Buchbegegnungen Beiträgen

Habt ihr eine besondere Gabe? Könnt ihr etwas richtig gut? Jeder von uns hat bestimmt ganz spezielle Fähigkeiten, die er wirklich gut beherrscht, doch im Buch „Die Beschenkte“ geht es mit diesen Fähigkeiten in einigen Fällen weit über das Überdurchschnittliche hinaus. In Kristin Cashores Erstling gibt es die sogenannten Beschenkten – sie sind beschenkt mit einer extrem ausgeprägten Gabe, auf einem ganz bestimmten Gebiet. Erkennen kann man die Beschenkten an ihren zwei unterschiedlich gefärbten Augen. Katsa, die Hauptfigur dieses Jugendromans, hat ein blaues und ein grünes Auge und sie hat die Gabe des Tötens!

In diesem Buch trifft der Leser auf eine Welt, eingeteilt in sieben Königreiche, sieben Königreiche, die von mehr, aber vor allem von weniger gerechten Königen regiert werden. Einem solchen König untersteht auch Katsa. König Randa benutzt das Mädchen, seit es als Kind versehentlich einen Mann tötete, der sie bedrohte, als seine persönliche Geheimwaffe gegen alle, die er gern ausgeschaltet haben möchte. Dabei bestraft er die verschiedensten „Vergehen“ mit dem Tod. Doch Katsa will nicht mehr nur die „mordende Maschine“ sein, vor der jeder sich fürchtet. Sie möchte Gutes tun und mit der Rettung des Vaters von König Ror von Lienid, vor seinen Entführern beginnt ein ganz neues Abenteuer für sie. Sie lernt den jüngsten Prinzen von Lienid kennen – Bo – und macht sich mit ihm auf den Weg, dieses Verbrechen aufzuklären. Er ist ebenfalls ein Beschenkter – beschenkt mit der Gabe des Kämpfens – und der erste, der auch nur annähernd mit Katsa mithalten kann, wenn es um den Kampf geht.

Auf ihrer Reise stoßen sie auf gefährliche Intrigen und Machenschaften, aber auch auf eine tiefe Freundschaft und ein ganz neues Erkennen ihrer Gaben. Sind sie wirklich nur die „Kämpfer“, für die sie sich halten oder steckt hinter ihren Gaben doch viel mehr? Denn eigentlich wollen Katsa und Bo nicht töten und kämpfen, wenn es nicht erforderlich ist. Unterwegs geraten sie in verschiedenste lebensbedrohliche Situationen, müssen anderen und sich gegenseitig helfen und überwinden die größten Hindernisse. Doch werden sie ihr Ziel erreichen, im Kampf gegen einen scheinbar unbesiegbaren Gegner? Katsa und Bo geben alles, und das mit vollem Einsatz ihrer beider Leben!

„Die Beschenkte“ ist das beeindruckendeste und spannendste Jugendbuch, das ich seit langer Zeit gelesen habe. Kristin Cashore ist eine Meisterin darin, ihren Figuren echte Persönlichkeit zu geben und damit die Gefühle des Lesers übersprudeln zu lassen. Man fiebert mit diesen großartigen Protagonisten und ihren Freunden, ob alten oder neuen, mit, begleitet sie auf der wohl gefährlichsten Reise, die Buchhelden je erleben mussten und freut sich über die entstehende Liebe zwischen Katsa und Bo.

Da besonders Katsa stets eine Außenseiterin war, ist es oft wirklich lustig und erfrischend zu lesen, wie sie auf menschliche Zuneigung reagiert, die ihr plötzlich häufiger zuteil wird. Sie ist störrisch und gleichzeitig so sympathisch, dass sie eine ganz wunderbare Heldin in diesem großen Abenteuer abgibt. Bo hingegen ist der ruhende Pol, der jedoch durch Katsas Sprunghaftigkeit immer wieder Überraschungen erlebt und dadurch ebenfalls zu den lockeren Passagen, in der an sich sehr von Gefahr geprägten Geschichte beiträgt.

So retten die beiden Leben und beenden andere – der Leser ist hautnah dabei, steht zu den beiden in jeder Situation und hofft, dass alles ein gutes Ende nimmt. Dabei kommt es immer wieder zu unerwarteten Verwicklungen, Gefühlsausbrüchen und Gefahren, die „Die Beschenkte“ so aufregend gut machen. Kristin Cashore scheint wirklich zu spüren, was Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene lesen wollen. Dazu hat sicher auch ihr Studium am Center for the Study of Children’s Literature in Boston beigetragen.

Für alle, die „Die Beschenkte“ schon kennen, erscheint noch in diesem Monat mit „Die Flammende“ ein neues Buch dieser wunderbaren Autorin. Auch hier wird man wieder auf Menschen mit ganz außergewöhnlichen Gaben und hoffentlich ebenso spannende Abenteuer wie im ersten Buch treffen. Ich bin gespannt, wie es weiter geht!

Carlsen Verlag
übersetzt von Irmela Brender
Gebunden mit Schutzumschlag
15,0 x 22,0 cm
496 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-551-58210-2
€ (D) 19,90
€ (A) 20,50 / sFr 31,50

Fantasy Jugendbuch Rezensionen

Wenn man jung und ausgelassen ist, denkt man doch gar nicht daran, dass plötzlich auf einmal alles vorbei sein könnte, oder? Wer glaubt schon, dass er im nächsten Moment sterben könnte? So geht es auch Sam. Es scheint ein ganz gewöhnlicher Tag in ihrem Leben zu sein, außer dass Valentinstag ist und sie geplant hat, das erste Mal mit ihren Freund zu schlafen. Aber sonst? Alles normal – Sam fährt mit ihren Freundinnen zur Schule, bekommt ein paar Rosen zum Valentinstag, isst in der Kantine, schwänzt eine Stunde, geht abends auf eine Party und will dann mit ihren Freundinnen nach Hause fahren. Nichts daran klingt sonderlich ungewöhnlich – doch auf der Heimfahrt blitzt auf einmal etwas weißes auf der Straße auf und plötzlich ist alles Schmerz für Sam…

Sam ist tot! Und dann doch wieder nicht… sie wird von ihrem Wecker geweckt und auch wenn sie es erst nicht glauben mag, es ist wieder Valentinstag. Hat sie da ein ganz schlimmes Déjà-vu? Nein, das ist es nicht – sie durchlebt diesen Tag noch einmal, alles ist mehr oder weniger identisch. Aber kann Sam vielleicht etwas am Verlauf des Tages ändern? Insgesamt 7 Mal bekommt sie die Möglichkeit dazu und was sie an jedem einzelnen Tag erlebt, öffnet ihr und dem Leser die Augen.

Erst dachte ich, dass es ein bisschen langweilig werden dürfte, den gleichen Tag sieben Mal durchzuspielen, wenn auch mit einigen Abwandlungen. Ich hatte schon die Befürchtung etwas à la „Und täglich grüßt das Murmeltier“ zu lesen zu bekommen, aber das ist „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ absolut nicht. Spätestens als DER Tag zum dritten Mal beginnt und so ganz und gar anders ist, hatte mich das Buch vollkommen gefangen genommen. Dieser Roman ist nicht einfach nur ein typisches Jugendbuch, ein Krimi oder eine Freundschaftsgeschichte – es ist so viel mehr. Hier geht es um Gerechtigkeit und darum, Opfer für andere zu bringen bzw. sich für sie einzusetzen. Es geht darum, über den eigenen Horizont zu schauen und aus seiner oftmals schönen kleinen Welt hinaus zu blicken, die Realität zu erkennen und sich den Tatsachen zu stellen. Natürlich spielen auch Freundschaft, Liebe und Elemente, die einem Thriller entspringen könnten eine Rolle, aber alles zusammen lässt sich in kein Klischee stecken.

Hierbei spielen in Sams Fall ein Mädchen namens Juliet Sykes und ein Junge namens Kent eine große Rolle. Juliet Sykes wird von so ziemlich jedem nur Psycho oder auch Piss Miss genannt, und diese Namen trägt sie dank Sams bester Freundin Lindsey. Eigentlich kann sich Juliet nirgendwo hintrauen, denn wo sie auch ist, wird sie von Hänseleien verfolgt und vergräbt sich immer mehr in sich selbst. Und dann ist da noch Kent – der Junge, mit dem Sam eine Sandkastenfreundschaft verbindet, für den sie sich aber nicht mehr interessiert hat, spätestens seit sie mit Lindsey befreundet ist und somit zu einer Art Elite gehört. Ist Sam über ihre neue Freundschaft hin gar selbstsüchtig und gefühllos geworden? Oder entwickelt sie sich vielleicht doch noch in eine andere Richtung? Welche Rollen spielen Sam und Kent an diesen Tagen bzw. an diesem einen, sich immer wiederholenden tag für sie?

Mich hat an „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ besonders Sams Entwicklung während der einzelnen Tage so gefesselt. Sie ist schwach, sie ist stark, unentschlossen oder wächst über sich selbst hinaus, sie weiß nicht, was sie tun soll, ist gemein, verrückt und dann mal wieder total liebevoll – man darf wohl wirklich jeden möglichen Charakterzug an ihr kennen lernen und genau dadurch kann dieses Buch so ungemein fesseln. Wenn sich sowieo der Tag immer und immer wiederholt, wieso nicht mal komplett aus der Reihe tanzen? Alles ganz anders machen? Und tatsächlich spürt man beim Lesen oft Ungläubigkeit und dann wieder Mitgefühl für Sam, dieses starke und unglaublich kluge Mädchen. Sie ist die perfekte Hauptfigur und das gerade weil sie nicht immer alles richtig macht, aber eben versucht sich zu bessern und zu entwickeln.

Ob Sam am Ende des siebten Tages überlebt oder nicht bzw. was danach kommt, das sein hier natürlich nicht verraten. Und ebenfalls kann ich euch nicht sagen, ob sie die Lösung dafür findet, weshalb sie diesen Tag immer und immer wieder durchleben muss / darf. Tatsache ist: Jeder Tag lohnt sich, für den Leser und letztendlich auch für Sam.

Lauren Oliver schreibt unfassbar mitreißend und bringt toll dieses jugendlich frische Gefühl rüber, scheint in die Seelen aller Jugendlichen blicken zu können und zu wissen, was sie wollen und vor allem, wie es für sie geschrieben sein muss. Durch ihre Authenzität und ihr wunderbares Feingefühl, gelingt es ihr so, ganz ohne Probleme, auch Erwachsene in den Bann ihrer Geschichte zu ziehen. Sie hat es geschafft, aus einem relativ gewöhnlichen ersten Tag eine Geschichte zu erspinnen, die extrem komplex und voller verschiedener Schicksalsschläge ist, die sich miteinander verbinden und dann zu einem großen Ganzen werden – zu einer großen Falle? Das muss jeder selbst entscheiden!

Mir ging es so, dass ich mit dem tatsächlichen Ende des Buches irgendwie gerechnet hatte, auch wenn es mich leider nicht zufrieden stimmt. Dennoch ist es keines dieser Einheitsenden, sondern gut durchdacht und es hat durchaus seine Berechtigung. Gewünscht hätte ich mir etwas anderes, aber bekommen habe ich etwas, mit dem ich zumindest leben kann. Fast wünsche ich mir eine Fortsetzung, denn die Figuren sind mir ans Herz gewachsen mit ihren ganz eigenen Lebensgeschichten – ich möchte zu gern wissen, wie es mit ihnen weitergeht.

Ich denke, Lauren Oliver ging es vor allem darum zu zeigen, dass im Leben nicht immer alles so ist, wie es scheint. Dass wir Menschen oft falsch vorverurteilen und dass man trotzdem etwas dagegen tun kann, auch wenn man es vielleicht erst später bemerkt. Man kann es wieder gut machen! Aus Fehlern kann  und muss man lernen! Es ist nur wichtig, den richtigen Weg dafür zu finden und es zu wollen. Was denkt ihr? Findet Sam den richtigen Weg? Für mich hat sie ihn gefunden…

Eine kleine Sache zur Aufmachung des Buches möchte ich am Ende noch anmerken, was mir aber letztendlich bei dem fantastischen Inhalt auch nicht mehr wirklich etwas ausmacht: Zunächst wirkt die Gestaltung des Buches, entfernt man auch einmal den Schutzumschlag, großartig. Das Buch sieht aus, als wäre es mit leicht glänzenden Farben besprüht worden. Vorher habe ich soetwas noch nicht gesehen und mir hat es richtig gut gefallen. Leider ist diese Farbe aber auch wenig haltbar und löst sich bei der kleinsten Berührung mit anderen Genenständen ab. Dadurch sieht das Buch schnell sehr abgegriffen aus, auch wenn man extrem vorsichtig damit umgeht. Schade! Aber wie gesagt. Der Inhalt macht alles wieder wett!

Das neue Buch der Autorin – Delirium – erscheint im November 2011.

Carlsen Verlag
ab 14 Jahren
übersetzt von Katharina Diestelmeier
Gebunden mit Schutzumschlag
15 x 22 cm
448 Seiten
ISBN 978-3-551-58231-7
€ (D) 19,90 € (A) 20,50 / sFr 31,50

Jugendbuch Rezensionen Unterhaltungsliteratur

„Tage wie diese“ ist das innerlich wie äußerlich wohl schönste Jugendbuch, das ich in letzter Zeit gelesen habe und ich lese viele Jugendbücher! Schon als ich das Buch das erste Mal in die Hand nahm, war ich wie verzaubert. Der Baum auf dem Cover zieht sich um das ganze Buch herum, die Blätter sind erhaben und glitzern leicht. Man sieht zudem das Waffelhaus, das in der Geschichte eine wichtige Rolle spielt und einen Ort mit wahrer Wohlfühlatmosphäre darstellt. Denn eins kann man sich in diesem Buch definitiv: sich wohlfühlen!

