Unbeugsame Frauen

Die Schriftstellerin Katja Maybach hat mit ihrem neuesten Roman „Die Stunde unserer Mütter“ eine Geschichte über eine große Freundschaft zwischen zwei Frauen und ihren jeweiligen Töchtern geschrieben, die mich tief berührt hat. Zwei Frauen, so mutig und aufrichtig, dass man einen großen Respekt für sie empfinden muss.

Mitten im Zweiten Weltkrieg sehen sich Maria und ihre Schwägerin Vivien dazu gezwungen, zusammen zu leben. Sie bewältigen den Alltag in den schwierigen Zeiten und versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen, obwohl sie es alles andere als einfach haben: Marias Mann, wie fast jeder andere Mann im Deutschland der 40er Jahre, kämpft an der Front, und Viviens Mann riskiert sein Leben, indem er Juden versteckt.
Maria und ihre Tochter Anna, und Vivien und ihre Tochter Antonia sind charakterstarke Romanfiguren, an die ich lange denken werde. Den Nationalsozialismus nehmen sie nicht als selbstverständlich hin und das Konzentrationslager, das praktisch vor ihrer Tür liegt, ignorieren sie nicht, wie es sonst Millionen Deutsche getan haben.

Weiterlesen Die Stunde unserer Mütter von Katja Maybach

Aktuell historischer Roman Rezensionen Roman

410EXLBGfPLDer Große Zabbatini neu entdeckt

Es gibt Bücher, von denen man nicht ahnen kann, dass sie mit jeder Seite immer besser werden, und wenn man denkt, es gibt keine Steigerungen mehr, kommt das fulminante Ende, das diese Bücher zu einem unvergesslichen Ereignis macht.
„Der Trick“ werde ich wegen so eines Endes nicht vergessen. Was als harmlose und lustige Geschichte mit kuriosen Figuren anfängt, entwickelt sich zu einem Drama, von dem man nicht mehr loslassen kann. Das Ganze wird von einem unerwarteten und völlig überraschenden Ende gekrönt. Solche Überraschungen liebe ich. Besonders gut finde ich es, wenn der Autor mich mit seiner Auflösung perplex hinterlässt. Immer wieder musste ich in diesem Buch auf der Suche nach Hinweisen zurückblättern, die ich übersehen habe, und um die Fähigkeit des Autors zu bewundern, falsche Fährten zu legen.

Weiterlesen Der Trick von Emanuel Bergmann

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

17505229208„Jeder Mensch möchte herausfinden, wer er ist“

Auch wenn sich viele Wissenschaftler und Philosophen diesem Thema widmen, finde ich persönlich, dass das Bedürfnis, alles über sich selber zu wissen, zur Natur des Menschen gehört, es ist wie ein Axiom und einer der Grundsätze für die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen. Das Herausfinden bedeutet auch, sich identifizieren zu können, mit dem, was man entdeckt, oder sich bewusst zu distanzieren.

Jennifer Teege hat eines Tages eine furchtbare Entdeckung gemacht, für deren seelische Verarbeitung sie Jahre gebraucht hat. Sie ist die leibliche Enkelin von Amon Göth, einem sadistischen Nazi-Verbrecher, vor allem aus dem Film „Schindlers Liste“ bekannt.

Ich habe Jennifer Teege zum ersten Mal in einem Fernsehinterview gesehen. Sie wurde mir sofort sympathisch und ihre Geschichte hat mich sehr beeindruckt. Noch während die Sendung lief, habe ich ihr Buch, das sie zusammen mit der Journalistin Nikola Sellmair geschrieben hat, bestellt. Dieses Buch, in dem sie ihre Geschichte erzählt, und das mittlerweile in mehrere Sprachen übersetzt wurde, hat mir sehr gut gefallen.
Weiterlesen Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen von Jennifer Teege und Nikola Sellmair

Rezensionen Sachbuch

41k42xJKttLEinfach nur Menschen…

Dass große Schriftsteller auch nur Menschen sind, vergessen Verehrer oft. Dass ihr Leben nicht immer glamourös und sorglos ist, kann man sich kaum vorstellen.
Viele Schriftsteller, die in den 30er Jahren im deutschen Sprachraum lebten, sahen sich gezwungen, diesen aufgrund ihrer jüdischen Herkunft oder ihrer Ideologien zu verlassen.
Stefan Zweig und Joseph Roth haben trotzdem versucht, während ihres Exils das Leben zu genießen und die Erinnerungen an die Heimat auszublenden. In dem atmosphärischen kleinen Badeort Ostende haben sie sich mit anderen heimatlosen Kollegen getroffen und bei einem flüchtigen Urlaubsgefühl auf die Rückkehr in die Heimat gehofft.

In seinem Buch „Ostende: 1936, Sommer der Freundschaft“ erzählt Volker Weidermann über einen Sommer im Leben von Stefan Zweig und Joseph Roth, von zwei Freunden, die nicht unterschiedlicher sein konnten. Weiterlesen Ostende: 1936, Sommer der Freundschaft von Volker Weidermann

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