und macht aus drei einzigartigen, romantischen und einfach nur wunderschönen Geschichten eine perfekte Einheit.

Los geht es mit Maureen Johnsons Geschichte „Der Jubilee-Express“, in der das Mädchen Jubilee plötzlich an Weihnachten ziemlich dumm dasteht, weil ihre Eltern im Gefängnis festsitzen, ihr Freund nur mit den Feierlichkeiten beschäftigt ist und sie auch noch mit der Bahn zu ihren Großeltern fahren muss. So hatte sie sich das sicher nicht vorgestellt. Dann bleibt auch noch der Zug wegen des extremen Schnees stecken und Jubilee stapft zu Fuß zum Waffelhaus, in der Nähe der Autobahn. Hier gibt es die leckersten Waffeln überhaupt. Dort lernt sie auch Stuart kennen… Ob es für Jubilee doch noch ein Weihnachtswunder gibt?

In der zweiten Geschichte „Ein cheer unglaubliches Weihnachtswunder“ erzählt John Green aus der Sicht von Tobin. Auch er und seine Freund JP und ein Mädchen, von ihnen nur „der Herzog“ genannt, verbringen Weihnachten nicht mit ihren Familien, sondern miteinander. Sie sind wirklich die besten Freunde und machen alles zusammen. Klar, dass sie sich auf den Weg ins Waffelhaus machen, als sie erfahren, dass da eine Gruppe von Cheerleadern gestrandet ist, die unbedingt Twister spielen möchte. Mit dem Auto von Tobins Eltern machen sie sich auf, doch der Schnee macht ihnen so einige Striche durch die Rechnung! Werden sie beim Waffelhaus ankommen? Und vor allem: Sind die Cheerleader dann wirklich noch interessant?

Schlussendlich folgt mit „Der Schutzheilige der Schweine“ Lauren Myracles Part in diesem Buch. Aus der Sicht des Mädchens Abbie, verwickelt sie den Leser in eine Geschichte um Eifersucht, Trauer, Freundschaft und natürlich Liebe! Denn gerade hat sich Abbies Freund Jeb von ihr getrennt, weil er sie beim Knutschen mit einem anderen Jungen erwischt hat. Dumm nur, dass Abbie das gar nicht wollte, Jeb ihr aber nicht glaubt. Abbie ist total verzweifelt und will ihn unbedingt zurück. Dabei stehen ihr ihre beiden besten Freundinnen Dorrie und Tegan mehr oder weniger zur Seite, öffnen ihr aber auch die Augen. Und was ein kleines Teetassenschwein mit der ganzen Sache zu tun hat, das müsst ihr selbst herausfinden. Es ist nur eines unter etlichen, kleinen zauberhaften Details in diesem Buch.

Zwar spielt dieses Buch bei Minusgraden, Schnee und Eis, zur Weihnachtszeit und doch ist es für jede Jahreszeit perfekt. Denn es enthält eine wichtige Botschaft, nämlich wie wichtig Liebe und Freunschaft sind. Das sagt man immer so gern dahin, aber beim Lesen von „Tage wie diese“ bekommt man ein wahres Gefühl für die Bedeutung dieser Worte. Ich verspreche, dass das Herz eines jeden Lesers dahinschmelzen wird, wenn er dieses Buch liest, selbst wenn es der Schnee im Buch nicht tut.

Mädchen, aber auch Jungen ab 12 Jahren und natürlich Erwachsenen kann ich nur unbedingt raten, dieses Buch zu lesen, denn man verpasst sonst wirklich etwas. Die Geschichten sind kein Liebeskitsch, sondern sie enthalten eine geballte Ladung liebevoller Elemente, gepaart mit einer ordentlichen Portion Humor. Die Autoren verschmelzen so gut zu einer Einheit, dass ich zwar traurig war, als eine Geschichte vorbei war, die nächste mich aber sofort wieder in ihren Bann nahm. Sie schaffen es alle drei auf gleicher Augenhöhe zu stehen und dem Leser eines ums andere Staunen zu entlocken. Zu herrlich sind die Personen, zu frisch die Dialoge, um auch nur eine Sekunde damit zu verbringen, dem Vorangegangenen hinterher zu trauern. Denn die ganze Zeit wusste ich: Irgendwann fügt sich alles zu einem großen, fantastischen Ganzen zusammen. Und wirklich alle Hauptfiguren sind mir, trotz oder gerade wegen ihrer Macken, richtig schnell ans Herz gewachsen.

Die Inhaltsbeschreibung auf dem Buchrücken von „Tage wie diese“ drückt niemals aus, wie viel in diesem Buch steckt. Es ist voller Witz und Grips, und langweilig wird es garantiert nie. Das schwöre ich. Lest es und ihr werdet begeistert sein!


Arena Verlag
ab 12 Jahren
400 Seiten
Gebunden
15,95 EUR [D]
ISBN 978-3-401-06544-1

Jugendbuch Liebesroman

Wer hat sie nicht gesehen – die Bilder von Terroranschlägen, wie etwa auf das World Trade Center? Für Jem und Spinne bleiben es jedoch nicht nur Bilder, denn die beiden sind sozusagen mitten drin, als in London eine Bombe im London Eye, dem riesigen, die ganze Stadt überblickenden Riesenrad, hochgeht. Eigentlich wären Jem und Spinne auch betroffen gewesen, wenn da nicht eine Tatsache wäre:

Jem kann das Todesdatum jedes Menschen vor ihrem inneren Auge sehen, wenn sie ihm in die Augen schaut. Ausgerechnet als sie und ihr einziger Freund Spinne, ein großer, schlaksiger, schwarzer Junge, vor dem London Eye anstehen, haben plötzlich alle anderen das gleiche Todesdatum: Heute! So weiß Jem, dass etwas Schlimmes passieren wird und drängt Spinne, der von ihrer „Gabe“ nichts ahnt, mit ihr abzuhauen.

