Schlagwort: Zukunftsroman

51ER1OrmrLLZwiespältige Gefühle

Wenn ich mir die Welt in 15 Jahren vorstelle, sehe ich keinen großen Unterschied zu unserer heutigen. Vor 15 Jahren sah sie auch nicht ganz anders aus. Und auch wenn wir mittedrin im 21. Jahrhundert sind, fliegen noch keine Autos zwischen den Wolken, vor Krebs fürchtet man sich nach wie vor und alt werden wir immer noch. Alles anders, als viele Zukunftsvisionäre es vorausgesagt haben. Karen Duve vertritt in dieser Hinsicht eine andere Auffassung. In ihrer Vorstellung nehmen die Menschen sogar Krebs gerne in Kauf, um mittels hochmoderner Medikamente ewig jung bleiben zu können. Leider hat das Wort „ewig“ für sie eine ganz andere Bedeutung als für uns. In Karen Duves neuestem Roman „Macht“ gibt es keine Zukunft mehr. 2031 läuft die Ewigkeit nach maximal fünf Jahren ab.

Unglaublich verrückte Sachen, wie Frauen an der Macht als Staatsform, CO₂-Punkte statt Geschenkgutscheine, salonfähige Hasstiraden gegen Fleischfresser und Fahrradhelm- pflicht, sind Normalität im Jahr 2031. Frauenfreund, Vegetarier, Umweltschützer und Softie Sebastian zeigt uns diese Welt aus seiner ganz persönlichen Perspektive. Der 70-Jährige, der durch regelmäßige Einnahme von Verjüngungspillen wie Mitte 30 aussieht, träumt von der Vergangenheit. Er kannte ja eine Welt ohne Handys und eine Kindheit ohne Fernbedienung. Oh, eigentlich ist er ein sympathischer und knuffiger Typ.

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Die AuserwählteMia ist erst 17 Jahre alt, doch sie hat ein schweres Los: Sie ist der Kitt, der ihre Familie zusammenhält. Ihr Vater ist schon vor langer Zeit gestorben, ihre Mutter war nach einem schweren Erdbeben in Los Angeles tagelang verschüttet und ist nun schwer traumatisiert. Mias Bruder Parker ist zwei Jahre jünger als Mia und braucht noch Orientierungshilfe.

Aber nicht nur ihre Familie macht Mia Sorgen. Auch ihr eigenes Schicksal ist höchst ungewöhnlich: Sie wurde schon mehrfach vom Blitz getroffen und hat eigenartigerweise überlebt. Sie liebt diese Blitzerfahrungen und ist regelrecht süchtig danach. Die Energie, die sich nach jedem Blitzeinschlag in Mia befindet, entlädt sich mit unterschiedlichen Konsequenzen: Andere Menschen werden dadurch entweder schwer verletzt oder geheilt. Darauf hat Mia aber wenig Einfluss.

In Los Angeles haben sich nach dem apokalypseähnlichen Erdbeben zwei extreme Gruppierungen gebildet: „Die Suchenden“ und „Die Jünger“, die sich um einen selbsternannten Propheten scharen. Beide Gruppen haben ein sehr großes Interesse daran, Mia für sich zu gewinnen. Doch welche Gruppe sind die „Guten“? Oder gibt es hier keine Guten? Und was hat es mit Jeremy auf sich, einem Jungen, der Mia verfolgt, und sie vor beiden Gruppen warnt? Als sich Mias Bruder und ihre Mutter sich auf unterschiedliche Seiten stellen, muss Mia sich entscheiden…

Aktuell Jugendbuch Rezensionen Roman

Die Teenager Day und June wohnen in demselben (utopischen) Amerika, aber es könnten auch zwei ganz unterschiedliche Welten sein: Während Day aus einem Armenviertel stammt, gehört June zu der priviligierten Elite der Republik. Während Days Familie aus seinen Eltern und zwei Brüdern besteht, hat June nur noch ihren großen Bruder Metias. Ihre Eltern sind vor vielen Jahren bei einem Unfall umgekommen. Allerdings haben beide Teenager eines gemeinsam: Bei dem „Großen Test“, den alle Kinder mit 10 Jahren durchlaufen, haben sie mit der sensationellen, nie erreichten Punktzahl 1500 bestanden.

