Ein originelles Märchen

Geheimnisse verbinden Menschen, denn wenn zwei etwas teilen, wovon kein anderer weiß, entstehen besondere Bänder, und es gilt nur, dieses Wissen nicht nach außen sickern zu lassen.
Das Geheimnis, das die Wintermädchen teilen, ist etwas Furchtbares, aber sie haben gelernt, damit zu leben. Die zwei Schwestern haben es geschafft, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und neu anzufangen, auch wenn das bedeutet, in ihre Heimat zurückzukehren, in ein kleines Dorf in Galicien, der Region im Spanien der 50er Jahre, die vom Rest der Welt vergessen wurde.

„Die Wintermädchen“ ist mein erster Roman der spanischen Schriftstellerin Cristina Sánchez-Andrade.
Ich war von dieser Geschichte fasziniert. Die Autorin hat eine wunderbare Art zu erzählen, die uns das Leben und Traditionen im Spanien in den Zeiten unter Francos Diktatur vermittelt. Besonders in Galicien, weit weg von der Zivilisation, war es deutlich zu spüren, wie rückschrittlich Francos Regierung war. Die Zeit blieb stehen, die Menschen schienen vergessen worden zu sein, Galicien einfach inexistent. Nicht aber für die Wintermädchen. Die Isolierung ihres Geburtsortes ist der ideale Zustand für ihre Pläne. Dass sie sehr spezielle Gestalten sind, die die Aufmerksamkeit aller Dorfbewohner wecken, scheinen sie nicht zu merken. Ihre lange Abwesenheit und die Erfahrung, die sie in fernen Ländern gemacht haben, machen aus ihnen absolute Exotinnen.

Dieses Buch erzählt ein originelles Märchen – humorvoll und gleichzeitig traurig, auf jeden Fall berührend -, das dem Leser eine Überraschung am Ende bietet.
Und Bücher, die mich überraschen, lese ich immer sehr gern!

Thiele
Gebundene Ausgabe
288 Seiten
Erscheinungsdatum: 19. August 2016
Preis: EUR 20,00
ISBN: 978-3851793307

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Spannender Roman mit starken Charakteren

Die Schweizerin Andrea Fischer Schulthess hat mit ihrem ersten Roman „Motel Terminal“ ein Buch geschrieben, das mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt hat. Eine spannende Handlung, ein desolater, düsterer Schauplatz und Figuren mit stark definierten Persönlichkeiten machen aus dieser Geschichte ein ganz besonderes Erlebnis.

Ein verlassenes Motel am Rand einer kleinen Siedlung in der Nähe von Zürich und dessen merkwürdige Bewohner, die ein schreckliches Geheimnis hüten, verleihen diesem Roman eine endzeitliche Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Mit nur einem Haupthandlungsort, dem unheimlichen Motel, wenigen Figuren und einem Geheimnis, in das der Leser sehr früh eingeweiht wird, baut Andrea Fischer Schulthess ein höchst kompliziertes Drama, das schlaflose Nächte beschert.

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Geschickt eingefädelt

Mit ihrer neuen Romantrilogie hat sich Katherine Pancol offensichtlich fest vorgenommen, ihre Leser auf die Folter zu spannen. Nach dem Lesen von Teil 1 blieb ich mit vielen Fragezeichen im Kopf zurück und auch mit der Hoffnung, dass die ganzen Mysterien so bald wie möglich erklärt werden. Zum Glück hat der carl’s books Verlag seine Leser nicht zu lange auf die Fortsetzung warten lassen. Das ist die gute Nachricht. Die nicht so gute ist, dass Katherine Pancol es uns leider nicht so einfach machen will.
In „Muchachas – Kopfüber ins Leben“, dem zweiten Teil der Trilogie um die vier unterschiedlichen kämpferischen Frauen, erleben wir einige interessante Höhepunkte, die aber gleichzeitig zu neuen Erwartungen führen. Auch lernen wir manche Romanfiguren besser kennen, die im ersten Teil nur kurz vorgestellt wurden, die Verbindungen zwischen ihnen werden auch klarer, während andere Handlungen, die im vorherigen Band eine größere Rolle gespielt hatten, vernachlässigt werden – sicherlich nur scheinbar.

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Fortsetzung, bitte!

„Muchachas – Tanz in den Tag“, mein erster Roman von Katherine Pancol, war für mich eine echte Überraschung. Hinter dem blumigen und fröhlichen Cover versteckt sich vielmehr ein tiefgehender Roman über ganz normale Frauen, die über ihr eigenes Leben bestimmen und sich nicht allein auf das Schicksal verlassen wollen.
„Muchachas – Tanz in den Tag“ ist der erste Teil einer neuen Trilogie der französischen Bestseller-Autorin, auf die man sehr schnell süchtig wird.

