Alles andere als Alltäglich!

Lucy Schröder hat viel zu lernen in Sachen „Umgang mit Menschen“. Sie selber glaubt nicht daran, wird aber von ihrem Therapeuten leider dazu gezwungen, sonst muss sie in die Psychiatrie. Selbstverständlich hat sie dazu keine Lust. Wer würde denn diese Alternative vorziehen? Also überlegt Lucy, wie sie sich am besten selber helfen kann, wenn möglich, mit dem geringsten Aufwand.
Lucy Schröder ist die neue, außergewöhnliche, sogar gewöhnungsbedürftige, aber durch und durch liebenswerte Heldin von Susann Rehleins Roman „Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten“.

Lucy würde am liebsten nur zu Hause bleiben und auf ihrem Futon liegend die Decke anstarren. Leider sitzt ihr der Psychologe mit seinem idiotischen Auftrag im Nacken, und so viel Zeit hat sie nicht mehr, um ihm vorzuweisen, dass mit ihr alles in Ordnung ist.
Als Erstes, bevor sie anfängt zu üben, Menschen kennen zu lernen, braucht sie eine neue Hose. Im Kaufhaus Schönstedt findet sie bestimmt eine. Mit dem ersten Schritt Richtung Kaufhaus fängt Lucys größtes Abenteuer an!

Weiterlesen Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten von Susann Rehlein

Aktuell Gegenwartsliteratur Liebesroman Rezensionen Roman

Spannender Roman mit starken Charakteren

Die Schweizerin Andrea Fischer Schulthess hat mit ihrem ersten Roman „Motel Terminal“ ein Buch geschrieben, das mich noch lange nach dem Lesen beschäftigt hat. Eine spannende Handlung, ein desolater, düsterer Schauplatz und Figuren mit stark definierten Persönlichkeiten machen aus dieser Geschichte ein ganz besonderes Erlebnis.

Ein verlassenes Motel am Rand einer kleinen Siedlung in der Nähe von Zürich und dessen merkwürdige Bewohner, die ein schreckliches Geheimnis hüten, verleihen diesem Roman eine endzeitliche Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Mit nur einem Haupthandlungsort, dem unheimlichen Motel, wenigen Figuren und einem Geheimnis, in das der Leser sehr früh eingeweiht wird, baut Andrea Fischer Schulthess ein höchst kompliziertes Drama, das schlaflose Nächte beschert.

Weiterlesen Motel Terminal von Andrea Fischer Schulthess

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Das Leben einer Mutmacherin

Wenn man ein perfektes Beispiel für eine erfolgreiche Geschichte suchen würde, wäre Jaqueline Bakir Brader die geeignete Ansprechpartnerin. Als Tochter türkischer „Gastarbeiter“, die es geschafft hat, sich einen Namen zu machen und sogar zur Arbeitgeberin geworden ist, zeigt sie, dass es sich lohnt, für seine Ideale und Träume zu kämpfen. Denn Jaqueline Bakir Braders Weg war hart und lang, aber sie hat es geschafft, die vielen Steine zu beseitigen, die ihr in diesen Weg gelegt wurden.
Ihre Geschichte erzählt sie in ihrem Buch „Die Mutmacherin“.

Frau Bakir Brader ist definitiv eine Mutmacherin. Das konnte ich selber erleben. Ich hatte das Vergnügen, sie während eines Festivals für den Frieden kennen zu lernen, das sie mitorganisiert hat. Nicht nur ihre Geschichte, sondern auch ihre Präsenz motivieren und inspirieren.

Weiterlesen Die Mutmacherin von Jaqueline Bakir Brader

Rezensionen Sachbuch

Überraschend, ungewöhnlich, unvergesslich

Johanna ist ohne Vater aufgewachsen. Ihre Kindheit verbrachte sie in der DDR. Das Einzige, was sie über ihren Vater weiß, ist, dass dieser in den Westen gegangen ist.
Seit 19 Jahren aber gibt es keine Grenze mehr, Ost und West gehören zum selben Land.
Eines Tages trifft Johanna eine Entscheidung: Sie wird ihren Vater suchen. Sie will wissen, warum er gegangen ist und sich nie wieder gemeldet hat.

