Der Retter in der Not

Geld musste man im viktorianischen England haben. Lang schlafen, Zeit zum Lesen ohne Ende, Tee trinken am Nachmittag, jeden Tag eine neue Kuchensorte, sich für jede Mahlzeit neu ankleiden, aber vor allem nicht arbeiten müssen!
Emily Fox-Seton, die Heldin aus Frances Hodgson Burnetts Roman „Die Liebenden von Palstrey Manor“ hat so ein Glück im Leben nicht. Die verarmte und verwaiste Adelige muss ihren Lebensunterhalt selber bestreiten, bekommt keine Hilfe beim Anziehen, belegt ihre Sandwichs selber und trinkt ihren Tee allein. In einer Zeit und in einer Gesellschaftsschicht, in denen Mütter ihre Töchter verheirateten, um der Familie finanzielle Sicherheit zu garantieren, und junge und gesunde Männer niemals auf die Idee gekommen wären, dass Arbeit die beste Lösung gegen Armut ist, bildet Emily die absolute Ausnahme. Und genau das ist am Ende ihr Glück: Der reiche und steife Witwer Lord Walderhurst findet Gefallen an diese Kämpferin.

Weiterlesen Die Liebenden von Palstrey Manor von Frances Hodgson Burnett

Aktuell Liebesroman Rezensionen Roman

Wenn das Leben so einfach wäre…

Ein Buch mit dem Titel „Kokostee“ und so einem bunten Cover musste ich lesen. Auch die Idee, weltberühmte, bereits gestorbene Superstars wieder zum Leben zu erwecken, fand ich kurzweilig und anregend. Dass das Buch vom berühmten Moderator Oliver Geissen geschrieben wurde, hat eigentlich keine Rolle gespielt, denn der Name des Autors ist mir erst später aufgefallen, und noch viel später wurde mir klar, dass es sich um den Oliver Geissen aus dem Fernsehen handelt. Das liegt aber daran, dass ich noch nie eine ganze Sendung mit ihm gesehen habe. Also gute Voraussetzungen, um das Buch vorurteilsfrei zu lesen!

Und worum geht es? Adschei hat einen ungewöhnlichen Job: Er ist der Butler von sieben Weltstars, die ein idyllisches Leben führen auf einer kleinen Insel mitten im Indischen Ozean, von deren Existenz keiner weiß. Das Besondere, eigentlich Verblüffende, ist, dass alle diese Weltstars – auch wenn sie unvergesslich sind und in den Herzen ihrer Fans ewig leben werden – tot sind. Zumindest offiziell. Aber in Wirklichkeit leben sie inmitten von großem Luxus unter paradiesischen Zuständen. Sie hatten einmal die Nase voll von Ruhm, Drogen und Showbusiness, haben ihren Tod inszeniert und leben alle zusammen weiter, isoliert, geschützt, ganz friedlich und glücklich. Genauso glücklich sind die Menschen, die ihnen dieses Leben ermöglichen, das ist die Armada von Bediensteten und Leibwächtern.
Weiterlesen Kokostee von Oliver Geissen

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Mafiöse Zustände

Als ich schon dachte, schlimmer könnte es für die drei 90-jährigen Siiri, Irma und Anna-Liisa nicht werden, wurde in der Tat das Leben in der Seniorenresidenz Abendheim zum absoluten Alptraum: Eine umfangreiche Renovierung des Gebäudes macht einen Aufenthalt auf längere Sicht einfach unmöglich. Die älteren Damen überlegen also, ob es nicht sinnvoll wäre zu flüchten. Aber wohin?

„Whisky für drei alte Damen oder Wer geht hier am Stock?“ von der finnischen Schriftstellerin Minna Lindgren erzählt eine fast gruselige Geschichte über die totale Renovierung der Altersresidenz, in der die drei quirligen Heldinnen wohnen, und über alles, was sie unternehmen, um dem Horror, den diese Renovierungsmaßnahme mit sich bringt, zu entkommen.
Weiterlesen Whisky für drei alte Damen oder Wer geht hier am Stock? von Minna Lindgren

Aktuell Krimi und Thriller Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

Ein originelles Märchen

Geheimnisse verbinden Menschen, denn wenn zwei etwas teilen, wovon kein anderer weiß, entstehen besondere Bänder, und es gilt nur, dieses Wissen nicht nach außen sickern zu lassen.
Das Geheimnis, das die Wintermädchen teilen, ist etwas Furchtbares, aber sie haben gelernt, damit zu leben. Die zwei Schwestern haben es geschafft, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und neu anzufangen, auch wenn das bedeutet, in ihre Heimat zurückzukehren, in ein kleines Dorf in Galicien, der Region im Spanien der 50er Jahre, die vom Rest der Welt vergessen wurde.

„Die Wintermädchen“ ist mein erster Roman der spanischen Schriftstellerin Cristina Sánchez-Andrade.
Ich war von dieser Geschichte fasziniert. Die Autorin hat eine wunderbare Art zu erzählen, die uns das Leben und Traditionen im Spanien in den Zeiten unter Francos Diktatur vermittelt. Besonders in Galicien, weit weg von der Zivilisation, war es deutlich zu spüren, wie rückschrittlich Francos Regierung war. Die Zeit blieb stehen, die Menschen schienen vergessen worden zu sein, Galicien einfach inexistent. Nicht aber für die Wintermädchen. Die Isolierung ihres Geburtsortes ist der ideale Zustand für ihre Pläne. Dass sie sehr spezielle Gestalten sind, die die Aufmerksamkeit aller Dorfbewohner wecken, scheinen sie nicht zu merken. Ihre lange Abwesenheit und die Erfahrung, die sie in fernen Ländern gemacht haben, machen aus ihnen absolute Exotinnen.

Dieses Buch erzählt ein originelles Märchen – humorvoll und gleichzeitig traurig, auf jeden Fall berührend -, das dem Leser eine Überraschung am Ende bietet.
Und Bücher, die mich überraschen, lese ich immer sehr gern!

Thiele
Gebundene Ausgabe
288 Seiten
Erscheinungsdatum: 19. August 2016
Preis: EUR 20,00
ISBN: 978-3851793307

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Keinesfalls überflüssig

Der libanesische Schriftsteller Rabih Alameddine hat mit „Eine überflüssige Frau“ eine Geschichte über eine Frau geschrieben, die sich für ein Leben innerhalb ihrer vier Wände entschieden hat und die Erfüllung in einer ungewöhnlichen Tätigkeit findet: Sie übersetzt Bücher ins Arabische, Manuskripte, die keiner liest, weil sie ihre Werke vor der Öffentlichkeit versteckt. Aus ihrer Sicht ist das eine überflüssige Beschäftigung, wie alles andere, was mit ihr selber zu tun hat.
Aaliya ist bereits über 70 und lebt in Beirut. Sie hat schon viel erlebt und darüber berichtet sie, während sie sich an die Vergangenheit erinnert, an ein Leben, das ihr nichts Aufregendes oder Zufriedenstellendes anzubieten hatte, aber für den Leser eine interessante Informationsquelle über die neueste Geschichte Beiruts ist. Für den Buchliebhaber hat Aaliya auch viel zu sagen. Sie verfügt über ein immenses Literaturwissen und ein hervorragendes Gedächtnis. Für jede Situation, für jedes Ereignis findet sie das entsprechende Zitat oder einen Vergleich zu einem Thema in einem von ihr gelesenen Buch oder zu einem Lebenslauf eines Dichters. Allein deswegen müsste sich Aaliya nicht ganz so minderwertig fühlen. Ihre Fähigkeiten stempelt sie als Macken ab und ihre Gelehrtheit und Begabung als unnötiges Wissen. Sie arbeitet trotzdem fleißig weiter und sucht Inspiration in ihrer eigenen Vita.

Weiterlesen Eine überflüssige Frau von Rabih Alameddine

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Pippa undercover

Mittlerweile hat sich europaweit herumgesprochen, dass die Berlinerin Pippa Bolle eine gute Detektivin ist. Jetzt wird sie extra dafür gebucht, um mysteriöse Fälle zu lösen!
Von Österreich bis nach Schottland hat sie Familie und Freunden geholfen, die sich komplett auf ihr Instinkt und ihren Spürsinn verlassen, und sie hat sie alle noch nie enttäuscht.

In „Des Katers Kern“, dem sechsten Fall Pippa Bolles, lässt das Autorenduo Auerbach & Keller die Berlinerin nach Österreich fahren, in die malerische Steiermark. Anders als in den vorherigen fünf Folgen gerät sie nicht per Zufall in einen Kriminalfall. Zum ersten Mal wird Pippa als Detektivin gebucht, als Ermittlerin undercover.
Weiterlesen Des Katers Kern von Auerbach & Keller

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Alles andere als Alltäglich!

