Kategorie: Krimi und Thriller

Auf den Frauen der Familie Scarborough lastet ein Fluch: Wenn sie achtzehn sind werden sie schwanger und kurz nach der Geburt verfallen sie dem Wahnsinn. So war es bei Lucys Mutter, bei ihrer Großmutter, Urgroßmutter und bei allen anderen weiblichen Ahnen.

Die achtzehnjährige Lucy hat jedoch bisher nie von solch einem Fluch geahnt. Erst als ihr Leben eine schreckliche Wendung nimmt und sie selbst plötzlich schwanger ist, begreift sie was für eine Bedeutung all dies hat. Lucy muss drei Rätsel aus einer jahrhundertealten Ballade lösen, um zu verhindern, dass sie dasselbe Schicksal wie ihre Vorfahren ereilt. Dabei stehen ihr ihre Pflegeeltern und ihr Kindheitsfreund Zach zur Seite, welcher bald eine größere Bedeutung in ihrem Leben einnehmen wird, als sie es erwartete.

Aktuell Jugendbuch Krimi und Thriller Liebesroman Rezensionen

SAFRAN WECKT HIRN.

Der zweite Thriller um Alexander Zorbach und Alina Gregoriev knüpft nahezu nahtlos an seinen Vorgänger „Der Augensammler“ an, weshalb es recht sinnvoll ist, dass Sebastian Fitzek gleich eine Warnung vorangestellt hat, in der er erklärt, dass es nicht nötig wäre, den „Augensammler“ vorher gelesen zu haben, doch wenn man vorhat, Letzteres zu lesen, sollte man den „Augenjäger“ am besten zunächst einmal wieder zur Seite legen. Schon auf den ersten Seiten danach findet man nämlich eine Zusammenfassung des „Augensammlers“ in Form eines Zeitungsartikels inklusive der Auflösung.

Kinder befreit. Täter gesteht. Aber das Morden geht weiter.

Wir werden Dr. Zarin Suker vorgestellt, einem der besten Augenchirurgen der Welt. Nachts jedoch kommt der Psychopath in ihm zum Vorschein, wenn er Frauen die Augenlider entfernt, sie vergewaltigt – und laufen lässt. Dass nur das jüngste seiner Opfer nicht Selbstmord begangen hat, liegt nur daran, dass man sie rechtzeitig gefunden hatte, bevor sie ihrem Leben ein Ende setzen konnte. Nun ist sie trotz psychischer Labilität die Kronzeugin in einer Anklage gegen Suker, die sich ansonsten auf nichts Handfestes stützen kann. Daher wird Alina Gregoriev, die blinde Physiotherapeutin, um Mithilfe gebeten: Sie soll Suker, der in Untersuchungshaft sitzt und keinerlei Zugang zu irgendwelchen Medien hat – sie daher auch nicht erkennen sollte – behandeln und dabei Informationen von ihm mithilfe ihrer unerklärlichen, übernatürlichen Fähigkeit, Visionen der Zukunft zu sehen, in Erfahrung bringen. Ob das gutgeht …?

Aktuell Krimi und Thriller Rezensionen

„Ich. darf. nicht. schlafen.“ ist defintiv ein Thriller der anderen Art und gerade auch für Leser geeignet, die diesem Genre sonst eher nicht zugeneigt sind, Lesern wie mir. Ich lese nur sehr selten Thriller, mir fehlt bei diesen Büchern häufig der emotionale Bezug, der zum Buch aufgebaut wird und zu viel Brutales kann ich ebenfalls nicht en masse lesen.

