Schlagwort: Zwischen den Welten

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„Wir wollen kein weiches Begräbnis!“

Nach dem Lesen vom „Wuhan Diary“ habe ich mich sehr für dessen Autorin, die bekannte chinesische Schriftstellerin Fang Fang, interessiert. Leider sind Informationen über sie nicht so einfach zu finden. Aus diesem Grund habe ich mich gefreut, als vor kurzem ein weiteres Buch von ihr auf Deutsch im Verlag Hoffmann und Campe erschienen ist: „Weiches Begräbnis“. Für mich stand fest, dass ich dieses Buch lesen muss!

Warum „weiches Begräbnis“. Das war das Erste, was ich mich gefragt habe, als ich den Titel las. Was ist das? Was bedeutet es? So ein Titel klingt vielleicht romantisch. Beim Lesen aber habe ich gelernt, dass darunter sich eine Grausamkeit verbirgt. Ein weiches Begräbnis wünscht sich kein Mensch chinesischen Ursprungs. Ein Begräbnis ohne Sarg, der Körper im direkten Kontakt mit der Erde, ist eine unzumutbare Sache, eine große Ungerechtigkeit. Wer ohne Sarg begraben wird, wer keine würdige Beerdigung bekommt, kann nicht wieder geboren werden, der muss als klagender Geist bis in die Ewigkeit umherirren.

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Chèvre à la japonaise

Nach seinem Erfolgsroman „Kirschblüten und rote Bohnen“ kommt Durian Sukegawa mit einer neuen Geschichte zurück, die die Leser wieder auf eine Reise in sein Heimatland Japan entführt.

Für seinen neuen Roman hat Sukegawa eine fiktive Insel im japanischen Archipel gewählt. Auf dieser Insel, die, auch wenn sehr klein, eine beeindruckende Natur aufweist, lebt eine überschaubare Anzahl von Menschen, die eine eingeschworene Gemeinschaft bilden und uralte Traditionen pflegen.
Ryosuke, der einsame und von Selbstmordgedanken geplagte Held von „Die Insel der Freundschaft“, landet in dieser für ihn kompletten neuen Welt. Dort sucht er nicht nur Seelenfrieden sondern auch Antworten auf viele Fragen, die seine Existenz quälen.
Wie in Sukegawas vorherigem Roman ist der Hauptcharakter von „Die Insel der Freundschaft“ ein mit seinem Leben unzufriedener Mann, der keinen rechten Zugang zu anderen Menschen finden kann, und der im Laufe der Geschichte eine lebensverändernde Erfahrung macht.

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Überraschend, ungewöhnlich, unvergesslich

Johanna ist ohne Vater aufgewachsen. Ihre Kindheit verbrachte sie in der DDR. Das Einzige, was sie über ihren Vater weiß, ist, dass dieser in den Westen gegangen ist.
Seit 19 Jahren aber gibt es keine Grenze mehr, Ost und West gehören zum selben Land.
Eines Tages trifft Johanna eine Entscheidung: Sie wird ihren Vater suchen. Sie will wissen, warum er gegangen ist und sich nie wieder gemeldet hat.

„Familie der geflügelten Tiger“ ist meine Überraschung des Jahres. Der Debütroman der jungen Autorin Paula Fürstenberg hat mich Tag und Nacht beschäftigt. Das Thema Vaterlosigkeit und die Versuche Johannas, mehr über ihren Vater zu erfahren, vor allem über die Gründe für sein Verschwinden, hat Paula Fürstenberg mit so einer Originalität abgehandelt, die immer wieder für Erstaunen sorgt.

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