Keinesfalls überflüssig

Der libanesische Schriftsteller Rabih Alameddine hat mit „Eine überflüssige Frau“ eine Geschichte über eine Frau geschrieben, die sich für ein Leben innerhalb ihrer vier Wände entschieden hat und die Erfüllung in einer ungewöhnlichen Tätigkeit findet: Sie übersetzt Bücher ins Arabische, Manuskripte, die keiner liest, weil sie ihre Werke vor der Öffentlichkeit versteckt. Aus ihrer Sicht ist das eine überflüssige Beschäftigung, wie alles andere, was mit ihr selber zu tun hat.
Aaliya ist bereits über 70 und lebt in Beirut. Sie hat schon viel erlebt und darüber berichtet sie, während sie sich an die Vergangenheit erinnert, an ein Leben, das ihr nichts Aufregendes oder Zufriedenstellendes anzubieten hatte, aber für den Leser eine interessante Informationsquelle über die neueste Geschichte Beiruts ist. Für den Buchliebhaber hat Aaliya auch viel zu sagen. Sie verfügt über ein immenses Literaturwissen und ein hervorragendes Gedächtnis. Für jede Situation, für jedes Ereignis findet sie das entsprechende Zitat oder einen Vergleich zu einem Thema in einem von ihr gelesenen Buch oder zu einem Lebenslauf eines Dichters. Allein deswegen müsste sich Aaliya nicht ganz so minderwertig fühlen. Ihre Fähigkeiten stempelt sie als Macken ab und ihre Gelehrtheit und Begabung als unnötiges Wissen. Sie arbeitet trotzdem fleißig weiter und sucht Inspiration in ihrer eigenen Vita.

Weiterlesen Eine überflüssige Frau von Rabih Alameddine

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433_75456_147513_xxlKein märchenhaftes Märchen

Für Bücherliebhaber sind gerade solche Romane, in denen Bücher eine wichtige Rolle spielen, besonders interessant. Man möchte immer gerne über andere Menschen lesen, die diese eigenwillige Liebe teilen, die Liebe zu Büchern.
In „Ein Buchladen zum Verlieben“ erzählt Katarina Bivald eine Geschichte, in der sich zwischen zwei sehr unterschiedlichen Frauen, die auf zwei verschiedenen Kontinenten leben, eine außergewöhnliche Freundschaft entwickelt, die mit einem einfachen Büchertausch angefangen hat.

Die Schwedin Sara und die US-Amerikanerin Amy haben sich noch nie gesehen. Sie schreiben sich Briefe, keine E-Mails, und sie tauschen Bücher. Eines Tages lädt Amy Sara ein, Urlaub bei ihr zu machen. Sara nimmt die Einladung an, ohne zu ahnen, dass die Überraschungen und Abenteuer, die in Amys Heimat auf sie warten, viel größer sind, als sie gewollt hätte und nicht immer ihren Vorstellungen und Erwartungen entsprechen.

Katarina Bivalds Buch ist ein Märchen mit einer unscheinbaren Heldin, einem Prinzen, der entdeckt werden muss, verrückten Dorfbewohnern, Bösewichten, die verzaubert werden und einer guten Fee mit einem geheimnisvollen Plan. Als Zauberstab dienen die Bücher.

Ein Märchen hatte ich auch erwartet… habe ich bekommen. Leider ist die märchenhafte Wirkung ausgeblieben. Ein gutes Märchen erzeugt bei dem Leser eindeutige Sympathien oder Antipathien für die verschiedenen Figuren. Das Problem war: Katarina Bivald hat es nicht geschafft, ihre Figuren so zu gestalten, dass sie ihre Eigenschaften so zur Geltung bringen, dass der Leser eine deutliche Zu- oder Abneigung zu ihnen entwickeln kann.
Über Saras Abenteuer in einer für sie ganz fremden Umgebung habe ich gerne gelesen.
Und auch über die Dorfbewohner hat die Autorin kleine Geschichten erzählt, manche von ihnen nett, andere aus meiner Sicht leider etwas überflüssig, was zur Folge hatte, dass ich immer wieder ungeduldig wurde und mich danach gesehnt habe, mehr über Sara zu lesen, die, auch wenn sie eine passive Figur war, die einzige Konstante entlang des 448 Seiten langen Buches darstellte.

