51lnFEjpP5LDer neue Kieffer: spannend und unterhaltsam!

Schon fünfmal habe ich Xavier Kieffer auf Verbrecherjagd begleitet. Fünfmal hat er mich in Luxemburg und im Dreiländereck in interessante Ecken geführt, mir Lust auf die typischen Köstlichkeiten der Region gemacht und vieles über Lebensmittel und Lebensmittelskandale beigebracht.
Xavier ist ein sehr sympathischer Mann, Koch aus Leidenschaft, einer, der weiß, wie man das Leben genießt und gleichzeitig menschlich und bodenständig ist. Seine Neugier und sein konsequentes Handeln machen ihn zum guten Ermittler. Bisher immer unfreiwillig. Diesmal aber bekommt er zum ersten Mal einen konkreten Auftrag, einen Fall zu lösen. Die große Überraschung in dieser Folge ist der Auftraggeber. Auch mächtige und sehr gefährliche Gegner gibt es in „Gefährliche Empfehlungen“, dem 5. Teil der kulinarischen Krimireihe um den luxemburgischen Koch Xavier Kieffer von Tom Hillenbrand.

Weiterlesen Gefährliche Empfehlungen von Tom Hillenbrand

Aktuell Krimi und Thriller Rezensionen Unterhaltungsliteratur

Charmante Verwechslungskomödie

Wer Überraschungen liebt, sollte „Niemand weiß, wie spät es ist“ von René Freund lesen.

Zwei sehr unterschiedliche Menschen, eine frustrierte Arbeitslose und ein steifer Jurist, bekommen einen ungewöhnlichen Auftrag: Sie müssen gemeinsam in den Alpen wandern, das Ziel kennen sie nicht, der Inhalt ihres Gepäcks ist alles andere als alltäglich.

Was als scheinbar voraussagbare Geschichte anfängt, entpuppt sich als charmante Verwechslungskomödie mit einer unerwarteten Wendung und äußerst liebenswerten und sympathischen Protagonisten. Die disziplin- und planlose Nora bildet zusammen mit dem durch und durch organisierten und zwanghaften Veganer Bernhard ein perfektes „Anti-Traumpaar“.
Weiterlesen Niemand weiß, wie spät es ist von René Freund

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Geschickt eingefädelt

Mit ihrer neuen Romantrilogie hat sich Katherine Pancol offensichtlich fest vorgenommen, ihre Leser auf die Folter zu spannen. Nach dem Lesen von Teil 1 blieb ich mit vielen Fragezeichen im Kopf zurück und auch mit der Hoffnung, dass die ganzen Mysterien so bald wie möglich erklärt werden. Zum Glück hat der carl’s books Verlag seine Leser nicht zu lange auf die Fortsetzung warten lassen. Das ist die gute Nachricht. Die nicht so gute ist, dass Katherine Pancol es uns leider nicht so einfach machen will.
In „Muchachas – Kopfüber ins Leben“, dem zweiten Teil der Trilogie um die vier unterschiedlichen kämpferischen Frauen, erleben wir einige interessante Höhepunkte, die aber gleichzeitig zu neuen Erwartungen führen. Auch lernen wir manche Romanfiguren besser kennen, die im ersten Teil nur kurz vorgestellt wurden, die Verbindungen zwischen ihnen werden auch klarer, während andere Handlungen, die im vorherigen Band eine größere Rolle gespielt hatten, vernachlässigt werden – sicherlich nur scheinbar.

Weiterlesen Muchachas – Kopfüber ins Leben von Katherine Pancol

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Lucie ermittelt wieder

Ja, meine allerliebste Gardienne ist wieder da! Wie ich Lucie vermisst habe, und auch ihr Talent, Chaos zu verursachen, wenn es am ungünstigsten ist. Das alles wäre natürlich nicht so schlimm, wenn sie dadurch nicht der Pariser Polizei in die Quere kommen würde. Aber leider ist sie bei der Pariser Kriminalpolizei dafür berühmt, dass sie an Tatorten wichtige Spuren verwischt, zu neugierig ist, einen großen Drang hat, sich in alles einzumischen und sich selber in Gefahr bringt. Zum Glück, oder leider – je nachdem, wie man das alles betrachtet – ist der Arbeitsmoral-technisch nicht ganz einwandfreie Kriminalkommissar Legrand an ihrer Seite, normalerweise aber unfreiwillig. Trotzdem bilden Legrand und Lucie aus meiner Sicht das ultimative Ermittlertraumpaar, sogar dann, wenn sie sich nicht darüber im Klaren sind und dies niemals zugeben würden. Instinktiv bilden sie eine Partnerschaft, wenn es darum geht, einen Mordfall zu lösen.

