Schlagwort: 2. Weltkrieg

Quälender Hunger war der Grund, nicht Nächstenliebe

Ein Pelzmantel war die Bezahlung für die erste Abtreibung, die Käthe, eine Hebamme, an einem Mädchen in Not durchgeführt hat. Ein Pelzmantel, den sie gegen wertvolle Lebensmittel tauschen konnte. Eine Abtreibung: ein voller Bauch, und nicht nur für einen Tag.

In der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg kämpfte jeder ums nackte Überleben.
Lilo, Krankenschwester, arbeitet als Trümmerfrau auf den Straßen vom durch den Krieg zerstörten Düsseldorf. Käthe als Hebamme wird oft nachts aus dem Schlaf geholt. Trotz harter Arbeit leiden sie an großem Hunger. Lilo sieht die Lösung in den Abtreibungen: Zusammen mit Käthe eröffnet sie eine klandestine Praxis mit dem Zweck, unerwünschte Schwangerschaften abzubrechen.

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Hanni erlebt mit 15 Jahren den Beginn des zweiten Weltkriegs – ihre Welt und ihr Leben wird sich für immer ändern: Bald wird ihr großer Bruder Jürgen knapp zwanzigjährig eingezogen, danach Hannis Vater und ihr kleiner Bruder Alfred würde auch so gern gegen den Feind kämpfen.

Die zurückgebliebene Familie besteht aus Oma, Mutti, Hanni und Alfred, und natürlich Bobby, dem Hund. Sie wursteln sich so einigermaßen durch, doch sind heilfroh, als sie einen französischen Kriegsgefangenen bekommen können. Der soll ihnen so manch schwere Arbeit abnehmen. Statt eines großen starken Mannes kommt aber Philippe zu ihnen, ein schmächtiger junger Mann, der gern Musik studieren möchte.

Er ist ausgehungert und erst gar nicht in der Lage, einen Kartoffelacker anzulegen. Aber Oma und Mutti füttern ihn heraus und pflegen ihn auch gut, als er krank wird. Nach und nach entwickelt sich ein sehr gutes Verhältnis zwischen Philippe und Hannis Familie. Sogar der 12-jährige Alfred, der ja in der Hitlerjugend reichlich mit Vorurteilen gegen Ausländer im allgemeinen und Franzosen im Besonderen versorgt wird, beginnt Philippe zu mögen. Schließlich kann der auf Blättern pfeifen, bringt ihm das Schwimmen bei und kann sogar die französische Gebrauchsanweisung für Alfreds neue Kamera lesen! Alfred macht die Erfahrung, dass alle, auch Franzosen, Menschen sind, mit Müttern, mit Talenten, mit Humor und mit Persönlichkeit.

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Einfach großartig!

„Die psychologische Manipulation ist eine Waffe wie jede andere, nicht mehr und nicht weniger zuverlässig, aber die einzige, die das perfekte Verbrechen ermöglicht“

Die französische Schriftstellerin Hélène Grémillon hat einen grandiosen Roman geschrieben, der zu meinen Highlights, nicht nur in diesem Jahr, zählt: „Das geheime Prinzip der Liebe“ (französischer Originaltitel „Le confident“).

Was veranlasst zwei Frauen, eine Entscheidung entgegen aller Vernunft zu treffen, die ihr Leben komplett verändert? Eine Entscheidung, die sogar Leben zerstören kann… und zwar das Leben von mehreren Menschen!
Das Erste was zerstört wird, ist die Freundschaft dieser zwei Frauen, gerade die Freundschaft, die so stark zu sein schien, dass sie diese Entscheidung möglich machte.

Anonyme Briefe, die Camille regelmäßig bekommt, erzählen diese seltene Geschichte über eine außergewöhnliche und selbstzerstörerische Beziehung zwischen zwei Frauen in den schwierigen 40er Jahren im vom Zweiten Weltkrieg gepeinigten Frankreich. Camille lebt im Paris der 70er Jahre. Sie ist Verlegerin. Während sie die Briefe liest, fragt sie sich die ganze Zeit, ob sie selbst etwas mit der Geschichte dieser Frauen zu tun hat oder ob diese Briefe nur die geschickte Methode eines Schriftstellers sind, um sie auf sein Manuskript aufmerksam zu machen.

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