Die drei Autoren Maureen Johnson, John Green und Lauren Myracle haben sich zusammengetan, dieses Buch zu schreiben. Und in der Reihenfolge der genannten Namen, erscheinen auch die Geschichten der jeweiligen Autoren im Buch. Der Clou daran ist, dass man nach und nach immer mehr die Zusammenhänge zwischen den Geschichten erkennt – alles fügt sich zusammen und macht aus drei einzigartigen, romantischen und einfach nur wunderschönen Geschichten eine perfekte Einheit.

Los geht es mit Maureen Johnsons Geschichte „Der Jubilee-Express“, in der das Mädchen Jubilee plötzlich an Weihnachten ziemlich dumm dasteht, weil ihre Eltern im Gefängnis festsitzen, ihr Freund nur mit den Feierlichkeiten beschäftigt ist und sie auch noch mit der Bahn zu ihren Großeltern fahren muss. So hatte sie sich das sicher nicht vorgestellt. Dann bleibt auch noch der Zug wegen des extremen Schnees stecken und Jubilee stapft zu Fuß zum Waffelhaus, in der Nähe der Autobahn. Hier gibt es die leckersten Waffeln überhaupt. Dort lernt sie auch Stuart kennen… Ob es für Jubilee doch noch ein Weihnachtswunder gibt?

In der zweiten Geschichte „Ein cheer unglaubliches Weihnachtswunder“ erzählt John Green aus der Sicht von Tobin. Auch er und seine Freund JP und ein Mädchen, von ihnen nur „der Herzog“ genannt, verbringen Weihnachten nicht mit ihren Familien, sondern miteinander. Sie sind wirklich die besten Freunde und machen alles zusammen. Klar, dass sie sich auf den Weg ins Waffelhaus machen, als sie erfahren, dass da eine Gruppe von Cheerleadern gestrandet ist, die unbedingt Twister spielen möchte. Mit dem Auto von Tobins Eltern machen sie sich auf, doch der Schnee macht ihnen so einige Striche durch die Rechnung! Werden sie beim Waffelhaus ankommen? Und vor allem: Sind die Cheerleader dann wirklich noch interessant?

Schlussendlich folgt mit „Der Schutzheilige der Schweine“ Lauren Myracles Part in diesem Buch. Aus der Sicht des Mädchens Abbie, verwickelt sie den Leser in eine Geschichte um Eifersucht, Trauer, Freundschaft und natürlich Liebe! Denn gerade hat sich Abbies Freund Jeb von ihr getrennt, weil er sie beim Knutschen mit einem anderen Jungen erwischt hat. Dumm nur, dass Abbie das gar nicht wollte, Jeb ihr aber nicht glaubt. Abbie ist total verzweifelt und will ihn unbedingt zurück. Dabei stehen ihr ihre beiden besten Freundinnen Dorrie und Tegan mehr oder weniger zur Seite, öffnen ihr aber auch die Augen. Und was ein kleines Teetassenschwein mit der ganzen Sache zu tun hat, das müsst ihr selbst herausfinden. Es ist nur eines unter etlichen, kleinen zauberhaften Details in diesem Buch.

Zwar spielt dieses Buch bei Minusgraden, Schnee und Eis, zur Weihnachtszeit und doch ist es für jede Jahreszeit perfekt. Denn es enthält eine wichtige Botschaft, nämlich wie wichtig Liebe und Freunschaft sind. Das sagt man immer so gern dahin, aber beim Lesen von „Tage wie diese“ bekommt man ein wahres Gefühl für die Bedeutung dieser Worte. Ich verspreche, dass das Herz eines jeden Lesers dahinschmelzen wird, wenn er dieses Buch liest, selbst wenn es der Schnee im Buch nicht tut.

Mädchen, aber auch Jungen ab 12 Jahren und natürlich Erwachsenen kann ich nur unbedingt raten, dieses Buch zu lesen, denn man verpasst sonst wirklich etwas. Die Geschichten sind kein Liebeskitsch, sondern sie enthalten eine geballte Ladung liebevoller Elemente, gepaart mit einer ordentlichen Portion Humor. Die Autoren verschmelzen so gut zu einer Einheit, dass ich zwar traurig war, als eine Geschichte vorbei war, die nächste mich aber sofort wieder in ihren Bann nahm. Sie schaffen es alle drei auf gleicher Augenhöhe zu stehen und dem Leser eines ums andere Staunen zu entlocken. Zu herrlich sind die Personen, zu frisch die Dialoge, um auch nur eine Sekunde damit zu verbringen, dem Vorangegangenen hinterher zu trauern. Denn die ganze Zeit wusste ich: Irgendwann fügt sich alles zu einem großen, fantastischen Ganzen zusammen. Und wirklich alle Hauptfiguren sind mir, trotz oder gerade wegen ihrer Macken, richtig schnell ans Herz gewachsen.

Die Inhaltsbeschreibung auf dem Buchrücken von „Tage wie diese“ drückt niemals aus, wie viel in diesem Buch steckt. Es ist voller Witz und Grips, und langweilig wird es garantiert nie. Das schwöre ich. Lest es und ihr werdet begeistert sein!


Arena Verlag
ab 12 Jahren
400 Seiten
Gebunden
15,95 EUR [D]
ISBN 978-3-401-06544-1

Jugendbuch Liebesroman

Wer hat sie nicht gesehen – die Bilder von Terroranschlägen, wie etwa auf das World Trade Center? Für Jem und Spinne bleiben es jedoch nicht nur Bilder, denn die beiden sind sozusagen mitten drin, als in London eine Bombe im London Eye, dem riesigen, die ganze Stadt überblickenden Riesenrad, hochgeht. Eigentlich wären Jem und Spinne auch betroffen gewesen, wenn da nicht eine Tatsache wäre:

Jem kann das Todesdatum jedes Menschen vor ihrem inneren Auge sehen, wenn sie ihm in die Augen schaut. Ausgerechnet als sie und ihr einziger Freund Spinne, ein großer, schlaksiger, schwarzer Junge, vor dem London Eye anstehen, haben plötzlich alle anderen das gleiche Todesdatum: Heute! So weiß Jem, dass etwas Schlimmes passieren wird und drängt Spinne, der von ihrer „Gabe“ nichts ahnt, mit ihr abzuhauen.

Dummerweise werden die beiden dabei von Kameras gefilmt und als es später dann wirklich zum Anschlag kommt, werden Jem und Spinne zu den wohl meistgesuchten Menschen des Landes, denn alle nehmen an, dass sie etwas über diese Sache wissen. Da Jem und Spinne beide schon Dreck am Stecken haben, hauen sie ab, denn sie fürchten ins Gefängnis zu kommen. Wie solllte Jem ihre Fähigkeit, das Todesdatum anderer Menschen zu sehen, auch anderen glaubhaft machen? Und so beginnt eine spannende Verfolgungsjagd, auf der nicht allein die Verfolgung ein Problem bleibt.

Eins plagt Jem, die normalerweise keine Freunde hat, weil sie es nicht ertragen kann zu sehen, wann diese Menschen sterben werden, nämlich noch: Auch Spinne hat nur noch ein paar Tage zu leben! Gelingt es vielleicht doch Spinnes Schicksal nochmal umzukehren?

„Numbers – Den Tod im Blick“ ist wirklich ein außergewöhnliches Buch mit einer ganz außergewöhnlichen Geschichte! Ist die Inhaltsbeschreibung schon spannend, so ist das Buch selbst an Dramatik und Ideenreichtum nicht zu überbieten. Das liegt besonders an den anbetungswürdigen Hauptfiguren, deren ganz eigenem Charme ich mich absolut nicht entziehen konnte. Während Jem schwer zu kämpfen hat mit ihrer Todessicht, ist Spinne ein witziger, weltoffener Typ. Gegenseitig bringen sie sich mehr über das Leben bei und schon bald öffnet sich Jem, während Spinne erkennt, dass es auch Ernst im Leben gibt, ernsthafte Liebe zum Beispiel.

Dieses Buch hat für mich zu Recht eine Altersempfehlung ab 14 Jahren, denn es geht schon sehr rasant und teils brutal zu. Außerdem haben Jem und Spinne einen Sprachstil entwickelt, der seinesgleichen sucht. Sie sagen beide, was sie denken und das kommt häufig ganz schön schnodderig daher, passt aber perfekt zur Handlung und macht alles nur noch glaubhafter. Denn bis auf diese eine Sache, eben dass Jem das Todesdatum eines jeden Menschen an seinen Augen ablesen kann, ist hier nichts verstellt oder geschönt. Die Glaubhaftigkeit ist hier ein extrem wichtiger Aspekt für mich, denn sie ist es, die das Buch derartig fesselnd macht.

Rachel Ward hat somit nicht nur eine Fantasy-Story geschrieben, sondern erzählt auch von ernsthaften Themen wie Rassismus, Ausgrenzung und Mobbing. Diese Thematik bindet sie aber so gekonnt in die Handlung ein, dass Jugendliche sich nicht belehrt fühlen, sondern viel mehr hintergründig angewiesen werden, sich selbst Gedanken über das Leben zu machen, darüber, wie es ihnen selbst geht, was sie besser machen könnten und vor allem: wie es anderen Menschen, besonders Jugendlichen, in ihrem Alter ergeht. Spinne und Jem sind hierfür eine wunderbare Vorlage.

Bis zum Ende ist „Numbers – Den Tod im Blick“ eine spannende Odyssee zweier Jugendlicher durch England und auch der Schluss rüttelt nochmal richtig auf. Teilweise habe ich mit diesem Ende gerechnet, aber dann setzt die Autorin plötzlich noch etwas drauf und ich war vollkommen fasziniert von diesem Einfallsreichtum. Nun möchte ich einerseits eine Fortsetzung und zugleich doch nicht, weil das irgendwie die großartige Originalität dieses Abschlusses kaputt machen würde. Ich kann mich nicht entscheiden, was ich jetzt will… aber eins ist klar: Ich möchte, dass ihr dieses Buch unbedingt lest, wenn euch die Geschichte anspricht rein inhaltlich anspricht, denn stylistisch ist sie grandios!

Ein interessantes Interview mit der Autorin findet ihr hier: Interview

Chicken House Verlag
368 Seiten, 13,3 x 19,8 cm
Klappenbroschur mit Prägung und Spotlackierung
ab 14 Jahren
€ (DE) 13,95
ISBN 978-3-551-52007-4

Jugendbuch Jungsecke Krimi und Thriller Rezensionen

Mit ihrem dystopischen Jugendroman „Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele“ lieferte Suzanne Collins einen nervenaufreibenden Auftakt zu einer einzigartigen Trilogie. Im zweiten Band „Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe“ setzt sie dort an, wo der erste Band endet und zieht den Leser sofort wieder in die spannende Geschichte um Katniss, Peeta, Gale und Co. hinein.

Nachdem sowohl Katniss als auch Peeta im ersten Band als Sieger aus den Hungerspielen zurückkehrten, heißt es jetzt für sie, die Feierlichkeiten danach zu überstehen. Es stehen Besuche in allen Distrikten an und natürlich auch die damit verbundenen Schmink- und Umkleidetiraden. Katniss und Peeta sind beide wenig begeistert davon. Aber noch viel schlimmer ist, dass das Kapitol absolut nicht zufrieden mit der Situation ist. Es fühlt sich durch Katniss betrogen, die mit ihrem Beerentrick dafür verantwortlich ist, dass es zum ersten Mal in der Geschichte der Hungerspiele zwei Sieger gibt. Nun besteht seitens des Kapitols die Befürchtung, dass Katniss zu einer Art Symbol des Aufstands werden könnte und auch die Distrikte damit anstecken könnte.

Wie der Buchtitel „Gefährliche Liebe“ schon verrät, und wie es sicher einige Leser auch bereits wahrgenommen hatten, kommen aber noch mehr Probleme auf Peeta, Katniss und auch Gale, sowie ihre Familien zu. Denn zwar spielte Katniss gezwungenermaßen bei der großen Liebesgeschichte zwischen sich und Peeta mit, aber es lässt sich immer weniger verbergen, dass sie eigentlich Gefühle für Gale hat. Auch der Präsident hat davon mitbekommen! Wenn Katniss ihre Rolle nicht perfekt weiter spielt, bedeutet das nicht nur eine große Gefahr für sie selbst, sondern auch Peetas, Gales und ihre eigene Familie. Wird sie mit dieser Last auf ihren Schultern zurecht kommen? Und was ist eigentlich mit den diesjährigen Hungerspielen? Eins sei dazu gesagt: Den Leser erwartet dort eine – ziemlich böse – Überraschung!

Wie schon den ersten Band, habe ich auch dieses Buch verschlungen. Als Leser hofft man so sehr, dass man wieder eine gleichermaßen wunderbare Geschichte wie schon im ersten Buch lesen darf und wird nicht enttäuscht. Auch gibt es keine Enttäuschung in der Hinsicht, dass das Buch nicht eigenständig genug wäre. Suzanne Collins kreiiert hier eine komplett neue Handlung, allerdings in der gewohnten düsteren und nervenkitzelnden Atmosphäre. Von Anfang an fühlte ich mich wieder wohl mit den Figuren und zugleich total nervös und hibbelig, ob der konfliktgeladenen Handlung.

Es ist erstaunlich, wie einzigartig die Autorin von politischen Gegebenheiten erzählen kann. Gerade das macht sie meines Erachtens zu einer Meisterin der Erzählkunst, denn Politik für Jugendliche in ein spannendes Licht zu rücken, ist beim besten Willen nicht einfach. Und auch wenn die Handlung eher Richtung Fantasy und Science Fiction geht, wird dem Leser immer wieder klar gemacht, wie wichtig es ist, sich für seine Rechte einzusetzen, egal in welcher politischen – bzw. Lebenssituation man sich befindet. Diese Kombinationsgabe der Autorin, Spannung, Liebesgeschichte und unaufgedränges Lehrreichtum miteinander zu verknüpfen, macht dieses Buch zu dem, was es ist: zu etwas ganz Besonderem!

Mich überzeugt dieser zweite Teil komplett, und hatte ich vor der Lektüre auch Zweifel daran, dass er mit dem ersten Band mithalten kann, so bin ich nun umso überzeugter, dass der dritte Band „Die Tribute von Panem – Flammender Zorn“, der im März 2011 erscheint, mindestens auf dem gleichen, hohen Niveau angesiedelt sein wird wie schon die ersten beiden Bücher. Darauf freue ich mich schon jetzt unbändig.

Mehr zum dritten Buch und eine Coverabbildung findet ihr hier: Die Tribute von Panem III

Und für jüngere Leser ab 10 Jahren sind auch sehr die „Gregor“-Bücher der Autorin zu empfehlen.


Oetinger Verlag
432 Seiten
gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
15.0 x 21.0 cm
für alle Altersstufen
EUR 17,95
ISBN-13: 978-3-7891-3219-3
Erschienen im Mai 2010

Jugendbuch Jungsecke Rezensionen

Alle warten schon ganz gebannt darauf – ein Asteroid soll auf dem Mond einschlagen und natürlich will niemand dieses außergewöhnliche Naturschauspiel verpassen. Doch aus der Faszination wird schnell Angst! Denn es geschieht etwas Unerwartetes: Der Meteroid trifft den Mond, jedoch ganz anderes als erwartet, und plötzlich befindet sich der Mond nicht mehr in seiner gewohnten Umlaufbahn, sondern viel näher an der Erde? Unheimlich!

Doch trotz der Dramatik dieser Situation und der fortan extremen Nähe des Mondes zur Erde, weiß in diesem Moment noch niemand, dass das erst der Anfang des Schreckens ist. Denn was passiert, wenn zwei extrem schwere Körper sich nahe sind? Welche Wirkung hat der Mond z.B. auf die Wassermassen der Erde? Wir allen kennen Ebbe und Flut, und nun stelle man sich vor, wie sich diese durch die extreme Nähe zur Erde entwickeln.

In Tagebuchform erfährt man all das und die ganzen noch folgenden Entwicklungen, aus der Sicht der jugendlichen Miranda. Hat sie sich bis eben noch mit typischen Teenager-Problemen beschäftigt, die scheinbar lebenswichtig erschienen, geht es jetzt wirklich um Leben und Tod. Denn Miranda und ihre Familie erfahren am eigenen Leib, was es heißt, ohne Storm zu leben, wie Essen und Wasser immer knapper werden, wie man in Eiseskälte lebt, weil Aschewolken kein Sonnelicht durchlassen…

Tatsächlich hat diese Familie noch Glück – weite Teile der Erde werden von Vulkanausbrüchen, Tsnuamis, Erdbeben und ähnlichen Katastrophen zerstört. Zwar sitzen Miranda, ihre zwei Brüder und die Mutter der drei in einem kleinen amerikanischen Kaff fest, aber immerhin: Sie leben!

Extrem anschaulich sind die Schilderungen des Mädchens in ihrem Tagebuch. Man kann deutlich mitfühlen, wie aus der anfänglichen Hoffnung auf schnelle Besserung der Situation, Angst, Fassungs- und Hoffnungslosigkeit werden. Und immer wieder stellt sich – mal versteckt in den hintersten Gedanken und dann wieder ganz vordergründig – die Frage, ob ausgerechnet sie dieses Disaster überleben werden. Mit jedem Tag ohne Strom, frischem Essen, Wärme und Informationen sinkt natürlich auch der Glaube an eine normale Zukunft.

Die Bilder, die die Autorin Susan Beth Pfeffer hier vor dem inneren Auge des Lesers heraufbeschwört, sind wirklich schockierend. Die ganze Zeit über denkt man sich, dass das doch alles nicht wahr sein kann – das kann, ja, das darf nicht passieren! Und doch geschieht genau das in Die Welt, wie wir sie kannten. Hierbei überzeugen besonders die vier Protagonisten durch ihre Glaubwürdigkeit und Echtheit. Sie halten zusammen, halten es aber auch oft nicht miteinander aus. Gerade in so einer krassen Situation ist es noch schwerer, mit bestimmten Macken der anderen zurecht zu kommen, aber zugleich berührt und begeistert den Leser dieser ungemeine Zusammenhalt zwischen den Familienmitgliedern. Es können noch so große, unvorstellbare Probleme kommen: Diese Vier halten zusammen!

So teilt sich Die Welt, wie wir sie kannten praktisch in zwei ganz eigene Universen: Das Universum der sich innig liebenden Familie und das Universum von Chaos, Tod und Angst. Und eben weil beides derart gut miteinander verknüpft wurde, ist dieses Buch auch so besonders und so eindrucksvoll. Deshalb sticht es aus dem neuen Trend von Weltuntergangsromanen und Dystopien heraus!

Die Welt, wie wir sie kannten enthält wirklich alles, was ein gutes Buch für Jugendliche und auch für Erwachsene braucht. Es ist spannend von Beginn an, wobei sich die Spannung stetig noch steigert; Gefühle kommen niemals zu kurz, sondern sind ein wesentlicher Teil des Buches und es ist dermaßen glaubhaft geschrieben, dass man selbst fast Angst bekommt. Werft doch mal einen Blick aus dem Fenster – seht ihr den Mond?

Susan Beth Pfeffer: Komm, Die Welt, wie wir sie kannten, übersetzt von Annette von der Weppen, gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 17,90 €, 410 Seiten, März 2010, 978-3-551-58218-8, Carlsen Verlag, Hamburg

Jugendbuch Jungsecke Rezensionen

Gleich zu Beginn möchte ich eine Behauptung aufstellen: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele ist wohl das spannendste Buch der letzten Jahre! Lassen das Cover und die gesamte Aufmachung – die übrigens wunderschön ist – vermuten, dass es sich um typische All-Age Fantasy handelt, liegt man damit völlig falsch. Dieses Buch stellt eine Welt dar, in der es kaum krassere Unterschiede zwischen Menschen, Lebens- und Verhaltensweisen geben könnte. Unter der Oberfläche brodelt es die ganze Zeit und genau dieses Temperament des Buches reißt den Leser so sehr mit.

Man stelle sich ein Land vor, das in 12 ganz unterschiedliche Bereiche – genannt Distrikte – eingeteilt ist. Distrikt 13 wurde bereits zerstört! Die Verhältnisse in den einzelnen Distrikten könnten unterschiedlicher kaum sein. Während in Distrikt 11 und 12 die Menschen am Hungertuch nagen, jagen gehen müssen, obwohl es verboten ist, und man das Gefühl hat, alles spielt im Mittelalter; lebt man anderswo mit mondernster Technik, die selbst für uns heute kaum vorstellbar ist. Die Autorin Suzanne Collins hebt von Anfang an diese krassen Differenzen hervor und als Leser empfindet man natürlich unweigerlich mit den ärmsten der Armen mit. Da kommen Väter in Kohleminen um und Kinder müssen plötzlich die ganze Familie allein ernähren und das unter solch widrigen Umständen – so auch Katniss!
Da haben wir auch schon die Protagonistin dieses Buches, die durch ihre Stärke, ihren Mut, aber auch ihre Mitgefühl und ihre Verletzlichkeit immer überzeugt. Trotzdem hat man nie das Gefühl ein überperektes Prinzesschen vor sich zu haben – niemals!

Wie der Titel Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele schon sagt, geht es in diesem Buch um Spiele um Leben und naürlich Tod. Es scheint, als würde sich der reiche und privilegierte Teil der Gesellschaft zunehmend langweilen, weshalb in jedem Jahr die sogenannten Hungerspiele stattfinden – ein Sepktakel, das vor allem durch seine Grausamkeit und Sensationslust hervorsticht. Und in jedem Jahr werden aus jedem Distrikt ein Junge und ein Mädchen ausgewählt, quasi per Losverfahren, die an diesen Hungerspielen teilnehmen müssen oder – der Ehre halber – auch teilnehmen wollen! Die „Auserwählten“ werden in ein abgegrenztes Areal gesperrt und müssen sich gegenseitig umbringen, denn nur wenn noch einer übrig bleibt, wird er zum Sieger gekürt und bringt seinem ganzen Distrikt Ehre und ein wenig Wohlstand ein. Aus Distrikt 12 hat schon jahrelang niemand mehr den Sieg davongetragen!

Wie man von Anfang an vermutet, trifft tatsächlich – wenn auch über Umwege – auf Katniss die schreckliche Wahl. Als männlicher Teilnehmer des 12. Distrikts muss zudem Peeta in dieses Todesspiel. Einst rettete er Katniss das Leben! Wie auch die anderen 22 Konkurrenten – alle Tribute genannt – müssen sie nun um ihr Leben kämpfen! Doch noch viel schlimmer ist: Um am Ende zu siegen, muss Katniss auch Peeta töten. Wie werden sich die beiden schlagen? Kommt es tatsächlich zu jener unverhofften Pattsituation, dass Katniss und Peeta vor der Entscheidung stehen, den jweils anderen zu töten?

Bereits zu diesem Zeitpunkt war ich total gebannt von dieser atemberaubenden und zugleich grausamen Geschichte. Ich habe mich unweigerlich gefragt, wer sich etwas so Furchtbares ausdenkt und wieso niemand rebelliert, sondern dieses Spektakel Jahr und Jahr begeistert verfolgt oder zumindest doch mit Schrecken ansieht. Die Lebenskämpfe der Tribute werden natürlich in aller Ausführlichkeit im Fernsehen ausgestrahlt, auch in den Momenten größter Verletzlichkeit, Trauer oder Angst!

Für Katniss und Peeta wird es auf jeden Fall eine Zeit des Schreckens und der Unsicherheit. Wie es sich lebt, mit der ständigen Gefahr, ein Messer im Rücken zu haben, verhungern oder verdursten zu müssen oder einen geliebten Menschen zu verlieren – das lässt Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele den Leser hautnah spüren. Man fühlt sich, als würde man selbst durch unwegsames Gelände laufen, sich verstecken, auf die „Gegner“ lauern oder endlich die rettende Nahrung oder Medizin finden! Es ist ein stetiges Hin und Her zwischen Anspannung und Erleichterung! In gewisser Hinsicht treibt Suzanne Collins also nicht nur ein Spiel mit den Figuren sondern auch mit den Lesern! Denn dieses Buch hält einen Gefangen und selbst am Ende fühlt man sich nicht sicher oder frei. Alles läuft geradewegs auf den zweiten Band Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe zu. Klar ist: Hat man das erste Buch gelesen, möchte und muss man sofort auch das zweite lesen!

Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele überzeugt durch die unbändige Spannung, die einzigartige Story und natürlich all die unterschiedlichen Gefühle, die beim Lesen hervorgerufen werden. Und da kommen wirklich Emotionen aller Arten vor. Selten im Leben ist man – zum Glück – so aufgewühlt! Zugleich wurde ich nie den Gedanken los, dass Suzanne Collins mit diesem Buch mehr erreichen möchte, als eine atemberaubende Geschichte zu erzählen. Dieses Buch übt auf seine ganz eigene Weise Gesellschaftskritik aus – zwar scheint sie in dieser Form überzogen und auch nicht ganz so offensichtlich, doch sie ist meines Erachtens definitiv vorhanden und gerechtfertigt! Es wird gezeigt, wie extrem der Unterschied zwischen Arm und Reich werden kann, wenn man nur an sich selbst und den eigen Erfolg denkt. Leben die einen in mittelalterlichen Zuständen, schwelgen die anderen in größtem Luxus, und wer etwas davon abhaben möchte, der kann höchstens harte Strafen erreichen! Es setzt sich eine „Elite“ ab, die auch noch Befriedigung ihrer eigenen grässlichen Sensationslust such! Voller Begeisterung werden hier Menschen beobachtet und zur Schau gestellt, deren Leben mit größter Sicherheit fast vorbei sind. In ihren wehrlosesten Momenten kann sie jeder beobachten und das Ganze wird doch tatsächlich von einigen als Spiel angesehen – die Unterhaltungssendung des Jahres sozusagen! Hier wird ganz deutlich: Menschen können zutiefst grausam sein und das ganz ohne es selbst zu merken oder merken zu wollen.

Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele macht Eindruck und schockiert, ob der Rücksichts- und Mitleidlosigkeit vieler handelnder Figuren. Zugleich ist es ein Appell an die Menschlickeit und die Würde des Lebens! Perfekt versteht es die Autorin durch das Handeln und die Gespräche der Figuren all diese Aspekte zu unterstreichen und dem Leser knallhart vor Augen zu führen!

Dies ist ein in seiner Gesamtheit und Durchdachtheit perfektes Buch – grandios erzählt und ohne inhaltliche Fehler ist es weit mehr als nur ein spannendes Jugendbuch, sondern ob der Vielschichtigkeit absolut empfehlenswert!

Suzanne Collins: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele, Band 1, aus dem Amerikanischen von Sylke Hachmeister & Peter Klöss, gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag,  17,90 €, 416 Seiten, August 2009, 978-3789132186, Oetinger Verlag, Hamburg

Jugendbuch Jungsecke Rezensionen

Ein Tal, eine Eliteschule, viele hochbegabte Jugendliche, ein dunkler See und ein mächtiges Geheimnis: Das sind die Grundlagen des Grauens! Denn eins ist ab der ersten Seite von Das Tal – Das Spiel klar – dieses Buch ist nicht harmlos, es steckt voller Geheimnisse, Anspielungen, Mystik und Angst! Von Beginn an, weiß die Autorin Krystyna Kuhn zu fesseln und das über normale Maßstäbe hinaus.