Während June jedoch zum gefeierten Wunderkind der Republik wird, werden an Day grausame Experimente durchgeführt, an denen er scheinbar zugrundegeht. In Wirklichkeit aber überlebt er und wird zu einer Art Robin Hood, der die Wohlhabenden bestiehlt und seine arme Familie und andere Slumbewohner beschenkt. In den Armenvierteln brechen immer wieder „Seuchen“ aus, schreckliche tödlich verlaufende Krankheiten. Die Reichen jedoch werden jedes Jahr wirkungsvoll gegen diese Krankheiten geimpft.

Aktuell Jugendbuch Jungsecke Rezensionen

Mit „Die Ballade der Lila K“ ist der französischen Autorin Blandine Le Callet ein besonderer und tiefsinniger Blick auf eine mögliche Zukunft gelungen. Die Geschichte des Mädchens Lila spielt hauptsächlich zur Zeit des beginnenden 22. Jahrhunderts. Und das Leben von Lila aber auch das Leben allgemein ca. 100 Jahre in der Zukunft wird hier alles andere als rosig geschildert.

Die Autorin hat eine düstere und eindrucksvolle Dystopie für Erwachsene geschrieben, die sich stark vom aktuellen Trend der Jugendbuchdystopie abhebt. Mit viel Gefühl fürs wirklich Wichtige nimmt sie sich ihrer Hauptfigur Lila an und bringt sie dem Leser immer näher. Dabei erhält er eine Schilderung ihres kompletten Gefühlsspektrums und Lebensweges – Stück für Stück erfährt man mehr über sie und zugleich mehr über die Lebensumstände, die in dieser Zukunftsvision herrschen.

Aktuell Rezensionen Roman

EverlastingSchon als ich „Everlasting – Der Mann, der aus der Zeit fiel“ das erste Mal in der Vorschau vom Wunderlich Verlag entdeckte, wusste ich, dass ich dieses Buch lesen muss! Gedacht, getan! Innerhalb kürzester Zeit habe ich Holly-Jane Rahlens außergewöhnlichen Roman verschlungen und konnte ihn nicht mehr zur Seite legen.

Das Buch hat mich in vielerlei Hinsicht fasziniert und meine Erwartungen vollkommen erfüllt, wenn nicht gar noch übertroffen. Die Autorin hat das Talent, gleichermaßen unterhaltsam und in einer wunderbaren Sprache zu schreiben. Sie verknüpft Spannung, eine tolle Romanidee und eine perfekte Portion Gefühl zu einer wunderbaren Gesamtkomposition.

Dabei genehmigt uns die Autorin einen fasznierenden Einblick in eine mögliche Zukunft des Jahres 2264. Ich konnte mir alles sehr gut vorstellen und habe alles förmlich bildlich vor mir gesehen. Besonders gefiel mir, dass die Autorin durchaus auch kritische Gedanken zu unserer zukünftigen Welt anbringt, das Buch dadurch aber nicht an Leichtigkeit verliert. Und so durfte ich Finn Nordstrom, einen Historiker und Sprachwissenschaftler aus dem 23. Jahrhundert, auf seinen fesselnden Reisen zurück in unsere Zeit begleiten. Besonders interessant fand ich hierbei den Aspekt, dass jemand aus der Zukunft in unsere jetzige Zeit reist. Bei Finns Eindrücken von unserer Zeit musste ich oft schmunzeln und wurde nicht selten überrascht.

Aktuell Liebesroman Rezensionen Roman

Amerika, in der nicht allzu fernen Zukunft:
Die gute Nachricht ist, dass die schwierige Diskussion um Abtreibung gelöst ist und dass es immer genug Organspenden gibt. Die schlechte Nachricht: Eltern können ihre Kinder erst zwischen 13 und 18 Jahren sozusagen „rückwirkend abtreiben“. Die zynische Begründung der Regierung lautet: Das Leben dieser Jugendlichen, genannt „Wandler“ endet strenggenommen nicht. Weil 99,44% ihres Körpers für Organspenden verwertet werden, leben sie weiter – nur in anderen Körpern.

Da Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren bekanntlich schwierig sind und zuweilen auch in der Öffentlichkeit richtig negativ auffallen, gibt es tausende Wandler. In „Ernte-Camps“ werden zunächst ihre Begabungen festgestellt, dann werden sie verwertet.

Aktuell Jugendbuch Jungsecke Rezensionen