Schlagwort: Berlin

Die Erweiterung des Horizontes

Aktuell ist das Thema Nummer 1 in Deutschland die Flüchtlinge und die Probleme, die sie allein mit ihrer bloßen Präsenz verursachen. Vielen Menschen, die sich ausschließlich negativ darüber äußern, würde ich gerne nur eine einzige Frage stellen: Was hat sich in deinem Leben seit dem letzten Flüchtlingsansturm verändert? Bestimmt haben die meisten von ihnen keine Antwort auf diese Frage. Nicht aber Richard. Er hat viel zu erzählen. Denn sein Leben hat sich in der Tat verändert, dank der Existenz der Flüchtlinge.

„Gehen, ging, gegangen“ von Jenny Erpenbeck ist sozusagen Richards Antwort auf die Frage, ob sich etwas in seinem Leben verändert hat, seitdem die Flüchtlinge die Straßen Deutschlands bunter und exotischer machen.

Am Anfang könnte man den Eindruck haben, dass Richards Interesse für die Flüchtlinge wissenschaftlicher Natur ist. Als Universitätsprofessor, der gerade in die Rente eingetreten ist, geht er erstmals mit diesem Interesse wie mit einem Forschungsprojekt vor, bis er eines Tages merkt, wie sein Leben sich in der Tat verändert hat. Wegen der Flüchtlinge.

Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

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Cathys Museum

Eine Engländerin hat einen Roman geschrieben, den ich als außergewöhnlichen Berlin-Roman bezeichnen würde, und den ich bestimmt sehr lange in Erinnerung behalten werde.
„Museum der Erinnerung „ heißt dieses Buch, bei dem ich eine starke Sehnsucht nach Berlin gespürt habe. Als Kulisse für ihre Geschichte hat Anna Stothard das Berliner Museum für Naturkunde gewählt. Aus meiner Sicht eine geniale Entscheidung, denn diese monumentale Einrichtung bietet die perfekte Bühne für die dramatische Handlung in diesem Roman. Nicht nur die Dimensionen des Gebäudes sondern die Art von Exponaten, die darin ausgestellt werden und die Beschaffenheit der Räumlichkeiten – einer klassischen naturkundlichen Sammlung – bilden die perfekte Szenerie für eine spannende Entwicklung.

Aktuell Gegenwartsliteratur Roman

Alles andere als Alltäglich!

Lucy Schröder hat viel zu lernen in Sachen „Umgang mit Menschen“. Sie selber glaubt nicht daran, wird aber von ihrem Therapeuten leider dazu gezwungen, sonst muss sie in die Psychiatrie. Selbstverständlich hat sie dazu keine Lust. Wer würde denn diese Alternative vorziehen? Also überlegt Lucy, wie sie sich am besten selber helfen kann, wenn möglich, mit dem geringsten Aufwand.
Lucy Schröder ist die neue, außergewöhnliche, sogar gewöhnungsbedürftige, aber durch und durch liebenswerte Heldin von Susann Rehleins Roman „Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten“.

Lucy würde am liebsten nur zu Hause bleiben und auf ihrem Futon liegend die Decke anstarren. Leider sitzt ihr der Psychologe mit seinem idiotischen Auftrag im Nacken, und so viel Zeit hat sie nicht mehr, um ihm vorzuweisen, dass mit ihr alles in Ordnung ist.
Als Erstes, bevor sie anfängt zu üben, Menschen kennen zu lernen, braucht sie eine neue Hose. Im Kaufhaus Schönstedt findet sie bestimmt eine. Mit dem ersten Schritt Richtung Kaufhaus fängt Lucys größtes Abenteuer an!

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Überraschend, ungewöhnlich, unvergesslich

Johanna ist ohne Vater aufgewachsen. Ihre Kindheit verbrachte sie in der DDR. Das Einzige, was sie über ihren Vater weiß, ist, dass dieser in den Westen gegangen ist.
Seit 19 Jahren aber gibt es keine Grenze mehr, Ost und West gehören zum selben Land.
Eines Tages trifft Johanna eine Entscheidung: Sie wird ihren Vater suchen. Sie will wissen, warum er gegangen ist und sich nie wieder gemeldet hat.

„Familie der geflügelten Tiger“ ist meine Überraschung des Jahres. Der Debütroman der jungen Autorin Paula Fürstenberg hat mich Tag und Nacht beschäftigt. Das Thema Vaterlosigkeit und die Versuche Johannas, mehr über ihren Vater zu erfahren, vor allem über die Gründe für sein Verschwinden, hat Paula Fürstenberg mit so einer Originalität abgehandelt, die immer wieder für Erstaunen sorgt.

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Rosenduft und Meeresrauschen

Deniz Selek hat mit ihren Jugendbüchern mein Herz immer wieder erreicht. In ihren einfühlsamen Geschichten betont sie die Bedeutung des Zusammenhalts innerhalb der Familie, auch in sehr schwierigen Momenten. Ihre Erzählsituationen, Figuren und Handlungsorte sind bunt und wirken so real, dass man den Eindruck bekommt, alles selber zu erleben. Sie vermittelt dabei ihre Liebe zu Istanbul, der Stadt, mit der sie sich sehr verbunden fühlt. Aus mir hat sie ein Istanbul-Fan gemacht, eine Stadt, in der ich noch nie gewesen bin und hauptsächlich durch ihre Geschichten kenne.

„Die Frauen vom Meer“ ist ihr erster Erwachsenen-Roman. Auf die Erscheinung dieses Buches habe ich mich sehr gefreut. Ich hatte eine berührende Familiengeschichte erwartet und habe viel mehr als nur das bekommen. Inspiration für ihren Roman hat Deniz Selek in den Frauen ihrer eigenen Familie gefunden. Es ist ihr „Herzensbuch“ geworden. Darin beschreibt sie die Lebensläufe dieser Frauen, deren Persönlichkeiten, Interessen und Ziele sehr unterschiedlich sind, aber eins gemeinsam haben: die Sehnsucht nach dem Meer.

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51w3LF7EpeLEin bisschen Magie hat noch niemandem geschadet

Warum immer nur über Glück reden, diskutieren oder philosophieren? Muss man immer das Glück suchen, es sich verdienen oder dafür kämpfen? Dorle würde einfach sagen, dass selbst zum Glück zu kommen, auch eine gute Portion Glück gehört.
Dorle ist die außergewöhnliche Heldin aus Susann Rehleins neuestem Roman „Die erstaunliche Wirkung von Glück“.

Was macht Dorle für mich so außergewöhnlich? Dass sie es ist und es nicht weiß. Zurückgezogen lebt sie in ihrem Souterrain und wird von ihren Nachbarn als Concierge ausgenutzt. Das Leben mit allen seinen guten und schlechten Seiten geht an ihr vorbei. Aber auf einmal wird ihre Existenz aufregend, glamourös, sogar ein bisschen mysteriös, und sie entdeckt die ungeahnten Fähigkeiten, die in ihr schlummern.

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9783406681882_coverUnterhaltsame und berührende multikulturelle Revolution

In Berlin findet eine kleine Revolution statt. Im angesagten Viertel Prenzlauer Berg weht ein frischer Wind, ein vietnamesischer Wind. Geht man auf den Straßen dieses Viertels spazieren, traut man seinen Augen nicht: Affenbrücken, Kegelhüte, ostasiatische Puppen in fast jedem Schaufenster… Ein traumhafter Zustand, ein perfektes Miteinander zweier Völker, die im Grunde nicht unterschiedlicher sein könnten.
Wie ist zu dieser Harmonie zwischen skeptischen Berlinern und zurückhaltenden Vietnamesen gekommen? Genau darüber erzählt uns Karin Kalisa in ihrem wunderbaren und originellen Debütroman „Sungs Laden“.

Für mich war es eine große Freude, diesen Roman zu lesen. Handlung, Charaktere, Schauplätze und Schreibstil entsprachen exakt meinem Geschmack. „Sungs Laden“ hat mich nicht nur unterhalten, es hat mich auch berührt. Ich fühlte mich wie ein Teil einer großen, außergewöhnlichen und liebenswerten Familie, deren Mitglieder gelernt haben, sich trotz ihrer Unterschiede und Differenzen zu akzeptieren und zu respektieren. Oder gerade wegen ihrer Unterschiede und Differenzen?
„Sungs Laden“ ist nicht nur ein schöner Roman, es ist auch eine Unterrichtsstunde in Toleranz, Offenheit und zwischenmenschlicher Kommunikation.

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51pbrvZzCbLDie ultimative Diät

Nie hätte ich gedacht, dass ein Buch mit dem Titel „Endlich Kokain“ eines meiner Highlights der letzten Monate werden könnte.
Die Geschichte von Stephan Braum, der sein Leben durch Kokain verändert hat, fand ich einfach mehr als nur gut!

Selbstverständlich ändert der Kokain-Konsum das Leben jedes Süchtigen. Allein die Tatsache, dass man für die Anschaffung des Stoffes einen Teil des Budgets reservieren muss, bedeutet, dass man in manchen Bereichen Abstriche machen muss, besonders dann, wenn man nicht gerade in Geld schwimmt.
Stephan Braum wollte vor allem sein Äußeres verändern. Der extrem Übergewichtige hat den für ihn entscheidenden Tipp bekommen: Kokain macht schlank. Das musste er am eigenen Körper testen, und am Geld sollte es nicht scheitern.

„Das Kokain, das er zuvor wohldosiert und verantwortungsvoll eingenommen hatte, garantierte ihm diese Stimmung“

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

7222Zeitreisen sind toll!

Es wundert niemanden, dass Literatur und Filme über Zeitreisen oft sehr erfolgreich sind. Fast jeder hat sich schon mal gewünscht, die Uhr zurückdrehen zu können, um noch einmal Schönes erleben zu dürfen oder Fehler ungeschehen zu machen. Manchen Menschen gelingt das auch. Entweder arbeiten sie hart an einer Maschine, die sie durch die Zeit transportiert oder sie haben einfach das Glück, diese Fähigkeit zu besitzen.
Lucy und ihre Schwester gehören zu dieser Art Menschen, die eines Tages entdecken, dass sie durch die Zeit reisen können. Es ist wie Magie: Plötzlich befinden sich die Schwestern im Berlin der 80er Jahre, und auch wenn sie nicht wissen, wie sie dahin gekommen sind, erkennen sie sofort, dass sie aus dieser Situation Vorteile ziehen können: Lucy möchte in eine renommierte Mode-Schule aufgenommen werden und dafür muss sie eine Prüfung bestehen. Ausgerechnet die Mode der 80er Jahre ist das Thema dieser Prüfung! Zufall? Schicksal? Oder steckt ein Plan hinter dem Ganzen?

Aktuell Jugendbuch Rezensionen

wo-bist-du-motek-080272030Überraschend berührend

Wenn ein Israeli sich auf die Suche nach seinen Wurzeln in Deutschland begibt, kann es für mich nur interessant werden, vor allem wenn diese Suche in Berlin stattfindet.
Dieser Israeli ist Ilan Goren, als Europakorrespondent nach Berlin geschickt worden, kurz nachdem seine halbdeutsche Mutter gestorben war.
In Berlin wartet auf ihn nicht nur aufregendes Material für Reportagen, sondern auch das Erbe seiner Großmutter: das Tagebuch seines polnischen Ur-Großvaters, der genau wie er nach Berlin ging, um Neues zu erleben, und als Jude auch einiges zu erzählen hatte.
In diesem Tagebuch findet Ilan seine Wurzeln, die Geschichte seiner Ahnen.
Während Ilan ein Berliner Abenteuer nach dem anderen erlebt, liest er in seiner Freizeit das Tagebuch seines Ur-Großvaters. Und was er dabei erfährt, übertrifft seine ganzen Vorstellungen.

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