Schlagwort: Kritik

Grausam und rachsüchtig

Während des Lesens von „Unterleuten“ von Juli Zeh habe ich mir oft gedacht: „Hoffentlich lesen meine bösen Nachbarn dieses Buch nicht!“. Sie würde nämlich auf super Ideen kommen, um mich zu quälen. Dieses Buch, dessen Romanfiguren hauptsächlich damit beschäftigt sind, sich miteinander zu bekriegen und das Leben unmöglich zu machen, ist eine wahre Anleitung zur erfolgreichen Tortur von Nachbarn.
Unterleuten ist ein kleines Dorf, in dem sich alle kennen, und in dem neue Bewohner so eine Art Mutprobe durchlaufen müssen (davon merken sie auch nichts), um sich so ihr Recht zu erkämpfen und verdienen, würdige Unterleutner zu sein. Das Sagen hat der Dorf-Häuptling, der alle Geheimnisse kennt und alle Fäden in der Hand hält.

Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Kaffee trinken mitten in Rom

Ich bin Teetrinkerin, aber ich bin auch immer ganz offen für einen guten Kaffee, egal, ob echt italienisch oder modern mit allerlei Geschmacksrichtungen. Und so war ich ja auch sehr offen für eine Geschichte mit dem Titel „Der erste Kaffee am Morgen“ von einem italienischen Autor namens Diego Galdino.

Massimo ist ein Barista. Das zu sein ist nicht nur sein Beruf sondern auch seine Leidenschaft. Von morgens bis abends, von Montag bis Montag steht er hinter der Tresse und macht die Bewohner des schnuckeligen Römer Stadtteils Trastevere glücklich. Jeder von ihnen hat seine Macken und Massimo bereitet ihnen ihren ganz persönlichen Kaffee, der perfekt zu ihnen passt.
Bis eines Tages Geneviève auftaucht. Oh oh, eine Pariserin in Rom. Wunderschön, anmutig und mit elektrisierenden grünen Augen. Ab diesem Moment ändert sich vieles in Massimos Leben. Er verliebt sich Hals über Kopf in Geneviève. Und für sie macht er sogar unmögliche Dinge, wie zum Beispiel Tee zuzubereiten, denn die Französin trinkt (terribile!) keinen Kaffee.

Liebesroman Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

Der Retter in der Not

Geld musste man im viktorianischen England haben. Lang schlafen, Zeit zum Lesen ohne Ende, Tee trinken am Nachmittag, jeden Tag eine neue Kuchensorte, sich für jede Mahlzeit neu ankleiden, aber vor allem nicht arbeiten müssen!
Emily Fox-Seton, die Heldin aus Frances Hodgson Burnetts Roman „Die Liebenden von Palstrey Manor“ hat so ein Glück im Leben nicht. Die verarmte und verwaiste Adelige muss ihren Lebensunterhalt selber bestreiten, bekommt keine Hilfe beim Anziehen, belegt ihre Sandwichs selber und trinkt ihren Tee allein. In einer Zeit und in einer Gesellschaftsschicht, in denen Mütter ihre Töchter verheirateten, um der Familie finanzielle Sicherheit zu garantieren, und junge und gesunde Männer niemals auf die Idee gekommen wären, dass Arbeit die beste Lösung gegen Armut ist, bildet Emily die absolute Ausnahme. Und genau das ist am Ende ihr Glück: Der reiche und steife Witwer Lord Walderhurst findet Gefallen an diese Kämpferin.

Aktuell Liebesroman Rezensionen Roman

©Aba
©Aba

Wenn das Leben so einfach wäre…

Ein Buch mit dem Titel „Kokostee“ und so einem bunten Cover musste ich lesen. Auch die Idee, weltberühmte, bereits gestorbene Superstars wieder zum Leben zu erwecken, fand ich kurzweilig und anregend. Dass das Buch vom berühmten Moderator Oliver Geissen geschrieben wurde, hat eigentlich keine Rolle gespielt, denn der Name des Autors ist mir erst später aufgefallen, und noch viel später wurde mir klar, dass es sich um den Oliver Geissen aus dem Fernsehen handelt. Das liegt aber daran, dass ich noch nie eine ganze Sendung mit ihm gesehen habe. Also gute Voraussetzungen, um das Buch vorurteilsfrei zu lesen!

Und worum geht es? Adschei hat einen ungewöhnlichen Job: Er ist der Butler von sieben Weltstars, die ein idyllisches Leben führen auf einer kleinen Insel mitten im Indischen Ozean, von deren Existenz keiner weiß. Das Besondere, eigentlich Verblüffende, ist, dass alle diese Weltstars – auch wenn sie unvergesslich sind und in den Herzen ihrer Fans ewig leben werden – tot sind. Zumindest offiziell. Aber in Wirklichkeit leben sie inmitten von großem Luxus unter paradiesischen Zuständen. Sie hatten einmal die Nase voll von Ruhm, Drogen und Showbusiness, haben ihren Tod inszeniert und leben alle zusammen weiter, isoliert, geschützt, ganz friedlich und glücklich. Genauso glücklich sind die Menschen, die ihnen dieses Leben ermöglichen, das ist die Armada von Bediensteten und Leibwächtern.

Aktuell Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

Das Leben einer Mutmacherin

Wenn man ein perfektes Beispiel für eine erfolgreiche Geschichte suchen würde, wäre Jaqueline Bakir Brader die geeignete Ansprechpartnerin. Als Tochter türkischer „Gastarbeiter“, die es geschafft hat, sich einen Namen zu machen und sogar zur Arbeitgeberin geworden ist, zeigt sie, dass es sich lohnt, für seine Ideale und Träume zu kämpfen. Denn Jaqueline Bakir Braders Weg war hart und lang, aber sie hat es geschafft, die vielen Steine zu beseitigen, die ihr in diesen Weg gelegt wurden.
Ihre Geschichte erzählt sie in ihrem Buch „Die Mutmacherin“.

Frau Bakir Brader ist definitiv eine Mutmacherin. Das konnte ich selber erleben. Ich hatte das Vergnügen, sie während eines Festivals für den Frieden kennen zu lernen, das sie mitorganisiert hat. Nicht nur ihre Geschichte, sondern auch ihre Präsenz motivieren und inspirieren.

Rezensionen Sachbuch

Charmante Verwechslungskomödie

Wer Überraschungen liebt, sollte „Niemand weiß, wie spät es ist“ von René Freund lesen.

Zwei sehr unterschiedliche Menschen, eine frustrierte Arbeitslose und ein steifer Jurist, bekommen einen ungewöhnlichen Auftrag: Sie müssen gemeinsam in den Alpen wandern, das Ziel kennen sie nicht, der Inhalt ihres Gepäcks ist alles andere als alltäglich.

Was als scheinbar voraussagbare Geschichte anfängt, entpuppt sich als charmante Verwechslungskomödie mit einer unerwarteten Wendung und äußerst liebenswerten und sympathischen Protagonisten. Die disziplin- und planlose Nora bildet zusammen mit dem durch und durch organisierten und zwanghaften Veganer Bernhard ein perfektes „Anti-Traumpaar“.

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

51vFpacwiRLDer beste Band der Trilogie

Als ich die dritte Folge der Muchachas-Trilogie von Katherine Pancol beendet habe, war mein erster Gedanke, dass diese Geschichte noch nicht zu Ende sein kann. In „Muchachas – Nur ein Schritt zum Glück“ scheinen nicht alle Muchachas am Ziel angekommen zu sein. Ich blieb mit einem seltsamen Gefühl zurück, nicht alles erfahren zu haben.
Auch wenn dieser Band der umfangreichste der Serie ist, hat die Autorin meiner Meinung nach einige Lebensläufe, die sie in Band 1 und 2 ausführlich beschrieben und entwickelt hat, nicht vervollständigt, was in mir eine gewisse Unzufriedenheit verursacht hat. Nichtdestotrotz ist dieser dritte Band für meinen Geschmack der beste und spannendste der ganzen Trilogie.

„Muchachas – Nur ein Schritt zum Glück“ ist der Höhepunkt dieses Dreiteilers um die vier unterschiedlichen kämpferischen Frauen. Die steigende Spannung, ein interessanterer und schönerer Schreibstil als in den vorherigen Teilen und eine nachvollziehbare Entwicklung der Charaktere haben mich letztendlich von Katherine Pancols schriftstellerischen Qualitäten überzeugt.

Und wer weiß… vielleicht gibt es demnächst tatsächlich einen Band 4, der alle Fragen beantwortet und mich mit allen Muchachas abschließen lässt. Ich wäre sofort dabei!

carl’s books
Broschiert
512 Seiten
Erscheinungsdatum: 9. Mai 2016
Preis: EUR 14,99
ISBN: 978-3570585580

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Fortsetzung, bitte!

„Muchachas – Tanz in den Tag“, mein erster Roman von Katherine Pancol, war für mich eine echte Überraschung. Hinter dem blumigen und fröhlichen Cover versteckt sich vielmehr ein tiefgehender Roman über ganz normale Frauen, die über ihr eigenes Leben bestimmen und sich nicht allein auf das Schicksal verlassen wollen.
„Muchachas – Tanz in den Tag“ ist der erste Teil einer neuen Trilogie der französischen Bestseller-Autorin, auf die man sehr schnell süchtig wird.

Die Frauen, über die Katherine Pancol schreibt, sind sehr unterschiedlich. Nicht nur im Charakter, in ihrer Lebensweise und ihrem Beruf unterscheiden sie sich, sondern auch in der Art und Weise, wie sie Schwierigkeiten überwinden, Probleme lösen und Prioritäten setzen.

Aktuell Rezensionen Roman

51ER1OrmrLLZwiespältige Gefühle

Wenn ich mir die Welt in 15 Jahren vorstelle, sehe ich keinen großen Unterschied zu unserer heutigen. Vor 15 Jahren sah sie auch nicht ganz anders aus. Und auch wenn wir mittedrin im 21. Jahrhundert sind, fliegen noch keine Autos zwischen den Wolken, vor Krebs fürchtet man sich nach wie vor und alt werden wir immer noch. Alles anders, als viele Zukunftsvisionäre es vorausgesagt haben. Karen Duve vertritt in dieser Hinsicht eine andere Auffassung. In ihrer Vorstellung nehmen die Menschen sogar Krebs gerne in Kauf, um mittels hochmoderner Medikamente ewig jung bleiben zu können. Leider hat das Wort „ewig“ für sie eine ganz andere Bedeutung als für uns. In Karen Duves neuestem Roman „Macht“ gibt es keine Zukunft mehr. 2031 läuft die Ewigkeit nach maximal fünf Jahren ab.

Unglaublich verrückte Sachen, wie Frauen an der Macht als Staatsform, CO₂-Punkte statt Geschenkgutscheine, salonfähige Hasstiraden gegen Fleischfresser und Fahrradhelm- pflicht, sind Normalität im Jahr 2031. Frauenfreund, Vegetarier, Umweltschützer und Softie Sebastian zeigt uns diese Welt aus seiner ganz persönlichen Perspektive. Der 70-Jährige, der durch regelmäßige Einnahme von Verjüngungspillen wie Mitte 30 aussieht, träumt von der Vergangenheit. Er kannte ja eine Welt ohne Handys und eine Kindheit ohne Fernbedienung. Oh, eigentlich ist er ein sympathischer und knuffiger Typ.

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Ganz normale Leute

Was geschieht hinter den stilvollen Hamburger Fassaden? Leben die Leute da auch so, wie wir es uns vorstellen? Erfolgreich, ohne Geldsorgen, immer am Puls der Zeit gehend? Sind sie überhaupt glücklicher als das Durchschnittsindividuum? Offensichtlich nicht. Oder nicht immer. Zumindest bei Isabell und Georg, miteinander verheiratet und hinter einer dieser Hamburger Fassaden wohnhaft, könnte man davon ausgehen, dass das Glücklichsein nicht das herrschende Gefühl ist.
Isabell und Georg sind die Hauptakteure in „Die Glücklichen“, dem Debütoman von Kristine Bilkau.

Eigentlich geht es hier um ganz normale Menschen mit ganz normalen Existenzängsten. Was für viele Normalität ist, erleben Isabell und Georg zum ersten Mal im Laufe ihres gemeinsamen Ehelebens. Erfolg und finanzielle Sicherheit können Eintagsfliegen sein.

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman