Schlagwort: Jugend

spenderkindLina hat ein wunderbares Leben: Eltern, die sie mindestens genauso sehr lieben, wie sich gegenseitig. Zudem hat sie noch ihre beste Freundin Hanna und ihren festen Freund, Julian, den beliebtesten Jungen an der Schule. Alle Mädchen beneiden sie furchtbar und Lina selbst kann ihr Glück kaum fassen.

Bis ein Tag alles verändert.

Der Tag an dem sie erfährt, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater ist. Dass Hanna und sie sich immer mehr verfremdet haben. Und dass der Außenseiter Nick angefangen hat, Julian aus ihrem Herzen zu verdrängen…

Dieser Roman hat irgendwie etwas Magisches an sich. Vor allem deswegen, weil es hier um eine Selbstfindung geht und Lina sich entscheiden muss, ob sie nun dem weißen Kaninchen folgt und in eine neue Welt stolpert, oder für immer in einer dunklen Höhle bleibt. In Spenderkind wird sehr einfühlsam die Frage behandelt, was einen Menschen letztendlich definiert, die Gene oder die Umgebung in der jemand aufwächst? Ist Lina nun die Tochter ihres Vaters? Und lieben ihre Eltern sie eigentlich wirklich? Wer ist Lina eigentlich? Am magischsten sind natürlich die Begegnungen mit Nick, dem absoluten Außenseiter in der Schule, der eigentlich so gar nicht in Linas Welt passt, aber dennoch die merkwürdigsten Seiten an ihr zum Vorschein bringt. Und dem sie mehr anvertrauen kann, als Julian, ihrem Freund.

Aktuell Jugendbuch Rezensionen Roman

9783406646980_coverDer letzte Sommer

Es gibt verschiedene Gründe, die mich veranlasst haben, „Schneckenmühle“ von Jochen Schmidt lesen zu wollen. Der Hauptgrund aber war, wie immer bei mir und diesem Thema der Fall ist, mehr über den Alltag in der DDR zu ehrfahren. Die DDR, die ewig in den 80er Jahren in der Erinnerung der Menschheit leben wird. Ein Land, das die 90er nicht überlebt hat, genau genommen, ein Land, das die 90er geprägt hat wie kein anderes, gerade deswegen, weil es aufgehört hat zu existieren.

1989, das letzte Jahr der DDR. Jens ahnt nicht, dass er im Begriff ist, seinen letzten sozialistischen Sommer zu erleben. Jens mit seinen 14 Jahren ist ein naiver liebenswerter Junge, der wenig Ahnung zu haben scheint, was die Welt bewegt, und an dem die Veränderungen in seinem Land, die später für eine neue Weltordnung sorgen werden, vorbeigehen. Aber das ist eigentlich egal. Jens verbringt seine Ferien in „Schneckenmühle“, dem sächsischen Ferienlager, wo man als 14- Jähriger richtigen Spaß hat.

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Dumont_24164_MR1.indd„Das Paradies ist relativ“

Das sagte nicht Albert Einstein. Das dachte ich, nachdem ich „Paradiessucher“ von Rena Dumont gelesen hatte.
Es mag nach „Allgemeinplatz“ klingen, ist es aber nicht.
Rena Dumont beschreibt die Suche nach dem Paradies so, dass es für den Leser eine einmalige Erfahrung wird, denn auch wenn ihre 17-jährige Heldin Lenka dasselbe Schicksal mit unzählig vielen anderen Paradiessuchern teilt, zeigt uns ihre Geschichte, dass ein gemeinsames Schicksal nicht zwingend zu dessen undifferenzierten Ausgang führt. Lenka hat ein Ziel im Leben und das verfolgt sie hartnäckig: Sie lebt in der Tschekoslowakei der 80er Jahre und wünscht sich nichts anderes, als in den Westen zu flüchten. Für sie ist der Westen das Paradies.

Genau wie Lenka stammt Rena Dumont aus der Tschekoslowakei. In ihren Roman flossen eigene Erfahrungen, die sich mit Fiktion vermischten, und so entstand eine Geschichte, die mich von Anfang an überzeugte.
Lenka schafft es zusammen mit ihrer Mutter in den Westen, in das Paradies. Aber ob dieses Ziel tatsächlich das ersehnte Paradies ist…

Aktuell Gegenwartsliteratur Jugendbuch Rezensionen Roman

35680575zLegendäre DDR

Das Leben in der DDR war kein Zuckerschlecken. Und wer es nicht glaubt, sollte Nils Heinrichs „Wir hatten nix, nur Umlaute“ lesen, denn in Sachen Zucker in der DDR kennt er sich aus: Herr Heinrich ist ausgebildeter Konditor, und seine Ausbildung hat er im Sozialismus absolviert.