Es beginnt damit, dass die Geschwister Julia und Robert Frost zum Grace College gebracht werden. Denn auch die Beiden sollen ab sofort auf dieses – angeblich einzigartige – Elite-College tief verborgen in den kanadischen Bergen gehen. Und bereits hier spürt der Leser eine extreme, unergründliche Angst bei den Geschwistern. Als würde mit jedem Meter, dem sie dem College näher kommen, eine mächtige und uralte Gefahr heraufbeschworen, der Julia und Robert einfach nicht entrinnen können.

Einem Psycho-Thriller gleich baut die Autorin die Spannung auf und als Leser braucht man schon Nerven wie Drahtseile, um nicht ab und zu aufgrund des Grusel-Effekts das Buch zu schließen und erstmal durchzuatmen. Denn Das Tal – Das Spiel bietet keine ruhigen Minuten oder gar Verschnaufpausen – weder für den Leser, noch für die Figuren. Man wird sofort tief in die Geschichte reingezogen und kommt selbst nach dem Ende nicht mehr heraus. In diesem Moment ist man dann froh, dass es noch mehrere Fortsetzungen geben wird und zugleich schleicht sich schon die nächste Gänsehaut im Nacken an. Eines ist nämlich ganz sicher: Der Thrill-Faktor dieses ersten Bandes ist so hoch, dass es definitiv nicht harmlos weitergehen kann. Besonders das Ende des Buches lässt einen unruhig und voller Fragen und Erwartungen zurück. Zwar ist Das Tal – Das Spiel an sich abgeschlossen, aber doch bleiben genügend Handlungsstränge für viele weitere Bände offen.

Nach Julias und Roberts Ankunft im Grace fällt es ihnen schwer sich einzuleben. Da gibt es etwas in der Vergangenheit der beiden, das ihnen ein Leben, egal an welchem Ort, wirklich schwer macht. Am Grace College – diesem düsteren und scheinbar ausweglosen Ort – ist jedoch alles noch schlimmer. Beide Geschwister werden von Alpträumen geplagt, sie können sich nicht richtig einleben und stehen erstmal als Außenseiter da, obwohl sie nur zwei unter vielen neuen Schülern sind. Krystyna Kuhn macht hier immer wieder Andeutungen, spielt mit der Furcht der Geschwister und des Lesers und verrät doch lange lange Zeit fast nichts. Ihr Talent, den Leser mit Möglichkeiten nervös zu machen, ist fantastisch! Sie bringt die Gedanken des Lesers in Wallung und lässt bei ihm das Gefühl zurück, er müsse selbst einen Fall aufdecken. Anfangs geht es vor allem noch darum, herauszufinden, was so Schreckliches in Julias und Roberts Vergangenheit passiert sein muss. Etwas unsagbar Grauenhaftes muss da geschehen sein, denn beide Geschwister tragen eine Maske mit sicher herum, die aufzudecken ein fataler Fehler sein könnte. Doch das ist noch nicht alles…

Richtig gruselig wird es, als die neuen Studenten sich auf eine geheime Bootshaus-Party schleichen – im Hauptgeschehen stehen hier Robert und seine 3 Zimmergenossen (David, Benjamin und Chris) sowie Julia und ihre drei Zimmergenossinnen (Katie, Debbie und Rose). Während alle anderen sich scheinbar amüsieren, springt Robert in den See und schwimmt los wie ein Verrückter. Niemand weiß, was in ihn gefahren ist, doch eins ist klar – er muss wahnsinnig geworden sein, oder aber etwas gesehen haben. Es gewittert nämlich und der See – wirkte er vorher auch noch so tot – ist nun voller Strudel und Strömungen. David springt ihm hinterher und soviel sei gesagt: Es wird ein Kampf ums Überleben. Später stellt sich heraus, das Robert ein Mädchen auf den Klippen gesehen hat, das angeblich ins Wasser gesprungen und nicht mehr aufgetaucht ist. Er wollte sie retten, konnte jedoch niemanden finden. Keiner der anderen glaubt Robert, denn schon vorher neigte er ja zu Aplträumen und verrückten Fantasien. Und doch ist in dieser Nacht ein Mädchen spurlos verschwunden, und zugleich kann es nicht das Mädchen sein, das Robert hat springen sehen. Warum? Hier sollte man nun wirklich selber in das Buch Das Tal – Das Spiel eintauchen…

An dieser Stelle angekommen, ist die Spannung wirklich zum Zerreißen und nimmt bis zum Ende hin stetig zu. Immer kommen neue Aspekte hinzu und mindestens genauso viele Geheimnisse. Was hat es nur mit diesem Ort auf sich? Was verbrigt dieses abgeschottete Tal? Wieso findet man es nicht auf Google Maps? Warum sind im See keine Fische? Alles an diesem Ort ist merkwürdig und erschreckend. Doch zugleich finden Julia und Robert – fast ohne es zu bemerken – auch Freunde. Dennoch behagt ihnen die Atmosphäre am Grace College weiterhin nicht – trotzdem sind sie nicht mehr allein. Die Frage ist nur: Wem können sie wirklich trauen? Denn ihre Vergangenheit sitzt ihnen im Nacken und niemand darf ja davon erfahren, doch da gibt es mindestens ein Problem…

Ganz ehrlich gesagt: Dieses Buch ist grandios! Es ist so viel besser als das ewige Thriller-Einerlei, denn es kommt ohne Massen an Blut und Gewalt aus. Trotzdem jagt es dem Leser Schauer über den Rücken und liest sich aufwühlender als jeder Psycho-Thriller. Nie ist man sich wirklich sicher, ob es sich noch um einen normalen Thriller handelt, oder ob hier doch etwas Unerklärliches lauert, eine Art Fantasy- oder Mystery-Geschichte, die nur noch hervorbrechen muss. Gerade dieses Unwissen, was da vor sich geht, macht den Reiz und zugleich den Horror von Das Tal – Das Spiel aus. Mit Sicherheit nämlich dreht es sich hier nicht um ein Kinderspiel, auch wenn „Das Spiel“ im Titel fast schon eine Verharmlosung darstellt. Besagtes „Spiel“ ist kein Kinderkram und lässt sicher selbst ältere Semester erschauern. Da verspürt auch der erwachsene Leser das Bedürfnis, nachts nochmal richtung Fenester zu leuchten und sich zu vergewissern, dass dort niemand steht und nur auf den passenden Moment wartet…

Das Tal – Das Spiel ist der gelungenste Serienauftakt, den ich seit langem gelesen habe. Von dieser Reihe darf man sicher noch viel erwarten und gespannt darauf sein, was in Zukunft Schauerhaftes am Grace College vor sich geht. Es ist ein einzigartig aufrüttelndes und greifbares Buch, das doch stets etwas im Verborgenen lässt. Greift man nach der einen Lösung, steht schon wieder die nächste Frage bevor. Wirklich prickelnd!

