Schlagwort: Zwischen den Kulturen

Deutsches Abendbrot versus märchenhaftes Leben

Lilly ist ein Schulmädchen, das im Teheran der 70er Jahre lebt. Dieses Mädchen hat alles, was jemand in seinem Alter braucht und sich wünscht: Geld, coole Klamotten, Freunde, Freiheiten. Trotzdem ist Lilly nicht glücklich. Auch wenn sie buchstäblich wie eine Prinzessin lebt, vermisst sie die Spaziergänge in Gummistiefeln auf ostfriesischen Wiesen und das schlichte deutsche Abendbrot, denn Lilly lebte ihre ersten neun Jahre in Deutschland und empfindet es als Ungerechtigkeit, dass ihre Eltern, beide Perser, sie gezwungen haben, mit ihnen zurück nach Teheran zu gehen.
Das ist nur der Anfang von Lillys Geschichte, die uns Wäis Kiani in ihrem Buch „Hinter dem Mond“ erzählt.

„Hinter dem Mond“ liegt das Land, das vom Schah Mohammad Reza Pahlavi regiert wird. Ein Land, in dem die Privilegierten (und dazu zählt Lillys Familie) ein Leben wie im orientalischen Märchen genießen. Und das ist keineswegs übertrieben – der Iran galt in den 70er Jahren als märchenhaftes und gleichzeitig modernes Land. Der Schah und seine Gemahlin Farah standen im Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit, sie galten als anmutig, charmant, zauberhaft.

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Heimat schmeckt nach „Kisiel“

So einfach läuft es manchmal: Oma Greta kocht „Kisiel“, der Erzfeind probiert ein Löffelchen davon und voilá: Schon ist er der beste Freund geworden!

Leider verläuft längst nicht alles so reibungslos im Paradies: Das „Paradies“ ist die BRD der späten 80er und diejenige, die einen Freund durch eine polnische Süßspeise namens „Kisiel“ gewonnen hat, ist ein kleines polnisches Mädchen, dessen größter Traum es war, in die BRD auszuwandern. Eines Tages erfüllen ihre Eltern diesen Traum: Sie, das kleine Mädchen und dessen Bruder fliehen nach Westdeutschland. Was folgt ist keineswegs vergleichbar mit einem paradiesischen Leben. Es ist das Leben als Aussiedlerfamilie. Und das ist alles andere als ein schöner Traum.

„Sitzen vier Polen im Auto“ erzählt die Geschichte des kleinen Mädchens Aleksandra, Ola genannt, und von dessen Familie. Sie sind polnische Bürger und fliehen in den Westen mit der Hoffnung auf ein besseres Leben.

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Die Kalvinisten rocken!

Kerstin Schweighöfer träumt von einem Leben in Frankreich neben ihrem Traum-Franzosen.
Daraus ist aber keine Realität geworden. Das Schicksal hat es anders gewollt: ein Leben in den Niederlanden neben einem (Traum?-)Niederländer namens Jan Kees.

Kerstin ist nicht nur eine Deutsche, sie kommt sogar aus Bayern! Bekanntlich haben es die Deutschen in den Niederlanden nicht einfach, und eine Bayerin wirkt im Reich der Windmühlen nicht nur exotisch, für sie muss ein Leben in einem flachen Land am Meer fast einer überirdischen Erfahrung gleichen. Diese Bayerin lernt aber im Land der von ihr liebevoll genannten Kalvinisten zu leben und vor allem zu genießen. Ihre persönlichen Erfahrungen teilt sie mit uns, an den Niederlanden interessierten Lesern, in ihrem Buch mit dem originellen (und versöhnlichen) Titel „Auf Heineken könn wir uns eineken“.

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„Ablehnung gleicht der langen Zündschnur einer Sprengladung: Sie zieht sich durch das ganze Leben und es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie den Menschen erst innerlich, dann vollständig in die Luft jagt.“

Eine Frau stürzt sich vom 28. Stockwerk eines Hochhauses. Während sie am Boden liegt und auf den Tod wartet, lässt sie ihr Leben Revue passieren. Und so erfahren wir, warum sie diese Entscheidung getroffen hat.

„Hoffnungslauf“ von Aysun Ertan zählt zu meinen literarischen Highlights im Jahr 2012.

Es ist nicht ganz einfach, ein ganzes Buch zu lesen, wenn man schon von Anfang an weiß, dass es so tragisch endet. Denn schon auf der ersten Seite müssen wir erfahren, dass die Erzählerin ihrem Leben ein Ende gesetzt hat. Sie möchte uns aber nicht nur das mitteilen, sie möchte uns auch sagen, warum sie tot auf dem Boden liegt. Und so erzählt sie die Geschichte ihres Lebens, während sie die Treppe des Gebäudes hinauf steigt, von dem sie sich stürzt, vom 1. bis zum 28. Stockwerk.

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Mut gegen negative Schlagzeilen

Der Islam hat ein Problem, und zwar ist das ein „Imageproblem“. Das behauptet Anja Hilscher.
Anja Hilscher ist eine Exotin. Die deutsche Lehrerin ist zum Islam konvertiert. Eine Entscheidung, die ihr Leben geändert hat.

Als deutsche Muslima ist sie in einer privilegierten Lage, die es ihr ermöglicht, das Leben aus zwei Perspektiven zu betrachten: aus der einer ganz gewöhnlichen deutschen Frau und aus der eines Mitgliedes einer (mittlerweile wachsenden) Minderheit der islamischen Religionsgemeinschaft.

Anja Hilscher fühlt sich nicht selten als Fremde im eigenen Land. Der Grund: ihre selbstbewusste und offene Botschaft an ihre Mitmenschen. Sie trägt ein Kopftuch und so signalisiert sie ganz deutlich, dass sie zum Islam steht. Und das in einem Land, in dem der Islam nicht gerade einen guten Ruf genießt. Und genau um diesen Ruf geht es in Anja Hilschers Erstlingswerk „Imageproblem“.

Der Zweck dieses Buches ist, dieses Islam-Image durch Aufklärung aufzupolieren. Keine einfache Aufgabe!
In unserer westlichen christlich geprägten Gesellschaft hat der Islam kein gutes Standbein. Kein Wunder, denn das Bild dieser Religion wird von Fanatikern, Terroristen und zwangsverheirateten Frauen bestimmt. Ein Bild, das mit Hilfe der Medien, schnell und effektiv verbreitet wird. Anja Hilscher möchte mit ihrem Buch „Imageproblem“ einen Beitrag leisten, um das verzerrte Bild des Islams zu korrigieren. Denn der wahre Islam ist alles andere als starrsinnig, dogmatisch und frauenfeindlich.

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Les Anglais viennent!

Manchmal denke ich, es wäre alles so einfach, wenn das Leben ein Märchen wäre. Dann gäbe es Böse und Gut und die Lösung auf alle Probleme wäre so simpel, wie dem Bösen in der Geschichte einen Tritt in den Hintern zu verpassen.

Dieses schöne Gefühl hatte ich die ganze Zeit beim Lesen des erfrischenden und liebenswerten Romans „Monsieur Papon oder ein Dorf steht Kopf“ von der englischen Autorin Julia Stagg.

Das Thema von diesem Roman ist sicherlich nicht neu, aber gewiss etwas für mich. Denn solche Geschichten liebe ich.

Aber worum geht es? Um das Leben in dem kleinen Dorf Fogas in den französischen Pyrenäen, in dem der gewohnte Gang der Dinge durch ein unglaubliches Ereignis unterbrochen wird: Ein englisches Ehepaar kauft die Gaststätte „L’Auberge“, die sich mitten im Dorf befindet. Ausgerechnet Engländer möchten sich im Genussparadies Frankreich ihren Unterhalt mit der Gastronomie verdienen. Quelle horreur! Ein Skandal! Schließlich heißt es „leben wie Gott in Frankreich“ und nicht „leben wie Gott in England“!
Und diese gut verbreiteten Vorurteile „Engländer können nicht kochen“ oder „das englische Essen hat einen schlechten Ruf“ dienen dem Bürgermeister Serge Papon, einen Plan auszuhecken, um die Engländer zu vertreiben, denn bessere Pläne für die Gaststätte hatte er selber schon geschmiedet… und Monsieur Papon ist nicht daran gewöhnt, seinen Willen nicht durchsetzen zu können.

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Es ist so schwer, ein Deutscher zu sein…

Daniel ist verliebt, und zwar in die schönste Frau der Welt: Aylin.
Bald heiratet er sie und so wird er der glücklichste Mann der Welt sein.
Aber Aylin ist türkisch und wenn man eine türkische Frau heiratet, heiratet man auch ihre ganze Familie, und da Aylins Familie eine ganz normale türkische Familie ist, bekommt Daniel durch die Vermählung ungefähr 500 enge Verwandte. Jedes einzelne Mitglied dieser Familie hat Mitspracherecht in jedem Aspekt seiner Beziehung zu Aylin. Sogar für einen Kölner wie Daniel, der eigentlich an den rheinischen Frohsinn gewöhnt sein müsste, ist das eine Erfahrung, die nur mit einer „Nahbegegnung der dritten Art“ vergleichbar wäre.

Mit „Der Boss“ setzt Moritz Netenjakob den Erfolg von „Macho Man“ fort.
Als ich erfahren habe, dass „Der Boss“ erschienen ist, habe ich mich sehr gefreut, denn schon bei „Macho Man“ hatte ich großen Spaß. Und ich wurde nicht enttäuscht: Daniel und seine türkische Familie haben mir die lustigsten Lesestunden in den letzten Wochen beschert. Moritz Netenjakob kann aus einem trüben Tag einen Tag der Freude machen. Beim Lesen vergisst man alles um sich herum und das heißt: Genießen!

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Zuhause ist das, was man vermisst

Mascha ist jung, intelligent und kann neue Sprachen mit besonderer Leichtigkeit lernen. Ihr Leben und ihre Welt sind von einer gewissen Internationalität bestimmt, ihre Gedanken kennen keine Grenzen. Aber Mascha ist nicht zufrieden, sie weiß nicht, was sie vom Leben und den Menschen, die ihr nah stehen, erwarten soll, oder was sie zu geben hat. Nach einem tragischen Ereignis trifft Mascha eine Entscheidung, die ihr helfen soll, alles hinter sich zu lassen und ein neues Leben anzufangen. Leider kommt alles ganz anders, als sie es sich vorgestellt hat.

Das ist die Geschichte von Mascha, der ungewöhnlichen Heldin von Olga Grjasnowas Erstlingswerk „Der Russe ist einer, der Birken liebt“, einem Roman, der berührt.

Olga Grjasnowa gewährt uns einen tiefen Einblick in die Seele einer jungen Frau, die alles andere als einfach ist. Mascha ist kompliziert, ihre Beziehung vor allem zu denen, die sie lieben, ist zwiespältig und konfliktbeladen. Sie trifft ständig falsche Entscheidungen und verletzt die Menschen, die ihr am nächsten sind. Und das realisiert sie oft erst dann, wenn es zu spät ist; sie quält sich mit Erinnerungen und mit Sehnsüchten. Sehnsüchten nach einem Zuhause und nach Menschen, die sie selber verstoßen hat.

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