Schlagwort: 2013

17505229208„Jeder Mensch möchte herausfinden, wer er ist“

Auch wenn sich viele Wissenschaftler und Philosophen diesem Thema widmen, finde ich persönlich, dass das Bedürfnis, alles über sich selber zu wissen, zur Natur des Menschen gehört, es ist wie ein Axiom und einer der Grundsätze für die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen. Das Herausfinden bedeutet auch, sich identifizieren zu können, mit dem, was man entdeckt, oder sich bewusst zu distanzieren.

Jennifer Teege hat eines Tages eine furchtbare Entdeckung gemacht, für deren seelische Verarbeitung sie Jahre gebraucht hat. Sie ist die leibliche Enkelin von Amon Göth, einem sadistischen Nazi-Verbrecher, vor allem aus dem Film „Schindlers Liste“ bekannt.

Ich habe Jennifer Teege zum ersten Mal in einem Fernsehinterview gesehen. Sie wurde mir sofort sympathisch und ihre Geschichte hat mich sehr beeindruckt. Noch während die Sendung lief, habe ich ihr Buch, das sie zusammen mit der Journalistin Nikola Sellmair geschrieben hat, bestellt. Dieses Buch, in dem sie ihre Geschichte erzählt, und das mittlerweile in mehrere Sprachen übersetzt wurde, hat mir sehr gut gefallen.

Rezensionen Sachbuch

35946„… with a little help from my friends…“

… hat Ringo vor Jahrzehnten gesungen, und das könnte auch Luises Lebensmotto sein.
Luise, eine sehr sympathische und charmante Frau, die ein besonderes Talent fürs Kochen hat. Und davon profitieren ihre Freunde, weil Luise am liebsten für sie kocht. Ihre Küche ist ein beliebter Treffpunkt, gute und schlechte Nachrichten werden dort überbracht, Erfolge zelebriert und Lösungen für Probleme gefunden.
Als Luise eines Tages selber Hilfe braucht, sind diese Freunde alle für sie da. In ihrer Küche kündigt sie an, dass sie ihr Leben ändern wird.

„Essen mit Freunden“ von Ilke S. Prick ist ein schöner, leichter und romantischer Roman um eine Frau, die die Fähigkeit hat, Menschen zusammen zu bringen. Dazu braucht sie in der Regel, nur ein Menü zusammenzustellen.

Ich hatte Spaß beim Lesen über Luises Koch- und Liebesabenteuer. Nachdem lange wenig Aufregendes in ihrem Leben passiert war, erlebt Luises viel Neues, und vor allem macht sie die schöne Erfahrung, dass ihre Freunde wahre Helfer und nicht nur für sie da sind, wenn der Tisch mit Köstlichkeiten gedeckt ist.

Schon während der Steinzeit haben sich die Menschen um die Feuerstelle versammelt, haben gegessen und sich gegenseitig Geschichten erzählt. Wertvolle Momente des Alltags. Leider erlebt man heutzutage, dass immer mehr Menschen es verlernt haben, am Tisch mit Familie und Freunden zu sitzen, sich die Zeit dafür zu nehmen. Insofern macht Luise alles richtig, wenn sie ihre Küche und ihr mit Liebe zubereitetes Essen mit ihren Freunden teilt, denn sie teilt dadurch viel mehr als nur Nahrungsmittel. Sie gibt sich und den anderen eine Gelegenheit, das Leben in seinem Ursprünglichkeit zu genießen, zumindest so lange sie am selben Tisch sitzen, und manchmal ist sogar auch die Wirkung dieses Zusammenseins langfristig.

Luise hat sich im Laufe der Geschichte verändert. Auch wenn ich ein Fan von konsequenten Romanfiguren bin, hat mir Luises stetige Verwandlung gut gefallen. Die Luise am Ende des Buches kann ich mir viel besser als Freundin vorstellen, als die Luise von den ersten Seiten.

Ilke S. Prick weiß auch, wovon sie schreibt. In ihrer Webkolumne Nachrichten vom Küchentisch betreibt sie virtuell genau dasselbe, was Luise bei sich zu Hause: sich Zeit nehmen, für sich selber und für andere… am Küchentisch.