Lucy Schröder hat viel zu lernen in Sachen „Umgang mit Menschen“. Sie selber glaubt nicht daran, wird aber von ihrem Therapeuten leider dazu gezwungen, sonst muss sie in die Psychiatrie. Selbstverständlich hat sie dazu keine Lust. Wer würde denn diese Alternative vorziehen? Also überlegt Lucy, wie sie sich am besten selber helfen kann, wenn möglich, mit dem geringsten Aufwand.
Lucy Schröder ist die neue, außergewöhnliche, sogar gewöhnungsbedürftige, aber durch und durch liebenswerte Heldin von Susann Rehleins Roman „Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten“.

Lucy würde am liebsten nur zu Hause bleiben und auf ihrem Futon liegend die Decke anstarren. Leider sitzt ihr der Psychologe mit seinem idiotischen Auftrag im Nacken, und so viel Zeit hat sie nicht mehr, um ihm vorzuweisen, dass mit ihr alles in Ordnung ist.
Als Erstes, bevor sie anfängt zu üben, Menschen kennen zu lernen, braucht sie eine neue Hose. Im Kaufhaus Schönstedt findet sie bestimmt eine. Mit dem ersten Schritt Richtung Kaufhaus fängt Lucys größtes Abenteuer an!

Weiterlesen Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten von Susann Rehlein

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Spannender Roman mit starken Charakteren

Die Schweizerin Andrea Fischer Schulthess hat mit ihrem ersten Roman „Motel Terminal“ ein Buch geschrieben, das mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt hat. Eine spannende Handlung, ein desolater, düsterer Schauplatz und Figuren mit stark definierten Persönlichkeiten machen aus dieser Geschichte ein ganz besonderes Erlebnis.

Ein verlassenes Motel am Rand einer kleinen Siedlung in der Nähe von Zürich und dessen merkwürdige Bewohner, die ein schreckliches Geheimnis hüten, verleihen diesem Roman eine endzeitliche Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Mit nur einem Haupthandlungsort, dem unheimlichen Motel, wenigen Figuren und einem Geheimnis, in das der Leser sehr früh eingeweiht wird, baut Andrea Fischer Schulthess ein höchst kompliziertes Drama, das schlaflose Nächte beschert.

Weiterlesen Motel Terminal von Andrea Fischer Schulthess

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Charmante Verwechslungskomödie

Wer Überraschungen liebt, sollte „Niemand weiß, wie spät es ist“ von René Freund lesen.

Zwei sehr unterschiedliche Menschen, eine frustrierte Arbeitslose und ein steifer Jurist, bekommen einen ungewöhnlichen Auftrag: Sie müssen gemeinsam in den Alpen wandern, das Ziel kennen sie nicht, der Inhalt ihres Gepäcks ist alles andere als alltäglich.

Was als scheinbar voraussagbare Geschichte anfängt, entpuppt sich als charmante Verwechslungskomödie mit einer unerwarteten Wendung und äußerst liebenswerten und sympathischen Protagonisten. Die disziplin- und planlose Nora bildet zusammen mit dem durch und durch organisierten und zwanghaften Veganer Bernhard ein perfektes „Anti-Traumpaar“.
Weiterlesen Niemand weiß, wie spät es ist von René Freund

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Charismatisch und charmant

„Kismet“ ist das türkische Wort für Schicksal. Gegen das türkische „Kismet“ kann man aber nichts machen, man akzeptiert es, denn am Ende wird alles gut. Alles hat einen Sinn.
Leider zweifelt Jannah gerade am Kismet. Zurück aus dem Urlaub stellt sie sich die Frage, wie ernst die Sache zwischen ihr und Ken ist. Bald muss sie feststellen, dass alles sehr kompliziert ist, wenn man in den Stiefbruder verliebt ist. Da hilft kein bisschen zu hoffen und darauf zu warten, was Kismet mit einem vorhat.

„Kismet – Couscous mit Herzklopfen“ von der sympathischen Autorin Deniz Selek ist der Abschluss der Trilogie um Jannah, Ken und deren bunte und multikulturelle Familie, die bereits unter dem Titel „Heartbreak Family“ erschienen ist.

Weiterlesen Kismet – Couscous mit Herzklopfen von Deniz Selek

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