Das Herz am rechten Fleck

Während ich die letzten Seiten von „Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman“ lese, dem neuesten Roman von der Österreicherin Petra Piuk, wird im Fernsehen das Ergebnis der Parlamentswahlen in dem Heimatland der Autorin bekannt gegeben. Das, was gesendet wird, bildet eine passende Kulisse für dieses Buch und untermalt meine Lektüre in einer entsprechenden Form.

Ein österreichischer Heimatroman! Was stellt man sich darunter vor? Idyllische Landschaften – meistens grüne und saftige Berge im Sonnenschein -, schöne und liebliche Frauen, Männer, die noch diesen Namen verdienen, Volksmusik und Liebe, ganz viel Liebe.
Weiterlesen Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman von Petra Piuk

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

51pbrvZzCbLDie ultimative Diät

Nie hätte ich gedacht, dass ein Buch mit dem Titel „Endlich Kokain“ eines meiner Highlights der letzten Monate werden könnte.
Die Geschichte von Stephan Braum, der sein Leben durch Kokain verändert hat, fand ich einfach mehr als nur gut!

Selbstverständlich ändert der Kokain-Konsum das Leben jedes Süchtigen. Allein die Tatsache, dass man für die Anschaffung des Stoffes einen Teil des Budgets reservieren muss, bedeutet, dass man in manchen Bereichen Abstriche machen muss, besonders dann, wenn man nicht gerade in Geld schwimmt.
Stephan Braum wollte vor allem sein Äußeres verändern. Der extrem Übergewichtige hat den für ihn entscheidenden Tipp bekommen: Kokain macht schlank. Das musste er am eigenen Körper testen, und am Geld sollte es nicht scheitern.

„Das Kokain, das er zuvor wohldosiert und verantwortungsvoll eingenommen hatte, garantierte ihm diese Stimmung“
Braum zieht seine (aus seiner Sicht) verantwortungsvolle Kokain-Diät durch und führt penibel Tagebuch. Von diesem von ihm genannten „wissenschaftlichen Tagebuch“ sind immer wieder Auszüge zu lesen. Gerade diese Tagebucheinträge sind nötig, um dieses verrückte Kokain-Projekt aus seiner Perspektive erfassen zu können. Nichts überlässt er dem Zufall. Denkt er. Er hat die Kontrolle über den Stoff. Glaubt er. Sogar die perfekte wissenschaftliche Literatur konsultiert er regelmäßig: „Schriften über Kokain“ von Sigmund Freud.

„An dir sieht man, wie man es richtig macht mit Drogen! Du schaust super aus. So soll es sein!“
Was mir am besten gefallen hat, sind die Ironie und der Spott, die den Schreibstil abzeichnen. Die Wiener Politik, zu der Braum durch seine journalistische Tätigkeit Kontakt aufnimmt und die Berliner Kunstszene, in die er kokainbedingt gerät, werden auch gnadenlos in die Mangel genommen.

Diesen Roman habe ich mit Begeisterung gelesen. Dabei habe ich mich die ganze Zeit gefragt, wie es mit Braum enden würde. Und tatsächlich wurde ich überrascht. Selten habe ich so gelacht beim Lesen einer letzten Seite!

Mehr werde ich über „Endlich Kokain“ nicht sagen. Schließlich möchte ich nicht den Eindruck vermitteln, ich würde mich im „Laberflash“ befinden. Das sagt übrigens Braum über diejenigen, die sich im Kokainrausch befinden und nicht aufhören können zu reden…

KiWi
Taschenbuch
256 Seiten
Erscheinungsdatum: 10. April 2014
Preis: EUR 9,99
ISBN: 978-3462046359

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

91NHPjrkD9L._SL1500_Ich habe sie alle lieb!

In „Madame Josette oder ein Dorf trumpft auf“ von Julia Stagg bin ich den sympathischen Bewohnern des kleinen französischen Dorfes in den Pyrenäen wieder begegnet, die ich in „Monsieur Papon oder ein Dorf steht Kopf“ kennengelernt habe.

Julia Stagg, englische Schriftstellerin, die eine Zeit lang auch in den Pyrenäen lebte, hat eine herzliche Gemeinde mit liebenswerten Bewohnern geschaffen, deren Geschichten als die „Fogas Chronicles“ bekannt sind. „Madame Josette oder ein Dorf trumpft auf“ ist der zweite Teil dieser Saga.

Und wieder werden die bodenständigen und traditionsbewussten Bewohner Fogas‘ mit Einflüssen von außen konfrontiert. Das beschauliche Leben wird diesmal von einem jungen Mann durcheinander gebracht. Kaum haben sich die Fogas-Bewohner an die Engländer gewöhnt und sie in ihre Gemeinschaft integriert, taucht der junge Mann aus Paris mit fortschrittlichen Plänen auf… das kann nicht gut gehen! Weiterlesen Madame Josette oder ein Dorf trumpft auf von Julia Stagg

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Les Anglais viennent!

Manchmal denke ich, es wäre alles so einfach, wenn das Leben ein Märchen wäre. Dann gäbe es Böse und Gut und die Lösung auf alle Probleme wäre so simpel, wie dem Bösen in der Geschichte einen Tritt in den Hintern zu verpassen.

Dieses schöne Gefühl hatte ich die ganze Zeit beim Lesen des erfrischenden und liebenswerten Romans „Monsieur Papon oder ein Dorf steht Kopf“ von der englischen Autorin Julia Stagg.

Das Thema von diesem Roman ist sicherlich nicht neu, aber gewiss etwas für mich. Denn solche Geschichten liebe ich.

Aber worum geht es? Um das Leben in dem kleinen Dorf Fogas in den französischen Pyrenäen, in dem der gewohnte Gang der Dinge durch ein unglaubliches Ereignis unterbrochen wird: Ein englisches Ehepaar kauft die Gaststätte „L’Auberge“, die sich mitten im Dorf befindet. Ausgerechnet Engländer möchten sich im Genussparadies Frankreich ihren Unterhalt mit der Gastronomie verdienen. Quelle horreur! Ein Skandal! Schließlich heißt es „leben wie Gott in Frankreich“ und nicht „leben wie Gott in England“!
Und diese gut verbreiteten Vorurteile „Engländer können nicht kochen“ oder „das englische Essen hat einen schlechten Ruf“ dienen dem Bürgermeister Serge Papon, einen Plan auszuhecken, um die Engländer zu vertreiben, denn bessere Pläne für die Gaststätte hatte er selber schon geschmiedet… und Monsieur Papon ist nicht daran gewöhnt, seinen Willen nicht durchsetzen zu können. Weiterlesen Monsieur Papon oder ein Dorf steht Kopf von Julia Stagg

Aktuell Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

„Ich brauchte Geld“

Arme Barbara Buncle! Ihre gut situierten Eltern, inzwischen verstorben, sorgten dafür, dass sie von den Dividenden leben konnte, denn in der postviktorianischen Provinz wird nicht gerne gesehen, wenn eine Tochter aus gutem Hause einer Arbeit nachgehen muss. Leider reichen die Dividenden mittlerweile nicht mehr zum Leben… denn Barbara Buncle lebt in den 30er Jahren und die Wirtschaftskrise kennt kein Pardon.
Also muss sich Barbara etwas einfallen lassen, um an Geld zu kommen. Ihre Haushälterin zu entlassen wäre eine Schande, ein Publikmachen ihrer schweren finanziellen Lage, und selbst arbeiten, undenkbar.

Die Lösung zu diesem Dilemma ist schnell gefunden: Barbara schreibt ein Buch.
Aber da sie der Meinung ist, dass sie keine Fantasie besitzt und nur über das schreiben kann, was sie kennt, wird ihr Buch eine Chronik über das Leben der Bewohner des kleinen englischen Dorfes Silverstream, in dem sie lebt.
Unter einem Pseudonym veröffentlicht sie das Buch.
Und das hat große ungeahnte Folgen! Weiterlesen Stich ins Wespennest von D. E. Stevenson

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