Gut gemacht, Herr Agualusa!

Ich glaube, ich habe mein Highlight des Jahres gefunden: „Eine allgemeine Theorie des Vergessens“, einen genialen Roman, der in einem afrikanischen Land spielt, von dem ich bisher nur das wusste, worüber in den Nachrichten berichtet wurde, Angola.

Der angolanische Schriftsteller José Eduardo Agualusa hat ein Buch geschrieben, dessen Protagonistin für Furore sorgt, indem sie wie Robinson Crusoe 30 Jahre lang allein und isoliert in ihrer eigenen Wohnung gelebt hat.

„Eine allgemeine Theorie des Vergessens“ ist ein faszinierendes Buch mit einer sehr ungewöhnlichen Heldin (im wahrsten Sinne des Wortes) und einer sehr originellen Handlung mit mehreren überraschenden Wendungen, die bei mir große Begeisterung ausgelöst haben.
Weiterlesen Eine allgemeine Theorie des Vergessens von José Eduardo Agualusa

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Die Erweiterung des Horizontes

Aktuell ist das Thema Nummer 1 in Deutschland die Flüchtlinge und die Probleme, die sie allein mit ihrer bloßen Präsenz verursachen. Vielen Menschen, die sich ausschließlich negativ darüber äußern, würde ich gerne nur eine einzige Frage stellen: Was hat sich in deinem Leben seit dem letzten Flüchtlingsansturm verändert? Bestimmt haben die meisten von ihnen keine Antwort auf diese Frage. Nicht aber Richard. Er hat viel zu erzählen. Denn sein Leben hat sich in der Tat verändert, dank der Existenz der Flüchtlinge.

„Gehen, ging, gegangen“ von Jenny Erpenbeck ist sozusagen Richards Antwort auf die Frage, ob sich etwas in seinem Leben verändert hat, seitdem die Flüchtlinge die Straßen Deutschlands bunter und exotischer machen.

Am Anfang könnte man den Eindruck haben, dass Richards Interesse für die Flüchtlinge wissenschaftlicher Natur ist. Als Universitätsprofessor, der gerade in die Rente eingetreten ist, geht er erstmals mit diesem Interesse wie mit einem Forschungsprojekt vor, bis er eines Tages merkt, wie sein Leben sich in der Tat verändert hat. Wegen der Flüchtlinge.
Weiterlesen Gehen, ging, gegangen von Jenny Erpenbeck

Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Das Herz am rechten Fleck

Während ich die letzten Seiten von „Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman“ lese, dem neuesten Roman von der Österreicherin Petra Piuk, wird im Fernsehen das Ergebnis der Parlamentswahlen in dem Heimatland der Autorin bekannt gegeben. Das, was gesendet wird, bildet eine passende Kulisse für dieses Buch und untermalt meine Lektüre in einer entsprechenden Form.

Ein österreichischer Heimatroman! Was stellt man sich darunter vor? Idyllische Landschaften – meistens grüne und saftige Berge im Sonnenschein -, schöne und liebliche Frauen, Männer, die noch diesen Namen verdienen, Volksmusik und Liebe, ganz viel Liebe.
Weiterlesen Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman von Petra Piuk

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Kaffee trinken mitten in Rom

Ich bin Teetrinkerin, aber ich bin auch immer ganz offen für einen guten Kaffee, egal, ob echt italienisch oder modern mit allerlei Geschmacksrichtungen. Und so war ich ja auch sehr offen für eine Geschichte mit dem Titel „Der erste Kaffee am Morgen“ von einem italienischen Autor namens Diego Galdino.

Massimo ist ein Barista. Das zu sein ist nicht nur sein Beruf sondern auch seine Leidenschaft. Von morgens bis abends, von Montag bis Montag steht er hinter der Tresse und macht die Bewohner des schnuckeligen Römer Stadtteils Trastevere glücklich. Jeder von ihnen hat seine Macken und Massimo bereitet ihnen ihren ganz persönlichen Kaffee, der perfekt zu ihnen passt.
Bis eines Tages Geneviève auftaucht. Oh oh, eine Pariserin in Rom. Wunderschön, anmutig und mit elektrisierenden grünen Augen. Ab diesem Moment ändert sich vieles in Massimos Leben. Er verliebt sich Hals über Kopf in Geneviève. Und für sie macht er sogar unmögliche Dinge, wie zum Beispiel Tee zuzubereiten, denn die Französin trinkt (terribile!) keinen Kaffee.