Wer es spannend, bewegend und fast gar nicht blutig mag, der sollte sich „Ich. darf. nicht. schlafen.“ auf keinen Fall entgehen lassen. Das Buch erzählt die Geschichte der 47-jährigen Christine – hauptsächlich in Tagebuchform. Christine hat ihr Gedächtnis verloren, doch das außergewöhnliche und zugleich schlimme daran ist, dass sie jedes Mal, wenn sie einschläft, so ziemlich alles vergisst – auch die Erlebnisse des jeweiligen Vortages. Erst als sie beginnt Tagebuch zu schreiben und dieses auf Anraten des Arztes Dr. Nash jeden Tag nachzulesen, bekommt sie nach und nach Einblicke in ihre entfernte und gerade erst erlebte Vergangenheit.

Aktuell Krimi und Thriller Rezensionen

Die Vorstellung, das Todesdatum eines Menschen in dessen Augen zu sehen, ist wirklich gruselig. Wer möchte schon, dass das ganze eigene Leben durch so eine ‚Gabe‘ belastet wird? Manchmal ist es einfach besser, wenn man bestimmte Dinge nicht weiß. Doch Adam – wie schon zuvor seine Mutter Jem – kann genau das. Und es ist Fluch und Segen zugleich.

Bereits der erste Band der Reihe „Numbers – Den Tod im Blick“ konnte durch eine mitreißende und außergewöhnliche Thrillerhandlung begeistern. Jem sah sozusagen einen Anschlag auf das London Eye voraus, weil nahezu alle Menschen in der Schlange davor das gleiche Todesdatum hatten. Ihre plötzliche Flucht, erregte auch die Aufmerksamkeit der Polizei, was eine spannende Verfolgungsjagd zur Folge hatte.

Aktuell Jugendbuch Jungsecke Krimi und Thriller Rezensionen

Abel Tannatek, von allen nur Tannatek genannt, ist in seiner Schule und auch sonst ein Außenseiter. Er fehlt ständig im Unterricht, rennt in eigenartigen Klamotten rum und hat zudem den Ruf mit Drogen zu handeln. Abel ist ein Junge ohne richtige Freunde und mit wenig Hoffnung für die Zukunft. Aber dieser Abel kann auch anders sein als der Tannatek, den alle in ihm sehen. Nur seine Mitschülerin Anna erfährt wirklich, was es es mit ihm auf sich hat. Denn Abel ist eigentlich sehr sanft und feinfühlig, hat es nicht leicht im Leben und kümmert sich zudem rührend um seine kleine Schwester Micha.

Aber was ist dran an den Gerüchten um die Drogengeschichten, und wieso ist er nachts oder auch zu Unterrichtszeiten so häufig unterwegs? Den Jungen umgibt ein dunkles Geheimnis und in den Märchen, die er seiner kleinen Schwester und später auch Anna erzählt, steckt viel mehr Wahres als Abel, Micha, Anna und dem Leser lieb ist.

Dieser Roman der Autorin von Antonia Michaelis hat eine unglaubliche Sogwirkung. Man ist gefangen im Leben von Abel und Micha, durch die immer größere Nähe, die Anna zu den beiden aufbaut. Wie Anna fühlt man sich zunächst fast als ein Fremdkörper in der kleinen Welt, die sich die beiden Geschwister aufgebaut haben. Und genauso langsam, wie Anna ihnen immer näher kommt, tut es auch der Leser. Geheimnisse werden nach und nach aufgedeckt und durch die Märchenabschnitte, die Abel Micha teils zur Beruhigung, teils aber auch als Warnung erzählt, kommt man ihnen Stück für Stück näher. Doch mit jedem dieser Stücke wird man sich auch der Wahrheit bewusster, die man andererseits am liebsten gar nicht kennen würde.

Das Buch ist zugleich eine Geschichte über Freundschaft, zerüttete Familienverhältnisse und das Erwachsenwerden. Außerdem enthält es Thrillerelemente, die die sowieso schon immense Spannung durch die schwierige Situation von Abel und Micha noch zusätzlich steigert. Zudem ist es kein wirkliches Jugendbuch, ich würde es eher erst ab 16 – frühestens aber ab 14 Jahren – empfehlen, aufgrund der brisanten Thematik. Die Geschichte geht extrem nahe und konfrontiert mit Situationen, die zutiefst schockieren oder auch berühren. Dank des sprachlichen Feingefühls der Autorin und der Rückzugsmöglichkeit in den Märchenabschnitten, wird es aber nicht zu dramatisch. Durch die stets hoffnungsvolle Micha gibt es immer mal wieder Auflockerung – sie ist so stark und verliert nie den Blick für das Gute, dass sie schnell zu meiner Lieblingsfigur wurde.

Der Märchenerzähler ist ein Buch, das auch lange nach dem Lesen noch nachwirkt und zum Nachdenken anregt. Diese Geschichte kann man einfach nicht vergessen, sie bleibt im Gedächtnis und ich finde, das ist es, was wirklich gute Bücher bewirken sollten. Ich habe vorher noch nie etwas in der Art gelesen. Es handelt sich hier um ein absolutes Ausnahmebuch von einer Ausnahmeautorin! Unbedingt zu empfehlen, aber nur, wenn man starke Nerven hat und sich intensiv mit einem Buch auseinander setzen möchte.

Jetzt bin ich schon gespannt auf das im August erscheinende, neue Buch von Antonia Michaelis mit dem Titel  Die Worte der weißen Königin. Hierbei handelt es sich aber noch weniger um ein Jugendbuch. Es ist eher eines für Kinder oder Erwachsene. Zudem steht es in keinem Bezug zu „Der Märchenerzähler“, was man aufgrund der Covergestaltung doch leicht vermuten könnte.

Oetinger Verlag
448 Seiten · gebunden
15.0 x 21.0 cm
ab 14 Jahren
EUR 16,95 · SFR 25,90 · EUA 17,50
ISBN-13: 978-3-7891-4289-5
EAN: 9783789142895
Erschienen im Februar 2011

Aktuell Jugendbuch Krimi und Thriller Rezensionen

Nachdem mich Band 1 von Krystyna Kuhns “Das Tal”-Reihe damals förmlich umgehauen hatte und mir Band 2 wiederum nur mittelmäßig erschien, war ich sehr gespannt darauf zu erfahren, wie es im 3. Buch “Der Sturm” weitergeht.

Dieses Mal wird die Geschichte abwechselnd aus Sicht von Chris und Debbie erzählt, wobei man sich als Leser ganz klar Chris näher fühlt. Für die beiden und ihre Freunde wird es in diesem Buch noch gefährlicher als schon zuvor. Es steht der Remembrance Day an, ein Tag zum Gedenken der Toten, und genau an diesem Wochenende haben die Studenten mal College-frei. Chris und Julia, die mittlerweile bekanntermaßen ein Paar sind, wollen sich die Chance nicht entgehen lassen und endlich mal ein Wochenende allein verbringen. Darauf hat Chris ewig gespart. Doch natürlich kommt alles anders als gedacht.

Erst ist es nur leichter Schneefall, doch dann entwickelt sich alles zu einem Schneesturm, der einem Endzeitroman entspringen könnte. Trotzdem machen sich Chris und Julia zusammen mit Ben, Rose und Debbie auf den Weg. Doch weit kommen sie nicht, denn Chris verliert die Kontrolle über den Wagen und sie fahren in einem Baum. Zum Glück sind alle noch in der Lage, sich durch den Schneesturm zu Fuß zurück zum College zu kämpfen, auch wenn Debbie eine ordentliche Platzwunde am Kopf abbekommen hat. Dort jedoch wird es erst richtig schlimm: Sie kommen nicht ins College und draußen wird es kälter und kälter, dabei müssten doch die Sicherheitsmänner sie reinlassen. Irgendetwas Merkwürdigens spielt sich hier ab und schon bald geht es um viel mehr, als nur einer ordentlichen Unterkühlung zu entgehen.

Mit diesem dritten Buch übertrifft sich Krystyna Kuhn noch einmal selbst, was den Spannungs- und Gruselfaktor angeht. Für die Figuren geht es nun wahrlich um Leben und Tod und immer wenn man denkt, die Situation könnte nicht mehr brenzliger werden, kennt man die Autorin aber schlecht. Tiefer und tiefer schlittert der Leser zusammen mit den Figuren ins Unglück und ist sich bald sehr unsicher, wo es hier noch einen Ausweg geben kann – abgeschottet vom Rest der Welt!

Die beiden Erzählperspektiven in diesem Buch haben mir erstaunlich gut gefallen – gerade auf Debbies Sicht der Dinge hatte ich mich eher weniger gefreut. Aber ich habe falsch gelegen, denn jetzt ist Debbie für mich erst richtig interessant geworden und auch grundsätzlich bekommen die Figuren mehr Farbe. Krystyna Kuhns Theorie mit jedem Band auch die Erzählperspektiven zu wechseln, geht wirklich auf! Mittlerweile liegt mir jede der Figuren am Herzen, sei sie auch noch so verschroben, aber wenn man erstmal ihre Sicht der Dinge erfahren hat, fühlt man sich ihr gleich näher. Schwierig dabei ist einzig und allein die Tatsache, dass man niemandem so richtig trauen kann. Oder sollten die 5 Freunde eine Ausnahme sein? Ich bin mir unsicher…

Was ich mir ab und zu von der Story gewünscht hätte, wäre ein kleiner Lichtblick gewesen. Mir fehlten ein wenig die positiven Momente, die die Hoffnung in der durchweg ausweglos erscheinenden Situation aufrecht erhalten. Aber vermutlich ist es genau dieses Grauen, das das Tal ausmacht. Hier ist nichts locker und leicht. Alles scheint aus einem bestimmten, unerfindlichen Grund zu geschehen und es bleibt sehr fraglich, ob man diesen überhaupt erfahren möchte. Dennoch hätte die Liebesgeschichte zwischen Julia und Chris gern explizierter werden dürfen oder Ben hätte sich gut für den ein oder anderen Spaß, in der ansonsten so düsteren Geschichte, geeignet.

Diese Kritik ist aber nur minimal, und eigentlich nicht weiter zu beachten, bei einem so spannenden und gut durchdachten Jugendthriller, bei dem sich sicher auch die meisten Erwachsenen ordentlich fürchten werden.

Arena Verlag
ab 12 Jahren
Band 3
304 Seiten
Klappenbroschur
9,95 EUR [D]
ISBN 978-3-401-06531-1

Jugendbuch Jungsecke Krimi und Thriller Rezensionen

Nachdem ich Band 1 der „Das Tal“-Reihe von Krystyna Kuhn regelrecht verschlungen hatte und die Spannung ins Unermessliche angestiegen war, konnte ich dem zweiten Teil natürlich nicht widerstehen. Ganz interessant, aber auch etwas überraschend fand ich so den Wechsel der Erzählperspektive in „Die Katastrophe“. Hier erfährt man das weitere Geschehen nämlich aus Katies Sicht und nicht, wie in „Das Spiel“, aus Sicht von Julia und Robert, den neuen am Grace College. Da ich Katie aus dem ersten Buch noch als sehr geheimnisvolle und interessante Figur in Erinnerung hatte, konnte ich mich gut auf diesen Wechsel einlassen.

Wie ich schnell bemerken durfte, ist Katie eine ziemliche Draufgängerin hinsichtlich gefährlicher Situationen. Allein macht sie sich auf, einen komplizierten Berg zu besteigen. Und als sie von diesem Versuch mehr oder weniger heil zurück kommt, überredet sie ihre Mitschüler (ich würde auch Freunde schreiben, aber bin mir nicht so sicher, ob wirklich alle Freunde sind) den Ghost zu besteigen. Der Ghost ist nur ein weiteres unheimliches Detail, das das Grace umgiebt. So sind dort vor über 30 Jahren einige Jugendliche verschwunden und nie wieder aufgetaucht – ebenfalls Schüler vom Grace College. Auf diese Weise finden Katies Wagemut und der Wunsch der anderen, herauszufinden, was damals geschehen ist, zusammen und lassen Katie, Julia, Robert und die anderen den Aufstieg wagen. Eine Schar unerfahrener Jugendlicher, die einen Dreitausender besteigen will – das kann nur schiefgehen, oder?