„Familie der geflügelten Tiger“ ist meine Überraschung des Jahres. Der Debütroman der jungen Autorin Paula Fürstenberg hat mich Tag und Nacht beschäftigt. Das Thema Vaterlosigkeit und die Versuche Johannas, mehr über ihren Vater zu erfahren, vor allem über die Gründe für sein Verschwinden, hat Paula Fürstenberg mit so einer Originalität abgehandelt, die immer wieder für Erstaunen sorgt.
Weiterlesen Familie der geflügelten Tiger von Paula Fürstenberg

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

„Seine Welt war das Eiscafé, meine begann dort, wo die Terrasse aufhörte“

Ich habe mich immer gefragt, warum mein italienisches Lieblingseiscafé, das „Eiscafé Venezia“, den ganzen Winter lang geschlossen ist. Gegen ein Eis in der kalten Jahreszeit hätte ich nämlich nichts.
Die Antwort auf diese Frage fand ich in dem wunderbaren Roman „Die Eismacher“ von dem niederländischen Bestsellerautor Ernest van der Kwast.
Venezia heißt auch das Eiscafé in dem Rotterdamer Stadtzentrum, in dem van der Kwast seine Familiengeschichte spielen lässt. Von morgens bis abends stehen der Eismacher und seine Frau hinter der Theke, immer gut gelaunt, immer geduldig, immer freundlich. Auch wenn in ihren Köpfen und im Hinterzimmer die Konflikte brodeln.

Eis macht glücklich, nicht nur, weil es süß, weich und lecker ist, sondern auch weil die Illusion stimmt. Denn wenn man sein Stück Glück genießt, kommt man nicht auf die Idee zu überlegen, ob dieses Eis möglicherweise das Resultat von viel Arbeit und Aufopferung ist. Man kann es sich nicht einmal vorstellen, dass ein Moment Leichtigkeit nur möglich sein kann, weil andere gerade darauf verzichten.

Weiterlesen Die Eismacher von Ernest van der Kwast

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

51R1izOuWmLRosenduft und Meeresrauschen

Deniz Selek hat mit ihren Jugendbüchern mein Herz immer wieder erreicht. In ihren einfühlsamen Geschichten betont sie die Bedeutung des Zusammenhalts innerhalb der Familie, auch in sehr schwierigen Momenten. Ihre Erzählsituationen, Figuren und Handlungsorte sind bunt und wirken so real, dass man den Eindruck bekommt, alles selber zu erleben. Sie vermittelt dabei ihre Liebe zu Istanbul, der Stadt, mit der sie sich sehr verbunden fühlt. Aus mir hat sie ein Istanbul-Fan gemacht, eine Stadt, in der ich noch nie gewesen bin und hauptsächlich durch ihre Geschichten kenne.

„Die Frauen vom Meer“ ist ihr erster Erwachsenen-Roman. Auf die Erscheinung dieses Buches habe ich mich sehr gefreut. Ich hatte eine berührende Familiengeschichte erwartet und habe viel mehr als nur das bekommen. Inspiration für ihren Roman hat Deniz Selek in den Frauen ihrer eigenen Familie gefunden. Es ist ihr „Herzensbuch“ geworden. Darin beschreibt sie die Lebensläufe dieser Frauen, deren Persönlichkeiten, Interessen und Ziele sehr unterschiedlich sind, aber eins gemeinsam haben: die Sehnsucht nach dem Meer. Weiterlesen Die Frauen vom Meer von Deniz Selek

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Sonne Mond und Sterne von Mario ZambranoLotería

Menschliche Verhaltensweisen und Gefühle sind sehr kompliziert. Sie sind das Produkt vieler Faktoren genetischer, sozialer und familiärer Art. Dazu kommen alle möglichen Erlebnisse im Leben jedes Menschen, die auch eine große Rolle spielen.

Die kleine Luz ist Tochter mexikanischer Einwanderer. Ihre Eltern haben es geschafft, in den USA einigermaßen Fuß zu fassen. Luz und ihre Schwester pendeln zwischen den Traditionen und Sitten zweier Kulturen. Sie sind intelligent, lebhaft und scheinen, eine ganz normale Kindheit zu genießen. Aber nur scheinbar, denn nach und nach erfährt der Leser, dass Luz und ihre Schwester es alles andere als einfach haben.
Luz erzählt uns ihre Geschichte und die ihrer Familie. Sie erzählt offen über alles, was sie erlebt und fühlt, und was sie über ihre Eltern denkt, über Sorgen und glückliche Momente. Weiterlesen Sonne, Mond und Sterne von Mario Alberto Zambrano

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen

cover.doDie Hassliste

Ich glaube, jeder Mensch führt eine Hassliste. Vielleicht nicht in jedem Fall eine schriftliche, zumindest aber eine gedankliche. Die wenigsten dieser Menschen würden zugeben, dass sie so eine Liste im Kopf oder auf dem Papier haben. Rose, die 105-jährige Heldin von Franz-Olivier Giesberts wunderbaren Roman „Ein Diktator zum Dessert“, gibt ganz offen zu, so eine Hassliste zu besitzen, und nicht nur das, diese Liste ist praktisch der Motor, der sie am Leben hält.

Mit 105 Jahren entscheidet sich Rose, ihre Memoiren zu schreiben. Eine fantastische Idee, denn das Ergebnis dieser Entscheidung ist eine originelle Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts aus der persönlichen Sicht einer Frau, die nicht nur Zeugin sondern auch Mitwirkende und Opfer einer ganzen Epoche war. Weiterlesen Ein Diktator zum Dessert von Franz-Olivier Giesbert

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

81XS1YO8tCLLeider nicht der Richtige für mich…

Lange habe ich mich auf die Erscheinung von Tom Rachmans neuem Roman „Aufstieg und Fall großer Mächte“ gefreut. Als ich endlich dieses Buch mein Eigen nennen durfte, konnte ich kaum erwarten, mit dem Lesen anzufangen. Ich wollte unbedingt alles über Tooly und ihre Buchhandlung in einem kleinen walisischen Dorf erfahren.

Für mich war es eine Überraschung, sehr früh feststellen zu müssen, dass diese Buchhandlung nur eine Phase in Toolys Leben war. Was für eine rastlose Existenz sie davor geführt hatte, konnte ich mir kaum vorstellen.

Tom Rachman erzählt uns auf drei unterschiedlichen Zeitebenen über Toolys Leben: als Kind, als junge Frau und als 33-jährige Eigentümerin eines Buchladens. Weiterlesen Aufstieg und Fall großer Mächte von Tom Rachman

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

9783862200528_cover„…NEUES GESETZ KLAMMER AUF GORBATSCHOW KLAMMER ZU AB MORGEN…“

Wenn man im Leben so viele Abenteuer erlebt hat, obwohl man noch jung ist, lohnt es sich, einen Roman darüber zu schreiben.
Alexandra Friedmann hat mit „Besserland“ über ein Familienabenteuer geschrieben, das auch ihr eigenes war.

Die kleine Alexandra und ihre Familie leben in Weißrussland Ende der 80er Jahre. Die Mitglieder dieser Familie mit jüdischen Wurzeln gehen wie alle anständigen Bürger der Sowjetunion ihren Pflichten nach. Die Perestroika aber ändert ihr Leben und weckt in ihnen die Lust auszuwandern.
Alexandra Friedmann erzählt uns die Geschichte einer richtigen Odyssee, die Geschichte, wie sie und ihre Familie eine neue Heimat gefunden haben.

Die kleine Alexandra hat einen liebevollen Vater und eine ehrgeizige Mutter, eine überfürsorgliche, putz- und ordnungsfanatische Großmutter und jede Menge Verwandte. So eine weißrussische Familie ist ein wahres Erlebnis, aber ob die kleine Alexandra es auch so sieht…

Ich hatte großen Spaß beim Lesen von „Besserland“, dem ersten Roman von Alexandra Friedmann.
Sehr liebevoll beschreibt sie die Mitglieder ihrer Familie mit ihren guten und weniger guten Seiten, mit ihren Annehmlichkeiten und mit ihren Macken. Unter ihnen allen darf sich der Leser seine Favoriten aussuchen. Für mich waren es der Vater, der für seine Familie die Illusion um das „Besserland“ aufrechterhält, und die resolute, dominante, zwanghafte, immer auf Jiddisch lamentierende Großmutter, „oj wej oj wej oj wej“.

Alexandra Friedmanns Schreibstil ist einfach und unterhaltsam. Wie sie ihr Familienleben als Kind empfunden hat, kann sie wunderbar vermitteln. Mit genialen Sätzen wie „Den Rest des Abends verbrachte sie an der Nähmaschine, deren Rattern unsere Kommunalwohnung noch mehr einem viel befahrenen Bahnhof gleichen ließ“, beschreibt sie die Atmosphäre in ihrem weißrussischen Zuhause. Die Spannung, mit der sie über die Reise berichtet, und die Freude der Familie, wenn etwas gut geklappt hat, sind einfach ansteckend. Manche Szenen sind aber auch rührend, andere sehr lustig. Man liest Dialoge, die so eigenartig und einfallsreich sind, dass sie einer Sitcom entsprungen sein können.

Ich habe mich sehr gefreut, Alexandra und ihre Familie kennenzulernen. Um sie habe ich mich gesorgt und mit ihnen gehofft. Aber vor allem habe ich ihre Geschichte sehr genossen!

Graf
Gebundene Ausgabe
272 Seiten
Erscheinungsdatum: 30. September 2014
Preis: EUR 18,00
ISBN: 978-3862200528

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