Die Frauen, über die Katherine Pancol schreibt, sind sehr unterschiedlich. Nicht nur im Charakter, in ihrer Lebensweise und ihrem Beruf unterscheiden sie sich, sondern auch in der Art und Weise, wie sie Schwierigkeiten überwinden, Probleme lösen und Prioritäten setzen.
Weiterlesen Muchachas – Tanz in den Tag von Katherine Pancol

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9783352008474Ein erschütterndes Geheimnis

Denkt man an das 19. Jahrhundert, denkt man oft zwangsläufig an idyllische Zeiten, an auf glamourösen Alleen flanierende distinguierte Menschen, und romantische Liebesgeschichten. Meistens vergisst man die andere Seite der Medaille: die Armut, die in den florierenden Städten herrschte, und von der die obere Schicht profitierte.
Das beste Beispiel für dieses im 19. Jahrhundert weit verbreitete System ist die Industrie.

In ihrem beindruckenden Roman „Leonore und ihre Töchter“ spielt eine für die Zeit typische Fabrik eine wichtige Rolle. In Ratingen, in der Nähe von Düsseldorf, stand die „Baumwollspinnerei Cromford“, die das Leben der Figuren in diesem Roman bestimmt hat.
„Leonore und ihre Töchter“ ist eine bewegende Familiengeschichte. Gina Mayer erzählt uns darin über ein erschütterndes Geheimnis, das sich fast ein Jahrhundert lang wie ein roter Faden in der Geschichte der Familie eines Düsseldorfer Tuchhändlers zieht.

Gina Mayer beschreibt das Treiben in der Baumwollspinnerei während der Anfangszeiten der industriellen Revolution in Deutschland und die unvorstellbar schlechten Arbeitsbedingungen, unter denen ganze Familien ausgebeutet wurden. Die Darstellung der Weltausstellung 1900 in Paris, wo ein Teil der Handlung spielt und bei der passenderweise die technischen Errungenschaften dieser Zeit ein wichtiges Thema waren, lassen die progressiven Methoden der Baumwollspinnerei obsolet wirken. 1900, das Jahr, in dem dieser Roman endet, ist auch von der Autorin ein sehr gut gewähltes Jahr. Der Anfang eines neuen Jahrhunderts hat einen großen symbolischen Wert.

Gina Mayer hat es geschafft, dass ich, obwohl kein Technik-Anhänger, gespannt über die Arbeitsprozesse in einer früheren Fabrik lese, und auch über die modernen technischen Attraktionen in der Pariser Weltausstellung staune.
Aber was mich am meisten beeindruckt hat, und das ist keine Überraschung bei einem Roman von Gina Mayer, ist die Entschlossenheit, die ihre Figuren charakterisiert, Figuren, die immer wieder für Spannung und Überraschungen sorgen. Es sind Charaktere, die Entscheidungen treffen, die nicht immer die richtigen sind, die lieben und hassen mit ihrem ganzen Wesen. Gina Mayer weiß genau, das alles so zu vermitteln, dass der Leser sich so frei fühlt, sich sein eigenes Urteil über deren Handeln zu bilden. Eines haben Gina Mayers Geschichten gemeinsam: Sie geben keine moralische Richtung an. Manche ihrer Figuren denken und handeln, wie man es auch im wirklichen Leben macht, ihre Gedanken und Gefühle sind nicht immer rein und altruistisch. Und gerade das macht das Lesen so spannend, denn, was gibt es Interessanteres als die Antwort auf die Frage, was einen Menschen treibt.

„Leonore und ihre Töchter“ ist ein ergreifender Roman, an den ich lange denken werde. Schauplätze, Handlung und vor allem die Charaktere sind absolut nicht einfach zu vergessen.

Die „Baumwollspinnerei Cromford“ in Ratingen hat existiert. Sie war sogar die erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent außerhalb Englands. Heutzutage beherbergt diese ehemalige Fabrik ein Industriemuseum, das ich hoffentlich eines Tages besuche, und während ich durch die Räume spaziere, werde ich an die Menschen denken, die in dieser Fabrik hart gearbeitet und Gina Mayer als Inspiration für ihren Roman gedient haben.

Rütten & Loening
Klappenbroschur
464 Seiten
Erscheinungsdatum: 12. September 2014
Preis: EUR 14,99
ISBN: 978-3352008474

Aktuell historischer Roman Rezensionen Roman

Die junge Emma Blaxland hat alles erreicht, was sie sich im Leben nur gewünscht hat: Sie ist eine international erfolgreiche Primaballerina, sie hat einen netten Freund, Josh, und wohnt in einer schönen Wohnung in London. Doch plötzlich verlässt Josh sie und nach einem schweren Sturz kann Emma nicht mehr tanzen.

Ohne Lebensinhalt und ohne Einkommen kehrt sie zurück in das heimatliche Australien. Da erfährt sie, dass ihre Großmutter Beattie ihr schon vor vielen Jahren ein Anwesen in Tasmanien hinterlassen hat. Emma will das Haus, an dem ihr nichts liegt, für den Verkauf vorbereiten. Da stößt sie auf viele Erinnerungsstücke ihrer Großmutter, unter anderem auf ein geheimnisvolles Foto, das Beattie, einen fremden Mann und ein kleines Mädchen in inniger Pose zeigt. Wer sind diese Leute? Emma macht sich auf Spurensuche. Sie entdeckt dabei, dass es ein Leben nach dem Tanzen gibt, genau wie ihre kluge Großmutter es damals vorausgesehen hat…. Weiterlesen Der Wind der Erinnerung von Kimberly Wilkins

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