Schnell bemerken sie, dass ihr Vorhaben ganz und gar nicht leicht ist. Und als dann auch noch ihre Führerin Ana verschwindet, die sich angeblich in der Bergen so gut auskennt, werden die Jugendlichen langsam panisch. Sowohl die Gefahren, wie auch die innere Angst steigen stetig an und schon bald ist es nicht mehr leicht die Ruhe zu bewahren. Auch stellt sich die Frage, wer hier Freund und wer Feind ist. Werden alle diesen Aufstieg heil überstehen? (Wo ein Aufstieg ist, da muss auch ein Abstieg folgen …)

Mich konnte dieser zweite Band der Reihe nicht so sehr fesseln, wie es der erste Band tat. Das liegt daran, dass sich wirklich fast das komplette Buch um den Aufstieg des Ghost dreht. Da kam es dann häufiger zu Längen und ich habe mich gefragt, wieso das alles in einer solchen Detailliertheit geschildert werden musste. Anders als in „Das Spiel“ fehlte es hier einfach ein wenig an Tempo und dem nötigen Gruseleffekt.

Erst gegen Ende (auf den letzten 50-80 Seiten) zieht Krystyna Kuhn das Tempo und die Spannung abermals immens an und so gelingt ihr erneut ein atemberaubender Abschluss, der auf Band 3 – Der Sturm – gespannt macht. Selbstverständlich fehlt die, bereits aus dem ersten Buch bekannte Todestafel am Ende nicht, die sich, so viel darf verraten werden, verlängert hat. Doch wer dieses Mal nicht mit dem Leben davon kommt und wie es nun für Julia, ihren Bruder und ihre Mitschüler weitergeht, dazu müsst ihr Band 2 und den Rest der Reihe schon selbst lesen.

Ich werde jetzt ganz erwartungsfroh mit dem dritten Teil der Reihe beginnen und die Geschichte weiterverfolgen!

Arena Verlag
304 Seiten
Klappenbroschur
9,95 EUR [D]
ISBN 978-3-401-06473-4

Jugendbuch Jungsecke Krimi und Thriller Rezensionen

Wer hat sie nicht gesehen – die Bilder von Terroranschlägen, wie etwa auf das World Trade Center? Für Jem und Spinne bleiben es jedoch nicht nur Bilder, denn die beiden sind sozusagen mitten drin, als in London eine Bombe im London Eye, dem riesigen, die ganze Stadt überblickenden Riesenrad, hochgeht. Eigentlich wären Jem und Spinne auch betroffen gewesen, wenn da nicht eine Tatsache wäre:

Jem kann das Todesdatum jedes Menschen vor ihrem inneren Auge sehen, wenn sie ihm in die Augen schaut. Ausgerechnet als sie und ihr einziger Freund Spinne, ein großer, schlaksiger, schwarzer Junge, vor dem London Eye anstehen, haben plötzlich alle anderen das gleiche Todesdatum: Heute! So weiß Jem, dass etwas Schlimmes passieren wird und drängt Spinne, der von ihrer „Gabe“ nichts ahnt, mit ihr abzuhauen.