„Wir hatten nix, nur Umlaute“ ist ein persönlicher Bericht über das Leben in der DDR der 70er und 80er Jahre in einer kleinen Provinzstadt im heutigen Bundesland Sachsen-Anhalt, und in der, so Nils Heinrich, das Interessanteste war, dass nichts passierte.
Aber dafür, dass in der kleinen Stadt nichts passierte, ist Nils Heinrichs Buch ein sehr amüsanter und sogar interessanter Bericht geworden. Und das liegt daran, dass er es schafft, den Sozialismus auf die Schippe zu nehmen… aber auch sich selber. Dabei erzählt er ein paar unangenehme Wahrheiten.

Aktuell Rezensionen Unterhaltungsliteratur

20121127172658.2225..375x570Liebeserklärung an West-Berlin

Nachdem ich in letzter Zeit so viele Bücher über das Leben in der ehemaligen DDR gelesen habe, fragte ich mich immer wieder, wie das Leben in der einst berühmtesten „Insel“ im deutschen Sprachgebiet gewesen ist: West-Berlin. Ja, West-Berlin war, genau genommen, eine Insel.
Die Antworten auf meine Fragen stehen in Ulrike Sterblichs Buch „Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt“.

In ihrem Buch erzählt die West-Berlinerin in kurzen Kapiteln über ihr Leben auf der Insel, die von einer Mauer umgeben war, und vermittelt uns das Besondere daran, in so einer einmaligen Stadt groß geworden zu sein. Denn Berlin war in der Tat einmalig in der Welt. Aber auch in so einer einzigartigen Stadt wie Berlin gab es einen ganz normalen Alltag, und auch davon berichtet Ulrike Sterblich in ihrem Buch.
Wer das Glück hatte, West-Berlin in den 70er und 80er Jahren erleben zu dürfen, wird seinen Spaß haben beim Wiedererkennen der für die damalige Jugend angesagten Orte, Lokale und sonstige Treffpunkte.

2012 Aktuell Rezensionen Roman

meine_erste_bis_neunundneunzigste_liebe

„Aufwühlfaktor“

Wie oft habe ich geliebt? Wen habe ich geliebt? Waren es wenige, waren es viele? Aber… wie viele haben mich geliebt? Und was waren das für Lieben?
Solche Fragen (und viele mehr) habe ich mir während der Lektüre von „Meine erste bis neunundneunzigste Liebe“ von Jasna Mittler immer wieder gestellt.

In neunundneunzig kurzen Geschichten erzählt uns Jasna Mittlers Heldin über ihr Liebesleben, über die Suche nach dem „Richtigen“. Daher erlebt der Leser immer wieder schöne aber auch mehr oder weniger böse Überraschungen. Es sind, je nach Art von Liebe -die hängt wiederum von den Erfahrungen ab, die die Protagonistin mit ihrem jeweiligen Objekt der Begierde macht-, lustige, traurige, tiefsinnige, beständige oder flüchtige Geschichten. Dadurch, vor allem wenn der Leser Ähnliches erlebt hat, werden Erinnerungen wach. Ereignisse (nicht nur romantischer Art), von denen man dachte, wären längst vergessen, sind plötzlich wieder präsent.

Aktuell Liebesroman Rezensionen

Gestern fand ich es bei uns im Haus so fürchterlich kalt, dass ich mir zum Lesen „Kälte“ ausgesucht habe. Ich dachte mir, das würde gut zu meiner Stimmung und den kalten Füßen passen. Ich kochte mir eine heiße Tasse Kaffee und fing an.

Die Tattawa Highschool liegt auf einer Art Acker weitab am Rande einer Stadt in Neuengland, das für seine starken Schneefälle und gefürchtete Nor’easter – Schneestürme bekannt ist, entlässt die Schüler früher als vorgesehen. Der Grund: Es schneit so stark, dass Schüler und Lehrer später gar nicht mehr nach Hause gelangen können. Alle steigen also schon mittags in die Schulbusse oder ihre Autos, manch einer lässt sich von den Eltern abholen. Alle? Nein, ein kleines Grüppchen von sieben Neunt- und Zehntklässlern bleibt mit dem Lehrer und Footballtrainer Mr. Gossell allein zurück. Sie haben entweder aus Versehen den Bus verpasst, hätten abgeholt werden sollen oder haben einfach aus Unachtsamkeit verpennt, die Schule rechtzeitig zu verlassen. Als Mr. Gossell sich todesmutig in den Schneesturm stürzt, um Hilfe zu holen, sind die Schüler allein.

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Deutsches Abendbrot versus märchenhaftes Leben

Lilly ist ein Schulmädchen, das im Teheran der 70er Jahre lebt. Dieses Mädchen hat alles, was jemand in seinem Alter braucht und sich wünscht: Geld, coole Klamotten, Freunde, Freiheiten. Trotzdem ist Lilly nicht glücklich. Auch wenn sie buchstäblich wie eine Prinzessin lebt, vermisst sie die Spaziergänge in Gummistiefeln auf ostfriesischen Wiesen und das schlichte deutsche Abendbrot, denn Lilly lebte ihre ersten neun Jahre in Deutschland und empfindet es als Ungerechtigkeit, dass ihre Eltern, beide Perser, sie gezwungen haben, mit ihnen zurück nach Teheran zu gehen.
Das ist nur der Anfang von Lillys Geschichte, die uns Wäis Kiani in ihrem Buch „Hinter dem Mond“ erzählt.

„Hinter dem Mond“ liegt das Land, das vom Schah Mohammad Reza Pahlavi regiert wird. Ein Land, in dem die Privilegierten (und dazu zählt Lillys Familie) ein Leben wie im orientalischen Märchen genießen. Und das ist keineswegs übertrieben – der Iran galt in den 70er Jahren als märchenhaftes und gleichzeitig modernes Land. Der Schah und seine Gemahlin Farah standen im Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit, sie galten als anmutig, charmant, zauberhaft.

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Aus der Sicht der kleinen Schwester

Marion Brasch hat mir mit ihrem Debütroman   „Ab jetzt ist Ruhe“ unglaublich genussvolle Lesestunden beschert.
Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes: Es ist die Geschichte einer Familie jüdischer Abstammung in der DDR, aus der Sicht der „kleinen Schwester“ erzählt. Eine Familie, die es nicht ganz so einfach hatte, trotz der Privilegien, die sie genossen hatte, denn der Vater war ein hoch angesehener Funktionär.
Warum diese Familie so war wie sie war, was deren Mitglieder bewegt hat, mit welchen Konflikten sie leben musste und mit welchen Vorurteile sie konfrontiert wurde, erfahren wir in diesem wunderschönen Buch von Marion Brasch.
Aber auch sehr viel Schönes lesen wir, denn nicht alles war negativ, nicht in dieser Familie, auch nicht in der DDR.

Marion Brasch schafft es mit ihrem Erzählstil, dass der Leser in ihre Geschichte eintaucht. Man fühlt mit dieser kleinen Schwester und man kann sich sehr gut ihre Welt vorstellen. Man begleitet sie auf ihrem Weg, der sie immer wieder zu ihrer Familie zurückführt, auch wenn sie sich oft das Gegenteil gewünscht und vorgenommen hat.

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Happy End mit Hindernissen

Stines Leben ist alles andere als einfach. Ohne Mutter bei dem liebevollen aber proletenhaften Vater und bei der alkoholischen Stiefmutter aufgewachsen, versucht sie, ihren eigenen Weg zu gehen. Leider hat sie wenig Ahnung davon, was sie selbst im Leben möchte, und so wird diese Suche nach dem eigenen Weg eine Suche zu ihr selbst.

„Das Schwein unter den Fischen“ ist Jasmin Ramadans zweiter Roman. Wie in ihrem ersten Erfolgsroman „Soul Kitchen“ beschreibt sie den Werdegang eines jungen Menschen, der innerhalb seiner eigenen Familie wenig Halt findet, eines Menschen, der einsam ist und ein Außenseiter.

Stine möchte aber kein Außenseiter sein und sie sehnt sich nach Normalität. Da sie nicht weiß, was „Normalität“ ist, weil sie diese Erfahrung bei ihrer Familie nie gemacht hat, gerät sie immer wieder in skurrile Situationen und landet in der Gesellschaft kurioser Persönlichkeiten.

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