Weiterlesen Der erste Kaffee am Morgen von Diego Galdino.

Liebesroman Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

Wenn das Leben so einfach wäre…

Ein Buch mit dem Titel „Kokostee“ und so einem bunten Cover musste ich lesen. Auch die Idee, weltberühmte, bereits gestorbene Superstars wieder zum Leben zu erwecken, fand ich kurzweilig und anregend. Dass das Buch vom berühmten Moderator Oliver Geissen geschrieben wurde, hat eigentlich keine Rolle gespielt, denn der Name des Autors ist mir erst später aufgefallen, und noch viel später wurde mir klar, dass es sich um den Oliver Geissen aus dem Fernsehen handelt. Das liegt aber daran, dass ich noch nie eine ganze Sendung mit ihm gesehen habe. Also gute Voraussetzungen, um das Buch vorurteilsfrei zu lesen!

Und worum geht es? Adschei hat einen ungewöhnlichen Job: Er ist der Butler von sieben Weltstars, die ein idyllisches Leben führen auf einer kleinen Insel mitten im Indischen Ozean, von deren Existenz keiner weiß. Das Besondere, eigentlich Verblüffende, ist, dass alle diese Weltstars – auch wenn sie unvergesslich sind und in den Herzen ihrer Fans ewig leben werden – tot sind. Zumindest offiziell. Aber in Wirklichkeit leben sie inmitten von großem Luxus unter paradiesischen Zuständen. Sie hatten einmal die Nase voll von Ruhm, Drogen und Showbusiness, haben ihren Tod inszeniert und leben alle zusammen weiter, isoliert, geschützt, ganz friedlich und glücklich. Genauso glücklich sind die Menschen, die ihnen dieses Leben ermöglichen, das ist die Armada von Bediensteten und Leibwächtern.
Weiterlesen Kokostee von Oliver Geissen

Aktuell Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

Mafiöse Zustände

Als ich schon dachte, schlimmer könnte es für die drei 90-jährigen Siiri, Irma und Anna-Liisa nicht werden, wurde in der Tat das Leben in der Seniorenresidenz Abendheim zum absoluten Alptraum: Eine umfangreiche Renovierung des Gebäudes macht einen Aufenthalt auf längere Sicht einfach unmöglich. Die älteren Damen überlegen also, ob es nicht sinnvoll wäre zu flüchten. Aber wohin?

„Whisky für drei alte Damen oder Wer geht hier am Stock?“ von der finnischen Schriftstellerin Minna Lindgren erzählt eine fast gruselige Geschichte über die totale Renovierung der Altersresidenz, in der die drei quirligen Heldinnen wohnen, und über alles, was sie unternehmen, um dem Horror, den diese Renovierungsmaßnahme mit sich bringt, zu entkommen.
Weiterlesen Whisky für drei alte Damen oder Wer geht hier am Stock? von Minna Lindgren

Aktuell Krimi und Thriller Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

Ein originelles Märchen

Geheimnisse verbinden Menschen, denn wenn zwei etwas teilen, wovon kein anderer weiß, entstehen besondere Bänder, und es gilt nur, dieses Wissen nicht nach außen sickern zu lassen.
Das Geheimnis, das die Wintermädchen teilen, ist etwas Furchtbares, aber sie haben gelernt, damit zu leben. Die zwei Schwestern haben es geschafft, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und neu anzufangen, auch wenn das bedeutet, in ihre Heimat zurückzukehren, in ein kleines Dorf in Galicien, der Region im Spanien der 50er Jahre, die vom Rest der Welt vergessen wurde.

„Die Wintermädchen“ ist mein erster Roman der spanischen Schriftstellerin Cristina Sánchez-Andrade.
Ich war von dieser Geschichte fasziniert. Die Autorin hat eine wunderbare Art zu erzählen, die uns das Leben und Traditionen im Spanien in den Zeiten unter Francos Diktatur vermittelt. Besonders in Galicien, weit weg von der Zivilisation, war es deutlich zu spüren, wie rückschrittlich Francos Regierung war. Die Zeit blieb stehen, die Menschen schienen vergessen worden zu sein, Galicien einfach inexistent. Nicht aber für die Wintermädchen. Die Isolierung ihres Geburtsortes ist der ideale Zustand für ihre Pläne. Dass sie sehr spezielle Gestalten sind, die die Aufmerksamkeit aller Dorfbewohner wecken, scheinen sie nicht zu merken. Ihre lange Abwesenheit und die Erfahrung, die sie in fernen Ländern gemacht haben, machen aus ihnen absolute Exotinnen.

Dieses Buch erzählt ein originelles Märchen – humorvoll und gleichzeitig traurig, auf jeden Fall berührend -, das dem Leser eine Überraschung am Ende bietet.
Und Bücher, die mich überraschen, lese ich immer sehr gern!

Thiele
Gebundene Ausgabe
288 Seiten
Erscheinungsdatum: 19. August 2016
Preis: EUR 20,00
ISBN: 978-3851793307

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Das Leben einer Mutmacherin

Wenn man ein perfektes Beispiel für eine erfolgreiche Geschichte suchen würde, wäre Jaqueline Bakir Brader die geeignete Ansprechpartnerin. Als Tochter türkischer „Gastarbeiter“, die es geschafft hat, sich einen Namen zu machen und sogar zur Arbeitgeberin geworden ist, zeigt sie, dass es sich lohnt, für seine Ideale und Träume zu kämpfen. Denn Jaqueline Bakir Braders Weg war hart und lang, aber sie hat es geschafft, die vielen Steine zu beseitigen, die ihr in diesen Weg gelegt wurden.
Ihre Geschichte erzählt sie in ihrem Buch „Die Mutmacherin“.

Frau Bakir Brader ist definitiv eine Mutmacherin. Das konnte ich selber erleben. Ich hatte das Vergnügen, sie während eines Festivals für den Frieden kennen zu lernen, das sie mitorganisiert hat. Nicht nur ihre Geschichte, sondern auch ihre Präsenz motivieren und inspirieren.

Weiterlesen Die Mutmacherin von Jaqueline Bakir Brader

Rezensionen Sachbuch

Charismatisch und charmant

„Kismet“ ist das türkische Wort für Schicksal. Gegen das türkische „Kismet“ kann man aber nichts machen, man akzeptiert es, denn am Ende wird alles gut. Alles hat einen Sinn.
Leider zweifelt Jannah gerade am Kismet. Zurück aus dem Urlaub stellt sie sich die Frage, wie ernst die Sache zwischen ihr und Ken ist. Bald muss sie feststellen, dass alles sehr kompliziert ist, wenn man in den Stiefbruder verliebt ist. Da hilft kein bisschen zu hoffen und darauf zu warten, was Kismet mit einem vorhat.

„Kismet – Couscous mit Herzklopfen“ von der sympathischen Autorin Deniz Selek ist der Abschluss der Trilogie um Jannah, Ken und deren bunte und multikulturelle Familie, die bereits unter dem Titel „Heartbreak Family“ erschienen ist.

Weiterlesen Kismet – Couscous mit Herzklopfen von Deniz Selek

Aktuell Jugendbuch Rezensionen

Eine Affäre ist eine Affäre ist eine Affäre…

Zum Thema „fremdgehen“ habe ich schon alle möglichen Meinungen gehört. Eine Freundin sagte einmal, „so eine Erfahrung sollte eigentlich jeder machen dürfen“. Von einigen männlichen Bekannten hörte ich schon oft, dass „fremdgehen erst dann anfängt, wenn man sich verliebt, alles andere zählt nicht“. Ich persönlich finde dieses Thema in der Literatur äußerst interessant. Wenn Verheiratete eine Affäre anfangen, entscheiden sie sich für Lügen und Versteckspiele. Viel Material für spannende Romane!

Mireille Zindels Roman „Kreuzfahrt“ ist die sehr persönliche und intime Beschreibung der Gefühle einer verheirateten Frau, die sich in ihren Nachbarn verliebt. Von der ersten Begegnung an erzählt sie ihre Geschichte und schildert in detaillierten Eintragungen alles, was in ihrem Inneren geschieht. Sie erzählt es dem Mann, mit dem sie sich eine Affäre wünscht.
Weiterlesen Kreuzfahrt von Mireille Zindel

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman