Buchbegegnungen Beiträgen

“Rubinrotes Herz, Eisblaue See” ist eines der schönsten und bewegendsten Bücher, deren Handlung direkt am Meer angesiedelt ist. Beim Lesen ist es fast, als spüre man die Meeresbrise und die wunderbare Meeresluft körperlich. Es ist also gar nicht verwunderlich, dass dieses Buch den Leser direkt für sich vereinnahmt und in die ganz besondere Geschichte eines anfangs 11-jährigen Mädchens entführt.

Florine ist dieses Mädchen und eigentlich war sie bisher sehr glücklich und zufrieden mit ihrem Leben, zusammen mit ihren Eltern, ihrer Großmutter und ihren Freunden am Meer. Doch plötzlich ist alles anders: ihre Mutter verschwindet spurlos und taucht einfach nicht mehr auf. Ist sie aus Fernweh gegangen und hat ihre Familie zurück gelassen? Oder ist ihr etwas zugestoßen? Diese Frage quält die kleine Florine fortan und wird sie nicht mehr loslassen. Doppelt und dreifach schwer wird ihr Leben dann dadurch, dass ihr Vater schnell wieder mit seiner Jugendliebe anbandelt und ihr bester Freund, für den sie mehr als nur Freundschaft empfindet, plötzlich nur noch Augen für ihre Freundin hat. So beginnt für Florine eine harte Zeit…

Diese Geschichte übers Erwachsenwerden mit all seinen Hürden, ja sogar viel mehr Hürden, als sie Jugendliche für gewöhnlich wohl überwinden müssen, ist ganz bezaubernd. Florine ist eine einzigartige Hauptfigur, die mit ihrer Inbrunst an Liebe und Durchhaltevermögen, aber auch durch ihren Humor und eine gewisse Sentimentalität komplett überzeugt. Sie lässt den Leser durch ihre eigenen, ganz unterschiedlichen Emotionen, die alle aufeinander prallen, selbst in einen Gefühlsstrudel geraten, der ihn direkt ins Buch hinein zieht. Man leidet mit ihr, wenn sie einsam und traurig auf ihre Mutter und ihre große Liebe hofft, lacht mit ihr und ihren Freunden und bietet ihrem Vater und dessen neuer/alter Freundin mutig die Stirn. Es ist ihre Vielseitigkeit, die so echt wirkt und die dieses Buch so besonders macht.

Die Autorin Morgan Callan Rogers beherrscht es zudem perfekt allen Figuren eine ganz eigene Persönlichkeit mitzugeben, sie konzentriert sich nicht nur auf die Hauptfiguren, sondern haucht wirklich jeder Leben ein. Als Leser hat man so ein sehr genaues Bild und fühlt sich als einer unter ihnen. Gleiches gilt für ihre Beschreibungen der Umwelt – das gewaltige Meer, das Leben an der Küste Maines oder ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag – all das wirkt so echt, so lebendig…

Aus diesen und vielen anderen Gründen, für die eine einzige Rezension nicht ausreicht, ist “Rubinrotes Herz, Eisblaue See” so lesenswert. Es berührt zutiefst, weil es Emotionen auf allen Ebenen beim Leser herauskitzelt und ihn damit ein bisschen mehr spüren lässt, was es heißt zu leben und wie das Leben manchmal so spielen kann. Dieses Buch kann man spüren, schmecken und einatmen und es ist nicht der Geruch von simplem Papier, der einem dort entgegen weht, sondern der Geruch nach Meer.

Mare Verlag
gebunden mit Schutzumschlag
Übersetzung: Claudia Feldmann
ISBN 978-3-86648-131-2
432 Seiten
19,90 € / 33,50 SFR

Rezensionen Unterhaltungsliteratur

Dass Tanya Stewner eine großartige Kinderbuchautorin ist, wusste ich schon, seit ich vor einigen Jahren mal einer 5. Klasse “Liliane Susewind” vorstellte – nicht nur die Kleinen, sondern auch ich waren vollkommen gefesselt vom Ideenreichtum und der bezaubernden Art der Autorin die Welt zu sehen bzw. ihrer Figuren sie zu sehen. Auch in “Das Lied der Träumerin” hat der Leser das Vergnügen ganz besonderen Figuren zu begegnen, die ihn berührenen und auf einem Stück ihres Weges mitnehmen. Dabei geht es sowohl spannend, lustig, lebensfroh als auch tragisch zu.

Dieses Buch ist sowohl für Jugendliche als auch Erwachsene umbedingt zu empfehlen. Lange ist mir kein Buch mehr so zu Herzen gegangen, wie dieses. Die ganze Geschichte über merkt man, dass die Autorin mit ihrer ganzen Seele selbst in diesem Buch steckt und es nicht nur eine erfundene Geschichte ist, sondern auch einen großen Teil ihrer selbst widerspiegelt. Denn es ist eine Geschichte über eine wahre Träumerin – Angelia Fortis. Ihr Traum ist es und war es schon immer Musik zu machen. Klavierspielen und Singen ist alles für sie und so verfolgt sie ihren Traum zielstrebig und voller Lebenslust.

Als Angelias Vater stirbt, löst sie sich endlich auch von ihrer Mutter und macht sich auf nach London, die ehemalige Heimat ihres Vaters. Dort hofft sie, sich ihren Traum erfüllen zu können. Zusammen mit zwei Brüdern – Jeremy und Josh – lebt sie fortan zusammen und zu beiden geht sie nicht nur eine besondere Beziehung ein, sondern sie lehren sie auch viel über das Leben.  Doch nicht nur Angelia lernt, auch der Leser lernt bei diesen ganz unterschiedlichen Figuren, dass die eigene Sicht der Dinge nun mal nicht für jeden Menschen gilt, dass jeder seinen eigenen Weg geht und seine eigenen Entscheidungen trifft und treffen muss. Auch wenn das für Träumer wie Angelia manchmal gar nicht so leicht zu verstehen ist. Über die Rolle von Jeremy und Josh möchte ich hier nicht mehr verraten, um die Spannung nicht zu verderben, aber so viel sei gesagt: die beiden umgibt ein großes Geheimnis, das schlussendlich auch Angelia zweifeln lässt, wo sie doch sonst so zielstrebig durchs Leben geht.

Dieses Buch ist für mich Musik! Und es ist Leben! Ich kann mich nicht erinnern, schon mal ein Buch gelesen zu haben, dass derart vor Lebensfreude strotzt und den Leser genau dadurch mitreißt. Während man liest, möchte man am liebsten mit Angelia und Josh durch die Wohnung tanzen, draußen im Regen rumspringen und dabei laut singen oder wildfremde Menschen ansprechen und ihnen von seinen Träumen erzählen. Bücher, die nicht nur Buch bleiben, sondern sich ein Stück weit auch auf das reale Leben der Leser auswirken, sind es, die wirklich lesens- und liebenswert sind. Genau so ein Buch ist “Das Lied der Träumerin”. Oft habe ich mir passend zur Musik im Buch auch Musik angehört und musste auch ab und zu mal Pausen machen, um zwischen Musik und Buch zu wechseln, um diese auch intensiv wahrnehmen zu können. Was für eine Freude für jemanden wie mich, der Musik genauso sehr liebt wie Bücher.

Fazit: Ein traumhaft schönes Buch, das nicht nur zum Träumen einlädt, sondern dazu, sich seine Träume wirklich zu erfüllen. Denn Angelia macht es vor und gibt auch dem Leser, selbst wenn er sonst kein wirklicher Träumer ist, den Mut einen Schritt in diese Richtung zu gehen!

Meine Träumerlieder zu diesem Buch waren übrigens:

Talking to the Moon – Bruno Mars
Pushig Forward – Lena
Take me as I am – Rumer
Mr. Curiosity – Jason Mraz

Und hier noch der Link zur Entstehungsgeschichte des Buches.

Fischer FJB Verlag
400 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-8414-2116-6
Preis € (D) 16,95 | € (A) 17,50 | SFR 25,90
Homepage von Tanya Stewner

Jugendbuch Rezensionen Unterhaltungsliteratur

Nach “Die Frau meines Lebens” ist “Das Lächeln der Frauen” der zweite Roman vom jungen, französischen Autor Nicolas Barreau, den ich gelesen habe. Wie man schon den Buchtiteln entnehmen kann, widmet sich der Autor gern den Themen Frauen und Liebe – und das tut er wirklich mit größter Hingabe. Dieser neue Roman von ihm hat mich komplett verzaubert und in eine französische Welt mit guten Büchern, tollem Essen, skurrilen Begegnungen sowie Zufällen und einem aufregenden Verlagsleben versetzt.

Nachdem sich Aurélies Freund Claude einfach wegen einer anderen aus dem Staub gemacht hat, ist sie vollkommen niedergeschlagen. Da hilft auch eine beste Freundin nichts, die ihn als Volltrottel beschimpft und sowieso schon immer wusste, dass er nicht der richtige ist. Doch zum Glück gibt es ja auch noch das Schicksal, das die schöne und traurige Aurélie in ihrem Kummer und auf der Flucht vor einem aufdringlichen Polizisten in eine kleine Buchhandlung führt. Eigentlich liest sie gar nicht gern, aber sie schaut sich um und entdeckt etwas ganz Besonders – ein Buch – es heißt “Das Lächeln der Frauen”. Darin schreibt der Autor Robert Miller über ein Restaurant names Le Temps des Cerises und eine wunderschöne Frau, der er dort begegnet ist. Und genau dieses Restaurant gehört Aurélie und die Beschreibung der Frau passt perfekt auf sie, obwohl sie im Buch einen anderen Namen trägt. Kann es solche Zufälle geben?

Fortan ist die junge Frau vollkommen damit beschäftigt mit Robert Miller in Kontakt zu treten und ihn einmal persönlich in ihrem Restaurant zu treffen. Jedoch steht ihr dabei so einiges im Wege – ein Lektor names André Chabanais, mehrere ziemlich dumme Zufälle und die angebliche Menschenscheu des Autors. Doch dahinter verbirgt sich weit mehr als sich alle Beteiligten vorstellen können. Denn irgendwann erhält Aurélie tatsächlich einen Brief von Robert Miller, aber was sich daraus entwickelt, das hätten sicher weder sie noch André Chabanais noch die Leser erwartet.

Dieser Roman ist ein Meisterwerk an sprachlichem Feinschliff, emotionalen Momenten und liebenswerten Figuren. Nicolas Barreau begeistert auf allen Ebenen und schafft es durch seine ganz besondere Art und Weise unsere Welt und all ihre (kleinen) Besonderheiten zu sehen, den Leser mitzureißen, zu berühren und auch nachträglich zu beeindrucken. Jede seiner Figuren ist echt, es ist als könnte man sie gleich an der Straßenecke treffen. Er schreibt Liebesgeschichten, die so schön sind, dass sie niemanden kalt lassen. Dabei ist er nie kitschig, sondern trifft genau den richtigen Ton um seine Leser(innen) mitten ins Herz zu treffen.

Mir haben besonders die Beschreibungen von Aurélies Suche nach der Wahrheit und nach der wahren Liebe, aber auch das mehr oder weniger alltägliche Leben im Verlag – speziell aus Sicht des Lektors – sehr gefallen. Beides stand in einem angenehmen Kontrast zueinander und gehörte doch wieder ganz eng zusammen. Beide Geschichten – mal aus Sicht Aurélies und mal aus Sicht von André erzählt – haben mich auch nachträglich beeindruckt, sodass ich ständig über dieses Buch schwärmen und es aller Welt mitteilen möchte. Nun denn, ich versuche es hiermit mal: Lest dieses Buch und ihr werdet es lieben!

Thiele Verlag
Übersetzung von Sophie Scherrer
336 Seiten im Format 11,5 x 18,5 cm
Gebunden mit Schutzumschlag,
Lesebändchen und Vorsatz
€ 18,- /sFr 30,50
Publikation im September 2010
ISBN 978-3-85179-144-0

Aktuell

Liebe ist doch die schönste Sache der Welt! Oder? Die meisten von uns sind sicher der Ansicht, dass dieser kleine Satz stimmt und er eine große Bedeutung hat. Doch nicht so in “Delirium” von Lauren Oliver. Hier wird Liebe als Krankheit betrachtet – Amor Deliria Nervosa – die Liebeskrankheit. Sie geht mit den verschiedensten Symptomen einher und kann bis in den Tod führen. Aus diesem Grund muss jeder pünktlich geheilt werden und sich einer entsprechenen Prozedur unterziehen.

Lena ist fast 18 Jahre alt und damit steht auch ihr die Prozedur kurz bevor, um sie vor der Liebeskrankheit zu bewahren. Besonders, da ihre Mutter früher selbst infiziert war und durch die Krankheit sogar den Tod fand, ist es an der Zeit. Und Lena selbst ist umso nervöser durch ihre Erinnerungen an ihre Mutter. Was wird mit ihr geschehen bei dieser Prozedur? Bleibt mehr als nur die Narben im Nacken zurück? Wie soll ihr Leben, so vollkommen bestimmt von anderen, weitergehen? Lena weiß es nicht, versucht sich aber bestmöglich unterzuordnen. Bis, ja bis sie Alex kennen lernt und damit lernt, was es heißt zu lieben und wie viel Wert ein selbstbestimmtes Leben hat.

Fortan sieht Lena ihr eingesperrtes Leben in Portland mit ganz anderen Augen. Sie hat Alex und will keinen vorgeschriebenen Partner zugeteilt bekommen. Wie kann man den Menschen das Lachen und die Gefühle nehmen? Wie soll man ohne Gesang, Tränen und eben Liebe leben? Sie weiß es nicht mehr und begibt sich in große Gefahr. Wird ihre Liebe zu Alex bestehen können oder wird durch die Prozedur alles anders? Lest selbst!

Lauren Oliver hatte mich schon mit ihrem Roman “Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie” (engl. ‘Before I fall’) begeistert und sehr nachdenklich gemacht. Sie beherrscht es perfekt eine Geschichte mit wenigen übersinnlichen Elementen so real wirken zu lassen, dass man sich während des Lesens viele Gedanken macht und wirklich über das Leben sowie Sinn und Unsinn nachdenkt. Was ist wirklich wichtig im Leben? Diese Frage beantwortet die Autorin inl ihren Büchern und lässt den Leser glücklicher daraus auftauchen, einfach weil er etwas Wichtiges dazu gelernt hat.

In “Delirium” macht sie gerade durch die Tatsache, dass Liebe eigentlich verpöhnt, ja selbst das Wort ‘verboten’ ist, ganz deutlich, wie wichtig Liebe für einen jeden Menschen ist. Selbst wenn sie manchmal schmerzhaft ist, ist sie doch das Wichtigste was wir haben. Dabei entwickelt die Autorin aber keinen Teenie-Kitsch-Roman, sondern geht auf die komplette Bedeutsamkeit dieses ganz besonderen Gefühls ein. Ob Liebe für Familienmitglieder oder für den Partner – das Buch liefert eine umfassende und berührende Darstellung. Je weiter man liest, desto glücklicher schätzt man sich selbst, ein solches Gefühl ganz frei erleben und erfahren zu dürfen. Denn den meisten Figuren in der Geschichte bleibt das – und noch vieles mehr – verborgen.

Mit ihrem sprachlichen Feingefühl und den wunderbar herausgearbeiteten Figuren entführt Lauren Oliver den Leser in eine Welt voll Schranken, die aber durch wenige, mutige Figuren geöffnet werden. Trotz all der Beengtheit durch Ausgangsperren und andere Restriktionen symbolisiert die Geschichte Freiheit und Hoffnung. Genau das ist es, was jugendliche und erwachsene Leser an diesem Buch begeistern und mitreißen wird.

Ein Buch voll Liebe!

Nachsatz: Teilweise hat mich das Buch an “Die Auswahl” (engl. ‘Matched’) von Ally Condie erinnert, wo Liebe ebenfalls nur eingeschränkt möglich ist und man seinen Partner zugeteilt bekommt. In beiden Büchern kämpfen die Hauptfiguren um die Möglichkeit frei zu lieben und zu lieben, wen sie eben möchten. Dabei hat mich “Delirium” noch mehr beeindruckt und berührt, obwohl mir “Die Auswahl” bereits wirklich gut gefallen hatte. Es handelt sich hierbei übrigens um den ersten Band einer Trilogie. Ich bin schon sehr gespannt auf die beiden Folgebände.

Jugendbuch Rezensionen

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Viele Frauen waren sicher schon mal in der misslichen Lage von ihrem Mann sitzen gelassen zu werden. Auch für Constanze kommt das in „Die Mütter-Mafia“ vollkommen unerwartet und mit allen Nebenwirkungen: sie ist plötzlich allein mit ihren zwei Kindern, eines davon – Nelly – stark pubertierend; sie muss umziehen, ins Haus der ehemaligen Schwiegermutter und dann sind da auch noch neue Nachbarn, neue Bekanntschaften anderer Eltern im Kindergarten und und und …

Constanze hat es also echt nicht leicht, und warum ihr Mann sie verlassen hat, das ist ihr ja mal gleich klar – da muss eine andere dahinter stecken, eine jüngere Frau! Er bestreitet das, aber nach einer Weile kommt doch heraus, dass es sie gibt: die Neue – Paris! Was für ein Name!!! Blond, gutaussehend, schlank, jung …

Während Constanze also mit den neuen Nachbarn kämpft, neue Freundschaften knüpft und plötzlich merkt, was es heißt allein über die Runden kommen zu müssen, vergnügt sich ihr Ex anderweitig. Um Anschluss zu finden, schließt sich Constanze zusammen mit zwei neuen Freundinnen einer Gruppe von Müttern an, die sich regelmäßig treffen und autauschen. Doch für Constanze ist das der reine Wahnsinn und Zickenkrieg pur. Was sich daraus wohl entwickeln wird? Und wie schafft sie es jetzt so allein klar zu kommen?

„Die Mütter-Mafia“ war eine locker leicht zu hörende Geschichte, die sich neben dem Sport super als Unterhaltung und Ablenkung eignete. Kerstin Gier hat ein tolles Gespür dafür, Alltagssituationen aufzudecken und mit ein paar kleinen Tricks zu etwas Besonderem zu machen. Besonders bedeutet in diesem Fall entweder lustig oder liebenswert. Denn eines sind die Figuren – zumindest die eine Hälfte auf Constanzes Seite – definitiv: sympathisch, chaotisch und einzigartig. Deshalb hat mir das Hören auch große Freude gemacht.

Die Story ist zwar nicht atemberaubend spannend oder bedeutsam, aber sie ist unterhaltsam und geht, so witzig und scheinbar stellenweise oberflächlich sie auch ist, doch auf Dinge wie Gerechtigkeit und Treue ein, die für jeden von uns wichtig sind. Daher ist es für nebenbei ein super Hörbuch, das absolut zur Entspannung und zum ein oder anderen Schmunzeln beiträgt.

Mirja Boes finde ich als Sprecherin für „Die Mütter-Mafia“ wunderbar, denn sowohl ihr Stimme als auch ihre Persönlichkeit passen perfekt zur Geschichte. Man könnte sie sich gut auch in einer Filmrolle als Constanze vorstellen – dieses Gefühl vermittelt sie über die komplette Zeit des Hörbuch hinweg, wodurch die Geschichte sehr realistisch wirkt.

Download-Version von Audible.de zum Preis von 10,95€ bzw. 9,95€ im Abo
Sprecher: Mirja Boes
Spieldauer: 04 Std. 12 Min. (gekürzt)
Audioinhalt: Hörbuch
Anbieter: Lübbe Audio
Veröffentlicht: 2008

Zugehört

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Die Technik, gerade bezüglich Computern, entwickelt sich mit einem rasenden Tempo. Was gestern noch nicht möglich war, ist in ein paar Monaten vielleicht kein Problem mehr und es wird zur Zeit daran geforscht. Etwas ganz und gar Unerwartetes passiert Mike in „Rafael 2.0“. Rafael, das ist bzw. das war sein Bruder, denn er ist kürzlich an einer genetisch bedingten Krankheit verstorben, der auch schon seine Mutter erlag.

Nachdem nun also seine Mutter und sein Zwillingsbruder tot sind, ist Mike verständlicherweise total niedergeschlagen und in tiefer Trauer versunken. Hinzu kommt noch, dass sein Vater scheinbar kaum noch Zeitt für ihn hat und nur mit sich selbst beschäftigt ist. Aber er ist doch noch da – er lebt! Sieht er das denn nicht? Schon bald aber soll Mike herausfinden, womit sich sein Vater beschäftigt hat. Zusammen mit Rafael hat er vor dessen Tod ein ausgetüfteltes Computerprogramm entwickelt, das es in dieser Form noch nie gab. Eine lern- und kommunikationsfähige Kopie von seinem Zwillingsbruder ist es, die Mike auf dem PC seines Vaters entdeckt.

Nach dem ersten Entsetzen und der Bestürzung über diese Erfindung, lässt sich Mike doch auf das Programm ein, das er jetzt Raf 2 nennt, denn sein Bruder, so viele Ähnlichkeiten sie auch haben mögen, ist das nicht. Doch dann verschwindet Brian – Mikes Vater – und alles geht drunter und drüber. Wer steckt hinter dieser Verschwörung und was hat das alles mit Raf 2 zu tun? Mike muss schnellstens eine Lösung finden, braucht jedoch auch Hilfe – und das ist gar nicht so leicht, wenn man plötzlich scheinbar niemandem mehr trauen kann. Eine Verschwörung nimmt ihren Lauf, die eine immense Spannung und Sogwirkung erzeugt.

Karl Olsberg ist mit „Rafael 2.0“ eine tolle Geschichte geglückt, die zugleich modern und doch realistisch, aufregend und ernsthaft ist. Er schafft es hervorragend Themen wie Trauer und technischen Fortschritt in eine Krimihandlung für Jugendliche zu packen, die durchaus auch Erwachsene zu begeistern weiß. Besonders toll daran ist, dass er mit diesem (Hör)buch auch die männlichen Leser erreichen und mehr als nur zufrieden stellen wird. Denn es hat wirklich alles, was sich junge Leser ab 13 Jahren fernab von den üblichen Liebesgeschichten und Fantasy wünschen können.

Zunächst dachte ich, dass ich mich an Patrick Möllekens Art das Hörbuch zu sprechen nicht richtig gewöhnen könnte, aber das war falsch gedacht. Seine Stimme ist jugendlich und hat zugleich etwas träumerisch-nachdenkliches, was wunderbar zur Figur des Mike passte. Er zieht den Hörer ganz tief in die Gedankenwelt des Jungen hinein und lässt ihn so – nahezu am eigenen Körper – spüren, wie es Mike ergeht. Die Kombination aus Sprecher und Inhalt war hier also wirklich großartig, sodass ich „Rafael 2.0“ unbedingt empfehlen kann.

Einzig das Ende hat mich nicht komplett überzeugt, was ich jedoch nicht allzu schlimm fand, denn ich bin gern bereit mir darüber meine eigenen Gedanken zu machen und es mir eventuell für mich realistischer auszumalen. So viel Freiraum lässt es doch allemal.

Download-Version von Audible.de zum Preis von 10,95€ bzw. 9,95€ im Abo
ab 13 Jahren
Autor: Karl Olsberg
Sprecher: Patrick Mölleken
Spieldauer: 04 Std. 45 Min. (gekürzt)
Audioinhalt: Hörbuch
Anbieter: Lübbe Audio
Veröffentlicht: 2011

Zugehört

Auch „Flammender Zorn“ führt den Leser wieder zurück nach Panem, doch es ist ein etwas anderes Panem, das den Leser nun erwartet. Katniss und Gale, sowie Katniss‘ Familie und einige andere der ehemaligen Sieger sind in Distrikt 13 untergekommen. Sie rebellieren gegen das Kapitol, doch Katniss ist sich unsicher, ob sie wirklich zum Spotttölpel werden soll, denn ist es nicht allein ihre Schuld, dass bereits so viele sterben mussten? Ist es nicht sie, die für einen großen Teil des Unglücks sorgte?

Und doch entschließt sich Katniss letztendlich dazu, an forderster Front der Rebellen zu stehen, sozusagen ihr Symbol zu sein. Denn das Kapitol hat sich etwas ganz besonderes ausgedacht, um sie zu quälen und das lässt sie nicht mit sich machen. In Videoeinspielern zeigt das Kapitol allen Distrikten, wie Peeta eine plötzliche Sinneswandlung durchmacht und sich gegen einen Krieg ausspricht. Das passt so gar nicht zu ihm, und noch weniger gefällt Katniss, wie schlecht Peeta plötzlich aussieht – so, als würde er vom Kapitol gequält. Die Rebellen konkurrieren im Gegenzug mit eigenen Videos – sogenannten Propos – in denen sie die Unmenschlichkeit des Kapitols und zugleich die Gutmütigkeit und Gerechtigkeit von Katniss zur Schau stellen.

Doch kann Katniss den Rebellen tatsächlich trauen oder befindet sie sich nur in einem Zerren zwischen zwei Seiten, an deren Spitze gleichermaßen ungerechte und tyrannische Herrscher sitzen? Sie muss sich auf ihr Gefühl verlassen und kann nur noch auf sich selbst vertrauen.

Für mich ist „Flammender Zorn“ ein wirklich gelungener Abschluss, der an Dramatik, Spannung und auch Traurigkeit kaum zu überbieten ist. Abermals steckt Katniss in einem Spiel fest, doch dieses mal sind es nicht die Hungerspiele, sondern Machtspiele anderer Art. Sowohl Katniss als auch dem Leser ist bis zum Ende nicht klar, wem man in diesem Spiel trauen kann. So stellt der Krieg zwischen dem Kapitol und den Distrikten bzw. Rebellen ein Gleichnis zu den Hungerspielen dar, wenn auch auf größerem Raum. Und erneut gilt es für Katniss sich zu behaupten und zu überleben bzw. auch die Leben ihrer Freunde und Familie zu sichern. Nur fällt ihr das, umgeben von noch viel mehr intriganten Menschen als bei den Hungerspielen, schwerer als sie je geahnt hätte.

Für ein Jugendbuch ist dieser 3. Band ziemlich brutal, doch ich denke, für Jugendliche ab 14 durchaus erträglich. Außerdem sollte dieser Punkt im Falle dieses Buches wirklich nicht vom Lesen abhalten, denn spannender und eindringlicher hat wohl noch kein Autor über Politik, Medienmanipulation und Kriege geschrieben. Das Alles ist, angesiedelt in einer visionären Welt, besonders spannend! Könnte es wirklich mal so weit kommen? Sind die Menschen zu soetwas fähig? Doch das Buch wirft noch viele weitere, tiefgehende Fragen auf und regt, trotz all der Spannung, die den Leser nahezu über die Seiten jagen lässt, auch zum Nachdenken an.

Das Ende des Buches, das ich selbstverständlich nicht verraten werde, empfinde ich als perfekt gelungen. Es wird der Reihe wirklich gerecht und ließ für mich keine Fragen offen, die Glaubwürdigkeit blieb aber bestehen. Auch in Liebesdingen entwickelt sich alles so, wie ich es mir erhofft und als einzig richtig empfunden hatte. Suzanne Collins hat die komplette Handlung von der ersten Seite von „Tödliche Spiele“ über „Gefährliche Liebe“ bis zur letzten Seite von „Flammender Zorn“ also perfekt durchdacht.

„Die Tribute von Panem“ ist für mich die gelungenste Jugendbuchreihe der letzten Jahre, die auch erwachsene Leser gleichermaßen anspricht. Am meisten von allen drei Bänden hat mich aber immer noch „Tödliche Spiele“ in seinen Bann gezogen.

Oetinger Verlag
Text von Suzanne Collins
Einbandgestaltung von Hanna Hörl
Aus dem Amerikanischen von Sylke Hachmeister / Peter Klöss
432 Seiten
gebunden mit Schutzumschlag
15.0 x 21.0 cm
EUR 18,95 · SFR 29,50 · EUA 19,50
ISBN-13: 978-3-7891-3220-9
Erschienen im Januar 2011

Jugendbuch Jungsecke Rezensionen

Nachdem ich Band 1 der „Das Tal“-Reihe von Krystyna Kuhn regelrecht verschlungen hatte und die Spannung ins Unermessliche angestiegen war, konnte ich dem zweiten Teil natürlich nicht widerstehen. Ganz interessant, aber auch etwas überraschend fand ich so den Wechsel der Erzählperspektive in „Die Katastrophe“. Hier erfährt man das weitere Geschehen nämlich aus Katies Sicht und nicht, wie in „Das Spiel“, aus Sicht von Julia und Robert, den neuen am Grace College. Da ich Katie aus dem ersten Buch noch als sehr geheimnisvolle und interessante Figur in Erinnerung hatte, konnte ich mich gut auf diesen Wechsel einlassen.

Wie ich schnell bemerken durfte, ist Katie eine ziemliche Draufgängerin hinsichtlich gefährlicher Situationen. Allein macht sie sich auf, einen komplizierten Berg zu besteigen. Und als sie von diesem Versuch mehr oder weniger heil zurück kommt, überredet sie ihre Mitschüler (ich würde auch Freunde schreiben, aber bin mir nicht so sicher, ob wirklich alle Freunde sind) den Ghost zu besteigen. Der Ghost ist nur ein weiteres unheimliches Detail, das das Grace umgiebt. So sind dort vor über 30 Jahren einige Jugendliche verschwunden und nie wieder aufgetaucht – ebenfalls Schüler vom Grace College. Auf diese Weise finden Katies Wagemut und der Wunsch der anderen, herauszufinden, was damals geschehen ist, zusammen und lassen Katie, Julia, Robert und die anderen den Aufstieg wagen. Eine Schar unerfahrener Jugendlicher, die einen Dreitausender besteigen will – das kann nur schiefgehen, oder?

Schnell bemerken sie, dass ihr Vorhaben ganz und gar nicht leicht ist. Und als dann auch noch ihre Führerin Ana verschwindet, die sich angeblich in der Bergen so gut auskennt, werden die Jugendlichen langsam panisch. Sowohl die Gefahren, wie auch die innere Angst steigen stetig an und schon bald ist es nicht mehr leicht die Ruhe zu bewahren. Auch stellt sich die Frage, wer hier Freund und wer Feind ist. Werden alle diesen Aufstieg heil überstehen? (Wo ein Aufstieg ist, da muss auch ein Abstieg folgen …)

Mich konnte dieser zweite Band der Reihe nicht so sehr fesseln, wie es der erste Band tat. Das liegt daran, dass sich wirklich fast das komplette Buch um den Aufstieg des Ghost dreht. Da kam es dann häufiger zu Längen und ich habe mich gefragt, wieso das alles in einer solchen Detailliertheit geschildert werden musste. Anders als in „Das Spiel“ fehlte es hier einfach ein wenig an Tempo und dem nötigen Gruseleffekt.

Erst gegen Ende (auf den letzten 50-80 Seiten) zieht Krystyna Kuhn das Tempo und die Spannung abermals immens an und so gelingt ihr erneut ein atemberaubender Abschluss, der auf Band 3 – Der Sturm – gespannt macht. Selbstverständlich fehlt die, bereits aus dem ersten Buch bekannte Todestafel am Ende nicht, die sich, so viel darf verraten werden, verlängert hat. Doch wer dieses Mal nicht mit dem Leben davon kommt und wie es nun für Julia, ihren Bruder und ihre Mitschüler weitergeht, dazu müsst ihr Band 2 und den Rest der Reihe schon selbst lesen.

Ich werde jetzt ganz erwartungsfroh mit dem dritten Teil der Reihe beginnen und die Geschichte weiterverfolgen!

Arena Verlag
304 Seiten
Klappenbroschur
9,95 EUR [D]
ISBN 978-3-401-06473-4

Jugendbuch Jungsecke Krimi und Thriller Rezensionen

Kristin Cashores Talent, Gefühle und damit Figuren lebendig werden zu lassen, ist es, das mich so sehr bei ihren Büchern fasziniert. „Die Beschenkte“ war bereits ein großartiger Jugendroman über Mut, Freundschaft, Liebe und Gerechtigkeit. All das hat auch „Die Flammende“, und außerdem erzählt das Buch eine ganz neue, einzigartige Geschichte. Abermals nimmt die Autorin den Leser mit in eine fremde Welt, die während des Lesens schon bald zur eigenen wird und deren Figuren man lieben lernt.

Die Handlung dieses zweiten Romans ist einige Jahrzehnte vor „Die Beschenkte“ angesiedelt und abermals geht es um einen Ort, der durch Machtspiele und Intrigen für kaum jemanden sicher ist. Zwischen den Königreichen  in den Dells bahnt sich ein Krieg an und Fire – die Flammende – ist eine wichtige „Spielfigur“ darin. Die 17-Jährige ist ein menschliches Monster, nur sind Monster bei Kristin Cashore nicht das, was man sich überlicherweise darunter vorstellt. Monster gibt es in jeder Tierart, doch Fire ist das einzige menschliche Monster. Sie unterscheiden sich von „normalen“ Lebewesen durch ihre außergewöhnliche Schönheit und Farbenpracht. Zudem haben sie auf Menschen wie Tiere eine immense Anziehungskraft. Doch Fire kann noch mehr: Sie spürt die Gedanken und Emotionen der Menschen um sich herum und kann sogar Einfluss auf deren Gedanken, Handlungen und Gefühle nehmen. Auch ihr Vater Cansrel konnte das, nutze seine Gabe aber gegen andere aus. Nur Fire liebte er wirklich.

Fire will nicht so werden wie ihr Vater und versucht sich möglichst verdeckt zu halten, hat sich sogar geschworen, nie das Bewusstsein anderer Menschen zu beeinflussen. Doch bald muss sie ihre Einstellung überdenken, als das Reich des jungen Königs Nash in einen Krieg zu geraten droht, in dem sich, so scheint es, alle anderen gegen ihn und sein Königreich verbündet haben So reist Fire an Nashs Hof, lernt dessen Bruder Brigan, aber vor allem auch neue Freunde kennen. Fires Aufgabe soll es nun sein, herauszufinden, was die Gegner des Königreichs vorhaben, doch das stellt sich als komplizierter als vermutet heraus. Trotz der Furcht vor dem kommenden Krieg, entwickelt sich für Fire auch viel Positives. Plötzlich sind Freunde und vor allem die Liebe dort, wo sie sie eigentlich nie vermutet hätte. Doch wird alles gut gehen?

Wie Lady Fire persönlich scheint Kristin Cashore eine unbeschreibliche Wirkung auf ihre Leser zu haben. Es ist, als lege sie einen Bann auf sie, der sie immer tiefer und eindringlicher in die Geschichte hineinzieht und darin verwickelt. Fire ist schon bald keine Fremde mehr für den Leser, sonder ein Mensch – wenn auch ein Monster – aus Fleisch und Blut, mit dem man gern Freundschaft schließen, den man trösten und mit dem man zusammen sein möchte. Gleiches gilt für die vielen anderen liebenswerten Personen im Buch: Musa, Mila, Brigan … .

Die Gefühle, die das Buch „Die Flammende“ heraufbeschwört, sind so wirklich und ehrlich, weil Kristin Cashore ihre Figuren bedacht, aber nicht emotionslos handeln lässt. Sie gehen nicht kopflos vor Liebe durchs Leben, sondern denken auch an das höhere Wohl und nicht nur an sich selbst, versinken zwar manchmal in Selbstmitleid, rappeln sich dann aber doch wieder auf und kämpfen für ihr Glück: Sie sind stark, voll Gefühl und echt! Genau deshalb leben diese Bücher auch so. Zwar spielen sie in einer fremden Welt aber doch könnte man meinen, man müsste sich nur auf den Weg machen und schon wäre man dort.

Diese zwei Bücher lassen mich mit großer Hoffnung zurück, dass es noch viel viel mehr von dieser jungen talentierten Autorin zu lesen geben wird. Im September dieses Jahres wird erstmal die englischsprachige Ausgabe von „Bitterblue“ erscheinen. Es geht jetzt also einige Jahre nach „Die Beschenkte“ weiter, und mit wem als Hauptfigur, das wissen alle Leser des ersten Buches ja auch schon. Ich freue mich jedenfalls sehr darauf, denn Bitterblue war mir von Anfang an sympathisch. Einmal mehr, da bin ich mir sicher, können wir uns auf eine spannende, liebevolle Geschichte über eine starke Frau freuen!

Carlsen Verlag
übersetzt von Katharina Diestelmeier
Gebunden mit Schutzumschlag
15 x 22 cm
512 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-551-58211-9
€ (D) 19,90

Fantasy Jugendbuch Rezensionen

Habt ihr eine besondere Gabe? Könnt ihr etwas richtig gut? Jeder von uns hat bestimmt ganz spezielle Fähigkeiten, die er wirklich gut beherrscht, doch im Buch „Die Beschenkte“ geht es mit diesen Fähigkeiten in einigen Fällen weit über das Überdurchschnittliche hinaus. In Kristin Cashores Erstling gibt es die sogenannten Beschenkten – sie sind beschenkt mit einer extrem ausgeprägten Gabe, auf einem ganz bestimmten Gebiet. Erkennen kann man die Beschenkten an ihren zwei unterschiedlich gefärbten Augen. Katsa, die Hauptfigur dieses Jugendromans, hat ein blaues und ein grünes Auge und sie hat die Gabe des Tötens!

In diesem Buch trifft der Leser auf eine Welt, eingeteilt in sieben Königreiche, sieben Königreiche, die von mehr, aber vor allem von weniger gerechten Königen regiert werden. Einem solchen König untersteht auch Katsa. König Randa benutzt das Mädchen, seit es als Kind versehentlich einen Mann tötete, der sie bedrohte, als seine persönliche Geheimwaffe gegen alle, die er gern ausgeschaltet haben möchte. Dabei bestraft er die verschiedensten „Vergehen“ mit dem Tod. Doch Katsa will nicht mehr nur die „mordende Maschine“ sein, vor der jeder sich fürchtet. Sie möchte Gutes tun und mit der Rettung des Vaters von König Ror von Lienid, vor seinen Entführern beginnt ein ganz neues Abenteuer für sie. Sie lernt den jüngsten Prinzen von Lienid kennen – Bo – und macht sich mit ihm auf den Weg, dieses Verbrechen aufzuklären. Er ist ebenfalls ein Beschenkter – beschenkt mit der Gabe des Kämpfens – und der erste, der auch nur annähernd mit Katsa mithalten kann, wenn es um den Kampf geht.

Auf ihrer Reise stoßen sie auf gefährliche Intrigen und Machenschaften, aber auch auf eine tiefe Freundschaft und ein ganz neues Erkennen ihrer Gaben. Sind sie wirklich nur die „Kämpfer“, für die sie sich halten oder steckt hinter ihren Gaben doch viel mehr? Denn eigentlich wollen Katsa und Bo nicht töten und kämpfen, wenn es nicht erforderlich ist. Unterwegs geraten sie in verschiedenste lebensbedrohliche Situationen, müssen anderen und sich gegenseitig helfen und überwinden die größten Hindernisse. Doch werden sie ihr Ziel erreichen, im Kampf gegen einen scheinbar unbesiegbaren Gegner? Katsa und Bo geben alles, und das mit vollem Einsatz ihrer beider Leben!

„Die Beschenkte“ ist das beeindruckendeste und spannendste Jugendbuch, das ich seit langer Zeit gelesen habe. Kristin Cashore ist eine Meisterin darin, ihren Figuren echte Persönlichkeit zu geben und damit die Gefühle des Lesers übersprudeln zu lassen. Man fiebert mit diesen großartigen Protagonisten und ihren Freunden, ob alten oder neuen, mit, begleitet sie auf der wohl gefährlichsten Reise, die Buchhelden je erleben mussten und freut sich über die entstehende Liebe zwischen Katsa und Bo.

Da besonders Katsa stets eine Außenseiterin war, ist es oft wirklich lustig und erfrischend zu lesen, wie sie auf menschliche Zuneigung reagiert, die ihr plötzlich häufiger zuteil wird. Sie ist störrisch und gleichzeitig so sympathisch, dass sie eine ganz wunderbare Heldin in diesem großen Abenteuer abgibt. Bo hingegen ist der ruhende Pol, der jedoch durch Katsas Sprunghaftigkeit immer wieder Überraschungen erlebt und dadurch ebenfalls zu den lockeren Passagen, in der an sich sehr von Gefahr geprägten Geschichte beiträgt.

So retten die beiden Leben und beenden andere – der Leser ist hautnah dabei, steht zu den beiden in jeder Situation und hofft, dass alles ein gutes Ende nimmt. Dabei kommt es immer wieder zu unerwarteten Verwicklungen, Gefühlsausbrüchen und Gefahren, die „Die Beschenkte“ so aufregend gut machen. Kristin Cashore scheint wirklich zu spüren, was Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene lesen wollen. Dazu hat sicher auch ihr Studium am Center for the Study of Children’s Literature in Boston beigetragen.

Für alle, die „Die Beschenkte“ schon kennen, erscheint noch in diesem Monat mit „Die Flammende“ ein neues Buch dieser wunderbaren Autorin. Auch hier wird man wieder auf Menschen mit ganz außergewöhnlichen Gaben und hoffentlich ebenso spannende Abenteuer wie im ersten Buch treffen. Ich bin gespannt, wie es weiter geht!

Carlsen Verlag
übersetzt von Irmela Brender
Gebunden mit Schutzumschlag
15,0 x 22,0 cm
496 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-551-58210-2
€ (D) 19,90
€ (A) 20,50 / sFr 31,50

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