Schlagwort: Selbstfindung

Ganz normale Leute

Was geschieht hinter den stilvollen Hamburger Fassaden? Leben die Leute da auch so, wie wir es uns vorstellen? Erfolgreich, ohne Geldsorgen, immer am Puls der Zeit gehend? Sind sie überhaupt glücklicher als das Durchschnittsindividuum? Offensichtlich nicht. Oder nicht immer. Zumindest bei Isabell und Georg, miteinander verheiratet und hinter einer dieser Hamburger Fassaden wohnhaft, könnte man davon ausgehen, dass das Glücklichsein nicht das herrschende Gefühl ist.
Isabell und Georg sind die Hauptakteure in „Die Glücklichen“, dem Debütoman von Kristine Bilkau.

Eigentlich geht es hier um ganz normale Menschen mit ganz normalen Existenzängsten. Was für viele Normalität ist, erleben Isabell und Georg zum ersten Mal im Laufe ihres gemeinsamen Ehelebens. Erfolg und finanzielle Sicherheit können Eintagsfliegen sein.

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

u1_978-3-10-027827-2Versionen eines Lebens

Zeitreisen in Büchern und Filmen haben mich immer wieder angezogen, vor allem, wenn das Ziel dieser Reisen das 19. oder 20. Jahrhundert ist. So interessante Zeiten, so anders als die heutige, und gleichzeitig gab es so viel, was sich bis heute nicht verändert hat: Telefon, große Städte voll mit Autos, Sommerschlussverkauf…
Die New Yorkerin Greta Wells – nomen est omen, selbstständige und unabhängige, aber an einer Depression leidende Frau der 80er Jahre, erlebt genau das, was viele Menschen sich gewünscht haben, seit H. G. Wells‘ Roman „Die Zeitmaschine“ 1895 erschienen ist: durch die Zeit reisen.

Anders als gewöhnliche Zeitreisende landet Greta Wells nicht mitten in einem unbekannten Szenario in einer anderen Zeit, sondern sie wacht plötzlich im Körper einer anderen Version ihrer selbst in der Vergangenheit auf. Familie und Freunde, sogar ihr Hausarzt, sind dieselben wie in ihrer Gegenwart im Jahr 1985 (die Ähnlichkeit mit dem Jahr 1895 ist mir auch aufgefallen), sie sind nur anders angezogen, je nach dem in welchem Jahr Greta sich nach einem Zeitsprung befindet.

Aktuell Gegenwartsliteratur Liebesroman Rezensionen Roman

spenderkindLina hat ein wunderbares Leben: Eltern, die sie mindestens genauso sehr lieben, wie sich gegenseitig. Zudem hat sie noch ihre beste Freundin Hanna und ihren festen Freund, Julian, den beliebtesten Jungen an der Schule. Alle Mädchen beneiden sie furchtbar und Lina selbst kann ihr Glück kaum fassen.

Bis ein Tag alles verändert.

Der Tag an dem sie erfährt, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater ist. Dass Hanna und sie sich immer mehr verfremdet haben. Und dass der Außenseiter Nick angefangen hat, Julian aus ihrem Herzen zu verdrängen…

Dieser Roman hat irgendwie etwas Magisches an sich. Vor allem deswegen, weil es hier um eine Selbstfindung geht und Lina sich entscheiden muss, ob sie nun dem weißen Kaninchen folgt und in eine neue Welt stolpert, oder für immer in einer dunklen Höhle bleibt. In Spenderkind wird sehr einfühlsam die Frage behandelt, was einen Menschen letztendlich definiert, die Gene oder die Umgebung in der jemand aufwächst? Ist Lina nun die Tochter ihres Vaters? Und lieben ihre Eltern sie eigentlich wirklich? Wer ist Lina eigentlich? Am magischsten sind natürlich die Begegnungen mit Nick, dem absoluten Außenseiter in der Schule, der eigentlich so gar nicht in Linas Welt passt, aber dennoch die merkwürdigsten Seiten an ihr zum Vorschein bringt. Und dem sie mehr anvertrauen kann, als Julian, ihrem Freund.

Aktuell Jugendbuch Rezensionen Roman

der_duft_von_teeDie Farbe von Tee

Als ich das erste Mal die Umschlaggestaltung von „Der Duft von Tee“ (englischer Originaltitel „The Colour of Tea“) gesehen hatte, habe ich mich sofort in dieses Buch verliebt. Der Titel und das Bild darunter sind so wunderschön, dass ich ihnen kaum widerstehen konnte. Die geblümten Tassen mit goldenem Rand und die bunten Macarons versprachen eine leichte und unbeschwerte Lektüre. Groß war meine Überraschung, als ich angefangen habe zu lesen…

Hannah Tunnicliffe hat mit „Der Duft von Tee“ eine leicht zu lesende Geschichte geschrieben, die gleichzeitig von einem schweren Frauenschicksal erzählt.
Grace ist eine junge Frau, die auf den ersten Blick alles zu haben scheint: einen erfolgreichen Ehemann, der sie liebt, und eine schöne Wohnung in Macao, einer aufregenden Stadt, in der Kosmopoliten zu Hause sind. Aber Grace ist depressiv, sie ist sehr unglücklich und fühlt sich allein.

Ob es wirklich möglich ist, dass ein Mensch es schafft, einer sehr schwierigen Situation zu entkommen, das hängt nicht nur von dem vorhandenen Willen ab. Grace hat es fertig gebracht und sich einen Ruck gegeben und ihr Leben über Nacht verändert. In Graces Fall lag das Geheimnis des Wandels an den Macarons…

Aktuell Rezensionen Roman

507_cover_worte_sind_nicht_meine_sprache_02Keine klare Botschaft

Karl, ein sehr junger Mann, verliebt sich in Fiorella, ein Mädchen, das den Beweis seiner Liebe in schriftlicher Form von ihm verlangt. Leider kann dieser junge Mann nicht mit Worten umgehen. Aus Angst, seine Angebetete zu verlieren, bittet er einen Schriftsteller, für ihn die Briefe zu schreiben, in denen er seine Gefühle für dieses Mädchen ausdrückt.
Das klingt wie „Cyrano de Bergerac“! Und gerade deswegen habe ich mich für „Worte sind nicht meine Sprache“ von dem britischen Autor Aidan Chambers interessiert. Diese Thematik ist zeitlos und bietet Stoff für interessante Geschichten.
Auf diesen Roman habe ich mich gefreut.

Nach dem vielversprechenden Anfang, in dem der Autor Humor und Originalität beweist, nimmt die Handlung einen ganz anderen Kurs, als der von mir erhoffte. Nicht die Briefe an Fiorella bilden den Schwerpunkt der Geschichte sondern die ungewöhnliche Freundschaft, die zwischen Karl und dem Schriftsteller entsteht.

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