Schlagwort: 2020

Inspirierend

Vor vier Jahren habe ich ein Buch gelesen, das ich in jeder Hinsicht perfekt gefunden habe, und über das ich sagte, dass es das Buch wäre, das ich hätte schreiben wollen. Dieses Buch heißt „Euphoria“ und dessen Autorin Lily King.

Jetzt halte ich ihr neuestes Werk in den Händen und muss staunen. „Writers & Lovers“ ist in allen Aspekten ein komplett anderes Buch als „Euphoria“. Es ist eine sehr persönliche Geschichte. Beim Lesen musste ich immer wieder daran denken, was Lily King über dieses, ihr neuestes Buch sagte: Es ist der Roman, den sie vor 30 Jahren so vermisst hat, der Roman, den sie vor 30 Jahren hätte schreiben wollen.

Es muss etwas ganz Besonderes sein, endlich das eine Buch geschrieben zu haben, mit dem man sich komplett identifizieren kann, genau das geschrieben zu haben, was man schreiben wollte. Das klingt vielleicht einfach, aber wenn man liest, was Lily King zur Entstehung des Romans erzählt, wird einem klar, dass das nicht so ist.

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Casey, ihr Hauptcharakter, ist eine tragische Figur. Kein Glück im Leben. Seit Jahren wechselt sie ihre (mittelmäßigen) Jobs, ihr Schuldenberg wächst stetig, Männer sind nicht zuverlässig in der Liebe, krankenversichert zu sein ist eine Chimäre und ihre Mutter, die Person, der sie sich am engsten verbunden fühlte, ist tot. Aber Casey bleibt in einer einzigen Sache konsequent: Sie schreibt und sie glaubt daran, dass sie schreiben kann.

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„Das Schreiben war das einzige Mittel, meinen Gefühlen und meinem seelischen Zustand Luft zu verschaffen.“

Als am 23. Januar 2020 die chinesische Millionenstadt Wuhan abgeriegelt wurde, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verhindern, fühlten wir uns in Europa relativ sicher, dass es sich bei dem SARS-CoV-2-Virus um ein chinesisches Problem handelt, obwohl Experten weltweit vor einer Pandemie warnten.

Als unsere Bundeskanzlerin Mitte März entsprechende Einschränkungen für Deutschland angekündigt und an die Bevölkerung appelliert hat, sich strikt daran zu halten, lebten die Wuhaner bereits zwei Monate von der Welt isoliert, und ohne ihre Wohnungen verlassen zu dürfen. Und auch wenn unsere Quarantäne eine komplett neue Erfahrung für die meisten in Deutschland Lebende gewesen ist, kann man es niemals mit dem, was die Wuhaner durchgemacht haben, vergleichen.

Weil sie ihre Tochter vom Flughafen am Abend des 22. Januar abholen musste, blieb die in China sehr bekannte Schriftstellerin Wang Fang – unter dem Pseudonym Fang Fang veröffentlicht sie ihre Werke – in ihrer Wuhaner Wohnung über Nacht und erlebte die beispiellose Abriegelung einer Stadt.

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