Krystyna Kuhn: Das Tal Season 1.1 – Das Spiel, Klappenbroschur, 9,95 €, 299 Seiten, Mai 2010, 978-3401064727, Arena Verlag, Würzburg

Jugendbuch Jungsecke Krimi und Thriller Rezensionen

derFischdasKlavierundderWindWas soll man sich unter einem solchen Buchtitel vorstellen: „Der Fisch, das Klavier und der Wind“? Ich denke, dass dieser Titel darauf hinweisen soll, dass Bücher unglaublich vielseitig sind und von allen Themen handeln können, die es gibt. Selbst wenn Begriffe wie „Fisch“, „Klavier“ und „Wind“ auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, ermöglicht es die Fantasie in Büchern doch sie zu vereinen.

Und Fantasie ist es, auf der dieses wunderbare Buch beruht. Alles fing damit an, dass sich eine Frau namens Barbara Scharioth, die Herausgeberin, an ihre Lektüre von Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ erinnerte. Dort gelangt Alice nämlich durch einen Bücherschacht aus ihrer eigenen in eine ganz und gar abenteuerliche Welt. Doch wie kann man sich so einen Bücherschacht vorstellen, der den Übergang zwischen zwei so verschiedenen Welten darstellt? Welche Bücher befinden sich wohl darin?

Genau hier befindet sich der Ursprungspunkt für dieses Buch. Barbara Scharioth hatte einfach keine Vorstellung. Doch jeder Bücherwurm kann sicher nachvollziehen, dass man gern ein richtiges Bild von diesem Bücherschacht vor Augen hätte oder am liebsten sogar selbst einmal darin herumspazieren würde.

Aber selbst Besuche in den verschiedensten Bibliotheken, darunter die große Kinder- und Jugendbibliothek in München, brachten nicht den gewünschten Effekt. So entstand die Idee, dass nur imaginäre Bücher in diesem Schacht stehen könnten, Bücher, die bisher noch gar nicht existieren.

Schließlich fanden sich insgesamt 70 Illustratoren weltweit, die je ein Buchcover inklusive Buchtitel, Verlag und kurzer Inhaltsangabe für dieses Buchprojekt erfanden. Ganz verschiedene Covergestaltungen und Ideen, die der Fantasie keine Grenzen lassen, findet man nun in „Der Fisch, das Klavier und der Wind“ vereint – eine eigene kleine Bibliothek imaginärer Bücher versammelt in einem Buch. So etwas hat es wirklich noch nicht gegeben.

Tatsächlich hält man sich liebend gern in dieser Bibliothek in Buchform auf. Alle Bilder verzaubern auf ihre Weise und stellen dar, wie vielfältig die Welt der Bücher doch ist. Es ist ein Buch, das so deutlich die Liebe zu Büchern widerspiegelt, wie kaum ein anderes.

Hinzu kommt, dass alle Texte im Buch sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch vorhanden sind, sowie beim jeweiligen Bild in der Originalsprache des Illustrators. Bücher verbinden die Menschen weltweit – es wird überall gelesen, die Menschen versinken in Geschichten und lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Dies ist zumindest eine Botschaft von „Der Fisch, das Klavier und der Wind“.

Wunderschön ist dieses großformatige Buch von innen und außen anzusehen. Natürlich fehlt auch ein Lesebändchen nicht. Bei mir befindet es sich jetzt auf der Seite mit meinem Lieblingsbuchcover und der für mich schönsten Buchidee: „Miss Beauty of World“. Vielleicht habe ich ja Glück und irgendwann wird dieses Buch tatsächlich veröffentlicht. Wer weiß?

Sicher ist, dass dieses Buch eine hervorragende Mischung aus Kunst und Ideen, Fantasie und Bücherliebe bietet. Jede Seite ist definitiv mehr als nur einen Blick wert.

Barbara Scharioth: Der Fisch, gebundene Ausgabe, 176 Seiten, ISBN 978-3551517227, Oktober 2009, Carlsen Verlag

Jugendbuch Kinderbuch Rezensionen

indigosommerSmilla fährt für ein Jahr zu Bekannten in die USA um dort zur Schule zu gehen und viele Erfahrungen zu sammeln. Gerade erst angekommen, ist sie ganz begeistert darüber, dass sie mit zu einem Surftrip mit ihren Gastgeschwistern Alec und Janice sowie deren Freunden nach La Push fahren darf.

In La Push gestaltet sich die Situation jedoch schwieriger als erhofft. Smilla fühlt sich meist als fünftes Rad am Wagen und zudem gibt es Probleme mit den einheimischen Jugendlichen. Einer von ihnen ist Conrad, und er hasst die Surferclique förmlich. Bereits im Jahr zuvor war diese dort gewesen und irgendetwas ist geschehen, das eine große beiderseitige Feindschaft verursacht hat. Für Smilla ist das alles vollkommen unverständlich und schließlich verliebt sie sich sogar in Conrad. Damit fangen die Probleme erst richtig an.

„Indigosommer“ ist ein äußerst konfliktgeladenes Buch, das deutlich aufzeigt was Vorurteile und Intoleranz bewirken können. Es führt dem Leser vor Augen, dass man immer selbst für seine Taten verantwortlich ist und die Schuld nicht einfach auf andere schieben kann. Doch die Geschichte zeigt ebenso, dass selbst lang gehegte Vorurteile überwunden werden können und es wirklich wichtig ist, seinen Mitmenschen offen entgegenzutreten und andere Meinungen zu akzeptieren.

Kombiniert wird dieser spannende und zum Nachdenken anregende Plot mit wunderbaren Beschreibungen von Landschaft und Leuten. Das Leben der Einheimischen von La Push, den Quileute, wird nachfühlbar beschrieben. Schnell erkennt der Leser den Mentalitätenkontrast zwischen der Surferclique und den Quileute.

Neben diesen recht ernsthaften Aspekten der Geschichte fehlen auch ausgelassene Momente nicht. Besonders Smilla begeistert den Leser mit ihrer Offenheit und ihrem Glauben an die Menschen. Antje Babendererde hat speziell in ihren Charakter sehr viel Herzblut gesteckt. Geradezu zärtlich beschreibt die Autorin die Figuren und legt viel Wert auf Details. Genau da lässt „Indigosommer“ so glaubhaft und echt wirken.

Wie das gesamte Buch, ist auch die Liebesgeschichte zwischen Smilla und Conrad etwas Einzigartiges. Beides ist von Vorsicht aber auch Neugier und viel Gefühl bestimmt. Antje Babendererde zeigt mit diesem Buch, dass Jugendliteratur spannend, gefühlvoll und lehrreich zugleich sein kann.

Antje Babendererde: Indigosommer, gebundene Ausgabe, 355 Seiten, ISBN 978-3401063355, Juli 2009, Arena Verlag

Jugendbuch Rezensionen