Insel Verlag
Taschenbuch
253 Seiten
Erscheinungsdatum: 18. August 2013
Sprache: Deutsch
Preis: EUR 8,00
ISBN: 978-3458359463

Aktuell Liebesroman Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

Der Sommernachtsball von Stella GibbonsSorgloses Leben

Meine neue Leidenschaft: Literatur für Frauen aus den 30er Jahren!
Eine der Neuentdeckungen des Manhattan Verlages ist „Der Sommernachtsball“ von Stella Gibbons, zuerst im Jahr 1938 in England veröffentlicht.

Ende der 30er Jahre, eine Zeit, in der sich viele schwerwiegende Veränderungen weltweit angekündigt hatten. Aber in dem idyllischen Essex feiert der ländliche Adel Englands luxuriöse Partys und erlebt sein eigenes Märchen.
Wie in jedem Märchen gibt es bei Stella Gibbons auch Gute und Böse, Arme und Reiche und jede Menge Intrigen. Aber vor allem gibt es ganz viele Träume und natürlich auch die wahre große Liebe.

„Der Sommernachtsball“ ist eine leichte Geschichte, die unterhält und für eine Weile Sorgen und Probleme vergessen lässt.

Aktuell Liebesroman Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

die-listensammlerin-072508582Listen als Lebensinhalt

Es gibt viele Arten von Macken, Fimmeln, Marotten, Zwängen. Ich denke, jeder Mensch hat bestimmte Eigenarten, die er am liebsten verheimlicht, aus Angst, von anderen als verrückt abgestempelt zu werden.

In Lena Goreliks neuestem Roman schreibt Sofia, die geplagte Protagonistin, Listen. Listen über alle möglichen und unmöglichen Themen. Das ist nicht nur Gewohnheit und Leidenschaft, das gibt ihr Halt in allen Lebenslagen und Sicherheit in kritischen Phasen. Manche Menschen kauen an ihren Nägeln, andere essen den Kühlschrank leer, Sofia schreibt neue Listen und bearbeitet und aktualisiert alte Listen.
Sofia und ihre Listen waren für mich ein Leseerlebnis in diesem noch jungen Jahr 2014.

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Köhlmeier_24178_MR2.inddEin Fremder mit nachhaltiger Wirkung

„Die Abenteuer des Joel Spazierer“ von Michael Köhlmeier ist eins dieser Bücher, die, auch wenn deren Handlung sehr verständlich und lückenlos ist, eine Menge zu lösende Rätsel hinterlassen.

Joel Spazierer ist ein Hochstapler. Mit seinem Charme und seiner Schönheit schafft er alles, was er sich vornimmt. Mehr braucht er nicht… seine Wirkung auf Menschen reicht für den Erfolg. Die detaillierte Beschreibung seines Lebens als Schwindler mit allen Höhen und Tiefen findet man in den Seiten dieses Buches.

Wie ich bereits erwähnt habe, hat dieses Buch Rätsel hinterlassen, und alle haben mit der Person Joel Spazierer zu tun. Und ich bin sicher, es war die Absicht des Autors, die Geschichte dieses Menschen zu erzählen, den Leser in allen dessen Geheimnisse einzuweihen, und ihm trotzdem das Gefühl zu vermitteln, dass Spazierer bis zum Ende ein Fremder bleibt. Das geschieht mit einer Geschichte, die in der ersten Person erzählt wird. Denn es ist Joel Spazierer, der alles über sich selber erzählt, und am Ende, nachdem wir seinen Lebenslauf und alle seine Gedanken kennen, entsteht keine Verbindung zwischen Leser und Hauptfigur. Joel Spazierer bleibt enigmatisch und vorhersehbar unvorhersehbar.

Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

abidi_nachts_schafe_knaurAufs richtige Pferd gesetzt!

Träumt nicht jeder davon, eines Tages den Traumjob zu finden, bei dem man viel Geld verdient, und vor allem davon, dass sich alle Sorgen im Leben von einem Tag auf den anderen in Luft auflösen?
Davon träumen auch die drei Heldinnen in „Nachts sind alle Schafe schwarz“, dem neuesten Roman von Heike Abidi.
Und sie finden einen Weg, das ultimative Geschäft zu entwickeln, um viel und schnell Geld zu machen… leider waren sie bei der Planung komplett betrunken. Daraus ist eine Geschäftsidee entstanden, die eine Erfindung ist, worüber jeder vernünftige Mensch lachen würde: die „animalistische Balance“.
Sprüche wie „der Tiger in dir“, „so ein Angsthase“ oder „die fleißige Biene“ werden zu Kassenschlagern. Wer hätte das geglaubt? Ich natürlich nicht, aber Heike Abidi hat mich davon überzeugt, dass es möglich ist. Aber wie? Um es zu erfahren, muss man ihr Buch lesen.

