Schlagwort: 2021

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Berührend und überraschend: ein neues Lieblingsbuch

Alina Bronsky ist eine meiner Lieblingsautorinnen. Und fast jedes Buch von ihr ist eins meiner Lieblingsbücher. Starke Frauen, die viel durchgemacht haben und die wissen, ihren Willen durchzusetzen, Bronskys Romanfiguren gibt es kein zweites Mal.

Gerade beendete ich die Lektüre ihres neuesten Romans, „Barbara stirbt nicht“, und ich bereue es sehr, nicht langsamer gelesen zu haben, so wenig Zeit mit den Menschen in diesem Roman verbracht zu haben. Ich habe sie alle in mein Herz geschlossen, sogar diejenige, die nur einen kurzen Auftritt hatten.

Diesmal ist erstaunlicherweise ein Mann, ein ganz normaler deutscher Mann, und keine resolute sowjetische Frau, der Held der Geschichte. Und diese Überraschung ist Alina Bronsky sehr gut gelungen.

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen

Spannend und unterhaltend auf höchstem Niveau

„Rochade“ von Reinhard Tötschinger zu lesen, war eine meiner besten Entscheidungen der letzten Monate.

Die Geschichte um ein Gemälde von Vermeer (vielleicht das teuerste Gemälde aller Zeiten) hat mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht. Die „Malkunst“ soll nicht nur so wertvoll sein, es gilt als Vermeers schönstes Bild. Aber noch interessanter ist dessen Vergangenheit. Ursprünglich einem anderen Maler zugeschrieben, mehrmals kopiert und gefälscht, als Hitlers Lieblingsbild sollte es einen besonderen Platz im „Führermuseum“ bekommen, bevor es sein endgültiges Zuhause im Kunsthistorischen Museum in Wien gefunden hat.

Ja, ein endgültiges Zuhause wünscht sich jeder, sogar ein Bild wie die „Malkunst“, das weiß natürlich Clemens, der Restaurator, der den Auftrag bekommen hat, den ursprünglichen Zustand der „Malkunst“ nach einem Attentat wiederherzustellen. Deswegen bemüht er sich, dem Bild diesen Wunsch zu erfüllen, denn ein ehrgeiziger und rücksichtsloser Kanzler würde die „Malkunst“ sehr gern in seinem Kanzlerbüro aufhängen. Eine verrückte Vorstellung, eine undemokratische Handlung und auf jeden Fall nicht im Sinne des Bildes.

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

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Fatale Ausstrahlung

Schon als Kind fand ich Leuchttürmer faszinierend. Sie besaßen für mich eine romantische Aura. Auch die Vorstellung, in einem Leuchtturm zu leben und zu arbeiten, hatte etwas Idyllisches an sich. Aber es gab noch etwas, was die Sache weniger malerisch machte: die Einsamkeit.

In ihrem Debütroman „Die Leuchtturmwärter“ erzählt Emma Stonex eine Geschichte über einen Leuchtturm auf offener See und dessen Bewohner, drei Leuchtturmwärter, die für ihre Zeit auf dem Leuchtturm auf ein komfortables Leben auf dem Festland und auf ihre Familien verzichten mussten.

Emma Stonex zeigt in ihrem Buch, dass, um Leuchtturmwärter zu sein, viel Disziplin und Selbstbeherrschung voraussetzt. Man muss schließlich den wenigen Raum, der zur Verfügung steht, mit anderen teilen, und bei Unstimmigkeiten, gar Streitereien, gibt es kein Entkommen.

Das Team der Maiden, Stonex‘ Leuchtturms, wirkt auf den ersten Blick relativ harmonisch, die täglich anfallenden Arbeiten werden problemlos erledigt, die Männer scheinen, sich zu verstehen, Differenzen sind noch im Rahmen des Vertretbaren. Dieser Eindruck hält so lange an, bis sie uns ihre Gedanken, Gefühle und Ängste offenbaren. Dann merkt man: In Wirklichkeit brodelt es im Inneren der Männer wie in einem Vulkan.

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„Wir wollen kein weiches Begräbnis!“

Nach dem Lesen vom „Wuhan Diary“ habe ich mich sehr für dessen Autorin, die bekannte chinesische Schriftstellerin Fang Fang, interessiert. Leider sind Informationen über sie nicht so einfach zu finden. Aus diesem Grund habe ich mich gefreut, als vor kurzem ein weiteres Buch von ihr auf Deutsch im Verlag Hoffmann und Campe erschienen ist: „Weiches Begräbnis“. Für mich stand fest, dass ich dieses Buch lesen muss!

Warum „weiches Begräbnis“. Das war das Erste, was ich mich gefragt habe, als ich den Titel las. Was ist das? Was bedeutet es? So ein Titel klingt vielleicht romantisch. Beim Lesen aber habe ich gelernt, dass darunter sich eine Grausamkeit verbirgt. Ein weiches Begräbnis wünscht sich kein Mensch chinesischen Ursprungs. Ein Begräbnis ohne Sarg, der Körper im direkten Kontakt mit der Erde, ist eine unzumutbare Sache, eine große Ungerechtigkeit. Wer ohne Sarg begraben wird, wer keine würdige Beerdigung bekommt, kann nicht wieder geboren werden, der muss als klagender Geist bis in die Ewigkeit umherirren.

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Ich möchte auch eine Georgierin sein!

Ich muss immer wieder an dieses Buch denken. Selten hat mir eine Geschichte so viel Freude bereitet. So viel, dass ich mir beim Lesen gewünscht habe, selber Teil der Handlung, eine der Figuren darin zu sein.

Angelika Jodl hat mich mit „Laudatio auf eine kaukasische Kuh“ nicht nur sehr gut unterhalten, sie hat mich berührt und auch viel über das georgische Volk und dessen ganze Vielfalt beigebracht.

Mein erster Eindruck beim Lesen der ersten Seiten war, dass diese Autorin sich sehr gut in Sachen Georgien und Georgier auskennt. Gegen Ende war ich sogar davon überzeugt, dass Angelika Jodl eine echte georgische Seele besitzt. So authentisch und leidenschaftlich beschreibt sie das Leben und den Charakter der Menschen im Kaukasus.

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