Mafiöse Zustände

Als ich schon dachte, schlimmer könnte es für die drei 90-jährigen Siiri, Irma und Anna-Liisa nicht werden, wurde in der Tat das Leben in der Seniorenresidenz Abendheim zum absoluten Alptraum: Eine umfangreiche Renovierung des Gebäudes macht einen Aufenthalt auf längere Sicht einfach unmöglich. Die älteren Damen überlegen also, ob es nicht sinnvoll wäre zu flüchten. Aber wohin?

„Whisky für drei alte Damen oder Wer geht hier am Stock?“ von der finnischen Schriftstellerin Minna Lindgren erzählt eine fast gruselige Geschichte über die totale Renovierung der Altersresidenz, in der die drei quirligen Heldinnen wohnen, und über alles, was sie unternehmen, um dem Horror, den diese Renovierungsmaßnahme mit sich bringt, zu entkommen.
Weiterlesen Whisky für drei alte Damen oder Wer geht hier am Stock? von Minna Lindgren

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9783462047240Altersheim? Nein, danke!

Wenn ich alt werde, möchte ich auf gar keinen Fall in ein Altersheim gehen (müssen). Auch nicht dann, wenn es sich „Seniorenresidenz“ nennt.
Das Lesen von „Rotwein für drei alte Damen oder Warum starb der junge Koch?“ von der finnischen Autorin Minna Lindgren hat am meinen Vorhaben nichts geändert. Es könnte auch noch sein, dass man ein mysteriöses Seniorenheim mit zwielichtigem Pflegepersonal erwischt.

Die 90-jährige Siiri hat ein Hobby, das auch sehr gut zu mir passen würde: ziellos mit der Straßenbahn fahren und Sehenswürdigkeiten bewundern. Aber Siiri hat mehr Glück als ich, sie wohnt im schönen Helsinki. Weniger Glück hatte sie offensichtlich bei der Wahl ihres Domizils. In der Seniorenresidenz „Abendhein“ geschehen seltsame Dinge. Aber erst als ihre gute Freundin Irma betroffen ist, wird Siiri klar, dass hinter dem ganzen Mysterium ein ganz konkreter Plan stecken muss.
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Die Anarchie der Buchstaben
Der Carlsen Verlag hat mit seinem Imprint Königskinder in diesem Herbst ein ganz tolles neues Programm an den Start gebracht. In den Farben Schwarz, Weiß und Gold kommen die wunderschön und liebevoll aufgemachten Titel daher und lassen Leserherzen höher schlagen. Auch thematisch bewegen sich die Bücher abseits des Mainstream und beschäftigen sich mit berührenden und nachdenklich stimmenden Themen. In den nächsten Wochen möchte ich euch hier auf dem Blog nach und nach die 7 Königskinder aus dem ersten Programm präsentieren. Ganz gemäß dem Motto „Ein Werk der Schönheit ist ein Glück für immer“ hat Carlsen – das merkt man sehr deutlich – viel Herzblut in diese Bücher gesteckt. Vielleicht habt ihr ja auch Lust, der Facebook-Fanpage des Verlags zu folgen. Dort gibt es regelmäßige Einblicke ins Königskinder-Programm und dessen Hintergründe, das Wort der Woche und noch viel mehr rund um Autoren, Bücher und Co. zu entdecken. Zuerst möchte ich euch mit „Die Anarchie der Buchstaben“ nun das neue Buch von Kate de Goldi vorstellen, von der im März 2012 bereits „abends um 10“ im Carlsen Verlag erschien.

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In diesem kleinen Büchlein verbrigt sich eine zauberhafte Idee! Die Autorin beschäftigt sich darin mit dem Thema Altern und nähert sich diesem auf ganz besonderem Wege an. Durch die Augen der jungen Perry, deren Großmutter in einem Pflegeheim lebt und deren Gedächtnis nicht mehr das beste ist, ermöglicht sie dem Leser einen unverfälschten und offenen Blick auf ihre Situation. Perry geht sehr unbefangen mit ihrer Großmutter und den anderen Bewohnern im Heim um. Sie macht sich keine großen Gedanken und Sorgen darüber, dass sie sich anders als andere Menschen verhalten oder aber körperlich oder geistig vielleicht nicht mehr so fit sind. Das Mädchen entdeckt in ihnen allen etwas Gutes, und obwohl ihre Großmutter nicht immer ganz einfach ist, genießt sie die Besuche bei ihr und ihren „Freunden“.

Der besondere Erzählstil hat mich ganz für das Buch eingenommen, sodass es seinen ihm eigenen Zauber wirken konnte. Wieso machen wir Erwachsenen uns eigentlich immer alles so schwer? Können wir nicht genauso locker und unbefangen mit unseren älteren Mitmenschen umgehen, wie es Perry ganz selbstverständlich tut? Wenn man sich nicht so viele Gedanken macht, sondern einfach etwas tut, stellt sich das Glück für alle von ganz allein ein. Kate de Goldis Buch ist in diesem Sinne ein Plädoyer, seine älteren Mitmenschen weiterhin in die Gesellschaft zu integrieren, sich mit ihnen zu beschäftigen und sie ernst zu nehmen. Das geschieht beim Lesen der Geschichte ganz automatisch, indem man sich in Perry hineinversetzt. Lässt man sich darauf ein, so sieht man an Perry, hat das für alle Betroffenen einen großen Wert und durchweg positive Seiten.

Besonders gefallen hat mir die Idee des ACB. Perry erstellt im Buch zusammen mit den Bewohnern des Altenheims ein ACB bestimmter Wörter (ja, ACB und nicht ABC, das wäre viel zu langweilig), die im Zusammenhang mit dem Menschen dort stehen. Für jeden Buchstaben möchte Perry im Rahmen eines Schulprojekts etwas Passendes finden und nutzt deshalb jede Gelegenheit, dem Altenheim einen Besuch abzustatten. Dabei schließen sie und die Bewohner sich unweigerlich ins Herz und Perry lernt viel mehr über das Leben, als nur ein paar Wörter für ihr ACB. Vor allem lernt man aber als Leser, dass es nicht darum geht, immer alles perfekt zu machen, sondern darum, etwas mit Herz zu tun. In diesem Sinne kann ich euch „Die Anarchie der Buchstaben“ wirklich ans Herz legen!

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