Weiterlesen Der letzte Tanz des Monsieur Bernard von Marie Pellissier

Aktuell Krimi und Thriller Rezensionen Unterhaltungsliteratur

atb_Pitch_Picasso_Isa.inddFür Fans der Belle Époque

Pablo Picasso ist einer der größten und berühmtesten Künstler des 20. Jahrhunderts. Wer zu seinem Freundeskreis gehörte, erhöhte dadurch automatisch seinen Bekanntheitsgrad, und seine Ehefrauen und Geliebten kennt jeder, der sich halbwegs für sein Leben interessiert. Aber offensichtlich gab es Kapitel in Picassos Leben, die, trotz großer Bedeutung für ihn, es nicht in jeder Einzelheit bis in die Öffentlichkeit geschafft haben.

1915, nach dem Tod seiner Geliebten Eva Gouel, einer Frau, von der man kaum etwas weiß, schrieb Picasso an Gertrude Stein, seine Freundin und Vertraute: „mein Leben ist die Hölle“. Wer war Eva Gouel, diese Frau, für die Picasso so tiefe Gefühle empfunden hat?

Anne Girard hat ein Buch über Eva Gouel geschrieben, eine Frau, die einen besonderen Stellenwert in Picassos Leben erreicht hat. Weiterlesen Madame Picasso von Anne Girard

Aktuell historischer Roman Liebesroman Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

7439Zeitreisen bildet

Unter dem Pseudonym Maya Seidensticker hat Heike Abidi den dritten Band der Serie „we love Fashion“ geschrieben. Diesmal nimmt sie uns auf eine Zeitreise in die aufregenden 20er Jahre mit.

Auf „we love Fashion – Paillenttenkleid und Federboa“ habe ich sehnsüchtig gewartet. Nachdem ich die ersten zwei Teile um die zeitreisenden Schwestern Hanna und Lucy genüsslich gelesen habe, wusste ich, dass der dritte Band dieser Serie alle meine Erwartungen erfüllen würde. Und genau so war es auch!

Ah… die 20er Jahre! Nicht umsonst sind sie als die „goldenen Zwanziger“ oder „roaring twenties“ bekannt.
Nach dem Ersten Weltkrieg ging ein Ruck durch den ganzen Planeten, es schien so, als hätten die Menschen auf etwas gewartet, etwas Neues, große Veränderungen, sie wollten etwas erleben. Und das spiegelt sich auch in der Mode der Zeit wider. Und in Mode sind Hanna und Lucy die Expertinnen! Weiterlesen „we love Fashion – Paillettenkleid und Federboa“ von Maya Seidensticker

Aktuell Jugendbuch Rezensionen

9783352008474Ein erschütterndes Geheimnis

Denkt man an das 19. Jahrhundert, denkt man oft zwangsläufig an idyllische Zeiten, an auf glamourösen Alleen flanierende distinguierte Menschen, und romantische Liebesgeschichten. Meistens vergisst man die andere Seite der Medaille: die Armut, die in den florierenden Städten herrschte, und von der die obere Schicht profitierte.
Das beste Beispiel für dieses im 19. Jahrhundert weit verbreitete System ist die Industrie.

In ihrem beindruckenden Roman „Leonore und ihre Töchter“ spielt eine für die Zeit typische Fabrik eine wichtige Rolle. In Ratingen, in der Nähe von Düsseldorf, stand die „Baumwollspinnerei Cromford“, die das Leben der Figuren in diesem Roman bestimmt hat.
„Leonore und ihre Töchter“ ist eine bewegende Familiengeschichte. Gina Mayer erzählt uns darin über ein erschütterndes Geheimnis, das sich fast ein Jahrhundert lang wie ein roter Faden in der Geschichte der Familie eines Düsseldorfer Tuchhändlers zieht.

Gina Mayer beschreibt das Treiben in der Baumwollspinnerei während der Anfangszeiten der industriellen Revolution in Deutschland und die unvorstellbar schlechten Arbeitsbedingungen, unter denen ganze Familien ausgebeutet wurden. Die Darstellung der Weltausstellung 1900 in Paris, wo ein Teil der Handlung spielt und bei der passenderweise die technischen Errungenschaften dieser Zeit ein wichtiges Thema waren, lassen die progressiven Methoden der Baumwollspinnerei obsolet wirken. 1900, das Jahr, in dem dieser Roman endet, ist auch von der Autorin ein sehr gut gewähltes Jahr. Der Anfang eines neuen Jahrhunderts hat einen großen symbolischen Wert.