Dummerweise werden die beiden dabei von Kameras gefilmt und als es später dann wirklich zum Anschlag kommt, werden Jem und Spinne zu den wohl meistgesuchten Menschen des Landes, denn alle nehmen an, dass sie etwas über diese Sache wissen. Da Jem und Spinne beide schon Dreck am Stecken haben, hauen sie ab, denn sie fürchten ins Gefängnis zu kommen. Wie solllte Jem ihre Fähigkeit, das Todesdatum anderer Menschen zu sehen, auch anderen glaubhaft machen? Und so beginnt eine spannende Verfolgungsjagd, auf der nicht allein die Verfolgung ein Problem bleibt.

Eins plagt Jem, die normalerweise keine Freunde hat, weil sie es nicht ertragen kann zu sehen, wann diese Menschen sterben werden, nämlich noch: Auch Spinne hat nur noch ein paar Tage zu leben! Gelingt es vielleicht doch Spinnes Schicksal nochmal umzukehren?

„Numbers – Den Tod im Blick“ ist wirklich ein außergewöhnliches Buch mit einer ganz außergewöhnlichen Geschichte! Ist die Inhaltsbeschreibung schon spannend, so ist das Buch selbst an Dramatik und Ideenreichtum nicht zu überbieten. Das liegt besonders an den anbetungswürdigen Hauptfiguren, deren ganz eigenem Charme ich mich absolut nicht entziehen konnte. Während Jem schwer zu kämpfen hat mit ihrer Todessicht, ist Spinne ein witziger, weltoffener Typ. Gegenseitig bringen sie sich mehr über das Leben bei und schon bald öffnet sich Jem, während Spinne erkennt, dass es auch Ernst im Leben gibt, ernsthafte Liebe zum Beispiel.

Dieses Buch hat für mich zu Recht eine Altersempfehlung ab 14 Jahren, denn es geht schon sehr rasant und teils brutal zu. Außerdem haben Jem und Spinne einen Sprachstil entwickelt, der seinesgleichen sucht. Sie sagen beide, was sie denken und das kommt häufig ganz schön schnodderig daher, passt aber perfekt zur Handlung und macht alles nur noch glaubhafter. Denn bis auf diese eine Sache, eben dass Jem das Todesdatum eines jeden Menschen an seinen Augen ablesen kann, ist hier nichts verstellt oder geschönt. Die Glaubhaftigkeit ist hier ein extrem wichtiger Aspekt für mich, denn sie ist es, die das Buch derartig fesselnd macht.

Rachel Ward hat somit nicht nur eine Fantasy-Story geschrieben, sondern erzählt auch von ernsthaften Themen wie Rassismus, Ausgrenzung und Mobbing. Diese Thematik bindet sie aber so gekonnt in die Handlung ein, dass Jugendliche sich nicht belehrt fühlen, sondern viel mehr hintergründig angewiesen werden, sich selbst Gedanken über das Leben zu machen, darüber, wie es ihnen selbst geht, was sie besser machen könnten und vor allem: wie es anderen Menschen, besonders Jugendlichen, in ihrem Alter ergeht. Spinne und Jem sind hierfür eine wunderbare Vorlage.

Bis zum Ende ist „Numbers – Den Tod im Blick“ eine spannende Odyssee zweier Jugendlicher durch England und auch der Schluss rüttelt nochmal richtig auf. Teilweise habe ich mit diesem Ende gerechnet, aber dann setzt die Autorin plötzlich noch etwas drauf und ich war vollkommen fasziniert von diesem Einfallsreichtum. Nun möchte ich einerseits eine Fortsetzung und zugleich doch nicht, weil das irgendwie die großartige Originalität dieses Abschlusses kaputt machen würde. Ich kann mich nicht entscheiden, was ich jetzt will… aber eins ist klar: Ich möchte, dass ihr dieses Buch unbedingt lest, wenn euch die Geschichte anspricht rein inhaltlich anspricht, denn stylistisch ist sie grandios!

Ein interessantes Interview mit der Autorin findet ihr hier: Interview

Chicken House Verlag
368 Seiten, 13,3 x 19,8 cm
Klappenbroschur mit Prägung und Spotlackierung
ab 14 Jahren
€ (DE) 13,95
ISBN 978-3-551-52007-4

Jugendbuch Jungsecke Krimi und Thriller Rezensionen

Ein Tal, eine Eliteschule, viele hochbegabte Jugendliche, ein dunkler See und ein mächtiges Geheimnis: Das sind die Grundlagen des Grauens! Denn eins ist ab der ersten Seite von Das Tal – Das Spiel klar – dieses Buch ist nicht harmlos, es steckt voller Geheimnisse, Anspielungen, Mystik und Angst! Von Beginn an, weiß die Autorin Krystyna Kuhn zu fesseln und das über normale Maßstäbe hinaus.

Es beginnt damit, dass die Geschwister Julia und Robert Frost zum Grace College gebracht werden. Denn auch die Beiden sollen ab sofort auf dieses – angeblich einzigartige – Elite-College tief verborgen in den kanadischen Bergen gehen. Und bereits hier spürt der Leser eine extreme, unergründliche Angst bei den Geschwistern. Als würde mit jedem Meter, dem sie dem College näher kommen, eine mächtige und uralte Gefahr heraufbeschworen, der Julia und Robert einfach nicht entrinnen können.

Einem Psycho-Thriller gleich baut die Autorin die Spannung auf und als Leser braucht man schon Nerven wie Drahtseile, um nicht ab und zu aufgrund des Grusel-Effekts das Buch zu schließen und erstmal durchzuatmen. Denn Das Tal – Das Spiel bietet keine ruhigen Minuten oder gar Verschnaufpausen – weder für den Leser, noch für die Figuren. Man wird sofort tief in die Geschichte reingezogen und kommt selbst nach dem Ende nicht mehr heraus. In diesem Moment ist man dann froh, dass es noch mehrere Fortsetzungen geben wird und zugleich schleicht sich schon die nächste Gänsehaut im Nacken an. Eines ist nämlich ganz sicher: Der Thrill-Faktor dieses ersten Bandes ist so hoch, dass es definitiv nicht harmlos weitergehen kann. Besonders das Ende des Buches lässt einen unruhig und voller Fragen und Erwartungen zurück. Zwar ist Das Tal – Das Spiel an sich abgeschlossen, aber doch bleiben genügend Handlungsstränge für viele weitere Bände offen.

Nach Julias und Roberts Ankunft im Grace fällt es ihnen schwer sich einzuleben. Da gibt es etwas in der Vergangenheit der beiden, das ihnen ein Leben, egal an welchem Ort, wirklich schwer macht. Am Grace College – diesem düsteren und scheinbar ausweglosen Ort – ist jedoch alles noch schlimmer. Beide Geschwister werden von Alpträumen geplagt, sie können sich nicht richtig einleben und stehen erstmal als Außenseiter da, obwohl sie nur zwei unter vielen neuen Schülern sind. Krystyna Kuhn macht hier immer wieder Andeutungen, spielt mit der Furcht der Geschwister und des Lesers und verrät doch lange lange Zeit fast nichts. Ihr Talent, den Leser mit Möglichkeiten nervös zu machen, ist fantastisch! Sie bringt die Gedanken des Lesers in Wallung und lässt bei ihm das Gefühl zurück, er müsse selbst einen Fall aufdecken. Anfangs geht es vor allem noch darum, herauszufinden, was so Schreckliches in Julias und Roberts Vergangenheit passiert sein muss. Etwas unsagbar Grauenhaftes muss da geschehen sein, denn beide Geschwister tragen eine Maske mit sicher herum, die aufzudecken ein fataler Fehler sein könnte. Doch das ist noch nicht alles…

Richtig gruselig wird es, als die neuen Studenten sich auf eine geheime Bootshaus-Party schleichen – im Hauptgeschehen stehen hier Robert und seine 3 Zimmergenossen (David, Benjamin und Chris) sowie Julia und ihre drei Zimmergenossinnen (Katie, Debbie und Rose). Während alle anderen sich scheinbar amüsieren, springt Robert in den See und schwimmt los wie ein Verrückter. Niemand weiß, was in ihn gefahren ist, doch eins ist klar – er muss wahnsinnig geworden sein, oder aber etwas gesehen haben. Es gewittert nämlich und der See – wirkte er vorher auch noch so tot – ist nun voller Strudel und Strömungen. David springt ihm hinterher und soviel sei gesagt: Es wird ein Kampf ums Überleben. Später stellt sich heraus, das Robert ein Mädchen auf den Klippen gesehen hat, das angeblich ins Wasser gesprungen und nicht mehr aufgetaucht ist. Er wollte sie retten, konnte jedoch niemanden finden. Keiner der anderen glaubt Robert, denn schon vorher neigte er ja zu Aplträumen und verrückten Fantasien. Und doch ist in dieser Nacht ein Mädchen spurlos verschwunden, und zugleich kann es nicht das Mädchen sein, das Robert hat springen sehen. Warum? Hier sollte man nun wirklich selber in das Buch Das Tal – Das Spiel eintauchen…

An dieser Stelle angekommen, ist die Spannung wirklich zum Zerreißen und nimmt bis zum Ende hin stetig zu. Immer kommen neue Aspekte hinzu und mindestens genauso viele Geheimnisse. Was hat es nur mit diesem Ort auf sich? Was verbrigt dieses abgeschottete Tal? Wieso findet man es nicht auf Google Maps? Warum sind im See keine Fische? Alles an diesem Ort ist merkwürdig und erschreckend. Doch zugleich finden Julia und Robert – fast ohne es zu bemerken – auch Freunde. Dennoch behagt ihnen die Atmosphäre am Grace College weiterhin nicht – trotzdem sind sie nicht mehr allein. Die Frage ist nur: Wem können sie wirklich trauen? Denn ihre Vergangenheit sitzt ihnen im Nacken und niemand darf ja davon erfahren, doch da gibt es mindestens ein Problem…

Ganz ehrlich gesagt: Dieses Buch ist grandios! Es ist so viel besser als das ewige Thriller-Einerlei, denn es kommt ohne Massen an Blut und Gewalt aus. Trotzdem jagt es dem Leser Schauer über den Rücken und liest sich aufwühlender als jeder Psycho-Thriller. Nie ist man sich wirklich sicher, ob es sich noch um einen normalen Thriller handelt, oder ob hier doch etwas Unerklärliches lauert, eine Art Fantasy- oder Mystery-Geschichte, die nur noch hervorbrechen muss. Gerade dieses Unwissen, was da vor sich geht, macht den Reiz und zugleich den Horror von Das Tal – Das Spiel aus. Mit Sicherheit nämlich dreht es sich hier nicht um ein Kinderspiel, auch wenn „Das Spiel“ im Titel fast schon eine Verharmlosung darstellt. Besagtes „Spiel“ ist kein Kinderkram und lässt sicher selbst ältere Semester erschauern. Da verspürt auch der erwachsene Leser das Bedürfnis, nachts nochmal richtung Fenester zu leuchten und sich zu vergewissern, dass dort niemand steht und nur auf den passenden Moment wartet…

Das Tal – Das Spiel ist der gelungenste Serienauftakt, den ich seit langem gelesen habe. Von dieser Reihe darf man sicher noch viel erwarten und gespannt darauf sein, was in Zukunft Schauerhaftes am Grace College vor sich geht. Es ist ein einzigartig aufrüttelndes und greifbares Buch, das doch stets etwas im Verborgenen lässt. Greift man nach der einen Lösung, steht schon wieder die nächste Frage bevor. Wirklich prickelnd!

Krystyna Kuhn: Das Tal Season 1.1 – Das Spiel, Klappenbroschur, 9,95 €, 299 Seiten, Mai 2010, 978-3401064727, Arena Verlag, Würzburg

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