Insgesamt erzählt Katarina Bivald eine schöne Geschichte, die noch viel schöner hätte sein können, wenn sie ihre Energie in nicht so vielen Nebenhandlungen verschwendet und ihren Figuren, vor allem Sara, viel mehr zugetraut hätte.

btb
Gebundene Ausgabe
448 Seiten
Erscheinungsdatum: 11. August 2014
Preis: EUR 19,90
ISBN: 978-3442754564

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Liebe oder Rausch

Wenn man Das Buch „Zwitschernde Fische“ von Andreas Séché in den Händen hält, muss man dessen Aussehen und Aufmachung bewundern. Es steckt viel Liebe darin, und das ist etwas, woran wir vom ars vivendi Verlag gewöhnt sind.
Lange überlegt man, was sich hinter dem Titel „Zwitschernde Fische“ verbirgt und warum gerade ein Kaninchen abgebildet ist.
Die Antworten befinden sich im Buch.

Der erste Satz dieser Geschichte ließ mein Herz höher schlagen: „Ausgerechnet im Buchladen fing er Feuer“, und der nächste Satz war wie für mich gemacht: „Und so hatte er seine wundersamsten Erlebnisse an einem Ort, wo manche das Abenteuer gar nicht erst suchten, obwohl er doch voll davon war“.

Yannis glaubt, in der mysteriösen Buchhändlerin Lio die Liebe gefunden zu haben. Lios Buchladen steht mitten in der Athener Altstadt, und Yannis wird süchtig nach ihr und ihren Geschichten, denn Lio erzählt über Bücher und deren Geheimnisse. Aber Lio übt auf Yannis eine magische Anziehungskraft aus, der er sich nicht entziehen kann, und auch nicht will. Weiterlesen Zwitschernde Fische von Andreas Séché

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Es gibt wohl kaum Bücher, bei denen ich eine größere Sammelleidenschaft entwickle, als bei Büchern über Bücher. Und wer ein wahrer Buchliebhaber ist, der kann diese Leidenschaft bestimmt verstehen. Deshalb war auch schnell klar, dass ich ein Buch mit den Titel „Die Bücherflüsterin“ einfach lesen muss. Genau das habe ich getan und möchte nun ein wenig darüber berichten.

Jasmine hat sich von ihrem Mann getrennt, als herauskam, dass er fremdgegangen ist. Nun ist er mit seiner neuen Freundin zusammen, die gemeinsame Wohnung muss verkauft werden und Jasimes Job ist auch alles andere als stressfrei. Dann bittet sie auch noch ihre Tante darum, für ein paar Wochen ihre Buchhandlung zu übernehmen. Sie selbst muss aufgrund einer Herzoperation weg und ausgerechnet Jasime soll es sein, die sie in dieser Zeit vertritt. Dabei kennt sie sich eigentlich mehr mit Präsentationen aus, als mit Büchern. Oder? Obwohl sie sich dagegen wehrt, scheinen die Bücher einen ungeahnten Einfluss auf sie zu haben. Nach ein paar Tagen in der Buchhandlung verschieben sich immer mehr die Prioritäten und Jasime kann ihr eigentliches Alltagsleben – wenn auch nur zeitweise – ruhen lassen. Eine scheinbar magische Verbindung zur Welt der Bücher und den Menschen, die sich darin befinden, entsteht. Weiterlesen Die Bücherflüsterin von Anjali Banerjee

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Bonnie & Clyde

Lucy Hull arbeitet in der Kinderabteilung einer Bibliothek einer kleinen US-amerikanischen Stadt Namens Hannibal.

Obwohl sie mehr oder weniger gut über die Runden kommt, und das, was sie hat, scheint, ihr zu genügen, sitzt in ihr eine unerklärliche Frustration.

Zuflucht findet sie in ihrer Arbeit mit Kindern und mit Büchern. Den jungen Besuchern der Bibliothek bietet sie ein abwechslungsreiches Programm.
Einer dieser Besucher ist Ian, ein 10-jähriger Junge, für den das Bücherlesen die einzig wichtige Beschäftigung zu sein scheint.
Ian ist anders als die meisten Kinder in seinem Alter und leider machen ihm seine Eltern, vor allem die extrem dominante Mutter, das Leben nicht gerade einfach, denn alles, was er liest, wird rigoros von der Mutter kontrolliert.

Eines Tages verschwindet Ian… und mit ihm Lucy.
Sie „flüchten“ in Lucys kleinem Auto… Weiterlesen Ausgeliehen von Rebecca Makkai

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