Gina Mayer hat es geschafft, dass ich, obwohl kein Technik-Anhänger, gespannt über die Arbeitsprozesse in einer früheren Fabrik lese, und auch über die modernen technischen Attraktionen in der Pariser Weltausstellung staune.
Aber was mich am meisten beeindruckt hat, und das ist keine Überraschung bei einem Roman von Gina Mayer, ist die Entschlossenheit, die ihre Figuren charakterisiert, Figuren, die immer wieder für Spannung und Überraschungen sorgen. Es sind Charaktere, die Entscheidungen treffen, die nicht immer die richtigen sind, die lieben und hassen mit ihrem ganzen Wesen. Gina Mayer weiß genau, das alles so zu vermitteln, dass der Leser sich so frei fühlt, sich sein eigenes Urteil über deren Handeln zu bilden. Eines haben Gina Mayers Geschichten gemeinsam: Sie geben keine moralische Richtung an. Manche ihrer Figuren denken und handeln, wie man es auch im wirklichen Leben macht, ihre Gedanken und Gefühle sind nicht immer rein und altruistisch. Und gerade das macht das Lesen so spannend, denn, was gibt es Interessanteres als die Antwort auf die Frage, was einen Menschen treibt.

„Leonore und ihre Töchter“ ist ein ergreifender Roman, an den ich lange denken werde. Schauplätze, Handlung und vor allem die Charaktere sind absolut nicht einfach zu vergessen.

Die „Baumwollspinnerei Cromford“ in Ratingen hat existiert. Sie war sogar die erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent außerhalb Englands. Heutzutage beherbergt diese ehemalige Fabrik ein Industriemuseum, das ich hoffentlich eines Tages besuche, und während ich durch die Räume spaziere, werde ich an die Menschen denken, die in dieser Fabrik hart gearbeitet und Gina Mayer als Inspiration für ihren Roman gedient haben.

Rütten & Loening
Klappenbroschur
464 Seiten
Erscheinungsdatum: 12. September 2014
Preis: EUR 14,99
ISBN: 978-3352008474

Aktuell historischer Roman Rezensionen Roman

978-3-552-06255-9_2145712123-48„Stolz bin ich nicht auf mich.
Aber ich verstehe mich.“

Eine Zugfahrt ist fast immer eine schöne Sache. Wenn alles gut klappt, sitzt man am Fenster, am besten ohne Sitznachbarn, man hat ein Buch auf dem Schoß und in den Lesepausen kann man nachdenken oder die Landschaft beobachten. Man kann Lebenspläne entwerfen und wieder verwerfen, oder einfach die Augen schließen, träumen, man kann sogar ein ganzes Leben Revue passieren lassen. Es kann sein, dass beim Lesen einer bestimmten Passage in einem Buch alte Erinnerungen hochkommen, oder ganz neue Gedanken zu alten Themen. Oder man erkennt in einem Fahrgast ein Gesicht wieder, das in einem längst erlöschte Gefühle neu belebt, oder ein losgewordenes schlechtes Gewissen wieder mit sich bringt.

Cécile grübelte bereits, als sie einen Sitzplatz im Zug Richtung Paris fand. Als Philippe, der genau so wie Cécile am Grübeln war, sich neben sie setzt, wirkt diese Situation nach Außen wie eine ganz gewöhnliche Sache, aber im Inneren der beiden fängt es an zu brodeln. Cécile und Philippe hatten vor fast dreißig Jahren ein Verhältnis von kurzer Dauer, das es nicht mal wert war, einen Gedanken daran zu verschwenden und noch weniger würde es sich lohnen, sich deswegen zu grüßen. Also beschließen die beiden so zu tun, als würden sie sich nicht kennen. Auch wenn es in ihren Köpfen ganz anders aussieht. Da drin dreht sich ein Karussell aus Gedanken und Erinnerungen.

Nicht mal zwei Stunden dauert die Fahrt in Jean Philippe Blondels „6 Uhr 41“. Diese kurze Zeit aber reicht aus, damit die Protagonisten am Ende wissen, was sie vom Leben erwarten.

Diese Art von Romanen, in denen mehr als nur eine Perspektive gezeigt wird, entspricht meinem Lesegeschmack. Auch diese Spannung, die durch das Schweigen zwischen den Hauptfiguren entsteht, hat mir gefallen. Man fragt sich die ganze Zeit, ob es zu einem Dialog kommt, überhaupt zu einem ausgesprochenem Wort. Was mir weniger gefiel, war das ständige Erwähnen eines Ereignisses, das die Beziehung zwischen Cécile und Philippe abrupt beendete. Lange wird der Leser nicht in Details eingeweiht, was zu einer gewissen Spannung führt, die zu Ungeduld mutiert, je öfter dieses Ereignis erwähnt wird. Aus meiner Sicht ist es dem Autor nicht gelungen, aus diesem Ereignis etwas dauerhaft Interessantes zu machen. Stattdessen strapaziert er die Geduld des Lesers, indem er bis zum Ende der Geschichte wartet, um das Geheimnis zu enthüllen. Auch die Figuren glänzen nicht durch Sympathie. Cécile empfand ich als kalt und oberflächlich und Philippe hat bei mir Mitleid erregt, aber mehr nicht.

Blondel hat mich weder mit der Handlung noch mit seinen Figuren — deren Selbstanalyse ansatzweise sehr interessant war — und ihren Schicksalen berühren können.
Trotz allem habe ich die Lektüre als unterhaltsam und ablenkend empfunden.

… Und dabei können Geschichten, die sich in Zügen abspielen, noch viel schöner sein…

Deuticke
Gebundene Ausgabe
192 Seiten
Erscheinungsdatum: 28. Juli 2014
Preis: EUR 16,90
ISBN: 978-3552062559

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Die toedliche Tugend der Madame Blandel von Marie PellissierHommage à une gardienne parisienne

Würde ich eines Tages das große Glück haben, in Paris zu leben, würde ich mir wünschen, jemanden wie Lucie in der Nähe zu haben, der sich ein bisschen um mich kümmert.
Lucie wohnt und arbeitet in einem vornehmen Haus am Place des Vosges, einer sehr angesagten Adressen in Paris. Lucie ist das Flaggschiff des Hauses und eine der letzten Bastionen einer sterbenden Institution in Frankreich, die Gardienne (ehemals Concierge).

Nach 40 Jahren im selben Beruf entdeckt Lucie neue Fähigkeiten in sich. Nachdem eine Bewohnerin ihres Hauses unter ungeklärten Umständen gestorben ist, fängt sie an, auf eigene Faust zu ermitteln. Sie muss schneller sein als der grimmige, für den Fall zuständige Kommissar Legrand. Denn sie selber hat auch etwas zu vertuschen…

„Die tödliche Tugend der Madame Blandel“ ist das Erstlingswerk von Marie Pellissier. Madame Pellissier ist eine Kennerin von la vie parisienne. Auf jeder Seite ihres Romans spürt man die Liebe für Paris und die Hochachtung für den Beruf der Gardienne. Ihre Lucie ist ein liebenswerter Mensch, die die Sympathie aller, die sie kennen, genießt. Die Ausnahme könnte Kommissar Legrand sein. Früher oder später wird ihm klar, dass Lucie ihm die Show stehlen kann. Weiterlesen Die tödliche Tugend der Madame Blandel von Marie Pellissier

Aktuell Krimi und Thriller Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

Reza_24482_MR.inddGlücklich die Glücklichen

Ja, das ist richtig, glücklich die Glücklichen, und nicht die Unglücklichen.

Yasmina Reza hat mit „Glücklich die Glücklichen“ einen außergewöhnlichen Roman mit gewöhnlichen Figuren geschrieben. Zumindest fast alle Charaktere scheinen ganz normale Menschen mit großen und kleinen Problemen zu sein.
Auf den ersten Blick scheint dieser Roman eine aneinander folgende Reihe von Szenen zu sein, die wenig miteinander zu tun haben. Bei fortgeschrittener Lektüre merkt man, wie geschickt die Autorin diese Szenen miteinander verbindet: Ein Detail, ein Name, ein vielleicht unbedeutendes Ereignis reichen, damit der Leser plötzlich innehält (vielleicht sogar stutzig wird) und zurückblättert, um nach der Verbindung zwischen Charakteren und Geschehnissen zu suchen.

Manche Szenen dieses Buches sind großartig in ihrer alltäglichen Absurdität, andere beschreiben die Gedanken mancher Figuren sehr genau und liefern so Erklärungen für einige Verhaltensweisen, die uns ein paar Kapitel zuvor unlogisch erschienen. Weiterlesen Glücklich die Glücklichen von Yasmina Reza

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman