Schlagwort: Familie

Die-Arglosen-9783036956756_xxlKeine Überraschungen

Ein junger Mann möchte die Liebe seines Lebens heiraten. Eine andere junge Frau erscheint und schon ist er sich nicht mehr so sicher, dass seine Entscheidung zu heiraten die richtige ist.
Diese Geschichte, obwohl sie in der Literatur oft vorkommt, klingt interessant. Dass dieser junge Mann und seine zukünftige Frau aus jüdischen Londoner Familien stammen, machte das Ganze noch interessanter für mich.
Es handelt sich um „Die Arglosen“ von Francesca Segal.
Francesca Segal ist die Tochter von dem berühmten US-amerikanischen Bestseller- und Drehbuchautor Erich Segal („Love Story“). Sie ist in London geboren und wuchs abwechselnd in New York und London auf, und gilt in Großbritannien als aufsteigender Stern der englischen Gegenwartsliteratur.
Ich meinerseits wollte auf keinen Fall zulassen, dass „Die Arglosen“ an mir vorbeiging. Ich musste es lesen.

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

19997001_19997001_xlWunderschön!

„Morgen vielleicht“ (englischer Originaltitel „Tomorrow There Will Be Apricots“) von Jessica Soffer ist ein Buch, das mich aufgrund des deutschen Titels nicht erreicht hätte. Auch wenn das Bild auf dem Umschlag wunderschön ist, hätte mir allein der Titel mitgeteilt, dass es sich bei dem Buch um einen sogenannten „Frauenroman“ mit kitschigem Inhalt handelt.
Zum Glück habe ich es gelesen! „Morgen vielleicht“ ist eins meiner Lieblingsbücher geworden.

Jessica Soffers erster Roman ist eine wunderbare Geschichte, gefühlvoll und zum Teil erschütternd, und vor allem, was fast am wichtigsten ist, ist es eine Geschichte, die für ein Erstlingswerk einen erstaunlich anspruchsvollen Schreibstil aufweist. Schon auf der ersten Seite wusste ich, dass sie mir unglaublich gut gefallen würde. Und nach nur zwei Kapiteln habe ich die Protagonisten geliebt und hatte das Bedürfnis, sie von ihrem schmerzhaften Schicksal zu befreien.
Diese liebevollen Figuren sind die kleine Lorca, die eigenwillige Victoria und deren Mann Joseph. Sie leben in New York, einer Kulisse, deren viele Möglichkeiten die Autorin sehr gut einzubauen wusste.

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der_duft_von_teeDie Farbe von Tee

Als ich das erste Mal die Umschlaggestaltung von „Der Duft von Tee“ (englischer Originaltitel „The Colour of Tea“) gesehen hatte, habe ich mich sofort in dieses Buch verliebt. Der Titel und das Bild darunter sind so wunderschön, dass ich ihnen kaum widerstehen konnte. Die geblümten Tassen mit goldenem Rand und die bunten Macarons versprachen eine leichte und unbeschwerte Lektüre. Groß war meine Überraschung, als ich angefangen habe zu lesen…

Hannah Tunnicliffe hat mit „Der Duft von Tee“ eine leicht zu lesende Geschichte geschrieben, die gleichzeitig von einem schweren Frauenschicksal erzählt.
Grace ist eine junge Frau, die auf den ersten Blick alles zu haben scheint: einen erfolgreichen Ehemann, der sie liebt, und eine schöne Wohnung in Macao, einer aufregenden Stadt, in der Kosmopoliten zu Hause sind. Aber Grace ist depressiv, sie ist sehr unglücklich und fühlt sich allein.

Ob es wirklich möglich ist, dass ein Mensch es schafft, einer sehr schwierigen Situation zu entkommen, das hängt nicht nur von dem vorhandenen Willen ab. Grace hat es fertig gebracht und sich einen Ruck gegeben und ihr Leben über Nacht verändert. In Graces Fall lag das Geheimnis des Wandels an den Macarons…

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Umschlag_Am_Schattenufer_080413.inddGeschichte einer nordirischen Liebe

Können Krieg und Terror in einem Land von dessen Bewohnern als Normalzustand empfunden werden? Kann man sich an die ständige Angst gewöhnen?

1973: Der nordirische protestantische Student John muss während eines einjährigen Aufenthaltes in Deutschland feststellen, dass Frieden, Ruhe und persönliche Sicherheit für ihn eine neue Erfahrung sind. In seiner Heimat hat er gelernt, mit der Angst zu leben, die die Bevölkerung Nordirlands geprägt hat, Folge der Gewalt, die durch den Nordirlandkonflikt ausgelöst wurde.
John erlebt sogar etwas, was in seiner Heimat unmöglich gewesen wäre: die Liebe zu einer katholischen Landsmännin.

In „Am Schattenufer“ erzählt Killen McNeill die Geschichte von John und Teresa, die sich im malerischen Frankenland lieben lernen.
Killen McNeill bringt uns mit seinem Buch den Nordirlandkonflikt näher, und das aus einer persönlichen Sicht. Seine Figuren sind fast alle Opfer der Gewalt, die in ihrem Land herrscht. Nur John erlebt das Paradies neben Teresa, weil sie weit weg von allem und allen sind.

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061973027-das-gruene-zeltLeben zwischen Stalins Tod und Perestroika

Bücher können gute Freunde sein. Das wissen alle, die nicht nur aus Vergnügen lesen, oder nur um die Langeweile zu vertreiben. Bücher können sogar wichtige Bestandteile eines Lebens sein, können Menschen verändern. Aber Bücher können auch eine Gefahr darstellen, vor allem für diejenigen, die bereit sind, das eigene Leben zu riskieren, damit Literatur verbreitet wird.
In der Sowjetunion, wie in allen Ländern, in denen ein totalitäres Regime das Sagen hat, könnte die Lektüre oder das Besitzen eines einzigen Buches die Verbannung in ein Arbeitslager bedeuten.

Die Liebe zu Büchern und das Verlangen nach Freiheit haben Ilja und Olga zusammen gebracht. Ihre Jugend verbrachten sie in den 60er Jahren, der post-stalinistischen Zeit. Beide Idealisten, aus unterschiedlicher Herkunft, deren einzige Gemeinsamkeit der Hass auf die Sowjetische Union war.
In „Das grüne Zelt“ erzählt Ljudmila Ulitzkaja über das Leben Iljas und Olgas, und was sie dazu gebracht hat, die russische Literatur zu lieben, vor allem verbotene russische Literatur.

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blasmusikpopBergbarbaren versus Alpenrepublik

Mit der Zeit entwickelt ein erfahrener Leser ein gutes und zuverlässiges Gespür dafür, welches Buch „das richtige“ ist. Cover, Klappentext, Autor können ein Hinweis dafür sein, aber oft erlebt man Enttäuschungen, wenn man sich immer nur darauf verlässt.
Das Gespür aber lässt sich selten täuschen.
Der erfahrene Leser weiß auch, ob ein Buch mit Liebe und Hingabe geschrieben wurde. Das sind Gefühle und Eigenschaften, die sich auf den Leser übertragen.
„Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam“ ist genau so ein Buch: Es ist das richtige für mich, und dass Vea Kaiser es mit viel Liebe geschrieben hat, habe ich deutlich gespürt.

Vea Kaiser hat mit „Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam“ ein Epos geschrieben, ein Alpen-Epos. Durch die Augen zweier außergewöhnlicher Männer sehen wir das Leben eines kleinen alpinen Dorfes in einer Alpenrepublik (der aufmerksame Leser wird sofort Ähnlichkeiten zu einem bestimmten europäischen Staat feststellen), das sich seit dem Mittelalter heldenhaft gegen die Wirkung und den Einfluss der Außenwelt wehrt. Das ist größtenteils durch die schwer erreichbare alpine Lage möglich. Aber auch die Charaktereigenschaften der Bewohner dieses Dorfes, das sehr stark dem einen berühmten „kleinen gallischen Dorf“ ähnelt, tragen dazu bei, dass diese alpine Gemeinschaft eine Art Mini-Nation bildet, die das Schicksal und die Geschichte der Alpenrepublik nicht teilt, zu der es offiziell gehört. Das bringt große und kleine Vorteile mit sich, aber auch manche Nachteile. Und von diesen Vorteilen und Nachteilen lässt uns Vea Kaiser wissen, und meistens aus der Sicht ihrer Hauptfiguren.

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3-596-17303-5Nicht so gut wie sein Ruf

Mit hohen Erwartungen habe ich angefangen, den hochgelobten Roman „Zusammen ist man weniger allein“ von Anna Gavalda zu lesen.
Diese Erwartungen wurden anfangs nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen. Aber nur bis zur Hälfte des Buches… leider.
Nach und nach dachte ich mir, der Spruch „weniger ist mehr“ wäre etwas, was Madame Gavalda hätte beherzigen sollen, um die Qualität ihres Romans bis zur letzten Seite gewährleisten zu können.

Diese Geschichte hat mich bewegt. Ihre Figuren sind mir ans Herz gewachsen, aber bedauerlicherweise wurden sie gegen Ende gewöhnlicher und kitschiger, sie verloren ihre Reize und das, was sie so einzigartig gemacht hat. Die untypischen Dialoge, die ich so geliebt habe, wurden durch flache und teilweise sogar groteske Situationen ersetzt.

Gavaldas Geschichte um eine keineswegs alltägliche Wohngemeinschaft wurde 2004 verfilmt. In der Hauptrolle Audrey Tautou.

FISCHER Taschenbuch
Taschenbuch
560 Seiten
Erscheinungsdatum: 14. September 2006
Preis: EUR 9,95
ISBN: 978-3596173037

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Binny for ShortIch habe die Erfahrung gemacht, dass die schönsten Bücher oftmals die sind, die man spontan entdeckt und direkt kauft. Man darf vorher nicht zu lange überlegt haben, sondern muss sie – aus einer Eingebung heraus – einfach mitnehmen und sofort lesen. Genau so ist es mir diese Woche mit „Binny for short“ von Hilary McKay passiert. Es kommt nur noch ganz selten vor, dass ich in Buchhandlungen Bücher entdecke, über die ich zuvor noch gar nichts gehört hatte, doch hier war genau das der Fall – Autorin und Buchtitel waren mir vollkommen unbekannt. Wie gut, dass ich das sich das jetzt geändert hat!

„Binny for short“ ist ein Kinder- / Jugendbuch, das eine wunderbare Freundschafts- und Familiengeschichte erzählt. Hilary McKay schreibt sehr warmherzig und man merkt ihr an, dass sie jede ihrer Figuren liebt. Mit ihren Eigen- und Besonderheiten haucht sie ihnen Leben ein und macht sie dadurch so liebenswert. Binny empfand ich von der ersten Seite an als tolle Hauptfigur – sie ist mutig, aber auch mal ängstlich, abenteuerlustig und sehr herzlich. Natürlich kann sie auch mal frech sein, wie es sich für das Alter gehört. Auch ihre Geschwister wird jeder Leser des Buches lieben lernen, sie sind einfach klasse. Ich jedenfalls habe auf jeder Seite mitgefiebert und mich wohlgefühlt, auch wenn ich vielleicht vom Alter her nicht so ganz zur eigentlichen Zielgruppe gehöre.

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MatildaEs gibt einige wenige Filme, die ich seit meiner Kindheit wirklich liebe und die mir auch heute noch wunderbar gefallen. Sie entführen mich immer wieder erneut in eine magische Welt, in der alles möglich zu sein scheint. Ein solcher Film war für mich von jeher „Matilda“. Er ist wirklich fantastisch! Doch nun fragte ich mich, wieso ich eigentlich bisher nur den Film kannte, wo ich doch so gern lese und der Film natürlich auf dem Buchstoff beruht. Daran musste ich schleunigst etwas ändern.

Ich habe mir also sofort die englische Ausgabe von „Matilda“ bestellt. Das nur zwischendurch: die Bücher von Roald Dahl eignen sich super, wenn man sich mit englischen Büchern etwas schwer tut. Beim Stöbern habe ich eine Ausgabe entdeckt, die mir aufgrund ihres Covers besonders gut gefiel. Die Bücher von Roald Dahl haben in der Regel sehr kindliche Cover, doch diese Ausgabe nicht. Es ist jene Ausgabe, die passend zum Broadway-Musical gestaltet wurde. Ein Musical von „Matilda“??? Wieso bitte ist Amerika nur so weit weg…?

So machte ich es mir dann also mit dem Buch, einem leckeren Tee und Kerzen gemütlich und durfte für einen Abend erneut in der wunderbaren bzw. manchmal auch nicht ganz so wunderbaren Welt des außergewöhnlichen, kleinen Mädchens Matilda versinken. In ihrer Familie hat sie es wirklich nicht leicht. Während Matilda hochbegabt ist und sich bereits mit 4 Jahren selbst das Lesen beigebracht hat, ist ihre Familie das komplette Gegenteil. Die sitzt nämlich am liebsten mit Lieferessen vor dem Fernseher und ist froh, wenn Matilda einfach ruhig ist.

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„Wisst ihr, dass ich schon mal Mastodon gegessen habe?“, fragt mein Großvater.

„Hilf mir, Jaques Cousteau“ von der mit zahl- reichen internationalen Preisen ausgezeichneten kanadischen Autorin Gil Adamson ist eine Geschichtensammlung, deren Mittelpunkt eine ganz merkwürdige -und vielleicht sogar verrückte- Familie ist.
In etwas mehr als ein Dutzend kurzen Geschichten erzählt Hazel über ihre Familie, die aus einem Haufen Exzentrikern besteht. Und wie es bei Exzentrikern normalerweise ist, leben sie kein gewöhnliches Leben und sorgen oft für ein abwechslungsreiches Umfeld, manchmal in- teressant, aber nicht selten anstrengend.

Durch Hazels Augen sehen wir ihre Familie und ihre Nachbarn, die auch einen gewissen Einfluss auf sie haben (nicht immer in bewusster Form… aber wer hat nicht schon mal heimlich seine Nachbarn beobachtet?). Durch Hazel erfahren wir über deren Geheimnisse, denn Hazels besondere auditive Wahrnehmung lässt sie sogar durch Wände hören. So ist sie in der Lage, das Bild ihrer Familie für sich zu vervollständigen, und Erklärungen für das Verhalten mancher Menschen oder für bestimmte Situationen zu finden, die zunächst nur als rätselhaft, unbegreiflich oder gar mystisch einzustufen wären.

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