Dummerweise werden die beiden dabei von Kameras gefilmt und als es später dann wirklich zum Anschlag kommt, werden Jem und Spinne zu den wohl meistgesuchten Menschen des Landes, denn alle nehmen an, dass sie etwas über diese Sache wissen. Da Jem und Spinne beide schon Dreck am Stecken haben, hauen sie ab, denn sie fürchten ins Gefängnis zu kommen. Wie solllte Jem ihre Fähigkeit, das Todesdatum anderer Menschen zu sehen, auch anderen glaubhaft machen? Und so beginnt eine spannende Verfolgungsjagd, auf der nicht allein die Verfolgung ein Problem bleibt.

Eins plagt Jem, die normalerweise keine Freunde hat, weil sie es nicht ertragen kann zu sehen, wann diese Menschen sterben werden, nämlich noch: Auch Spinne hat nur noch ein paar Tage zu leben! Gelingt es vielleicht doch Spinnes Schicksal nochmal umzukehren?

„Numbers – Den Tod im Blick“ ist wirklich ein außergewöhnliches Buch mit einer ganz außergewöhnlichen Geschichte! Ist die Inhaltsbeschreibung schon spannend, so ist das Buch selbst an Dramatik und Ideenreichtum nicht zu überbieten. Das liegt besonders an den anbetungswürdigen Hauptfiguren, deren ganz eigenem Charme ich mich absolut nicht entziehen konnte. Während Jem schwer zu kämpfen hat mit ihrer Todessicht, ist Spinne ein witziger, weltoffener Typ. Gegenseitig bringen sie sich mehr über das Leben bei und schon bald öffnet sich Jem, während Spinne erkennt, dass es auch Ernst im Leben gibt, ernsthafte Liebe zum Beispiel.

Dieses Buch hat für mich zu Recht eine Altersempfehlung ab 14 Jahren, denn es geht schon sehr rasant und teils brutal zu. Außerdem haben Jem und Spinne einen Sprachstil entwickelt, der seinesgleichen sucht. Sie sagen beide, was sie denken und das kommt häufig ganz schön schnodderig daher, passt aber perfekt zur Handlung und macht alles nur noch glaubhafter. Denn bis auf diese eine Sache, eben dass Jem das Todesdatum eines jeden Menschen an seinen Augen ablesen kann, ist hier nichts verstellt oder geschönt. Die Glaubhaftigkeit ist hier ein extrem wichtiger Aspekt für mich, denn sie ist es, die das Buch derartig fesselnd macht.

Rachel Ward hat somit nicht nur eine Fantasy-Story geschrieben, sondern erzählt auch von ernsthaften Themen wie Rassismus, Ausgrenzung und Mobbing. Diese Thematik bindet sie aber so gekonnt in die Handlung ein, dass Jugendliche sich nicht belehrt fühlen, sondern viel mehr hintergründig angewiesen werden, sich selbst Gedanken über das Leben zu machen, darüber, wie es ihnen selbst geht, was sie besser machen könnten und vor allem: wie es anderen Menschen, besonders Jugendlichen, in ihrem Alter ergeht. Spinne und Jem sind hierfür eine wunderbare Vorlage.

Bis zum Ende ist „Numbers – Den Tod im Blick“ eine spannende Odyssee zweier Jugendlicher durch England und auch der Schluss rüttelt nochmal richtig auf. Teilweise habe ich mit diesem Ende gerechnet, aber dann setzt die Autorin plötzlich noch etwas drauf und ich war vollkommen fasziniert von diesem Einfallsreichtum. Nun möchte ich einerseits eine Fortsetzung und zugleich doch nicht, weil das irgendwie die großartige Originalität dieses Abschlusses kaputt machen würde. Ich kann mich nicht entscheiden, was ich jetzt will… aber eins ist klar: Ich möchte, dass ihr dieses Buch unbedingt lest, wenn euch die Geschichte anspricht rein inhaltlich anspricht, denn stylistisch ist sie grandios!

Ein interessantes Interview mit der Autorin findet ihr hier: Interview

Chicken House Verlag
368 Seiten, 13,3 x 19,8 cm
Klappenbroschur mit Prägung und Spotlackierung
ab 14 Jahren
€ (DE) 13,95
ISBN 978-3-551-52007-4

Jugendbuch Jungsecke Krimi und Thriller Rezensionen

Mit ihrem dystopischen Jugendroman „Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“ lieferte Suzanne Collins einen nervenaufreibenden Auftakt zu einer einzigartigen Trilogie. Im zweiten Band „Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe“ setzt sie dort an, wo der erste Band endet und zieht den Leser sofort wieder in die spannende Geschichte um Katniss, Peeta, Gale und Co. hinein.

Nachdem sowohl Katniss als auch Peeta im ersten Band als Sieger aus den Hungerspielen zurückkehrten, heißt es jetzt für sie, die Feierlichkeiten danach zu überstehen. Es stehen Besuche in allen Distrikten an und natürlich auch die damit verbundenen Schmink- und Umkleidetiraden. Katniss und Peeta sind beide wenig begeistert davon. Aber noch viel schlimmer ist, dass das Kapitol absolut nicht zufrieden mit der Situation ist. Es fühlt sich durch Katniss betrogen, die mit ihrem Beerentrick dafür verantwortlich ist, dass es zum ersten Mal in der Geschichte der Hungerspiele zwei Sieger gibt. Nun besteht seitens des Kapitols die Befürchtung, dass Katniss zu einer Art Symbol des Aufstands werden könnte und auch die Distrikte damit anstecken könnte.

Wie der Buchtitel „Gefährliche Liebe“ schon verrät, und wie es sicher einige Leser auch bereits wahrgenommen hatten, kommen aber noch mehr Probleme auf Peeta, Katniss und auch Gale, sowie ihre Familien zu. Denn zwar spielte Katniss gezwungenermaßen bei der großen Liebesgeschichte zwischen sich und Peeta mit, aber es lässt sich immer weniger verbergen, dass sie eigentlich Gefühle für Gale hat. Auch der Präsident hat davon mitbekommen! Wenn Katniss ihre Rolle nicht perfekt weiter spielt, bedeutet das nicht nur eine große Gefahr für sie selbst, sondern auch Peetas, Gales und ihre eigene Familie. Wird sie mit dieser Last auf ihren Schultern zurecht kommen? Und was ist eigentlich mit den diesjährigen Hungerspielen? Eins sei dazu gesagt: Den Leser erwartet dort eine – ziemlich böse – Überraschung!