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91NHPjrkD9L._SL1500_Ich habe sie alle lieb!

In „Madame Josette oder ein Dorf trumpft auf“ von Julia Stagg bin ich den sympathischen Bewohnern des kleinen französischen Dorfes in den Pyrenäen wieder begegnet, die ich in „Monsieur Papon oder ein Dorf steht Kopf“ kennengelernt habe.

Julia Stagg, englische Schriftstellerin, die eine Zeit lang auch in den Pyrenäen lebte, hat eine herzliche Gemeinde mit liebenswerten Bewohnern geschaffen, deren Geschichten als die „Fogas Chronicles“ bekannt sind. „Madame Josette oder ein Dorf trumpft auf“ ist der zweite Teil dieser Saga.

Und wieder werden die bodenständigen und traditionsbewussten Bewohner Fogas‘ mit Einflüssen von außen konfrontiert. Das beschauliche Leben wird diesmal von einem jungen Mann durcheinander gebracht. Kaum haben sich die Fogas-Bewohner an die Engländer gewöhnt und sie in ihre Gemeinschaft integriert, taucht der junge Mann aus Paris mit fortschrittlichen Plänen auf… das kann nicht gut gehen!

Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

wo-bist-du-motek-080272030Überraschend berührend

Wenn ein Israeli sich auf die Suche nach seinen Wurzeln in Deutschland begibt, kann es für mich nur interessant werden, vor allem wenn diese Suche in Berlin stattfindet.
Dieser Israeli ist Ilan Goren, als Europakorrespondent nach Berlin geschickt worden, kurz nachdem seine halbdeutsche Mutter gestorben war.
In Berlin wartet auf ihn nicht nur aufregendes Material für Reportagen, sondern auch das Erbe seiner Großmutter: das Tagebuch seines polnischen Ur-Großvaters, der genau wie er nach Berlin ging, um Neues zu erleben, und als Jude auch einiges zu erzählen hatte.
In diesem Tagebuch findet Ilan seine Wurzeln, die Geschichte seiner Ahnen.
Während Ilan ein Berliner Abenteuer nach dem anderen erlebt, liest er in seiner Freizeit das Tagebuch seines Ur-Großvaters. Und was er dabei erfährt, übertrifft seine ganzen Vorstellungen.

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Göttinnensturz_LY_01Tee und Mord im Salzkammergut

Anni Bürkls Heldin Berenike Roither hat einen Teesalon in einem kleinen Ort im österreichischen Salzkammergut. Sie, ursprünglich erfolgreicher Wiener Yuppie, hat praktisch den Voralplern das Teetrinken beigebracht.
Leider wird in Berenikes idyllischer Umgebung viel zu oft gemordet, so dass sie immer mehr Ängste entwickelt hat, zusätzlich zu den unangenehmen Erinnerungen an ihre Vergangenheit.

„Göttinnensturz“ ist Anni Bürkls viertes Buch um Berenike Roither.
Auf die Erscheinung dieses Buches habe ich gespannt gewartet, denn, nachdem ich die drei Vorgänger gelesen hatte, war natürlich mein Interesse daran, wie es mit Berenikes Leben weitergeht, sehr groß.

Wie schon erwähnt, betreibt Berenike einen Teesalon, und Anni Bürkl spart nicht an Details über diesen Aspekt in ihren Geschichten, auch wenn diese Bücher in erster Linie Kriminalromane sind.

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insightImageEin Sachbuch mit dem gewissen Unter-haltungsfaktor

Über die Geschichte der Menschheit haben schon unzählige Autoren geschrieben. Deswegen müsste man sich wundern, wenn gerade ein Buch, das den Titel „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ trägt, zum Bestseller wird.

Wenn ein Sachbuch von vielen Menschen gelesen wird, liegt es daran, dass der Autor es geschafft hat, den Stoff, der sein Spezialgebiet ausmacht, so gut und verständlich zu vermitteln, dass die Leser das Gefühl haben, etwas lernen zu können, ohne gelangweilt zu werden. Und genau das ist Yuval Noah Harari mit seinem Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ gelungen.
Erstaunlicherweise habe ich dieses Buch mit großem Interesse gelesen, auch wenn ich mit der Materie vertraut war. Das war ausschließlich dem Unterhaltungswert des Buches zu verdanken.

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