Wie schon den ersten Band, habe ich auch dieses Buch verschlungen. Als Leser hofft man so sehr, dass man wieder eine gleichermaßen wunderbare Geschichte wie schon im ersten Buch lesen darf und wird nicht enttäuscht. Auch gibt es keine Enttäuschung in der Hinsicht, dass das Buch nicht eigenständig genug wäre. Suzanne Collins kreiiert hier eine komplett neue Handlung, allerdings in der gewohnten düsteren und nervenkitzelnden Atmosphäre. Von Anfang an fühlte ich mich wieder wohl mit den Figuren und zugleich total nervös und hibbelig, ob der konfliktgeladenen Handlung.

Es ist erstaunlich, wie einzigartig die Autorin von politischen Gegebenheiten erzählen kann. Gerade das macht sie meines Erachtens zu einer Meisterin der Erzählkunst, denn Politik für Jugendliche in ein spannendes Licht zu rücken, ist beim besten Willen nicht einfach. Und auch wenn die Handlung eher Richtung Fantasy und Science Fiction geht, wird dem Leser immer wieder klar gemacht, wie wichtig es ist, sich für seine Rechte einzusetzen, egal in welcher politischen – bzw. Lebenssituation man sich befindet. Diese Kombinationsgabe der Autorin, Spannung, Liebesgeschichte und unaufgedränges Lehrreichtum miteinander zu verknüpfen, macht dieses Buch zu dem, was es ist: zu etwas ganz Besonderem!

Mich überzeugt dieser zweite Teil komplett, und hatte ich vor der Lektüre auch Zweifel daran, dass er mit dem ersten Band mithalten kann, so bin ich nun umso überzeugter, dass der dritte Band „Die Tribute von Panem – Flammender Zorn“, der im März 2011 erscheint, mindestens auf dem gleichen, hohen Niveau angesiedelt sein wird wie schon die ersten beiden Bücher. Darauf freue ich mich schon jetzt unbändig.

Mehr zum dritten Buch und eine Coverabbildung findet ihr hier: Die Tribute von Panem III

Und für jüngere Leser ab 10 Jahren sind auch sehr die „Gregor“-Bücher der Autorin zu empfehlen.


Oetinger Verlag
432 Seiten
gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
15.0 x 21.0 cm
für alle Altersstufen
EUR 17,95
ISBN-13: 978-3-7891-3219-3
Erschienen im Mai 2010

Jugendbuch Jungsecke Rezensionen

Alle warten schon ganz gebannt darauf – ein Asteroid soll auf dem Mond einschlagen und natürlich will niemand dieses außergewöhnliche Naturschauspiel verpassen. Doch aus der Faszination wird schnell Angst! Denn es geschieht etwas Unerwartetes: Der Meteroid trifft den Mond, jedoch ganz anderes als erwartet, und plötzlich befindet sich der Mond nicht mehr in seiner gewohnten Umlaufbahn, sondern viel näher an der Erde? Unheimlich!

Doch trotz der Dramatik dieser Situation und der fortan extremen Nähe des Mondes zur Erde, weiß in diesem Moment noch niemand, dass das erst der Anfang des Schreckens ist. Denn was passiert, wenn zwei extrem schwere Körper sich nahe sind? Welche Wirkung hat der Mond z.B. auf die Wassermassen der Erde? Wir allen kennen Ebbe und Flut, und nun stelle man sich vor, wie sich diese durch die extreme Nähe zur Erde entwickeln.

In Tagebuchform erfährt man all das und die ganzen noch folgenden Entwicklungen, aus der Sicht der jugendlichen Miranda. Hat sie sich bis eben noch mit typischen Teenager-Problemen beschäftigt, die scheinbar lebenswichtig erschienen, geht es jetzt wirklich um Leben und Tod. Denn Miranda und ihre Familie erfahren am eigenen Leib, was es heißt, ohne Storm zu leben, wie Essen und Wasser immer knapper werden, wie man in Eiseskälte lebt, weil Aschewolken kein Sonnelicht durchlassen…

Tatsächlich hat diese Familie noch Glück – weite Teile der Erde werden von Vulkanausbrüchen, Tsnuamis, Erdbeben und ähnlichen Katastrophen zerstört. Zwar sitzen Miranda, ihre zwei Brüder und die Mutter der drei in einem kleinen amerikanischen Kaff fest, aber immerhin: Sie leben!

Extrem anschaulich sind die Schilderungen des Mädchens in ihrem Tagebuch. Man kann deutlich mitfühlen, wie aus der anfänglichen Hoffnung auf schnelle Besserung der Situation, Angst, Fassungs- und Hoffnungslosigkeit werden. Und immer wieder stellt sich – mal versteckt in den hintersten Gedanken und dann wieder ganz vordergründig – die Frage, ob ausgerechnet sie dieses Disaster überleben werden. Mit jedem Tag ohne Strom, frischem Essen, Wärme und Informationen sinkt natürlich auch der Glaube an eine normale Zukunft.

Die Bilder, die die Autorin Susan Beth Pfeffer hier vor dem inneren Auge des Lesers heraufbeschwört, sind wirklich schockierend. Die ganze Zeit über denkt man sich, dass das doch alles nicht wahr sein kann – das kann, ja, das darf nicht passieren! Und doch geschieht genau das in Die Welt, wie wir sie kannten. Hierbei überzeugen besonders die vier Protagonisten durch ihre Glaubwürdigkeit und Echtheit. Sie halten zusammen, halten es aber auch oft nicht miteinander aus. Gerade in so einer krassen Situation ist es noch schwerer, mit bestimmten Macken der anderen zurecht zu kommen, aber zugleich berührt und begeistert den Leser dieser ungemeine Zusammenhalt zwischen den Familienmitgliedern. Es können noch so große, unvorstellbare Probleme kommen: Diese Vier halten zusammen!

So teilt sich Die Welt, wie wir sie kannten praktisch in zwei ganz eigene Universen: Das Universum der sich innig liebenden Familie und das Universum von Chaos, Tod und Angst. Und eben weil beides derart gut miteinander verknüpft wurde, ist dieses Buch auch so besonders und so eindrucksvoll. Deshalb sticht es aus dem neuen Trend von Weltuntergangsromanen und Dystopien heraus!

Die Welt, wie wir sie kannten enthält wirklich alles, was ein gutes Buch für Jugendliche und auch für Erwachsene braucht. Es ist spannend von Beginn an, wobei sich die Spannung stetig noch steigert; Gefühle kommen niemals zu kurz, sondern sind ein wesentlicher Teil des Buches und es ist dermaßen glaubhaft geschrieben, dass man selbst fast Angst bekommt. Werft doch mal einen Blick aus dem Fenster – seht ihr den Mond?

Susan Beth Pfeffer: Komm, Die Welt, wie wir sie kannten, übersetzt von Annette von der Weppen, gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 17,90 €, 410 Seiten, März 2010, 978-3-551-58218-8, Carlsen Verlag, Hamburg

Jugendbuch Jungsecke Rezensionen

Gleich zu Beginn möchte ich eine Behauptung aufstellen: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele ist wohl das spannendste Buch der letzten Jahre! Lassen das Cover und die gesamte Aufmachung – die übrigens wunderschön ist – vermuten, dass es sich um typische All-Age Fantasy handelt, liegt man damit völlig falsch. Dieses Buch stellt eine Welt dar, in der es kaum krassere Unterschiede zwischen Menschen, Lebens- und Verhaltensweisen geben könnte. Unter der Oberfläche brodelt es die ganze Zeit und genau dieses Temperament des Buches reißt den Leser so sehr mit.

Man stelle sich ein Land vor, das in 12 ganz unterschiedliche Bereiche – genannt Distrikte – eingeteilt ist. Distrikt 13 wurde bereits zerstört! Die Verhältnisse in den einzelnen Distrikten könnten unterschiedlicher kaum sein. Während in Distrikt 11 und 12 die Menschen am Hungertuch nagen, jagen gehen müssen, obwohl es verboten ist, und man das Gefühl hat, alles spielt im Mittelalter; lebt man anderswo mit mondernster Technik, die selbst für uns heute kaum vorstellbar ist. Die Autorin Suzanne Collins hebt von Anfang an diese krassen Differenzen hervor und als Leser empfindet man natürlich unweigerlich mit den ärmsten der Armen mit. Da kommen Väter in Kohleminen um und Kinder müssen plötzlich die ganze Familie allein ernähren und das unter solch widrigen Umständen – so auch Katniss!
Da haben wir auch schon die Protagonistin dieses Buches, die durch ihre Stärke, ihren Mut, aber auch ihre Mitgefühl und ihre Verletzlichkeit immer überzeugt. Trotzdem hat man nie das Gefühl ein überperektes Prinzesschen vor sich zu haben – niemals!

Wie der Titel Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele schon sagt, geht es in diesem Buch um Spiele um Leben und naürlich Tod. Es scheint, als würde sich der reiche und privilegierte Teil der Gesellschaft zunehmend langweilen, weshalb in jedem Jahr die sogenannten Hungerspiele stattfinden – ein Sepktakel, das vor allem durch seine Grausamkeit und Sensationslust hervorsticht. Und in jedem Jahr werden aus jedem Distrikt ein Junge und ein Mädchen ausgewählt, quasi per Losverfahren, die an diesen Hungerspielen teilnehmen müssen oder – der Ehre halber – auch teilnehmen wollen! Die „Auserwählten“ werden in ein abgegrenztes Areal gesperrt und müssen sich gegenseitig umbringen, denn nur wenn noch einer übrig bleibt, wird er zum Sieger gekürt und bringt seinem ganzen Distrikt Ehre und ein wenig Wohlstand ein. Aus Distrikt 12 hat schon jahrelang niemand mehr den Sieg davongetragen!

Wie man von Anfang an vermutet, trifft tatsächlich – wenn auch über Umwege – auf Katniss die schreckliche Wahl. Als männlicher Teilnehmer des 12. Distrikts muss zudem Peeta in dieses Todesspiel. Einst rettete er Katniss das Leben! Wie auch die anderen 22 Konkurrenten – alle Tribute genannt – müssen sie nun um ihr Leben kämpfen! Doch noch viel schlimmer ist: Um am Ende zu siegen, muss Katniss auch Peeta töten. Wie werden sich die beiden schlagen? Kommt es tatsächlich zu jener unverhofften Pattsituation, dass Katniss und Peeta vor der Entscheidung stehen, den jweils anderen zu töten?

Bereits zu diesem Zeitpunkt war ich total gebannt von dieser atemberaubenden und zugleich grausamen Geschichte. Ich habe mich unweigerlich gefragt, wer sich etwas so Furchtbares ausdenkt und wieso niemand rebelliert, sondern dieses Spektakel Jahr und Jahr begeistert verfolgt oder zumindest doch mit Schrecken ansieht. Die Lebenskämpfe der Tribute werden natürlich in aller Ausführlichkeit im Fernsehen ausgestrahlt, auch in den Momenten größter Verletzlichkeit, Trauer oder Angst!

Für Katniss und Peeta wird es auf jeden Fall eine Zeit des Schreckens und der Unsicherheit. Wie es sich lebt, mit der ständigen Gefahr, ein Messer im Rücken zu haben, verhungern oder verdursten zu müssen oder einen geliebten Menschen zu verlieren – das lässt Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele den Leser hautnah spüren. Man fühlt sich, als würde man selbst durch unwegsames Gelände laufen, sich verstecken, auf die „Gegner“ lauern oder endlich die rettende Nahrung oder Medizin finden! Es ist ein stetiges Hin und Her zwischen Anspannung und Erleichterung! In gewisser Hinsicht treibt Suzanne Collins also nicht nur ein Spiel mit den Figuren sondern auch mit den Lesern! Denn dieses Buch hält einen Gefangen und selbst am Ende fühlt man sich nicht sicher oder frei. Alles läuft geradewegs auf den zweiten Band Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe zu. Klar ist: Hat man das erste Buch gelesen, möchte und muss man sofort auch das zweite lesen!

Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele überzeugt durch die unbändige Spannung, die einzigartige Story und natürlich all die unterschiedlichen Gefühle, die beim Lesen hervorgerufen werden. Und da kommen wirklich Emotionen aller Arten vor. Selten im Leben ist man – zum Glück – so aufgewühlt! Zugleich wurde ich nie den Gedanken los, dass Suzanne Collins mit diesem Buch mehr erreichen möchte, als eine atemberaubende Geschichte zu erzählen. Dieses Buch übt auf seine ganz eigene Weise Gesellschaftskritik aus – zwar scheint sie in dieser Form überzogen und auch nicht ganz so offensichtlich, doch sie ist meines Erachtens definitiv vorhanden und gerechtfertigt! Es wird gezeigt, wie extrem der Unterschied zwischen Arm und Reich werden kann, wenn man nur an sich selbst und den eigen Erfolg denkt. Leben die einen in mittelalterlichen Zuständen, schwelgen die anderen in größtem Luxus, und wer etwas davon abhaben möchte, der kann höchstens harte Strafen erreichen! Es setzt sich eine „Elite“ ab, die auch noch Befriedigung ihrer eigenen grässlichen Sensationslust such! Voller Begeisterung werden hier Menschen beobachtet und zur Schau gestellt, deren Leben mit größter Sicherheit fast vorbei sind. In ihren wehrlosesten Momenten kann sie jeder beobachten und das Ganze wird doch tatsächlich von einigen als Spiel angesehen – die Unterhaltungssendung des Jahres sozusagen! Hier wird ganz deutlich: Menschen können zutiefst grausam sein und das ganz ohne es selbst zu merken oder merken zu wollen.

Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele macht Eindruck und schockiert, ob der Rücksichts- und Mitleidlosigkeit vieler handelnder Figuren. Zugleich ist es ein Appell an die Menschlickeit und die Würde des Lebens! Perfekt versteht es die Autorin durch das Handeln und die Gespräche der Figuren all diese Aspekte zu unterstreichen und dem Leser knallhart vor Augen zu führen!

Dies ist ein in seiner Gesamtheit und Durchdachtheit perfektes Buch – grandios erzählt und ohne inhaltliche Fehler ist es weit mehr als nur ein spannendes Jugendbuch, sondern ob der Vielschichtigkeit absolut empfehlenswert!

Suzanne Collins: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele, Band 1, aus dem Amerikanischen von Sylke Hachmeister & Peter Klöss, gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag,  17,90 €, 416 Seiten, August 2009, 978-3789132186, Oetinger Verlag, Hamburg

Jugendbuch Jungsecke Rezensionen

Ein Tal, eine Eliteschule, viele hochbegabte Jugendliche, ein dunkler See und ein mächtiges Geheimnis: Das sind die Grundlagen des Grauens! Denn eins ist ab der ersten Seite von Das Tal – Das Spiel klar – dieses Buch ist nicht harmlos, es steckt voller Geheimnisse, Anspielungen, Mystik und Angst! Von Beginn an, weiß die Autorin Krystyna Kuhn zu fesseln und das über normale Maßstäbe hinaus.

Es beginnt damit, dass die Geschwister Julia und Robert Frost zum Grace College gebracht werden. Denn auch die Beiden sollen ab sofort auf dieses – angeblich einzigartige – Elite-College tief verborgen in den kanadischen Bergen gehen. Und bereits hier spürt der Leser eine extreme, unergründliche Angst bei den Geschwistern. Als würde mit jedem Meter, dem sie dem College näher kommen, eine mächtige und uralte Gefahr heraufbeschworen, der Julia und Robert einfach nicht entrinnen können.

Einem Psycho-Thriller gleich baut die Autorin die Spannung auf und als Leser braucht man schon Nerven wie Drahtseile, um nicht ab und zu aufgrund des Grusel-Effekts das Buch zu schließen und erstmal durchzuatmen. Denn Das Tal – Das Spiel bietet keine ruhigen Minuten oder gar Verschnaufpausen – weder für den Leser, noch für die Figuren. Man wird sofort tief in die Geschichte reingezogen und kommt selbst nach dem Ende nicht mehr heraus. In diesem Moment ist man dann froh, dass es noch mehrere Fortsetzungen geben wird und zugleich schleicht sich schon die nächste Gänsehaut im Nacken an. Eines ist nämlich ganz sicher: Der Thrill-Faktor dieses ersten Bandes ist so hoch, dass es definitiv nicht harmlos weitergehen kann. Besonders das Ende des Buches lässt einen unruhig und voller Fragen und Erwartungen zurück. Zwar ist Das Tal – Das Spiel an sich abgeschlossen, aber doch bleiben genügend Handlungsstränge für viele weitere Bände offen.

Nach Julias und Roberts Ankunft im Grace fällt es ihnen schwer sich einzuleben. Da gibt es etwas in der Vergangenheit der beiden, das ihnen ein Leben, egal an welchem Ort, wirklich schwer macht. Am Grace College – diesem düsteren und scheinbar ausweglosen Ort – ist jedoch alles noch schlimmer. Beide Geschwister werden von Alpträumen geplagt, sie können sich nicht richtig einleben und stehen erstmal als Außenseiter da, obwohl sie nur zwei unter vielen neuen Schülern sind. Krystyna Kuhn macht hier immer wieder Andeutungen, spielt mit der Furcht der Geschwister und des Lesers und verrät doch lange lange Zeit fast nichts. Ihr Talent, den Leser mit Möglichkeiten nervös zu machen, ist fantastisch! Sie bringt die Gedanken des Lesers in Wallung und lässt bei ihm das Gefühl zurück, er müsse selbst einen Fall aufdecken. Anfangs geht es vor allem noch darum, herauszufinden, was so Schreckliches in Julias und Roberts Vergangenheit passiert sein muss. Etwas unsagbar Grauenhaftes muss da geschehen sein, denn beide Geschwister tragen eine Maske mit sicher herum, die aufzudecken ein fataler Fehler sein könnte. Doch das ist noch nicht alles…

Richtig gruselig wird es, als die neuen Studenten sich auf eine geheime Bootshaus-Party schleichen – im Hauptgeschehen stehen hier Robert und seine 3 Zimmergenossen (David, Benjamin und Chris) sowie Julia und ihre drei Zimmergenossinnen (Katie, Debbie und Rose). Während alle anderen sich scheinbar amüsieren, springt Robert in den See und schwimmt los wie ein Verrückter. Niemand weiß, was in ihn gefahren ist, doch eins ist klar – er muss wahnsinnig geworden sein, oder aber etwas gesehen haben. Es gewittert nämlich und der See – wirkte er vorher auch noch so tot – ist nun voller Strudel und Strömungen. David springt ihm hinterher und soviel sei gesagt: Es wird ein Kampf ums Überleben. Später stellt sich heraus, das Robert ein Mädchen auf den Klippen gesehen hat, das angeblich ins Wasser gesprungen und nicht mehr aufgetaucht ist. Er wollte sie retten, konnte jedoch niemanden finden. Keiner der anderen glaubt Robert, denn schon vorher neigte er ja zu Aplträumen und verrückten Fantasien. Und doch ist in dieser Nacht ein Mädchen spurlos verschwunden, und zugleich kann es nicht das Mädchen sein, das Robert hat springen sehen. Warum? Hier sollte man nun wirklich selber in das Buch Das Tal – Das Spiel eintauchen…

An dieser Stelle angekommen, ist die Spannung wirklich zum Zerreißen und nimmt bis zum Ende hin stetig zu. Immer kommen neue Aspekte hinzu und mindestens genauso viele Geheimnisse. Was hat es nur mit diesem Ort auf sich? Was verbrigt dieses abgeschottete Tal? Wieso findet man es nicht auf Google Maps? Warum sind im See keine Fische? Alles an diesem Ort ist merkwürdig und erschreckend. Doch zugleich finden Julia und Robert – fast ohne es zu bemerken – auch Freunde. Dennoch behagt ihnen die Atmosphäre am Grace College weiterhin nicht – trotzdem sind sie nicht mehr allein. Die Frage ist nur: Wem können sie wirklich trauen? Denn ihre Vergangenheit sitzt ihnen im Nacken und niemand darf ja davon erfahren, doch da gibt es mindestens ein Problem…

Ganz ehrlich gesagt: Dieses Buch ist grandios! Es ist so viel besser als das ewige Thriller-Einerlei, denn es kommt ohne Massen an Blut und Gewalt aus. Trotzdem jagt es dem Leser Schauer über den Rücken und liest sich aufwühlender als jeder Psycho-Thriller. Nie ist man sich wirklich sicher, ob es sich noch um einen normalen Thriller handelt, oder ob hier doch etwas Unerklärliches lauert, eine Art Fantasy- oder Mystery-Geschichte, die nur noch hervorbrechen muss. Gerade dieses Unwissen, was da vor sich geht, macht den Reiz und zugleich den Horror von Das Tal – Das Spiel aus. Mit Sicherheit nämlich dreht es sich hier nicht um ein Kinderspiel, auch wenn „Das Spiel“ im Titel fast schon eine Verharmlosung darstellt. Besagtes „Spiel“ ist kein Kinderkram und lässt sicher selbst ältere Semester erschauern. Da verspürt auch der erwachsene Leser das Bedürfnis, nachts nochmal richtung Fenester zu leuchten und sich zu vergewissern, dass dort niemand steht und nur auf den passenden Moment wartet…

Das Tal – Das Spiel ist der gelungenste Serienauftakt, den ich seit langem gelesen habe. Von dieser Reihe darf man sicher noch viel erwarten und gespannt darauf sein, was in Zukunft Schauerhaftes am Grace College vor sich geht. Es ist ein einzigartig aufrüttelndes und greifbares Buch, das doch stets etwas im Verborgenen lässt. Greift man nach der einen Lösung, steht schon wieder die nächste Frage bevor. Wirklich prickelnd!

Krystyna Kuhn: Das Tal Season 1.1 – Das Spiel, Klappenbroschur, 9,95 €, 299 Seiten, Mai 2010, 978-3401064727, Arena Verlag, Würzburg

Jugendbuch Jungsecke Krimi und Thriller Rezensionen

derFischdasKlavierundderWindWas soll man sich unter einem solchen Buchtitel vorstellen: „Der Fisch, das Klavier und der Wind“? Ich denke, dass dieser Titel darauf hinweisen soll, dass Bücher unglaublich vielseitig sind und von allen Themen handeln können, die es gibt. Selbst wenn Begriffe wie „Fisch“, „Klavier“ und „Wind“ auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, ermöglicht es die Fantasie in Büchern doch sie zu vereinen.

Und Fantasie ist es, auf der dieses wunderbare Buch beruht. Alles fing damit an, dass sich eine Frau namens Barbara Scharioth, die Herausgeberin, an ihre Lektüre von Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ erinnerte. Dort gelangt Alice nämlich durch einen Bücherschacht aus ihrer eigenen in eine ganz und gar abenteuerliche Welt. Doch wie kann man sich so einen Bücherschacht vorstellen, der den Übergang zwischen zwei so verschiedenen Welten darstellt? Welche Bücher befinden sich wohl darin?

Genau hier befindet sich der Ursprungspunkt für dieses Buch. Barbara Scharioth hatte einfach keine Vorstellung. Doch jeder Bücherwurm kann sicher nachvollziehen, dass man gern ein richtiges Bild von diesem Bücherschacht vor Augen hätte oder am liebsten sogar selbst einmal darin herumspazieren würde.

Aber selbst Besuche in den verschiedensten Bibliotheken, darunter die große Kinder- und Jugendbibliothek in München, brachten nicht den gewünschten Effekt. So entstand die Idee, dass nur imaginäre Bücher in diesem Schacht stehen könnten, Bücher, die bisher noch gar nicht existieren.

Schließlich fanden sich insgesamt 70 Illustratoren weltweit, die je ein Buchcover inklusive Buchtitel, Verlag und kurzer Inhaltsangabe für dieses Buchprojekt erfanden. Ganz verschiedene Covergestaltungen und Ideen, die der Fantasie keine Grenzen lassen, findet man nun in „Der Fisch, das Klavier und der Wind“ vereint – eine eigene kleine Bibliothek imaginärer Bücher versammelt in einem Buch. So etwas hat es wirklich noch nicht gegeben.

Tatsächlich hält man sich liebend gern in dieser Bibliothek in Buchform auf. Alle Bilder verzaubern auf ihre Weise und stellen dar, wie vielfältig die Welt der Bücher doch ist. Es ist ein Buch, das so deutlich die Liebe zu Büchern widerspiegelt, wie kaum ein anderes.

Hinzu kommt, dass alle Texte im Buch sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch vorhanden sind, sowie beim jeweiligen Bild in der Originalsprache des Illustrators. Bücher verbinden die Menschen weltweit – es wird überall gelesen, die Menschen versinken in Geschichten und lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Dies ist zumindest eine Botschaft von „Der Fisch, das Klavier und der Wind“.

Wunderschön ist dieses großformatige Buch von innen und außen anzusehen. Natürlich fehlt auch ein Lesebändchen nicht. Bei mir befindet es sich jetzt auf der Seite mit meinem Lieblingsbuchcover und der für mich schönsten Buchidee: „Miss Beauty of World“. Vielleicht habe ich ja Glück und irgendwann wird dieses Buch tatsächlich veröffentlicht. Wer weiß?

Sicher ist, dass dieses Buch eine hervorragende Mischung aus Kunst und Ideen, Fantasie und Bücherliebe bietet. Jede Seite ist definitiv mehr als nur einen Blick wert.

Barbara Scharioth: Der Fisch, gebundene Ausgabe, 176 Seiten, ISBN 978-3551517227, Oktober 2009, Carlsen Verlag

Jugendbuch Kinderbuch Rezensionen

indigosommerSmilla fährt für ein Jahr zu Bekannten in die USA um dort zur Schule zu gehen und viele Erfahrungen zu sammeln. Gerade erst angekommen, ist sie ganz begeistert darüber, dass sie mit zu einem Surftrip mit ihren Gastgeschwistern Alec und Janice sowie deren Freunden nach La Push fahren darf.

In La Push gestaltet sich die Situation jedoch schwieriger als erhofft. Smilla fühlt sich meist als fünftes Rad am Wagen und zudem gibt es Probleme mit den einheimischen Jugendlichen. Einer von ihnen ist Conrad, und er hasst die Surferclique förmlich. Bereits im Jahr zuvor war diese dort gewesen und irgendetwas ist geschehen, das eine große beiderseitige Feindschaft verursacht hat. Für Smilla ist das alles vollkommen unverständlich und schließlich verliebt sie sich sogar in Conrad. Damit fangen die Probleme erst richtig an.

„Indigosommer“ ist ein äußerst konfliktgeladenes Buch, das deutlich aufzeigt was Vorurteile und Intoleranz bewirken können. Es führt dem Leser vor Augen, dass man immer selbst für seine Taten verantwortlich ist und die Schuld nicht einfach auf andere schieben kann. Doch die Geschichte zeigt ebenso, dass selbst lang gehegte Vorurteile überwunden werden können und es wirklich wichtig ist, seinen Mitmenschen offen entgegenzutreten und andere Meinungen zu akzeptieren.

Kombiniert wird dieser spannende und zum Nachdenken anregende Plot mit wunderbaren Beschreibungen von Landschaft und Leuten. Das Leben der Einheimischen von La Push, den Quileute, wird nachfühlbar beschrieben. Schnell erkennt der Leser den Mentalitätenkontrast zwischen der Surferclique und den Quileute.

Neben diesen recht ernsthaften Aspekten der Geschichte fehlen auch ausgelassene Momente nicht. Besonders Smilla begeistert den Leser mit ihrer Offenheit und ihrem Glauben an die Menschen. Antje Babendererde hat speziell in ihren Charakter sehr viel Herzblut gesteckt. Geradezu zärtlich beschreibt die Autorin die Figuren und legt viel Wert auf Details. Genau da lässt „Indigosommer“ so glaubhaft und echt wirken.

Wie das gesamte Buch, ist auch die Liebesgeschichte zwischen Smilla und Conrad etwas Einzigartiges. Beides ist von Vorsicht aber auch Neugier und viel Gefühl bestimmt. Antje Babendererde zeigt mit diesem Buch, dass Jugendliteratur spannend, gefühlvoll und lehrreich zugleich sein kann.

Antje Babendererde: Indigosommer, gebundene Ausgabe, 355 Seiten, ISBN 978-3401063355, Juli 2009, Arena Verlag

Jugendbuch Rezensionen

heavenstadtChristoph Marzi gelingt mit seinem neuen Jugendfantasy-Roman erneut eine spannende und fantasiereiche Reise ins heutige London.

Eines Nachts wird Freema Mirrlees, genannt Heaven, von zwei Männern verfolgt und sie schneiden ihr das Herz heraus. Überraschenderweise stirbt Heaven jedoch nicht. Auf einem Hausdach findet der junge David das vollkommen verstörte Mädchen als er gerade einen Auftrag für die Buchhandlung erledigen möchte, für die er arbeitet. Ihm ist sofort klar, dass er Heaven helfen muss.

Wahrlich nervenaufreibend ist das darauf folgende Katz- und Mausspiel, in dem die beiden Jugendlichen versuchen Heavens Herz zurückzubekommen. Noch kann Heaven zwar ohne Herz leben, doch ist unklar wie lange das noch funktioniert. Außerdem hält sie es nur bei sehr niedrigen Temperaturen aus. Doch mit ihrem Herz allein scheinen die Verfolger anscheinend nicht genug zu haben. Welches Geheimnis ist es bloß, das Heaven umgibt?

In Heaven – Stadt der Feen schlittern die Figuren von einer gefährlichen Situation in die nächste. Scheinbar ist kein Ort mehr sicher und es ist ebenfalls ungewiss, wem sie noch trauen können. Was einst wahr und richtig erschien, wird komplett auf den Kopf gestellt. Der Autor schafft es trotzdem auch ruhige Momente in die Geschichte einzuflechten. Die Atmosphäre des Buches ist ein wahrer Genuss.

Christoph Marzis Liebe und Begeisterung für London springt unweigerlich auf den Leser über. Es ist selbstverständlich, dass Freundschaft und Liebe im Buch ebenfalls nicht zu kurz kommen. Zwischen Heaven und David entsteht nach und nach ein starkes Band aus Vertrauen und Liebe. Selbst in den verzwicktesten Situationen sind immer Freunde zur Stelle, auf die sie sich verlassen können.

Fantasie und mystische Begebenheiten sind bedeutende Bestandteile von Heaven – Stadt der Feen. Es ist dem Autor gelungen, realistische Anteile perfekt mit fantastischen Anteilen zu verweben. Die Spannung bleibt durchweg greifbar und man leidet mit Heaven und David mit.

Grandios entwickelt Christoph Marzi die Geschichte um David und Heaven, deren Freunde und Familien sowie ihre Verfolger und den Londoner Nachthimmel. Es ist ein wunderbares, märchenhaft geschriebenes Buch, das zum Träumen einlädt und die eigene Fantasie übersprudeln lässt.

Christoph Marzi: Heaven – Stadt der Feen, gebundene Ausgabe, 336 Seiten, ISBN 978-3401063829, August 2009, Arena Verlag

Fantasy Jugendbuch Rezensionen

geheimnisNach Missachtung aller Warnungen, auf beigelegten Lesezeichen und Vorsatzblättern, vor dieser Geschichte, bin ich in ein facettenreiches, spannendes, humorvolles und definitiv geheimnisvolles Buch eingetaucht. Hat man erstmal den nötigen Mut oder die nötige Grundneugier aufgebracht, fällt es leicht, sich diesen Warnungen zu widersetzen.

Die besonders hübsche Aufmachung macht es sogar noch einfacher. Mehrfarbige glänzende Prägungen und die Reliefstruktur auf dem Buchcover bezaubern von Anfang an. Wie schon der Titel und der mysteriöse Klappentext trägt die schöne Aufmachung zum geheimnisvollen Flair des Buches bei.

So geheimnisumwoben der erste Eindruck des Buches ist, ist auch dessen Inhalt. Ganz gezielt spielt es mit der Neugier des Lesers beziehungsweise mit dessen Gier nach der Aufdeckung von Geheimnissen. Ein wirklich schlauer Schachzug des Autors namens Pseudonymous Bosch – übrigens eine wahre Plaudertasche – und des Verlags. Von Beginn an wird der Leser direkt angesprochen. Diese konkrete Bezugnahme tritt im Buch wiederholt auf und bindet ihn noch mehr mit in den Handlungsverlauf ein. Es kommt ganz unweigerlich das Gefühl auf, als wäre das Buch wirklich nur für den jeweiligen Leser persönlich geschrieben worden.

Trotz der Möglichkeit, dass es Gefahren birgt und ich mächtig eins hinter die Löffel bekomme – einige streng vertrauliche Top-Secret-Informationen:

Max-Ernest und Kass sind Außenseiter in ihrer Schule. Während sie ständig den Weltuntergang voraussagt und überall nur Gefahren sieht, hat Max ein ordentliches Redeproblem. Er kann einfach nicht aufhören zu quasseln und ist dabei absolut nicht witzig. Die Familienverhältnisse der beiden sind sonderbar – aber was ist eigentlich nicht sonderbar an diesem Buch?

Durch Zufall wird Kass auf eine Hausstandsauflösung in der Nachbarschaft aufmerksam, nachdem der Besitzer des Hauses bei einem Brand verstarb. Verschiedene Hinweise und Vorkommnisse lassen Kass jedoch bezweifeln, dass das Feuer nur ein Unfall war und der alte Mann wirklich gestorben ist. Mit Max-Ernests Unterstützung macht sie sich an die Erforschung des Falls und dabei geraten die beiden in gefährliche Intrigen und Machenschaften.

Trotz der geheimnisvollen Stimmung ist Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis, in Anbetracht der Verhaltensweisen und Charakterbeschreibungen der Figuren, ein sehr realistisches Buch. Gerade wegen ihrer kleinen Verrücktheiten und Macken wachsen sie dem Leser schnell ans Herz. Sie sind frech, agil, eigensinnig und somit einfach wunderbar.

Die Geschichte beansprucht gezielt die eigene Vorstellungskraft und das macht Spaß! Wie verzaubert fliegen die Worte an einem vorbei und man fragt sich des öfteren, wie es ein Pseudonym schafft so wortgewandt zu sein. Doch das ist wohl nur eine der vielen Seltsamkeiten, die für immer ein Geheimnis bleiben werden.

Ohne extrem gefühlsduselig zu werden, überzeugt das Buch. Zudem ist das Ende wahrlich überraschend und stellt einen weiteren Appell an die Kreativität des Lesers dar.

Pseudonymous Bosch: Der Name dieses Buches ist ein Geheimnis, 320 Seiten,  Gebunden, Juni 2009, Arena Verlag, ISBN 978-3-401-06256-5

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